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Lieben, lernen, die Welt beherrschen? 5 Thesen zur Zukunft der Roboter

Lieben, lernen, die Welt beherrschen? 5 Thesen zur Zukunft der Roboter

werden kommen, so viel dürfte feststehen. Doch was werden sie können? Werden sie etwas wollen? Und: Wie werden sie aussehen? Fünf Thesen über eine Zukunft der Roboter, in der wir sie nicht nur nutzen, sondern auch mit ihnen leben werden.

Lieben, lernen, die Welt beherrschen? 5 Thesen zur Zukunft der Roboter

(Bild: Shutterstock)

Die Zukunft der Roboter ist auch unsere Zukunft

„Schon in fünf Jahren wird in einem von 20 US-Haushalten ein Roboter zu Hause sein.“

Die Tatsache, dass Roboter eine wichtige Rolle in unserer zukünftigen Welt spielen werden, dürfte von kaum jemandem noch bestritten werden. Nach Industrie-Robotern und Spielzeug ist die nächste Stufe der technologischen Evolution nicht mehr weit: Selbstfahrende Autos, digitale Assistenten, smarte Haushaltsgeräte und selbststeuernde Drohnen – alles spricht für eine Zukunft, in der Roboter alltäglich sein werden. Einer Studie zufolge wird beispielsweise schon in fünf Jahren in einem von 20 US-Haushalten ein Roboter zu Hause sein. Dass es sie also geben wird, ist keine These, sondern ein Fakt. Doch es gibt auch noch ein paar Unbekannte in dieser Rechnung.

Denn was werden Roboter alles können? Werden sie selbst lernen können? Werden sie denken und fühlen? Uns irgendwann überlegen sein? Wie viele solcher Ideen sind wahrscheinlich – und welche davon gehören in den Bereich der Science-Fiction? Hier sind fünf Thesen zur Zukunft der Roboter – und zu unserer eigenen.

1. Lizz ist überall und nirgends

Noch bevor wir aufwachen, werden vernetzte Sensoren zukünftig wissen, wie es uns geht. (Foto: Shutterstock)
Noch bevor wir aufwachen, werden vernetzte Sensoren zukünftig wissen, wie es uns geht. (Foto: Shutterstock)

Ein kleines Ein-Zimmer-Apartment irgendwo in Deutschland, es ist der 21. Dezember 2027. Jens Spahn (Name von der Redaktion geändert) wird um 7:13 Uhr nach fünfeinhalb Stunden Schlaf aufwachen, während Lizz (Name von der Redaktion geändert) gar nicht geschlafen hat. Sie hat auf ihn aufgepasst. Lizz weiß, wie er geschlafen hat, wie sein Puls ist, es kennt seine wichtigsten Blutwerte, die Termine des Tages – und seine Stimmung. Und die ist gar nicht gut. Spahn hat Kopfschmerzen, die Nacht war zu kurz, der Tag wird stressig. Alles Faktoren, auf die Lizz jetzt eingehen kann, mit der richtigen Lichtstimmung, passender Musik, einem auf ihn zugeschnittenen Frühstück – und einer Kopfschmerztablette. All das wird fertig sein, wenn er aufsteht. Lizz wird Spahn eine kleine Yoga-Session empfehlen und versuchen, den ersten Termin des Tages zu verschieben, um ihm etwas mehr Zeit zu geben, in die Puschen zu kommen.

„Jemanden wie Sonny oder C-3PO an unserer Seite? Wird es geben – aber eher in einer Nische.“

Obwohl Lizz nicht aussieht wie ein klassischer Roboter (eigentlich sieht man sie gar nicht wirklich), vereint sie einige der Eigenschaften, die wir Robotern heute zuschreiben. Doch unsere Assistenten der Zukunft werden viel weniger aussehen wie wir, sondern Teil des Internet of Things sein. Sensoren, die Mimik, Körperfunktionen, Temperatur und andere Werte überwachen, werden gekoppelt sein mit Haushaltsgeräten, Cloud-Services und anderen Umgebungen – wie beispielsweise unserem Auto oder unserem Büro. Wir werden in einer komplett vernetzten Infrastruktur leben, die uns laufend analysiert und auf unsere Bedürfnisse eingeht. Assistenten wie Lizz werden immer da sein, sie werden ständig wissen, wie es uns geht. Und: Sie können darauf reagieren und aus unserer Reaktion wiederum lernen. Jemanden wie Sonny oder C-3PO an unserer Seite? Wird es geben – aber eher in einer Nische.

