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Abmahnung – Nerdcore.de-Blogger verliert seine Domain

Abmahnung – Nerdcore.de-Blogger verliert seine Domain

Wieder sorgt eine Abmahnung für Aufregung in der Blogosphäre. Das Kultblog Nerdcore.de wurde von dem Internet-Dienstleister Euroweb abgemahnt, weil auf dem schlecht über die Arbeit des Unternehmens geschrieben wurde. Der Blogger René Walter nahm die Abmahnung allerdings nicht ernst und ignorierte sie genauso, wie ein später verfügtes Urteil des Landgerichts Berlin. Im Nachhinein war die Ignoranz wohl keine gute Entscheidung, denn Euroweb ließ jetzt die Domain pfänden.

Abmahnung – Nerdcore.de-Blogger verliert seine Domain
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So kam es zur Abmahnung

Bekannt sind nur einige der Äußerungen von René Walter über Euroweb. So soll er beispielsweise geschrieben haben, Euroweb verdiene sich „mit Dreck eine goldene Nase“ und liefere „minderwertige Websites“ ab. Das war der Agentur zuviel und sie mahnte René Walter ab. Zuvor will Euroweb nach eigenen Angaben freundlich darum gebeten haben, solche Äußerungen zu unterlassen. Walter ignorierte die Anfrage und die Abmahnung und änderte an seiner Haltung auch nichts, als er vom Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung geschickt bekam. Selbst eine Vorladung zu einer mündlichen Verhandlung ignorierte er, so dass das Gericht ein Versäumnisurteil gegen Walter aussprach, gegen das auch kein Widerspruch eingelegt wurde. Als Gegenwert für die Gerichtskosten, auf die Euroweb trotz des gewonnenen Verfahren sitzen blieb, wurde schließlich die Pfändung der Domain Nerdcore.de beantragt und von der Denic durchgeführt.

Auch bei Twitter ist die Abmahnung und der Domainverlust von Nerdcore ein heißes Thema und liegt in den nationalen Trends an zweiter Stelle.

Das Thema Abmahnung und die Blogosphäre

Abmahnungen sorgen in der Blogosphäre schon beinahe reflexartig für überschießende Reaktionen und schon bricht ein neuer Shitstorm los. Dabei ist natürlich nicht jeder Fall gleich und nicht immer ist eine Abmahnung haltlos verschickt worden. Im Fall von Nerdcore.de sind bislang weder die Abmahnung, noch das Gerichtsurteil oder gar der Pfändungsbescheid öffentlich gemacht worden, so dass man hier nur spekulieren könnte, ob die Abmahnung nun gerechtfertigt ist oder nicht.

Spekulieren möchte ich hier nicht weiter, aber der Fall Nerdcore vs Euroweb zeigt eines ganz deutlich: Abmahnung, ob nun gerechtfertigt oder nicht, sollten immer ernst genommen werden und dürfen nicht einfach ignoriert werden. Dabei spielt es auch keine Rolle wie groß ein Blog und die Vernetzung des Bloggers ist, ein Shitstorm hilft einem Blogger rein rechtlich nicht weiter.

Ein abmahnendes Unternehmen sollte immer auch den Reputationsverlust einkalkulieren, der in vielen Fällen deutlich größere Verluste einbringt, als der Rechtsstreit einbringen kann. Bei Euroweb scheint man sich dessen bewusst geworden zu sein und plant jetzt die Versteigerung der Domain über eBay. Der Erlös soll dann gespendet werden, aber auch dazu gibt es bereits Diskussionen. Einen umfassenden Überblick und viele Stimmen zur Abmahnung von Nerdcore gibt es bei netzpolitik.org.

Weiterführende Links:

Bildnachweis für die Newsübersicht: © M&S Fotodesign - Fotolia.com

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20 Antworten
  1. von 3imsinn am 19.01.2011 (11:40 Uhr)

    Naja, die Abmahnung ist das Eine, aber wesentlich beängstigender finde ich persönlich ja den Versuch eine freie Meinung einschränken zu wollen.

