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Adblock Plus: Erpresser-Vorwurf gegen umstrittenen Werbeblocker

Nach schweren Vorwürfen gegen sind inzwischen Verträge aufgetaucht, die zeigen, dass sich die Betreiberfirma Eyeo das Whitelisting bezahlen lässt. Der Begriff der „digitalen Schutzgelderpressung“ macht die Runde. 

Adblock Plus: Erpresser-Vorwurf gegen umstrittenen Werbeblocker

Die Causa #Adblockgate nimmt weiter an Fahrt auf. Der Blogger Sascha Pallenberg hatte vor knapp zwei Wochen erste Informationen veröffentlicht, die die Adblock-Plus-Betreiberfirma Eyeo GmbH und den Geschäftsführer Till Faida schwer belasteten – wir haben darüber berichtet und Faida mit den Anschuldigungen konfrontiert. Der Vorwurf: Adblock Plus soll Geld für das Whitelisting von Werbekunden nehmen und somit Anzeigen, die eigentlich durch das Browser-Plugin ausgesperrt werden sollen, an dem vermeintlichen Qualitätsfilter „Acceptable Ads“ vorbeischleusen. Dieser soll eigentlich nur Werbeformen zulassen, die der Community, die sich angeblich hinter Adblock Plus befindet, legitim erscheinen. Was legitim ist, steht hier – unter anderem statische und deutlich gekennzeichnete Werbeanzeigen.

Adblock Plus als „Schutzgelderpresser“

Till Faida von Adblock Plus
Im Kreuzfeuer der Kritik: Till Faida von Adblock Plus.

Seitdem festigt sich das Bild der „Digitalen Schutzgelderpressung“  durch Adblock Plus in den Medien. So zitiert „Werben & Verkaufen“ aus einem Vertrag mit Eyeo, dass die Verantwortlichen satte 30 Prozent Umsatzanteil der Werbeeinnahmen von Webseitenbetreiber für das Whitelisting verlangen – nachzulesen unter anderem auf sueddeutsche.de. Zudem gehören zu den zahlenden Kunden nach neuesten Erkenntnissen auch Unternehmen wie 1&1 und Google. Das funktioniert demnach so, dass ein Webseitenbetreiber, dem beispielsweise 9.000 Euro monatliche Werbeeinnahmen durch Adblock Plus entgehen würden, damit geködert wird, dass er sich für monatlich 3.000 Euro in die Whitelist einkaufen kann und ihm somit am Ende des Monats wenigstens noch 6.000 Euro übrig bleiben. Adblock Plus verhält sich somit wie ein Gatekeeper, und als der hatte man sich in Vergangenheit nicht präsentiert.

Eine andere Angelegenheit, die erstaunt und enttäuscht, ist der Umstand, dass Adblock Plus in Debian vorinstalliert ist. Diese Kooperation hat der Journalist Dominik Schmidt auf seinem Blog offengelegt. Nicht nur laut Schmidt hat ABP im Zuge der neuesten Erkenntnisse nichts in der Standardinstallation von Debian zu suchen, er schreibt: „Unter dem Deckmantel von Open-Source Software und einer transparenten Community (die quasi nicht existent ist) wird hier also ein zumindest fragwürdiges Geschäftsmodell betrieben. Und jeder Debian-Nutzer, der sich ‘auf der guten Seite‘ wähnt, wird Teil dessen“. Es liegt auf der Hand, dass Adblock Plus mit dem nächsten Update schnellstmöglich wieder verschwinden sollte.

Die Beziehung von t3n.de zu Adblock Plus

Besorgt haben auch wir in den letzten Wochen die Causa #Adblockgate verfolgt. Besorgt vor allem, da wir die Idee rundum „Acceptable Ads“ an sich für unterstützenswert halten und uns anfangs mit Adblock Plus für einheitliche und nutzerorientierte Werbeformen eingesetzt haben. Wir haben uns vor zwei Jahren im Rahmen des t3n.de-Artikels „Adblock Plus: „Akzeptable Werbung“ zur Erhaltung des kostenlosen Internets“ wohlwollend gegenüber dem Kompromissgedanken ausgesprochen und dem Projekt nicht zuletzt durch mediale Aufmerksamkeit unter die Arme gegriffen. Eine Entscheidung, die nachträglich einen bitteren Beigeschmack bekommt. Auch wir befinden uns in der zu Recht kritisierten Whitelist von ABP, jedoch ohne, dass wir zu irgendeinem Zeitpunkt Zahlungen an die Eyeo GmbH geleistet haben.

