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Kolumne

Wieso die Abschaffung der Roaming-Gebühren so wichtig ist wie Schengen

Die Bedeutung der jetzt endgültig besiegelten Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU ist kaum zu überschätzen, meint Martin Weigert in seiner Kolumne Weigerts World.

Am 26. März 1995 trat das Schengener Abkommen in Kraft. Bei Grenzübertritten zwischen zunächst sieben europäischen Ländern fielen an diesem Tag die Kontrollen weg. Heute bleibt Menschen in Europa beim Überqueren der Grenzen zwischen 26 Ländern (mit einigen temporären Ausnahmen) die Einreisebürokratie erspart. Die Abschaffung der Grenzkontrollen war ein Meilenstein des Zusammenwachsens Europas. Das diese Woche endgültig besiegelte Aus von Roaming-Gebühren in der EU besitzt eine vergleichbare Dimension.

Nach vielen Jahren zäher Verhandlungen, diverser Rückschläge und erbittertem Widerstand der Telekomkonzerne können Kunden von Mobilfunkanbietern in der EU ab Mitte Juni und damit pünktlich zu den Sommerferien bei Reisen ins EU-Ausland endlich ohne zusätzliche Kosten beziehungsweise ohne die Notwendigkeit der Beschaffung einer lokalen SIM-Karte telefonieren, SMS verschicken und das Internet nutzen. Der Stichtag 15. Juni 2017 geht wie der 26. März 1995 als Schlüsseldatum innereuropäischer Integration in die Geschichtsbücher ein.

Kein Privileg einer Minderheit

Gemäß Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat verreisten Einwohner der EU-Länder im Alter von 15 Jahren oder älter im Jahr 2014 1,2 Milliarden Mal aus persönlichen oder geschäftlichen Gründen. 25,1 Prozent dieser Reisen führten ins Ausland. Bei den Deutschen stellen Spanien, Italien und Österreich die beliebtesten Auslandsreiseziele dar. Im Jahr 2013 machten laut einer Studie ganze 15 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger eines EU-Landes Urlaub in Spanien, elf Prozent besuchten Frankreich, zehn Prozent Italien. Kurzum: Nutznießer des Roaming-Endes ist nicht nur eine kleine Minderheit.

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Eine Grenze verschwindet, der niemand nachtrauern wird

Abgesehen von finanziellen Ersparnissen besitzt die Abschaffung der Roaming-Gebühren auch eine wichtige symbolische Funktion: Lässt man Sprachbarrieren außer Acht, verschwindet die letzte spürbare Grenze zwischen EU-Ländern; eine Grenze, der außer Vertretern der Telekommunikationsunternehmen niemand nachtrauern dürfte. Selbst überzeugte EU-Skeptiker werden sich bei der nächsten Reise ins europäische Ausland über die neue Annehmlichkeit freuen. Angesichts der ideologischen Spannungen innerhalb der Europäischen Union sowie des Drucks von außerhalb könnte der Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Regelung kaum besser gewählt sein. Denn es handelt sich um eine Maßnahme, die im Gegensatz zu manch anderen Vorstößen aus Brüssel für die Allgemeinheit gefühlt (und tatsächlich) nur Vorzüge bringt, und zwar direkt erlebbare.

Digitale Freiheit

Abgesehen von der politischen Dimension steht aber vor allem eines im Zentrum: digitale (Bewegungs-)Freiheit. Die Smartphone-Nutzung ist kein Luxus mehr, sondern elementarer Bestandteil des Alltags für nahezu alle Personen unterhalb einer gewissen Altersgrenze (und zunehmend auch darüber). Vor zwei Jahren konnte ich selbst erleben, wie revolutionär es sich anfühlt, eine Grenze überqueren zu können, ohne die Internetnutzung einschränken zu müssen. Dass dies nun für alle Menschen innerhalb der EU Wirklichkeit wird, ist ein Grund zum Feiern.

Weitere Kolumnen der Serie Weigerts World findet ihr hier. Ihr könnt die vom Autor täglich kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit englischsprachigen Leseempfehlungen beziehen.

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6 Reaktionen
Jens
Jens

Hmm wie ist das mit dem Roaming?
Ich aus Deutschland fahre morgen nach Holland und nichts passiert, weil das roaming abgeschafft ist. Ich kann angerufen werden und telefonieren.

Was aber wenn ich heute aus Deutschland nach Holland anrufe? Dann zahle ich doch nach wie vor recht hohe Gesprächsgebühren?

Und ja, ich freu mich, dass es weitere erste Schritte gibt, die Europa eins sein lassen.

Albert
Albert

"... verschwindet die letzte spürbare Grenze zwischen EU-Ländern ..."

Es gibt noch eine weitere Grenze, die zwischen EU-Ländern bestehen bleibt. Diese betrifft die Mediennutzung im Internet über EU-Grenzen hinweg: Internet Streaming von Fernsehsendern ins europäische Ausland, Nutzung von eBooks, Musik Streaming, ... . Immer mehr Europäer leben im europäischen Ausland und wollen trotzdem die Verbindung zu ihrem Ursprungsland behalten. Warenaustausch ist selbstverständlich, Medienaustausch nicht.

Zum Roaming selbst: Unverständlich das noch nicht einmal Anbieter, die in mehreren Ländern präsent sind, es schaffen, roaming-freie Tarife anzubieten.

Miingno

Hoffentlich ziehen die Schweizer Anbieter auch bald nach. Da wir nicht in der EU sind, bleiben die happigen Gebühren für uns noch bestehen und andersrum müssen auch Leute aus der EU bei uns bislang noch viel draufzahlen.

Michael Stucki
Michael Stucki

Bittesehr: 4G Roaming in EU + CH für 10 EUR / GB
Mehr Infos: http://prepaid-data-sim-card.wikia.com/wiki/Euro8

Thomas
Thomas

Das nützt doch alles nichts, wenn jetzt die Provider einfach allen Verträgen einseitig die Möglichkeit der Nutzung im Ausland nehmen...

Martin Weigert
Martin Weigert

Und du weißt, dass das passieren wird?

Ich denke, man kann diesen Moment ruhig einmal feiern. Dass es dann noch die ein oder andere "Baustelle" geben wird, und dass man genau hinschauen muss, wie die Telkos ihre Tarife anpassen, ist klar.

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