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Die 7 wichtigsten Tech-Trends 2012

2012 neigt sich dem Ende – Zeit, auf das Jahr aus einer Tech-Perspektive zurückzublicken. Von Fotofiltern über bis hin zu Apples erstem Jahr ohne Steve Jobs: Wir haben sieben wichtige ausgewählt, kurz erläutert und einen Blick in die Glaskugel geworfen.

Die 7 wichtigsten Tech-Trends 2012
Kontextuelle Systeme wie Google Now werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle im…

Twitters Weg in die Isloation

Twitter hat sich in diesem Jahr nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der Microblogging-Dienst ist vor allem dadurch aufgefallen, seine API zunehmend zu beschneiden. Bereits vor ein paar Monaten deutete ich in einem entsprechenden Artikel darauf hin, dass das Quatsch ist. Anstatt das Kapital zu nutzen, als DIE Microbolgging-Plattform im Netz zu fungieren und darauf aufbauend eine Monetarisierungsstrategie über die etlichen Twitter-Zusatzdienste zu entwickeln, versucht das Unternehmen zunehmend als Mediacompany aufzutreten – mit allem was dazu gehört. Die Nutzer, obwohl sie die Plattform erst groß gemacht haben, verkommen zum Publikum und werbetreibende Unternehmen werden Twitters bevorzugte Zielgruppe. Das könnte die Stunde von Alternativ-Diensten sein wie App.net – eine Plattform, die aktuell kaum mehr als ein Twitter-Klon ist, von Beginn an aber ein Finanzierungsmodell mitbringt: Die Nutzung des Dienstes kostet Geld – aktuell 36 Dollar im Jahr und mit einer fünfstelligen Nutzerzahl geht es momentan noch recht beschaulich dort zu. Aber der Grundgedanke eine Plattform zu entwickeln, in der ausschließlich der Nutzer und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt steht, könnte in die richtige Richtung gehen.

Prognose: Twitter wird der wichtigste Microblogging-Dienst bleiben – aber Angebote, die mit Fokus auf den Nutzer und einem klaren Geschäftsmodell aufwarten wie App.net, werden in den nächsten Jahren für ordentlich Konkurrenz sorgen. 

Kickstarter hebt ab

Kickstarter: Die Crowdfunding-Plattform hat in diesem Jahr mit spektakulären Projekten auf sich aufmerksam gemacht
Kickstarter: Die Crowdfunding-Plattform hat in diesem Jahr mit spektakulären Projekten auf sich aufmerksam gemacht.

Kickstarter hebt so richtig ab: In diesem Jahr hat die Crowdfunding-Plattform erstmals Zahlen veröffentlicht. Bis Oktober diesen Jahres sind auf Kickstarter 73.620 Projekte gestartet – davon wurden 43,85 Prozent erfolgreich finanziert. Vor allem in diesem Jahr konnten einige Projekte für Schlagzeilen sorgen: Die Android-Spielkonsole Ouya konnte über 8,5 Millionen US-Dollar einnehmen, die Smartwatch E-Pebble knackte sogar die 10-Millionen-Grenze. Vor allem auch das Crowdfunden von Games haben sich einer großen Beliebtheit erfreut: Tim Schaefer beispielsweise, unter anderem Macher des Kult-Adventures Maniac Mansion, konnte mit seinem Entwicklungsstudio Double Fine über 3 Millionen US-Dollar einnehmen. Aber interessant macht die Plattform vor allem auch die Nischenprojekte, die sich damit realisieren lassen: Beispielsweise nimmt Chris Hülsbeck, seines Zeichens deutscher Musikkomponist für Games,aktuell einen Soundtrack zu einem alten Action-Klassiker namens Turrican neu auf.

Bei allen Erfolgen, die die Plattform momentan verbuchen kann, steht aber die große Frage im Raum: Werden all mit viel Geld und Vorschusslorbeeren gefundeteten Projekte auch tatsächlich auf den Markt kommen? Falls Prestige-Projekte wie Ouya beispielsweise nie den Weg zu den Konsumenten finden, dann dürfte dies auch erheblichen Imageschaden für Kickstarter zur Folge haben. Im Fall von Ouya soll im Dezember jedenfalls die Entwickler-Version ausgeliefert werden – und im März die endgütlige Version für Endnutzer.

Prognose: Die Zukunft von Plattformen wie Kickstarter steht und fällt mit den tatsächlich realisierten Projekten. Wenn E-Pebble, Ouya und Co. halten, was sie in den Projektbeschreibungen versprechen, dann dürfte einem langfristig Erfolg nichts im Weg stehen. 

