„Körpervermessung ohne Schneider und Maßband“ ist das Stichwort des Berliner Startups UPcload. Das Unternehmen schreibt sich auf die Fahne, mittels Fern-Körpervermessung über eine handelsübliche Webcam die eigene Größenbestimmung von Kleidungsstücken für den Online-Kauf maßgeblich zu vereinfachen. Die beiden Gründer um Asaf Moses und Sebastian Schulze haben sich mit ihrem Körpervermessungsdienst auf deutsche-startups.de bereits den Titel „Startup des Jahres - 2011“ gesichert.
Wir haben Sebastian Schulze neun Fragen rund um UPcload und seine Erfahrungen als Startup-Gründer gestellt.
Wie sind die Idee und das Konzept für das Startup entstanden?
Die Idee zu UPcload ist aus der Perspektive des Online-Käufers von Kleidung heraus entstanden: Mein Mitgründer Asaf Moses und ich haben schon während unserer Zeit an der HU Berlin gerne und oft Kleidung im Internet bestellt. Dabei hatten wir häufig das Problem, dass die Klamotten nicht richtig passten, wenn sie geliefert wurden. Dann kamen wir auf die Idee mit der Körpermaß-Erfassung per Webcam und daran angeschlossener Größenempfehlung.
Wie viele seid ihr heute?
Aktuell besteht unser Team aus 15 Mitarbeitern, die zum großen Teil festangestellt sind und zum Teil als Freelancer projektbezogen bei uns arbeiten. Das Team umfasst Entwickler, Designer, Mode-Experten, Tester sowie Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler für den operativen Part.
Wie hat sich die Unternehmensfinanzierung in der Anfangsphase gestaltet?
Anfangs haben mein Mitgründer Asaf und ich klassisches Bootstrapping betrieben: Uns zu Hause getroffen, ohne Büro und nur mit der Idee. Durch die Unterstützung der Humboldt Innovation GmbH sind wir dann die Bewerbung fürs EXIST-Gründungsstipendium angegangen und haben dort Ende 2010 die Zusage erhalten. Im Dezember 2010 haben wir uns als GmbH gegründet und nutzen seitdem Büroräume der Humboldt-Universität in der Ziegelstraße in Berlin-Mitte. Durch Wettbewerbe und Innovationspreise haben wir zusätzlich knapp 100.000 EUR gewonnen und in zwei Finanzierungsrunden mit Privatinvestoren mehr als eine halbe Million EUR eingesammelt.
Wie wichtig waren „richtige Kontakte“, bzw. ein großes Netz an Kontakten für den Einstieg/Start?
Für den Einstieg sind Kontakte sehr wichtig und erfolgsentscheidend. Denn nur so findet man die richtigen Investoren, das passende Personal und interessierte Kunden. Wichtig ist, dass man die vielen Veranstaltungen, die es in Berlin gibt, gezielt wahrnimmt und qualitativ schwache von stärken unterscheidet: So kommt man in Kontakt zu anderen Gründern, tauscht sich aus und knüpft Netzwerke – Entscheidend dabei: Fokus auf belastbare Kontakte; wenige, belastbare Kontakte sind besser als viele Bekanntschaften. Ich denke allerdings, dass man nicht jede Branchengröße von Anfang an persönlich kennen muss, um ein Start-Up erfolgreich aufzubauen.
Hat der Ort der Startup-Gründung eine wichtige Rolle beim Erfolg des Startups gespielt, oder würdest du eher sagen, dass ihr ortsunabhängig seid?
Generell bin ich natürlich davon überzeugt, dass wir mit unserer Idee auch woanders Erfolg gehabt hätten. Allerdings findet man in Berlin perfekte Bedingungen für junge Unternehmen vor: relativ günstige Mieten und Lebenshaltungskosten, eine dynamische Startup- und Investorenszene sowie hervorragend ausgebildete und motivierte Talente aus aller Welt.
Die größten Hürden auf dem Weg zur Gründung waren?
Besonders herausfordernd war der Aufbau eines Teams, das die verschiedenen Facetten unserer Idee reflektiert, genügend Drive hat und das Modell fokussiert umsetzt. Ferner haben Bürokratie und Formalien bei der Gründung Nerven gekostet.
Wie habt ihr es zu Beginn geschafft, bekannt zu werden, euch zu positionieren?
Wir haben ein interessantes und innovatives Produkt, das es so auf dem Markt noch nicht gibt. Außerdem ist das Problem mit den hohen Retourquoten im Mode-eCommerce bekannt. Deswegen haben wir unsere Bekanntheit vor allem durch PR-Maßnahmen und Berichterstattung in den Medien gesteigert. Das Interesse seitens der Medien ist im Moment besonders groß, da das Thema „Berlin als Start-Up-Metropole“ momentan sehr virulent ist – zu Recht.
Was würdest du in der Gründungsphase rückblickend anders machen?
Wenn ich die Gründungsphase reflektiere, gab es einige Umwege, die wir gegangen sind und wir hätten vermeiden können. Zum Beispiel haben wir oftmals vorab nicht genau recherchiert, ob eine Gründer- oder Netzwerkveranstaltung Sinn für uns macht – so haben wir viel Zeit und Energie verloren.
Welche wichtige Empfehlung oder welchen Tipp würdest du Gründern mit auf den Weg geben?
Ganz wichtig: Fokus, Fokus, Fokus. Außerdem: Schnell und spitz in den Markt.





