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10 Jahre Netzpolitik.org

10 Jahre Netzpolitik.org

Seit nunmehr zehn Jahren existiert die Plattform netzpolitik.org, die beobachtet, wie die Politik das Netz verändert (und umgekehrt) und sich einmischt. Zum Jubiläum haben die Macher eine Konferenz mit dem Titel „Das ist Netzpolitik“ in der Berliner Kulturbrauerei auf die Beine gestellt. 

10 Jahre Netzpolitik.org

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Markus Beckedahl an die Anfänge und seine politische Motivation, die Website zu starten. Ein Stück weit sei er dankbar für die Enthüllungen Snowdens, weil seine damaligen Warnungen vor der Totalüberwachung seither nicht mehr als Verfolgungswahn, sondern als echtes Problem der heutigen digitalisierten Gesellschaft angesehen werden. Hinter netzpolitik.org stehen vor allem er, seine Mitgründer André Meister und Anne Bisellit, sowie zehn bis 15 Personen, die regelmäßig Beiträge schreiben. In ihrer Arbeit gehen die Aktivisten auch dahin „wo es weh tut“, also zu Gremien und Anhörungen im Bundestag, wo oft viel zu wenige Vertreter der Zivilgesellschaft anwesend seien, aber massenhaft Lobbyisten.

Gründer von netzpolitik.org: Markus Beckedahl. (Foto: Anja Braun)
Gründer von netzpolitik.org: Markus Beckedahl. (Foto: Anja Braun)

Als größte Erfolge der Arbeit von netzpolitik.org nennt Beckedahl die Kampagnen gegen Software-Patente, Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren und Urheberrechtsdurchsetzung – alles Vorhaben, die nicht oder zumindest noch nicht verwirklicht wurden, aufgrund des öffentlichen Interesses und Widerstandes, für welche das Portal eine wichtige Rolle spielte. Finanziert wird die Arbeit durch Spenden – in den letzten drei Monaten waren das jeweils zwischen 7.000 und 8.000 Euro.

Im Vormittagsprogramm folgte die „ultimative Lobhudelei“ der Kollegen von Wikimedia, bei dem netzpolitik.org zehn Lobe abstaubte, aber auch ein Komma für die verbesserungswürdige Zeichensetzung auf den Website-Texten verliehen bekam.

Der anschließende sehr unterhaltsame Vortrag des Hörfunkjournalisten Moritz Metz wollte herausfinden, wo das Internet lebt – und zwar wörtlich genommen, irgendwo zwischen Tiefseekabeln, Knotenpunkten und versteckten Rechenzentren, die wie Hochsicherheitstrakte gesichert sind.

Nach der soziologischen Betrachtung „Zukunftsreich“ von Julia Krüger, die Netzpolitik mit dem berühmten „Kampf gegen Windmühlen“ eines Don Quijote verglich, gab es eine Podiumsdiskussion zwischen Zeit-Online-Redakteuer Kai Biermann, Online-Jourmalismus-Professor Lorenz Lorenz-Meyer, Spreeblick-Blogger und Musiker Johnny Haeusler sowie indymedia-Gründerin Anne Roth zum Thema „Wir sind politisch?“ Haeusler und Lorenz-Meyer plädierten dabei für mehr Langsamkeit im Journalismus, weil nur dann Zeit für echte Meinungsbildung und fundierte Argumentation bliebe. Roth sprach über das Dilemma mit der Finanzierung politischer Journalistik – es sei schlicht nicht möglich, fremdfinanziert ohne Schere im Kopf zu schreiben, aber ohne Entlohnung bliebe wiederum zu wenig Zeit für gute Texte.

Ein provokant betitelter Talk über die Totalüberwachung: Der Meinungsaustausch zwischen Sascha Lobo, André Meister und Chaos-Computer-Club-Sprecher Frank Rieger. (Foto: Anja Braun)
Ein provokant betitelter Talk über die Totalüberwachung: Der Meinungsaustausch zwischen Sascha Lobo, André Meister und Chaos-Computer-Club-Sprecher Frank Rieger. (Foto: Anja Braun)

Im provokant mit „Die Welt als Flughafen“ betitelte Meinungsaustausch von Sascha Lobo, André Meister und Chaos-Computer-Club-Sprecher Frank Rieger ging es um die Hintergründe und Auswirkungen der Totalüberwachung. Wie an einem Flughafen passten sich Menschen mehr oder weniger unbewusst an die Überwachungssituation an, indem sie auffällige Verhaltensweisen und Meinungsäußerungen unterließen – und drückten damit ihr Einverständnis für die vermeintlich notwendigen „Schutz“-maßnahmen aus.

Vor der Mittagspause beleuchtete Privacy-International-Vorstand Eric King dann noch die engen Verknüpfungen zwischen den fünf Geheimdiensten, den „5 Eyes“, allen voran NSA und GCHQ, deren Zusammenarbeit bis zu den Zeiten Alan Turings zurückreicht.

Im Nachmittagsprogramm standen noch einige spannende Programmpunkte an, die sich am Live-Stream verfolgen ließen – unter anderem ein Vortrag von Constanze Kurz, einer weiteren Sprecherin das CCC, über juristische Verfahren, die versuchen, den Geheimdiensten und ihren Praktiken beizukommen.

Von Anja Braun

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Eine Antwort
  1. von WilhelmAhrendt am 12.01.2015 (21:34 Uhr)

    Die deutsche Übersetzung vom Originalartikel "The World is now an Airport" (Die Welt als Flughafen) auf Medium von @praxisjournal kann man hier finden:
    https://www.teleschirm.info/150/255/die-welt-als-flughafen/

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