XHTML2 und das Semantic Web
XHTML und auch schon HTML bieten wesentliche Elemente zur Strukturierung und semantischen Annotation von Informationen. Dieses Inventar kann jedoch immer nur einen begrenzten semantischen Zugang ermöglichen. Die HTML Working Group erhält immer wieder Vorschläge für neue Elemente, die eine bessere semantische Annotation ermöglichen sollen. Es liegt nahe, in diesem Zusammenhang über das Verhältnis zwischen Beschreibung von Semantik in XHTML-Dokumenten und den Beschreibungsmöglichkeiten des Semantic Web (z. B. RDF) nachzudenken. Um in dieser Hinsicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen zu können, wurde die bisherige Gestaltung von Meta-Information in XHTML in wesentlichen Punkten überarbeitet. Der Inhalt des meta-Elements ist jetzt nicht weiter auf das Attribut „content“ beschränkt, sondern kann jeglichen Text umschließen und weiter verschachtelte meta- und link-Elemente enthalten:
<meta about="http://foo.bar/xhtml2.html" property="dc.creator">Eike Diestelkamp</meta>
Listing 13
Im Gegensatz zum Herkömmlichen:
<meta name="dc.creator" content="Eike Diestelkamp" />
Listing 14
Mit dem property-Attribut wird die Relation zwischen Meta-Information und Dokument definiert. In diesem Fall ist es die zweistellige Relation <Dokument, Autor>. Das about-Attribut erweitert diese Relation zu einem Tripel mit dem sich ein „Subjekt – Prädikat – Objekt“-Statement beschreiben lässt. Der Wert von „about“ beschreibt das Subjekt, der Wert von „property“ dient als Prädikat und beispielsweise der Inhalt des Elements als Subjekt. Das about-Attribut kann eine Beziehung zu anderen Dokumenten aber auch zu Teilen des aktuellen Dokuments herstellen. Für Links können die Attribute „rel“ und „rev“ über Namensräume definierte Werte aufnehmen:
<a rel="dc:publisher" xhref="http://foo.bar"/>
Listing 15
In diesem Beispiel wird der bereits aus HTML4 bekannte „Dublin Core“-Namensraum verwendet. Darüber hinaus lassen sich noch viele weitere Namensräume wie z. B. „rdf“, „rdfs“ oder „xsd“ verwenden. Eigene Namensräume sind ebenfalls möglich. Außerdem lassen sich Meta-Daten im gesamten Dokument verwenden. Wie „src“ gehören Meta-Attribute zur Familie der „Common Attributes“. Im Dokument „versteckte“ Meta-Informationen wie Autor, Titel oder die letzte Aktualisierung lassen sich einfach mit den entsprechenden Werten im property-Attribut annotieren. Diese Information muss nicht zusätzlich im head-Bereich hinterlegt werden. Damit stehen Webautoren die gleichen Möglichkeiten zur Meta-Daten-Beschreibung wie in RDF zur Verfügung. Ein praxistauglicher Anfang für das Semantic Web ist gemacht. Ob diese Information dann auch von Autoren bereitgestellt und von Suchmaschinen berücksichtigt wird, bleibt weiter ungewiss.
Fazit
Der neue XHTML-Standard birgt radikale Veränderungen, sorgt dafür aber für mehr Struktur, Übersichtlichtkeit, Logik und ermöglicht eine einfache Erweiterung. Ob die neue Technologie Akzeptanz bei den Browser-Herstellern und Autoren finden wird, bleibt abzuwarten. Die endgültige Umstellung wird wohl, wie so oft, Jahre in Anspruch nehmen. Wir warten ab und sind gespannt.




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