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  2. von Akku am 19.01.2011 (11:49 Uhr)

    Irgendwie mag ich es nicht, wenn in online-"Artikeln", die einen gewissen Anspruch haben wollen, das Wort "Shitstorm" benutzt wird. Was uns der Artikel eigentlich sagen will, läßt sich leider auch nicht ergründen. Der Post "Auch wir haben auf Twitter gelesen, dass nerdcore gepfändet wurde, und dieser Post ist das Resultat" hätte sicherlich einen größeren journalistischen Wert.

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  3. von www.abouttheweb.de am 19.01.2011 (11:49 Uhr)

    Man kann seine Meinung ja auch frei äußern. Aber man muss da vorher etwas nachdenken und es auch als seine eigene Meinung kennzeichnen und nicht versuchen als Fakt darzustellen. Also nicht "XXX ist der letzte dreck" sondern "XXX ist meiner Meinung nach mist, weil..". Kritik darf man ja üben. Man muss sich nur überlegen, wie man das am besten macht.

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  4. von viktordite am 19.01.2011 (11:50 Uhr)

    wenn das mal alles nicht ein abgekartertes Spiel ist um für beide Seiten massig PR zu machen!

    Euroweb ist anschließend bekannt wie sonstwas und steht mit ner weißen Weste da. Nerdcore wird noch bekannter und beliebter (wie Assange) - Wetten?!?!

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  5. von Falk Hedemann am 19.01.2011 (11:57 Uhr)

    @3imsinn: Um freie Meinungsäußerung geht es hier letztlich nicht, sondern eher um Beleidigungen und die sind nun mal nicht erlaubt.

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  6. von Sebastian (naanoo.com) am 19.01.2011 (12:30 Uhr)

    Imho hat der Fall auch wenig mit Meinungsfreiheit zu tun. Es ging um Beleidigungen und die muss sich niemand gefallen lassen.

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  7. von nicolette am 19.01.2011 (12:52 Uhr)

    Unabhängig zum Fall:

    Die so tolle Firma euroweb ist in Vergangenheit schon öfter aufgefallen mit unseriösen Methoden bei den Verträgen und aggresiven Verkäufern. Darüber hat im Fernsehen der MDR (Escher) bereits berichtet. Schön ist, dass auch der Bericht beim MDR dazu entfernt ist. Warscheinlich auch eine Abmahnung. Passt hier nur gut auf bei der t3n, dass es keine Abmahnung von eurweb hagelt....

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  8. von DannyNerd am 19.01.2011 (13:50 Uhr)

    euronepp oder wie heisst die firma nochmal?

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  9. von visual faculty am 19.01.2011 (13:56 Uhr)

    schönes Zitat:

    So einfach sollten sich diese Unternehmen PR-technisch nicht reinwaschen können; und allein der Versuch von Euroweb, sich mit einem solchen netzsozialen Feigenblättchen zu schmücken zeigt, dass die stetige Thematisierung fragwürdiger Abmahnpraktiken offenbar nicht ohne Auswirkung bleibt. Wobei speziell diese Firma den Grad ihrer Seriösität mit der aberwitzigen Rechtsauffassung, sie könnten über den Erlös eines gepfändeten Objekts frei verfügen, eindrucksvoll unter Beweis stellt.

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  10. von Michael am 19.01.2011 (14:01 Uhr)

    "wenn das mal alles nicht ein abgekartertes Spiel ist um für beide Seiten massig PR zu machen! Euroweb ist anschließend bekannt wie sonstwas und steht mit ner weißen Weste da. Nerdcore wird noch bekannter und beliebter (wie Assange) - Wetten?!?!"

    => Genau so ist es. Euroweb ist nicht blöd, die haben es schon lange geplant. Das alles hat einen SEO-technischen Hintergrund. In eigen Wochen redet darüber keiner mehr und irgendwann bekommt René Walter seine Domain zurück. Ihr dürft nicht vergessen das der größte Kundenstamm von Euroweb kein Twitter und Facebook nutzen. Die bekommen das gar nicht mit. ;)
    Momentan profitiert Euroweb einfach nur von euren Linkbait.

