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„80 Prozent der Werbeklicks von Bots”: Firma will eigene Facebook-Seite löschen

Das amerikanische Limited Run hat seinen Abschied von angekündigt. Als Begründung nennen die Macher der Plattform eine Entdeckung, die sie im Zuge einer Ad-Kampagne gemacht haben: 80 Prozent der Werbeklicks, für die sie bezahlen mussten, stammen von Bots. Treibt Facebook die Werbeklicks künstlich hoch?

„80 Prozent der Werbeklicks von Bots”: Firma will eigene Facebook-Seite löschen

Bessere Werbeklickraten durch Bots

Über den Wirkungsgrad von Facebook Ads gibt es immer wieder sehr unterschiedliche Informationen. Während sich einige Unternehmen wie beispielsweise General Motors mittlerweile von den Ads im größten Social Network verabschiedet haben, weil sie für sie nicht funktioniert haben, gibt es immer wieder auch Erfolgsgeschichten zu lesen. Warum es da so große Unterschiede gibt, blieb bis jetzt sehr nebulös. Klar ist natürlich, dass nicht jede Werbung überall gleich gut funktioniert, sie muss auf der Plattform Facebook auch ihre Zielgruppe finden.

Limited Run bietet Musikern und Künstlern eine einfache Shop-Plattform an.

Für Limited Run sollte das allerdings kein Problem darstellen, denn das Startup bietet kleinen Plattenlabeln, Musikern und Künstlern eine Plattform zum Verkauf ihrer digitalen und physikalischen Produkte an. Als Limited Run im Mai 2010 unter dem Namen „Limited Pressing“ eine Fanpage bei Facebook eröffnete, war man noch guter Dinge. Doch das hat sich jetzt grundlegend geändert, die Macher haben medienwirksam ihren Abschied von Facebook angekündigt, denn sie fühlen sich betrogen. Was ist geschehen?

Für ein neues Produkt hatte das New Yorker Startup eine Facebook-Ad-Kampagne gebucht. Bei der Auswertung stellten sie fest, dass lediglich 20 Prozent der von Facebook gezählten und abgerechneten Klicks tatsächlich auf ihrer Website ankamen - zumindest laut ihrer Web-Statistik. Da musste ein Fehler vorliegen und sie versuchten es mit anderen Statistik-Tools. Das Ergebnis: Mehr als 15-20 Prozent der Werbeklicks kamen auch bei anderen Tools nicht an. Daher entwickelte Limited Run ein eigenes Web-Statistik-Tool.

Limited Run kündigt den Abschied von Facebook an und liefert auch gleich den Grund dafür mit...

Mit dem eigenen Tool stellten sie dann fest, dass bei rund 80 Prozent der von Facebook abgerechneten Klicks JavaScript deaktiviert war, was ein Tracking per Analyse-Tool sehr schwer macht. Was sich zunächst wie eine plausible Erklärung anhört, ist letztlich aber kein Freispruch für Facebook. Denn im nächsten Schritt setzten die findigen Gründer einen Page-Logger ein, der alle Seitenaufrufe getrackt hat - und siehe da: 80 Prozent der Klicks stammten von Bots – automatischen Klickrobotern, die die Klickrate der Ads hochgetrieben haben und damit auch die Kosten, die aber nie für Konversions sorgen könnten.

Facebook reagiert nicht auf die Vorwürfe

Nach eigener Aussage habe Limited Run Facebook mit diesen Ergebnissen konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Immerhin sei es nicht möglich Facebook den Einsatz von Bots nachzuweisen, daher verzichtet Limited Run auch auf so eine klare Beschuldigung. Aber auf die Frage, wer denn für diese Bots verantwortlich sei, erhielt das junge Unternehmen auch keine Auskunft, geschweige denn überhaupt eine Reaktion.

Ob sie das überhaupt erwartet haben, kann man durchaus bezweifeln, denn erste Erfahrungen mit dem Facebook-Support hatte das Unternehmen schon vorher gemacht. Nach dem Namenswechsel von Limited Pressing zu Limited Run sollte auch die Fanpage umbenannt werden. Nach mehreren Versuchen meldete sich dann ein Facebook-Mitarbeiter und bot ihnen den Namenswechsel an, allerdings müsse das Startup dafür zunächst einwilligen, ein monatliches Werbebudget in Höhe von mindestens 2.000 US-Dollar freizugeben.

Beide Fälle zusammen genommen brachten das Fass für Limited Run zum Überlaufen und als Konsequenz haben sie den Abschied von Facebook innerhalb der nächsten Wochen angekündigt. Aber wer weiß, vielleicht reagiert Facebook ja doch noch und Limited Run gibt die Abschiedspläne wieder auf. Sehr wahrscheinlich ist das jedoch nicht.

Fazit: Schummelt Facebook bei den Ad-Klicks?

