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1.000 Dollar für jeden Mitarbeiter: Wie Adobe Innovationen vorantreiben will

1.000 Dollar für jeden Mitarbeiter: Wie Adobe Innovationen vorantreiben will

Mit Programmen wie oder InDesign will Innovationen ermöglichen – und ist immer auch selbst auf der Suche nach der nächsten großen Idee. Und das teils mit ungewöhnlichen Mitteln.

1.000 Dollar für jeden Mitarbeiter: Wie Adobe Innovationen vorantreiben will

(Foto: Adobe)

Einer der wichtigsten Mitarbeiter für diesen Prozess ist Mark Randall, „VP Creativity“ bei Adobe. Etliche seiner Ideen haben das Unternehmen aus San José und seine Produkte maßgeblich verändert. Wir haben den Manager auf der The Next Web Conference in Amsterdam getroffen und mit ihm über die Cloud, kreative Prozesse und Geld gesprochen.

Adobe: „Durch die Cloud erweitern wir unseren Markt“

t3n.de: Adobe verlegt immer mehr Produkte in die Cloud. Welche Strategie steckt dahinter?

Mark Randall: Unsere Software in die Cloud zu bringen, hat uns die Möglichkeit gegeben, sie lebendig werden zu lassen – alleine schon, was regelmäßige Updates angeht. Und die Cloud bietet uns völlig neue Möglichkeiten – zum Beispiel, was die Geschwindigkeit angeht. Und drittens bietet sie Nutzern günstigeren Zugang zu Software.

t3n.de: Gerade das klingt für Adobe ja auch nach einem Risiko. Zahlt sich der Schritt denn auch wirtschaftlich aus?

Randall: Auf jeden Fall, denn wir erweitern damit ja unseren Markt. Zum Beispiel integrieren wir seit dem Kauf von Fotolia einen Marktplatz in die Creative Cloud. Das werden wir weiter ausbauen. Wir reden also inzwischen nicht mehr nur über Software, sondern auch über Content.

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t3n.de: Bislang war Adobe als Anbieter von Profi-Software bekannt. Ändert sich das allmählich?

„Tools können einen kreativen Geist nicht ersetzen, aber sie können ihn ergänzen.“

Randall: Ich denke, Menschen müssen sich entscheiden: Bin ich ein Profi und will mir das bestmögliche Tool leisten? Oder bin ich Amateur und brauche nicht alle Funktionen? Wir wollen, dass die Menschen tun können, was sie tun wollen – auch bezogen auf das Endgerät. Sie sollen unsere Software nutzen können, egal, ob auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Rechner. Wir denken über unsere Tools nicht mehr als getrennte Produkte, sondern als Netzwerk.

t3n.de: Gerade im Bereich der Cloud sind Sicherheit und Geschwindigkeit wichtige Punkte. Ist der Status Quo da zufriedenstellend?

Randall: Ganz sicher noch nicht ganz, nein. Das Thema Sicherheit verändert sich ja ständig. Wir sind der Meinung, dass wir da auf der Höhe der Zeit sind und entwicklen unsere Produkte ständig weiter. Und was die Bandbreite angeht: Da haben wir beim Streaming und der Kompression enorme Fortschritte gemacht.

Mark Randall. (Foto: markrandall.com)
Mark Randall. (Foto: markrandall.com)

Dazu kommt: Einige Unternehmen wollen die Daten hinter ihrer eigenen Firewall, andere legen da keinen Wert drauf. Deshalb können wir die Adobe-Cloud in verschiedene Umgebungen und Workflows integrieren. Doch lokale Speicher wird es immer geben müssen, alleine schon für’s Caching. Ich mache mir weniger Gedanken darum, wo die Daten liegen, als um Zugriffszeiten oder Backups. Denn noch schlimmer, als dass jeder Zugriff auf deine Daten hat, ist doch, dass niemand – inklusive dir – Zugriff auf sie hat.

t3n.de: Lange Zeit hat Adobe mit Programmen wie Photoshop reine Tools zur Verfügung gestellt – durch die Cloud scheint sich aber auch der kreative Prozess selbst zu verändern.

Randall: Absolut. Ein tolles Beispiel dafür ist Behance. Hier finden so viele Menschen Inspiration. Aber sie finden auch Mitstreiter, da bilden sich Teams, lösen sich wieder auf, bilden sich wieder neu. Da sehen wir schon, wie die Cloud Dinge verändert. Doch auch die Creative Cloud verändert Workflows. Dazu kommt, dass ich glaube, dass die meisten Programme schon heute mehr sind als nur Tools. Algorithmen verändern das Arbeiten und bieten mehr Möglichkeiten. Tools können einen kreativen Geist nicht ersetzen, aber sie können ihn ergänzen.

Von Kobolden und Einhörnern

t3n.de: Auch intern setzt Adobe auf einen interessanten Workflow, indem Mitarbeiter frei eigene Ideen entwickeln dürfen. Wie genau sieht das aus?