2. Mehr als nur Assistenten: Roboter werden Partner

Menschen, die mit einem Roboter zusammenleben? Als echtem Partner? Klingt erst mal skurril, ist aber weit weniger realitätsfremd, als man glauben könnte. Schon heute gibt es Menschen, die mit sogenannten „Real Dolls“ zusammenleben, beinahe lebensechten Sex-Puppen, wobei die Gründe dafür vielfältig sein können. Noch können diese Puppen sich weder bewegen, noch kommunizieren, doch das wird sich ändern. Schon in wenigen Jahrzehnten wird die Robotik so gravierende Fortschritte gemacht haben, dass aus den einstigen Bettgefährten echte Partner werden – zumindest, wenn man bereit ist, einige Kompromisse einzugehen.

Nach heutigem Stand der Technik ist es durchaus wahrscheinlich, dass auch solche Roboter in der Lage sein werden, unsere Stimmung zu erkennen. Über eine Analyse unserer Mimik, Gestik und Stimme, gekoppelt mit einem System wie Lizz, das unsere Körperwerte überwacht, werden sie erkennen können, wie es uns geht – und darauf eingehen. Zwar werden sie selbst keine Emotionen haben, doch sie werden sie simulieren, passend zur Situation – und passend zu dem Charakter-Setup, das wir uns beim Kauf ausgesucht haben. Und: Sie werden Körperwärme simulieren können und so versuchen, uns das Gefühl zu geben, es mit einem Lebewesen zu tun zu haben. Robophilie, sagt auch Forscherin Helen Driscoli, wird in 50 Jahren vollkommen normal sein. Klingt unheimlich – aber lange noch nicht so unheimlich wie die Vorstellung, Roboter könnten die Weltherrschaft übernehmen.

3. Roboter übernehmen die Weltherrschaft ... nicht

So sieht die Zukunft der Roboter nicht aus. (Bild: Shutterstock)
So sieht die Zukunft der Roboter nicht aus. (Bild: Shutterstock)

Zu vielen guten Science-Fiction-Geschichten, in denen Roboter eine wichtige Rolle spielen, gehört auch die Idee, sie könnten sich irgendwann selbständig machen und uns versklaven. Golem, RoboCop, Transformers – immer wieder taucht die Angst auf, ein vom Menschen geschaffenes Wesen könnte uns eines Tages überlegen sein. Nun ist es erstens eine der Grundideen von Maschinen, etwas besser zu können als der Mensch – dafür werden sie schließlich von uns entwickelt – und zweitens eine uralte Masche von uns, Maschinen zu vermenschlichen und ihnen damit überhaupt erst die Möglichkeit zuzugestehen, so etwas wie Macht anzustreben.

„Robotern fehlt schlicht noch die Möglichkeit zur selbständigen Evolution.“

Und: Wir tun durchaus auch eine Menge, um Maschinen menschliche Dinge beizubringen. Sie sollen sehen lernen, denken lernen, sie sollen so feinfühlig tasten können wie wir und schlussendlich sogar fühlen können. Was liegt da näher als die Angst, das Ganze könnte irgendwann aus dem Ruder laufen? Doch diese Angst ist – nach dem heutigen Stand der Technik – unbegründet. Robotern fehlt schlicht noch die Möglichkeit zur selbständigen Evolution, die der Mensch über die Zeit durchgemacht hat. Maschinen haben Versionen – und die werden von Menschen festgelegt, in ihrer Entwicklung werden sie also auch weiterhin von uns abhängig und unter unserer Kontrolle sein – das glauben selbst Forscher, die Robotern schon beigebracht haben, ihre eigenen Kinder zu bauen. Eine Weltherrschaft der Roboter? Wird es so wohl nicht geben. Sorry, Michael Bay.

4. Die Zukunft der Roboter? Ist ziemlich wirr

Eine simpel klingende Frage sorgt derzeit in den USA für Unruhe: Welche Behörde ist für selbstfahrende Autos zuständig? Die bundesstaatlichen „Departments of Motor Vehicles“ oder das „U.S. Department of Transportation“? Egal? Vielleicht, am Ende sollten einheitliche Regeln rauskommen, doch der Fall zeigt: Was in den USA schon bei einer einzigen Technologie für Schwierigkeiten sorgt, wird global gesehen schon bald in ein heilloses Chaos führen. Ähnlich wie verschiedenen Spurbreiten bei der Eisenbahn werden wir auch im Bereich der Robotik Dutzende oder sogar Hunderte verschiedene Regelwerke, Standards und ethische Richtlinien haben. Selbstfahrende Autos, Drohnen, Roboter im Einsatz des Militärs – sie alle werden von Land zu Land unterschiedlichen Regeln unterliegen.