Die Frage die natürlich bleibt: Was sind das für Bots, die bei Facebook für reichlich Ad-Klicks und damit für volle Kassen sorgen? Gibt es neben Facebook eventuell weitere Profiteure von hohen Werbeklickraten? Oder ist Limited Run nur ein auf den ersten Blick merkwürdiger Einzelfall, für den es eine vernünftige Erklärung gibt? Wir wissen es nicht.

Klar ist nur: Facebook würde von künstlich hochgetriebenen Klickraten enorm profitieren, schließlich ist Werbung die Haupteinnahmequelle der börsennotierten Plattform. Umso unverständlicher ist es aus meiner Sicht, dass Facebook auf diese Vorwürfe nicht zeitnah reagiert und die Sache aufgeklärt hat - es sei denn es gibt nichts aufzuklären…

Was haltet ihr denn von der Geschichte?

Bildnachweis für die Newsübersicht: Lisa Padilla / flickr.com, Lizenz: CC-BY

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19 Antworten
  1. von Jakob am 31.07.2012 (16:33 Uhr)

    Also wenn sich herausstellt, dass FB mit eigenen Bots die Klickraten in die Höhe treibt, dann werden sie zu Recht mit Klagen bombardiert werden...
    Das wäre jedenfalls eine Erklärung für die so stark voneinander abweichenden Ergebnisse der Werbekampagnen.

    Was aber noch wichtiger ist: Wenn das stimmt, dann ist das gesamte Geschäftsmodell von FB absolut untragbar!

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  2. von NachmieterExpress am 31.07.2012 (16:40 Uhr)

    Diesen Verdacht habe ich auch schon lange bei Google Adwords.

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  3. von Jan (seo4shops) am 31.07.2012 (16:44 Uhr)

    Also ich finde das passt zu Facebook. Als Developer kann ich ein Lied von miesem Support und schlechter Qualität singen. Und FB aggregiert z.b. ja auch für Firmen / Markeninhaber alle relevanten Fanpages und stellt diese zur Übernahme bereit. Es gibt genug Beispiele, wo Firmen über Nacht 100k Fans erhalten haben und die Betreiber der Fanpages in die Röhre gucken (Beisipel Stadt Wien u.a.)

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  4. von Daniel am 31.07.2012 (16:49 Uhr)

    Sollte sich das bewahrheiten, wäre das für einige Monate oder gar jahre das Aus für kostenpflichtige Business-Dienste von Facebook. Im Gegensatz dazu legt Google viel Wert auf das Aufdecken gekaufter oder betrügerischer Klicks. Faktisch könnte so der gesamte gewerbliche Teil auf Facebook geschlossen zu Google+ wechseln, falls sich herausstellt, dass Facebook selbst oder durch Dritte betrügersiche Klicks generiert.

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  5. von Jonas Wendler am 31.07.2012 (16:54 Uhr)

    Ich halte die These für sehr plausibel. Wenn es stimmen sollte und die Nachricht die Runde macht, kann es für Facebook mehr als ein blaues Auge geben. Denn bei der Haupteinnahmequelle auf Risiko zu spielen mach immer Sinn.

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  6. von Frank am 31.07.2012 (17:18 Uhr)

    Es wäre sicher nicht die erste Plattform, die mit Klickbetrug Geschäfte machen würde. Aber bislang fehlt ja scheints noch der Beweis, wer die Bots losschickt. Vielleicht können sie Bots auch nicht richtig ausfiltern?

    Für Facebook wäre sicher es fatal, wenn fremde Bots die geldwerte Statistik verfälschen, aber mehr als nur fatal wäre es, würden sie selbst es tun.

    Und ich bin jeden Tag noch mehr froh darüber, nicht mehr bei Facebook dabei zu sein :-)

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  7. von Daniel am 31.07.2012 (17:33 Uhr)

    Ich kenne bislang kaum eine Community, die sich mittels Werbung finanziert und nicht irgendwann dem Klickbetrug verfallen ist. Liegt dann aber meistens an der Einfältigkeit der Betreiber, die in für Gäste unsichtbare Foren gerne schonmal schreiben "Wollt Ihr Blabla-Community unterstützen? Dann klickt einfach gelegentlich auf die Werbung am Ende / Rand der Seite. Danke!"...

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  8. von Daniel am 31.07.2012 (18:38 Uhr)

    IMHO gibt es mehr als 80% Mist bei Facebook, insofern passt das. Vor allem diese ganzen Seiten für dumme Teenie-Sprüche, für die dann überall um Likes gebettelt wird, sind einfach nur noch nervig. Leider hat Google+ das Alter auch schon abgesenkt, so dass uns diese Plage selbst dort erhalten bliebe. Wo ist das wirklich neue Social Network ohne die ganzen Datenschutz- und Datenschmutz-Probleme? Sollte es vielleicht das neue Mozilla-Netzwerk werden:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,847251,00.html

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  9. von Fritz am 31.07.2012 (19:43 Uhr)

    Also sorry, wenn bei Facebook Anzeigen mehr als 5% ohne Javascript kommen stinkt das auf jeden Fall. FB ist ohne aktiviertes Js faktisch unbenutzbar deswegen bezweifle ich das so viele es ausgeschalten haben.