Randall: Wir haben mit Kickbox vor zwei Jahren eine interne Innovationsplattform in einem Karton geschaffen. Da ist alles drin, was Mitarbeiter brauchen, um neue Ideen zu entwickeln und zu testen: eine Prepaid-Kreditkarte mit 1.000 Dollar beispielsweise. Über das Geld und ihr Projekt müssen sie erst mal auch keine Rechenschaft ablegen. Da ist es nicht wichtig, was zum Beispiel ich über eine Idee denke. Ich könnte mich ja irren. Ich habe mich ja schon geirrt. Wir haben einfach aufgehört zu raten, ob etwas funktioniert und probieren es stattdessen aus.

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Ideen-Entwicklung bei Adobe: die Kickbox. (Foto: Adobe)

t3n.de: Über wie viele Boxen reden wir?

Randall: Über 1.000 bisher.

t3n.de: Und wer nutzt das Angebot?

Randall: Die Hälfte bisher waren einzelne Mitarbeiter, manchmal formieren sich auch Teams, aber das müssen nicht zwingend Leute sein, die auch davor schon zusammengearbeitet haben. Wenn sie ein Produkt zur Marktreife gebracht haben, bekommen sie als Belohnung eine blaue Box. Ich kann allerdings nichts darüber verraten, was da drin ist, das ist individuell und ein Geheimnis. Nur so viel: Sie wird von Kobolden auf Einhörnern überbracht.

t3n.de: Und wie oft ist das bisher passiert?

Randall: Bisher haben wir 23 blaue Boxen ausgegeben.

t3n.de: Das ganze klingt ziemlich risikoreich. Niemand garantiert ja, dass am Ende eine tolle Idee herauskommt.

Randall: Das stimmt. Aber es gibt keinen Fortschritt ohne Risiko. Das Risiko auf Null zu reduzieren, hieße auch, die Aktivität auf Null zu reduzieren. Es gibt bei unserem Workflow eine Dynamik des Vertrauens. Das Wichtigste ist es, die Leute von der Leine zu lassen. Wir wissen nicht, woher die nächste Hundertmillionen-Dollar-Idee kommt, aber wir wissen, dass sie von jedem unserer Mitarbeiter kommen könnte.

t3n.de: Wie würdest du andere Unternehmen davon überzeugen, das System zu adaptieren?

Randall: Das tun wir schon. Wir haben die Kickbox als Open-Source-Projekt veröffentlicht, und es gibt schon eine ganze Menge Unternehmen, auch Startups, die sie nutzen.

„Wenn du die Digitalwirtschaft verändern willst, solltest du bei Adobe arbeiten“

Das Hauptquartier von Adobe in San José. (Foto: t3n)
Das Hauptquartier von Adobe in San José. (Foto: t3n)

t3n.de: Adobe ist ja nun selbst alles andere als ein Startup. Wie ist die Idee zu der Box entstanden?

Randall: Der Prozess dahinter kommt aus dem Startup-Bereich. Ich selbst habe mein letztes Startup an Adobe verkauft, so bin ich da gelandet. Und ich habe einige meiner Workflows und Ideen mitgebracht. Ich habe Mitarbeiter gefragt: Wollt ihr für mehr Innovation sorgen? Und die Antwort war eindeutig Ja. Und dann habe ich gefragt, was sie dafür brauchen, auch da waren die Antworten eindeutig: Geld. Zeit. Freiheiten. Und den richtigen Workflow. Die Box soll alle Hindernisse aus dem Weg räumen, die vorher da waren.

t3n.de: Und wie hoch schätzt du das Risiko ein, dass Mitarbeiter eine Idee so gut finden, dass sie kündigen, um sie alleine weiter zu entwickeln?

Randall: Natürlich könnten einige Mitarbeiter auf die Idee kommen, ihr eigenes Startup zu gründen. Das gab es bei uns aber schon immer. Manchmal kommen sie zurück, manchmal haben wir ihre Startups auch später wieder gekauft. Aber wenn du ein Unternehmen haben willst, das innovativ arbeitet, wirst du sowas immer haben und in Kauf nehmen.

t3n.de: Sicher hilft die Blue Box auch als Anreiz zu bleiben?

Randall: Das mag sein. Vor allem aber haben unsere Mitarbeiter ja die Entscheidung getroffen, bei uns zu arbeiten – und das hat einen Grund, jenseits vom Gehalt. Ich sage immer: Wenn du ein Astronaut sein willst, solltest Du bei der NASA arbeiten. Wenn du die Digitalwirtschaft verändern willst, solltest du bei Adobe arbeiten.

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Eine Antwort
  1. von danbar87 am 24.06.2015 (00:21 Uhr)

    Adobe zeigt neue Wege im Innovationsmanagement. Wir haben die Kickbox für den deutschen Markt angepasst: http://innovation-kickbox.de

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