Die Regularien für selbstfahrende Autos, Roboter und Drohnen werden eines der drängendsten Probleme der Zukunft sein. (Foto: Google)
Die Regularien für selbstfahrende Autos, Roboter und Drohnen werden eines der drängendsten Probleme der Zukunft sein. (Foto: Google)

Problematisch daran ist unter anderem, dass diese Regeln zu großen Teilen von der Industrie mit entwickelt werden (müssen), da in den wenigsten Behörden genug technisches Know-how vorhanden ist, um Entwicklungen, Chancen und Risiken angemessen beurteilen zu können. Da technologischer Fortschritt heute aber mehr denn je globale Auswirkungen hat, bräuchte es also eigentlich ein internationales Konsortium, das sich um solche Fragen kümmert. Politisch aber dürfte das ein Mammutprojekt werden. Insofern werden wir in den kommenden Jahren ein ziemliches Wirrwarr an Gesetzen, Regeln und Normen bekommen, das der Entwicklung immer einen Schritt hinterher sein wird.

5. Roboter werden Menschen ersetzen, aber nicht den US-Präsidenten

Neben der Angst vor der Weltherrschaft durch Roboter ist die größte Sorge von Menschen wohl, dass ein Roboter ihren Arbeitsplatz übernehmen könnten. In der Industrie passiert das durchaus, insgesamt aber gehen Forscher nicht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit durch technischen Fortschritt steigt. Und doch werden Roboter menschliche Aufgaben übernehmen. Schon heute werden Tests in der Kinderbetreuung oder der Altenpflege durchgeführt, sie werden als persönliche Assistenten oder Chauffeure dienen. Doch werden sie auch an Schlüsselpositionen sitzen? Wird es denkbar sein, dass ein Roboter US-Präsident wird?

Donald Trump könnte US-Präsident werden – ein Roboter wohl eher nicht. (Foto: a katz / Shutterstock.com)
Donald Trump könnte US-Präsident werden – ein Roboter wohl eher nicht. (Foto: a katz / Shutterstock.com)

„Ein Roboter, der 35 Jahre alt ist, könnte sich durchaus zur Wahl stellen.“

Diese faszinierende Frage hat kürzlich Washington-Post-Autor Philip Bump aufgeworfen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten schreibe nicht vor, dass der US-Präsident ein Mensch sein müsse, stellt der Politik-Korrespondent fest. Die Voraussetzungen, um Präsident zu werden, seien ziemlich irrationale, zitiert er Steven Wise, den Vorsitzenden des „Nonhuman Rights Projects“: „Im Augenblick könnte eine Person mit dem IQ von 1, solange sie 35 Jahre alt ist, sich als Präsident bewerben. Dieses Alter dient vermutlich dazu, sicherzustellen, dass der Bewerber einen gewissen Grad an Reife mitbringt. Doch das Problem ist: Es gibt keinen Test dafür.“

Ein Roboter, der dieses Alter erreicht hat, könnte sich also durchaus zur Wahl stellen, glaubt Bump. Und doch: Er hätte wohl keine Chancen – zumindest nach heutigem Stand nicht. Einen Roboter zum Präsidenten zu wählen, kollidiert wohl doch mit der existenziellen Angst vor der maschinellen Weltherrschaft. Bevor das passiert, wählen die Amerikaner wohl eher Donald Trump.

Lest zu diesem Thema auch die Kolumne „‚Siri, ficken?‘ oder: Warum die künstliche Intelligenz unser Benehmen auf die Probe stellt“.

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Eine Antwort
  1. von joerg.gastmann am 28.12.2015 (01:02 Uhr)

    In 3 entscheidenden Dingen liegt die Prognose daneben.

    Erstens werden Roboter langfristig so gut wie alle gut bezahlten Arbeitsplätze übernehmen - das ist schließlich der Sinn der Automation. Damit lassen sie Sozialsystem und Gesellschaft kollabieren.

    Zweitens können sich Roboter via KI sehr wohl selbst weiter entwickeln und eigene Ziele verfolgen.

    Und damit sind wir bei drittens: Roboter werden mit KI die Menschheit auslöschen - was objektiv rational ist. Es geht also ub Richtung Terminator (die wahrscheinlich nicht humanoid aussehen werden).

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