Wir hoffen weiter, dass der Diskurs rund um akzeptable Werbeformate trotz dieser negativen Entwicklung nicht abbricht und dass ein Konsens zwischen Werbeunternehmen und Inhalteanbietern gefunden wird, der schlussendlich alle Parteien zufrieden stellt. Denn eines muss jedem klar sein: Guter Journalismus muss irgendwie bezahlt werden – und die Alternative zu Werbung sind Bezahlschranken.

Weiterführende Links zum Thema „Adblock Plus“

NEU: Lass dir diesen Artikel vorlesen
Ein Service von t3n, in Kooperation mit Narando.
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8 Antworten
  1. von angelmedia am 09.07.2013 (19:18 Uhr)

    Wieso steht ihr (t3n) eigentlich in der Whitelist von Adblock Plus drin?

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  2. von heiko seifert am 09.07.2013 (19:39 Uhr)

    Wenn Ihr in der Whitelist seid, ist das aber schon großes Glück, denn diese onimösen Regeln haltet Ihr ja nicht wirklich ein. Obwohl ich eure Werbung keines falls als nervig empfinde, würde vermutlich weder der Hockeystick, noch das Flashrechts und schon garnicht die Googleanzeige im Text für "die Adblock community" akzeptabel

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  3. von Steffen012345 am 09.07.2013 (20:38 Uhr)

    Den bittersten Beigeschmack habe ich empfunden, als sich die mittlerweile aufgedeckte Tarn-Persönlichkeit http://www.reddit.com/user/Cthuliox bei Reddit meldete: "Does it shock anyone that a publisher is trying to influence the adblocking debate? I think their last quote, where they ask everybody to 'think 5 minutes about the influence of adblockers' says it all. "

    Das zeigt, wie skrupellos man bei Adblock Plus versucht, die Berichterstattung über das Unternehmen zu unterdrücken, in dem man einfach jedem werbefinanzierten Onlineauftritt die notwendige Unbefangenheit abspricht. Und einige Medien in vorauseilendem Gehorsam und aus Angst vor dem folgenden Kommentar-Terror tatsächlich davor zurückschrecken.

    Schon die Sperrung !!! der Bitte der Verlage nach einer Deaktivierung der Adblocker wurde von einigen leider überhörten Stimmen ganz klar als ZENSUR empfunden. Adblock Plus argumentierte, die Bitte sei "zu aufdringlich". Das ist ungeheuerlich.

    https://plus.google.com/+AdblockPlus/posts/Rm48EFHAq3S

    http://netzwertig.com/2013/05/14/anti-werbeblocker-kampagne-der-mainstreampresse-schwache-kritik-an-einem-legitimen-appell/

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  4. von Jan Christe am 09.07.2013 (21:01 Uhr)

    @heiko seifert Das Whitelisting beschränkt sich ausschließlich auf die statische, nicht Flash-basierte in unserer Sidebar (unterhalb von "Sponsoren & Partner). Klassische Display-Werbung (Hockeyschläger & Co.) wird weiterhin geblockt.

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  5. von Oink am 10.07.2013 (07:18 Uhr)

    @Martin: Hehe genau. Dem Endnutzer ist es eh egal.

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  6. von 5inMathe am 10.07.2013 (19:05 Uhr)

    30% von 9000 sind 2700, nicht 3000.

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  7. von boesl am 14.07.2013 (13:29 Uhr)

    Ich habe gerade für meine Bachelorarbeit zum Thema Werbung im Web und Verbreitung von Werbeblockern eine Umfrage laufen, würde mich über die Teilnahme freuen: http://edu.surveygizmo.com/s3/...

    Ich möchte damit herausfinden, wie Werbung im Web empfunden wird, welche Werbeformen als belästigend eingestuft werden und wie weit Werbeblocker verbreitet sind bzw. was der Grund für die Nutzung ist.

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