    @Daniel
    Die schaffen es ja nichtmal den Browser nutzbar zu gestalten, da laufen immer mehr User weg.
    Das einzige was sie wirklich gut hinbekommen haben (Thunderbird) wollen sie nicht mehr weiterentwickeln. Alles andere ist über das Alpha Stadium nie herausgekommen. Warum sollte das bei nem Netzwerk anders laufen?

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  10. von huettenzauber am 31.07.2012 (19:48 Uhr)

    neues alltime low...

    noch mehr solche meldungen wie heute und das thema fb erledigt sich total für investoren... dagegen ist die telekom aktie ja fast noch eine erfolgsstory.. da gibt es immerhin ordentlich dividende

    http://uk.advfn.com/p.php?pid=staticchart&s=N^FB&p=0&t=17&vol=1

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  11. von Sven am 31.07.2012 (22:53 Uhr)

    Interessante Sache. Mich würde es aber auch nicht wundern wenn da ein Mitbewerber die Finger im Spiel hätte.

    Weiter beobachten...

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  12. von agentur am 31.07.2012 (22:58 Uhr)

    Mir würde es gefallen, wenn Limited Run Ihre Testtools der Allgemeinheit zur Verfügung stellen würden. So könnten sich noch viel mehr von der Qualität der eingehenden Klicks überzeugen und ggf. anfangen, Fragen zu stellen.

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  13. von wapplersystems am 01.08.2012 (00:13 Uhr)

    Den Verursacher der Klicks per IP Adresse kann man sicherlich herausbekommen. Und dieses spezielle Tool zum Aufzeichnen der Aktivitäten und der IP-Adressen ist ja unnötig. Einfach in die Logfiles des Webservers schauen, da steht alles drin.

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  14. von Bots bekämpfen am 01.08.2012 (01:54 Uhr)

    Man müsste Bots verpetzen und automatisch melden können.
    Ebenso z.b. diese Bots die unsichere cgi-script-Namen ausprobieren.
    Dann kann man die Eigentümer kontaktieren oder andere für eine Weile vor dieser Ip-Nummer (auch bei Spam) warnen.
    Schade das Google oder sonstwer sowas nicht organisiert.
    Es geht nicht darum, IP-Nummern zu outen sondern eher sowas wie "Du hast doch vor x Stunden 1.2.3.4 als potentiellen Bot (für Spam/für Forenspam/für Script-Ausprobierung/...) gemeldet. Wir haben noch 4 weitere Meldungen.".
    Die einzige Firma die aktiv Botnetze abschaltet ist wohl M$. Schon traurig. Wenn man die Betroffenen informiert kann man analysieren.
    Libor zeigt, das überall Manipulationsrisiko herrscht und man was dagegen tun muss.

    NoScript von FireFox arbeitet pro Site. Da kann man also eine oder mehrere Domains für Firefox (oder web.de oder gmx.de oder sonstwas) erlauben und wenn man andere Seiten aufruft wird Javascript dort ignoriert. Es gibt nur wohl leider keine offiziellen Zahlen wie viele Leute Werbeblocker nutzen oder Javascript ausschalten oder Cookies kontrollieren.

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  15. von Michael Jung am 01.08.2012 (09:17 Uhr)

    ich nehm mir schon mal Bier und PopCorn. Sollte da was dran sein, werden die Zahlen hier: goo.gl/2p9bs in den nächsten Tagen deutlich anders aussehen. Das kann für Facebbok echt schlecht ausgehen

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  16. von Ralf am 01.08.2012 (15:47 Uhr)

    Ich darf nicht sagen wo, aber ich kann das bestätigen.
    Es gibt große Abweichungen und Fragen.
    Bei uns waren auch ca. 80% ohne JS. Das ist doch Unsinn, wenn über 90% normalerweise JS an haben.
    Wir hatte nur einen kleinen Versuch gemacht und uns dann schnell gegen FB-Werbung entschieden.

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  17. von Betablocker am 01.08.2012 (21:58 Uhr)

    Sehen wir hier den Fall von Facebook?

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  18. von Danny am 02.08.2012 (11:18 Uhr)

    Nicht das erste Mal dass man schräge Geschichten über Facebook lesen kann. Als Marketing Instrument konnte ich diesen Zeitfresser ohnehin noch nie erst nehmen.

    Der Facebook Aktie können solche Meldungen auch nur schaden.

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  19. von heimkinosysteme test am 04.08.2012 (11:19 Uhr)

    Bin selber gerade am überlegen für ein neues Projekt Facebook Werbung zu benutzen. Was mir immer gefallen hat ist die Aufmachung, also nicht nur Text sondern eben auch Bilder. Ist trotzdem ziemlich schräg wenn auch nur ein Teil der Clicks dorch bots sind. Bots kaufen keine Produkte, sondern machen nur die Kasse lehr. Werd trotzdem einen Test starten, und schaun ob der ROI passte.
    mfg

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