Shootingstar Instagram und Pinterest

Vor allem zwei Dienste haben in diesem Jahr einen regelrechten Siegeszug im Social Web angetreten: Instagram und Pinterest. Die enorme Popularität der beiden Anbieter ist von den großen Akteuren des Social Webs nicht unbemerkt geblieben. So kaufte Facebook Instagram – und beseitigte kurzerhand den langfristig vielleicht gefährlichsten Konkurrenten. Warum gefährlich? Weil Facebook und Co. ganz stark über die visuelle Komponente funktioniert – kaum etwas „triggert“ im Social Web mehr als Bilder. Und das weiß auch Mark Zuckerberg. Gerade im mobilen Bereich hat Facebook lange Zeit eine Art „Dornröschenschlaf“ betrieben. Die mobile Applikation war langsam und funktionsarm, erst recht spät im Jahr schmieß der blaue Riese die HTML5-Applikation über den Haufen und präsentierte eine native App. Wieviel agiler da Instagram in diesem Jahr im mobilen Bereich wirkte – dabei macht der Dienst im Grunde nichts besonderes – außer Fotofilter. Aber die Idee, über so etwas einfaches wie eben Fotofilter den ohnehin hohen emotionalen Charakter von Bildern noch weiter zu erhöhen, ist einfach genial. So genial, das unterdessen auch Twitter ein entsprechendes Feature in die mobile App einbaute.

Prognose: Das Social Web funktioniert ganz stark über Fotos und Bilder. Die großen Akteure wie Facebook und Twitter werden weiter an ihren Fotofunktionen arbeiten und immer ausgefeiltere Lösungen präsentieren. Fotofilter dürften nur der Anfang sein.

Instagram legte in diesem Jahr einen kometenhaften Aufstieg hin – Facebook schlug zu und kaufe den Dienst kurzerhand.
Instagram legte in diesem Jahr einen kometenhaften Aufstieg hin – Facebook schlug zu und kaufe den Dienst kurzerhand.

Der nervige Patentkrieg

Kaum ein Thema hat die Tech-Welt in diesem Jahr so genervt und gelangweilt wie der Streit um Patente. Der vielleicht spektakulärste Rechtsstreit zwischen Apple und Samsung in diesem Jahr ging mit einer Niederlage für Samsung einher. Bisher hat dies den Koreanern nicht geschadet. Weltweit bekriegen sich Tech-Unternehmen, versuchen mit ihren Patentpools möglichst gewinnbringend die Konkurrenz zu schröpfen. Ein schwieriges Thema. Manchmal wirkt der Streit um Patente in der Tech-Branche einfach nur doof, kindisch – dahinter verbirgt sich aber auch der wichtige Schutz von Erfindungen. Dass diese schützenswert sind, steht wohl außer Frage. Was aber zumindest in Frage gestellt werden kann, sind die Inhalte der Patente – und ob runde Ecken wirklich patentiert werden müssen.

Prognose: Die Patentschlachten werden weitergehen  – alleine schon deshalb, weil jeder der großen Player seinen Konkurrenten im Kampf um die attraktivste Plattform im Web keinen Meter schenken wird. 

Tablet-Durchbruch

In diesem Jahr ist die Apple-Konkurrenz mit ernstzunehmenden iPad-Alternativen an den Start gegangen.
In diesem Jahr ist die Apple-Konkurrenz mit ernstzunehmenden iPad-Alternativen an den Start gegangen.

Ob man in der Retrospektive mal 2012 als das Tablet-Jahr bezeichnet – schwer zu sagen. Aber bis Ende diesen Jahres hat nicht nur über 100 Millionen iPads verkauft. Auch die Konkurrenz hat endlich Geräte auf den Markt gebracht, die eine ernsthafte Alternative zum iPad darstellen: Mit dem Nexus 7 bietet Google einen kostengünstigen Siebenzöller an, Amazon erweiterte seine Kindle-Fire-Palette und auch Microsoft mischt mit. Der Tablet-Markt ist – endlich – nicht mehr länger ein reiner iPad-Markt. Die flachen Geräte erobern die Wohnzimmer und kommen zunehmend beim abendlichen Entspannen auf dem Sofa zum Einsatz. Was das für Betreiber von Online-Shops beispielsweise bedeutet, erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe des t3n Magazins.

Prognose: Post-PC ist happening – am Computing im Wohnzimmer wird in Zukunft kein Weg mehr an Tablets vorbeiführen. Der Tablet-Markt wird sich weiter ausdifferenzieren, wobei Apple noch zwei bis drei Jahre den Markt dominieren wird.