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  11. von Günter am 19.01.2011 (14:07 Uhr)

    Hmmm, freie Meinungsäusserung in allen Ehren und Abmahnunwesen - die Problematik ist bekannt.
    Aber wenn ich den Bericht so lese, ohne jetzt die weiteren Hintergründe zu kennen:
    - Abmahnung: ignoriert
    - einstweilige Verfügung: ignoriert
    - Vorladung zur mündlichen Verhandlung: ignoriert
    - kein Widerspruch eingelegt
    Da drängt sich mir doch der Gedanke auf: Selbst schuld!

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  12. von Olaf am 19.01.2011 (14:29 Uhr)

    Euroweb ist bekannt dafür mit unseriösen Methoden Geld zu verdienen. Die Zielgruppe dieser Firma sind deswegen oft nicht internet affine Menschen, die durch ein Vertriebsnetzwerk gezielt angesprochen werden. Wenn man das Wort euroweb bei Google eingibt schlägt selbst Google Suggest schon "euroweb abzocke" vor...

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  13. von Olaf am 19.01.2011 (14:34 Uhr)

    Hier noch einige TV Berichte zu den Geschäftsmethoden von Euroweb:

    http://www.konsumer.eu/video/82/Neues+von+Webstyle

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  14. von Michael am 19.01.2011 (14:48 Uhr)

    @Olaf,

    ich denke das das der Grund für die ganze Geschichte ist. Die negativen Google Sugges vorschläge zu entfernen. Man muss sich jetzt nur vorstellen das z.B. "Euroweb betrug" aus den Suggest rausfliegen und als fiktives beispiel "Euroweb Nerdcore" aufgenommen wird.

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  15. von Volker Gemald am 19.01.2011 (15:17 Uhr)

    wenn jemand von euch tatsächlich noch mehr medienpräsenz will, dann schlage ich vor die aufmerksamkeit auf maria riesch und ihre website http://rieschmaria.de lenken. diese wird von euroweb gehostet.

    einfach mal bei ihr oder ihrem manager nachfragen, ob denen bewusst ist, mit welchen geschäftspraktiken ihr provider so tätig ist und ob es nicht in zukunft schädlich sein kann mit dieser firma in verbindung gebracht zu werden.

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  16. von Martin am 19.01.2011 (17:55 Uhr)

    René Walter hat ja nicht ohne Grund über EuroWeb geschrieben:

    Inzwischen klagen bundesweit einige hundert Kunden gegen die Firmengruppe EuroWeb zu der auch die Firma Webstyle gehört. Der Nürnberger Anwalt Stefan Musiol, der allein 270 Kläger vertritt, bezeichnet die Geschäftspraktiken der Firmengruppe als „unseriös“ und „arglistige Täuschung“. Kunden würden im Verkaufsgespräch quasi kostenfreie Dienstleistungen versprochen, welche die Firma angeblich vor allem als Referenz nutzen wolle, für sie nach Unterzeichnung eines Vertrages dann aber doch mehrere tausend Euro verlange. Der Mitteldeutsche Rundfunk hat darüber bereits zweimal berichtet.”

    vor solchen Firmen muss man einfach warnen ...

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  17. von Michael am 19.01.2011 (18:50 Uhr)

    Bis gestern habe ich nicht gewusst wer oder was Euroweb oder Nerdcore sein soll, ich bin aber weit über 10 Jahre im Netz... Letzterer ist selber am Verlust der Domain schuld, was man so im Netz über den Fall finden konnte.

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  18. von lars am 20.01.2011 (10:52 Uhr)

    Das hat der Herr Walter schlichtweg selbst zu verantworten. Abmahnungen nicht zu beachten ist das eine, aber Gerichtstermine nicht wahrzunehmen zeugt einfach nur von einer Art Überheblichkeit die es nicht besser verdient hat bestraft zu werden^^ Und so etwas soll dann zu Deutschlands Alpha-Bloggern zählen? Sorry, aber die gesamte Szenerie der Geschehnisse zwischen den beiden Parteien ist einfach nur lächerlich.

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  19. von Olaf am 20.01.2011 (13:57 Uhr)

    @manuela. Meine Skepzis bezüglich Euroweb ist nicht erst durch diese Sache entstanden. Ich hatte selber Anfragen ehemaliger Euroweb Kunden in meiner Agentur, die schwer enttäuscht sind und gerade mit Euroweb prozessieren.

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