von Tom Alby, 03.12.2006

Hip oder Hype?: Web 2.0

Aus dem
t3n Magazin Nr. 6

Die Visualisierung der Verlinkungen in der deutschen Blogosphäre zeigt sowohl isolierte Blogs in den Randbereichen als auch stark verlinkte Blogs im Mittelpunkt des Geschehens.

Die Visualisierung der Verlinkungen in der deutschen Blogosphäre zeigt sowohl isolierte Blogs in den Randbereichen als auch stark verlinkte Blogs im Mittelpunkt des Geschehens.

Gibt es in der Blogosphäre etwas Interessantes, so kann es sich angesichts der Trackbacks und Verlinkungsmöglichkeiten wie ein Feuer schnell ausbreiten. Gleichzeitig sorgen die Verlinkung sowie die bereits für Suchmaschinen optimierte Ausgabe der Blog-Systeme dafür, dass die Blogs häufig sehr gut in den Suchmaschinen platziert sind.

Die heutige Verbreitung des Publizierens für jedermann in der Form von Blogs ist nicht allein mit der vorgegebenen Informationsarchitektur zu erklären. Auch hier haben die bereits genannten Gründe Einfluss: So haben die damaligen langsamen und teuren Modem-Zugänge nicht gerade zu spontaner Kreativität eingeladen. Und war eine langsame Verbindung bei Texten vielleicht noch akzeptabel, bedeutete sie für Bilder und Audio- und Videodateien das Aus. Eine Bilder-Community wie Flickr wäre (und ist) zu Zeiten der New Economy an den Einstiegshürden für die Benutzer zugrunde gegangen. Heute ist es dank DSL kein Problem mehr, auch große Videodateien ins Netz zu stellen oder aus dem Netz zu laden.

Auch die drastisch gefallenen Produktionskosten müssen in Betracht gezogen werden. Die frühen Digitalkameras waren teuer, eine Webcam besaßen nur wenige, und zum Erstellen eines Podcasts war neben viel Zeit auch teure Software notwendig. Heute wird die für Blogs und Podcasts benötigte Hard- und Software bei einigen Rechnermodellen bereits mitgeliefert: Mit jedem Discount-PC ist ein neuer potenzieller Herausgeber zumindest mit den geeigneten technischen Mitteln ausgestattet. Ob jeder das will und kann, steht auf einem anderen Blatt.

Schon jetzt allerdings bieten Blogs den traditionellen Medien die Stirn. Die gute Platzierung von Blog-Inhalten in den Suchmaschinen hat dazu geführt, dass Blogs häufig vor den Angeboten der traditionellen Medien in den Suchergebnissen auftauchen. Hinzu kommt, dass Journalisten in der Regel Generalisten sind, denen nun eine große Anzahl Experten gegenüber sitzt, die den Journalisten quasi auf die Finger schaut oder ihnen sozusagen das Futter für die Berichterstattung liefert [7]. Immer öfter „schwappen“ Themen der Blogs in die Redaktionen der etablierten Medien. Auch wenn der Durchschnittsbürger noch nichts von Blogs gehört hat, so ist seine Tageszeitung bereits durch Blogs beeinflusst.

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