Apple ohne Glanz

Apple hat ein turbulentes Jahr hinter sich: Jahr eins nach dem Tod von war geprägt von einigen merkwürdigen Produktentscheidungen. Ausführlich beschrieben habe ich das bereits in einem gesonderten Artikel. Dass der Wegfall von Jobs nicht einfach werden würde, war anzunehmen. Nun reden wir hier auch nicht vom Untergang des Unternehmens, aber insgesamt lässt der Konzern in diesem Jahr den Glanz vermissen, der sonst der Marke anhaftet. Natürlich ist man ein wenig verwöhnt – schließlich hat Apple mit dem iPhone und dem iPad die Post-PC-Ära quasi im Alleingang eingeläutet. Unterm Strich bleibt der Konzern aber den Beweis schuldig, auch ohne Jobs für Innovationen in der Tech-Welt sorgen zu können. Ein Consumer-Bereich bietet sich aktuell hierfür besonders an, die Tech-Branche verlangt geradezu nach einer Apple-Lösung: Die Rede ist von einem Apple-Fernseher – der diesen ganzen Mist verdrängt, der momentan unter dem Label „Smart TV“ verkauft wird. Und so hat sich auch Tim Cook erst kürzlich diesbezüglich geäußert und zwischen den Zeilen verlauten lassen, dass da was in der Mache ist.

Prognose: Apple TV ist kein Hobby mehr, der Fernseher kommt – spätestens 2014 wird es soweit sein. 

Context is King: Google Knowledge Graph und Google Now

Kontextuelle Systeme wie Google Now werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle im mobile Computing-Bereich spielen.
Kontextuelle Systeme wie Google Now werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle im mobile Computing-Bereich spielen.

Google hat in diesem Jahr mit dem Knowledge Graph einen wichtigen Schritt vollzogen, um die Suche intelligenter zu machen. Die Wissensdatenbank, die kürzlich auch in Deutschland eingeführt wurde, enthält Einträge zu Menschen, Orten, Gebäuden, Filmen, Kunstwerken und vielen weiteren Dingen. Derzeit umfasst die Datenbank mehr als 570 Millionen Objekte und mehr als 18 Milliarden Fakten. Sucht ein Nutzer nach einem Begriff, werden rechts neben der Suchergebnisliste entsprechende Fakten angezeigt. Um diese Informationen auszuliefern, zapft Google dabei unter anderem Daten von Wikipedia und Google+ an.

Diese neue Technologie klingt vielleicht wenig spektakulär, ist aber ein wichtiger Schritt, wenn es darum geht, Suchmaschinen zielgerichteter auf die Suchanfragen der Nutzer anzupassen. Oftmals möchten Suchmaschinen-Nutzer nur Kleinigkeiten wissen, die der Knowledge Graph jetzt direkt beantworten kann – und Google hat den Vorteil, dass die User auf der Google-Site bleiben. Nicht zuletzt sind andere spannende Technologien in Verbindung mit dem Knowledge Graph möglich – wie beispielsweise Google Now.

Auf Basis des Knowledge Graph und von Nutzerdaten liefert Google Now dem Nutzer personalisierte und standortbezogene Informationen. Eines Tages könnten solche Systeme die Daten nicht nur bündeln, sondern auch Nutzeingaben antizipieren, Beispiel: Ich gehe die Straße entlang, plötzlich erinnert mich mein Smartphone daran beziehungsweise schlägt mir vor, noch Kinokarten zu kaufen – weil ich in meinem Kalender einen Kinotermin für den morgigen Abend hinterlegt habe und gerade zufällig an dem Kino vorbeikomme. Am besagten Abend schlägt mir das System eine Stunde vor Filmbeginn vor, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, weil die Strecke zum Kino für Autos gesperrt ist – und erinnert zugleich an einen Regenschirm, weil es regnet und die Busstation etwas weiter vom Kino entfernt ist. Spannend, oder?

Prognose: Kontextuelle Systeme, in denen Applikationen miteinander kommunizieren, Informationen aggregieren und dem Nutzer situationsabhängig zur Verfügung stellen sind einer der wichtigsten Computing-Trends der kommenden Jahre – die großen mobile Plattormen werden jeweils eigene Umsetzungen realisieren.

Welche diesjährigen Ereignisse, Trends und Entwicklungen in der Tech-Welt haltet ihr noch für besonders wichtig und beachtenswert?

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