Twitter als Türoffner
Die Marktforscher von Nielsen sagen voraus, dass Twitter Mitte dieses Jahres in Deutschland die Millionengrenze erreicht. Erstaunlich ist dabei die Altersstruktur der Nutzer: Der „Löwenanteil“, nämlich derzeit 41,7 Prozent, ist zwischen 35 und 49 Jahre alt. Teenager und junge Erwachsene (also die SMS-und Instant-Messenger-Generation) halten sich bisher zurück [1]. Die größte Gruppe der Twitter-Affinen ist also zahlenmäßig (noch) nicht besonders groß. Diese Anwender stehen aber bereits mitten im Berufsleben und sind mutmaßlich auch schon in der einen oder anderen Entscheiderposition. Entsprechend gibt es bereits verschiedene und erfolgreiche Ansätze, Twitter im Marketing-Mix von Unternehmen einzusetzen. Insbesondere Einkanal-Kommunikation (wie Angebots- und Aktionstweets der Lufthansa) ist mittlerweile weit verbreitet; viele Unternehmen wie die Tageszeitung „Welt kompakt“ beziehen ihre Kunden aber bereits auch aktiv in die Kommunikation mit ein. Twitter ist vor diesem Hintergrund für viele Firmen der erste Kontakt mit Microblogging.
Wer Microblogging für die interne Kommunikation und Zusammenarbeit im Unternehmen einsetzen will, ist von Twitter selten überzeugt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Geht es nicht um reine „Kurzmitteilungen“, sondern um komplexere Informationen aus dem Arbeitszusammenhang, greift dieses Tool zu kurz. 140 Zeichen reichen selten, um einen komplexen Gedankengang oder Prozess zu beschreiben. Außerdem sollte es möglich sein, Anhänge zu verschicken und gewisse Informationen auf einen begrenzten Personenkreis zu beschränken. Tools, die auf Enterprise Microblogging ausgerichtet sind, ermöglichen diese Notwendigkeiten im Gegensatz zu Twitter. Yammer, Socialtext oder Communote (um nur einige zu nennen) haben mit Twitter nur noch gemeinsam, dass sie niedrigschwellig und intuitiv zu bedienen sind.
Die Theorie: „The next big thing“
Wissenschaftler, Fachjournalisten und Marktforscher sagen Enterprise Microblogging eine rosige Zukunft voraus: Enterprise 2.0-„Papst“ Dion Hinchcliffe sieht diese Technologie als „the next big thing“ an. Gartner geht im aktuellen Hype Cycle Report davon aus, dass Microblogging in den nächsten zwei bis drei Jahren den nächsten Reifegrad erreicht hat und zu den sehr verbreiteten Technologien im Unternehmenseinsatz gehören wird [2]. Triebfeder für diese Entwicklung ist sicherlich, dass erfolgreiche Kollaboration immer (überlebens-)wichtiger für die Unternehmen wird [3]. Gleichzeitig ist sie in verteilten und zunehmend projektweise organisierten Teams immer schwieriger zu organisieren.
Die negativen Folgen unseres Information Overload sind vor diesem Hintergrund gut dokumentiert: Von enormen Produktivitätsverlusten durch die E-Mail-Flut (bis zu 25 Minuten brauchen Menschen, die sich von neu einlaufenden E-Mails haben unterbrechen lassen, um sich wieder voll konzentrieren zu können) bis hin zu stressbedingten Erkrankungen bei Berufstätigen, die immer und überall up to date sein wollen und fast zwangsläufig daran scheitern. Gebraucht werden also Kommunikationskanäle, die beim Selektieren und Archivieren unterstützen und bei denen nicht jeder Beitrag eine Antwort erfordert.
Microblogs: Im Anflug auf die Unternehmen
Ob sich Microblogging in Unternehmen durchsetzen kann und dauerhaft sinnvoll und effizient genutzt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Voraussetzung ist eine Unternehmenskultur, die Offenheit und Vernetzung fördert und „Kompetenzsilos“ vermeidet. Ein wichtiger Bestandteil sind auch Führungskräfte, die mit gutem Beispiel voran gehen und skeptische Mitarbeiter davon überzeugen, dass Microblogging weder Mehrarbeit noch Überwachung bedeutet, sondern einen besseren Überblick im Informationsdschungel und besseres Teamwork. Viele Unternehmen suchen gezielt nach einer Lösung, die man hinter der Firewall installieren und selbst hosten kann. Einige Anbieter ermöglichen bereits die Installation ihres Microblogging-Tools in die bestehende Software-Umgebung – im Look-and-Feel des Unternehmens und in bestehende Portale integriert [4]. Eine derartige Integration vereinfacht Mitarbeitern den Zugang zur neuen Software erheblich. Das Management erfreut hingegen, dass diese Technologie lediglich geringe Investitionen und kaum Schulungsaufwand erfordert.






2 Antworten
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