„Entdecke die Möglichkeiten“
Microblogging lässt sich im Unternehmen vielfältig einsetzen, wie die folgenden Beispiele zeigen:
- Projektmanagement: E-Mail-Kommunikation greift hier regelmäßig zu kurz – irgendjemand wird immer auf dem Verteiler vergessen oder verliert im Posteingang den Überblick. Arbeiten Projektteams mit einem Microblog, wird die Kommunikation transparent für alle an einem zentralen Ort dokumentiert und durchsuchbar. Auch für später dazu stoßende Projektmitarbeiter wird es so einfacher, nicht nur Inhalte, sondern vor allem die Meta-Kommunikation im Team nachzuvollziehen. Statusinformationen werden nicht mehr nur zu einem bestimmten Zeitpunkt (Statusmeeting etc.), sondern ständig von allen Projektmitgliedern einseh- und nachvollziehbar. Mehrarbeit und Missverständnisse lassen sich so vermeiden.
- Vertrieb: Außendienstler fühlen sich besonders häufig von der Kommunikation im Unternehmen abgeschnitten. Die Informationsflüsse zwischen ihnen und den „Internen“ wiederum bleiben Einzelströme, sprich: ihre Kollegen profitieren nicht davon. An den technologischen Möglichkeiten hapert es nicht, Smartphones werden mehr und mehr zum Standard. Beispiel für Microblogging-Einsatz: Außendienst-Mitarbeiter können ihre Gesprächsergebnisse aus Kundengesprächen mobil und transparent dokumentieren und so die Schnittstelle zu anderen Abteilungen und ihrem Team herstellen. Das ermöglicht ihnen, besser auf Kundenanforderungen zu reagieren.
- Innovationsmanagement: Gerade hier gilt: „Time (to market) is money“. Viele Innovationen starten im Kleinen und überschreiten nie die Schwelle eines traditionell organisierten betrieblichen Vorschlagwesens. Weckt eine Idee, kurz in einen Microblog getippt, Interesse, kann Innovation in Microblogs mit einiger Dynamik vorangetrieben und entwickelt werden. Die niedrige Schwelle bei dieser Form der Kommunikation fördert eine innovative Arbeitsumgebung und – durch die Möglichkeit sich aktiv einzubringen – auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter.
Erfahrungen in der Praxis
Bisher gibt es wenige quantitative und umfassende Auswertungen zu Enterprise Microblogging in Unternehmen. Doch obwohl diese Form der Unternehmenskommunikation erst langsam an Fahrt aufnimmt, existieren bereits unterschiedliche Beispiele und Erfahrungen. So verfasste Stefan Meißner von der seto GmbH 2008 einen ersten Erfahrungsbericht über die Einführung von Microblogging in der Agentur, in der er arbeitet [5]. Meißner stellt gleich mehrere Vorteile des Enterprise Microblogging heraus. So schafft diese Kommunikationsform seiner Meinung nach nicht nur ein fundiertes Hintergrundwissen über das Unternehmen und darüber, wer über welche Kompetenzen verfügt, sondern verstärkt gleichzeitig die Transparenz. Außerdem werden konkrete Rückfragen beispielsweise beim Mittagessen provoziert. Allgemein trage Enterprise Microblogging zum internen Klima bei und stärke die Identifizierung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen.
Ein Mitarbeiter der swiss IT bridge, wo man seit kurzem Yammer für die interne Kommunikation zwischen Projektmanagern und Entwicklern einsetzt, schätzt an Enterprise Microblogging besonders die flache Kommunikation [6]. In seinem Unternehmen wird der Dienst in erster Linie für das Verbreiten neuer Technologien, dicht gefolgt von Fragen und Veranstaltungen, verwendet. Erste Erfahrungen und Beispiele machen also Mut. Seit kurzem nutzt beispielsweise die TU Chemnitz Communote [7] zur internen Kommunikation. Die Nutzer verschicken seitdem deutlich weniger E-Mails und empfinden ihre Projekte als besser dokumentiert.
Hört man sich weiter um, stößt man auf weitere ermutigende Erfahrungen, die teilweise auch schon dokumentiert sind [8]. So fragte ein IBM-Vertriebler in seiner Verzweiflung über enorme Lizenzkosten eines Dienstleisters per internem Microblog konzernweit nach Verhandlungserfahrungen mit diesem Dienstleister – Kollegen aus Übersee ermutigten ihn, 40 Prozent vom Ursprungspreis herunterzuhandeln. Diese Insider-Informationen sparten 140.000 Euro und retteten das Projekt. Auch Doppelarbeit kann mit Enterprise Microblogging vermieden werden, wie ein Beispiel aus dem Handelskonzern Otto zeigt. Hier hatte ein Mitarbeiter kurz vor einem Meeting seinen Status wie folgt geändert: „Treffe mich mit Sharepoint Experten.“ Ein ihm bis dato unbekannter Kollege kontaktierte ihn daraufhin, der ebenfalls Sharepoint für ein Projekt evaluierte. Aufgrund dieses Kontakts arbeiteten fortan beide Projekte zusammen.
Fazit: Microblogs bringen Unternehmen auf Trab
Erfolgsgeschichten finden sich also bereits auch in deutschen Unternehmen und machen Mut, denn schließlich ist der zu betreibende Aufwand für die Einführung dieser Kommunikationsform gering. Was Enterprise Microblogging nicht braucht, sind große Investitionen in Software, Installation und Schulungen. Unerlässlich ist jedoch eine Unternehmenskultur, die Transparenz und flache Hierarchien befördert und auch über die Führungsebene eine gewisse Offenheit für neue Technologien und Arbeitsweisen lebt. Wird Enterprise Microblogging als fester Bestandteil des Kommunikationsprozesses eingeplant und etabliert, hat es weit mehr zu bieten als flüchtigen Charme – es kann dazu beitragen, die Kommunikation dauerhaft zu verbessern und wertvolle Ressourcen effizienter zu nutzen.





2 Antworten
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