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Adobe, die grüne Macht: Zu Besuch im Maschinenraum des Photoshop-Giganten

Adobe, die grüne Macht: Zu Besuch im Maschinenraum des Photoshop-Giganten

Mit dem radikalen Umzug in die hat viele Kunden vor den Kopf gestoßen. Dahinter steckt neben der Gewinnmaximierung aber auch die Ambition, ein umweltfreundliches Vorbild für das Silicon Valley zu sein. Wie der Photoshop-Konzern seine Vision vom nachhaltigen Tech-Riesen realisiert, zeigt ein Besuch im Hauptquartier von San José. Ein Beitrag im Rahmen der .

Adobe, die grüne Macht: Zu Besuch im Maschinenraum des Photoshop-Giganten

Das PDF als Umweltkiller

„Das ist doch verblüffend“, sagt Vince Digneo und lächelt, als habe er gerade einen Zauberwürfel geknackt. „Damit könnten wir eine Stadt wie Cambridge ein ganzes Jahr lang mit Energie versorgen.“ Vier Milliarden PDFs, so hat es Digneo berechnet, wurden im letzten Jahr auf PCs geöffnet. Und: In der großen Mehrzahl auch gleich ausgedruckt. „98 Prozent aller geschlossenen Verträge in den USA sind immer noch aus Papier“. Das, sagt er, habe „enorme Auswirkungen“ auf unsere Umwelt. Man müsse als Unternehmen einfach mehr Verantwortung übernehmen.

Adobe: Radikaler Umzug in die Cloud

Stylische Boxen, die per Einzelkauf erhältlich waren – das liebten die Adobe-Kunden. Wegen der Forderung nach stabileren Umsätzen und mehr Umweltschutz, wurden diese jedoch durch die Cloud ersetzt. (Foto: non-format)
Stylische Boxen, per einmaligem Einzelkauf erhältlich – seit Adobe wegen mehr Umsatz und der Umwelt radikal auf Cloud setzt, ist das Geschichte. (Foto: non-format)

Digneo macht genau das. Er ist „Sustainability Strategist“ bei Adobe und sorgt quasi dafür, dass der Photoshop-Konzern in Sachen Nachhaltigkeit alles richtig macht. Mit der kürzlich lancierten Adobe Document Cloud soll das Papier deshalb bald der Vergangenheit angehören. Aber das ist nicht alles.

„Adobe verkauft bisher zwar weniger Abos als erwartet, aber zumindest die Umwelt hat profitiert.“

Als Adobe vor zwei Jahren beschloss, seine beliebte Creative Suite statt in hübschen Kartons nur noch virtuell per Cloud anzubieten und sich damit auch das Geschäftsmodell radikal änderte, war die Aufregung bei den Kunden zunächst groß. Einzelkäufe der Softwarepalette waren plötzlich nicht mehr vorgesehen, die Nutzung nur noch mit temporärem Internetzwang möglich und kritisiert wurde außerdem das auf lange Sicht vergleichsweise teurere Abomodell.

Zwar verkauft Adobe derzeit weniger Abos als erwartet, von dem Umbruch aber hat zumindest die Umwelt profitiert: „Mit dem Umzug in die Cloud haben wir unseren ökologischen Fußabdruck um 91 Prozent reduziert“, erklärt Digneo. „Wir liefern heute schon 78 Prozent unserer Software ausschließlich virtuell aus, so konnten wir unseren Bedarf an Verpackungen um 96 Prozent senken.“

„Corporate Sustainability wird unterschätzt“

Das Hauptquartier von Adobe in San José. (Foto: t3n)
Das Hauptquartier von Adobe in San José. (Foto: t3n)

Diese Zahlen kommuniziert man bei Adobe gerne. Das Unternehmen aus dem kalifornischen San José zählt inzwischen zu den Vorzeige-Beispielen für „Corporate Sustainability“, also die nachhaltige Unternehmensführung. Dabei werden strategische Entscheidungen so getroffen, dass sie im Einklang mit der ökologischen, sozialen und kulturellen Verantwortung der handelnden Akteure gegenüber Umwelt und Mitarbeitern stehen.

„Viele Firmen wissen nicht, wie sehr sie sich und ihren Mitarbeitern schaden.“

Im ist das nicht selbstverständlich: „Corporate Sustainability wird hier oft noch unterschätzt“, sagt Digneo. Noch immer stehen radikale Wachstumsstrategien und millionenschwere Exits im Zentrum des Unternehmertums. Platz für umweltbewusstes Handeln bleibt da kaum. „Das ist ein großes Problem“, sagt Digneo. Viele Firmen, sagt er, wüssten gar nicht, wie sehr sie sich und ihren Mitarbeitern damit langfristig schaden. Dabei könne man doch jede Menge tun.

Adobe: Smarte Flure für die „grüne Null“

In San José, wo Adobe sein von circa 6.000 Mitarbeitern bevölkertes Hauptquartier unterhält, bekommt man einen Eindruck davon. Mülleimer gibt es kaum, in den lichtdurchfluteten Großraumbüros stehen gefühlt mehr Topfpflanzen als Monitore und vor allem die Luft ist für ein Gebäude, das äußerlich den Antlitz eines stickigen Bankenturms trägt, ungewöhnlich frisch. Kein Zufall: „Die Luftqualität ist hier nachweislich zehn Mal besser als draußen“, versichert Digneo.

Im Hauptquartier von Adobe hat man die Arbeitsbereiche vor einigen Jahren aufwändig restauriert, um mehr Energieeffizienz zu erreichen. (Foto: t3n)
Im Hauptquartier von Adobe hat man Ruhe- und Arbeitsbereiche vor einigen Jahren aufwändig restauriert, um mehr Energieeffizienz zu erreichen. (Foto: t3n)

Adobe: „Noch dieses Jahr sind alle unsere Gebäude absolut klimaneutral.“

Zur Klimatisierung seiner „Smart Floors“ – wie Adobe seine bunten und auf Energieeffizienz getrimmten Bürolandschaften nennt – setzt man seit vier Jahren auf das Internet of Things. Eine Software und Dutzende Sensoren auf allen Etagen überwachen die Luftzufuhr und den Energieverbrauch rund um die Uhr. Der Bedarf wird situationsbedingt und auch abhängig lokaler Wetterprognosen angepasst. Goldene Regel: Bleibt ein Arbeitsbereich für länger als 15 Minuten ungenutzt, werden alle Lampen, Heizungen und Steckdosen ausgeschaltet. Um mehr als die Hälfte, sagt Digneo, sei der Stromverbrauch seitdem zurückgegangen.

Stolz ist er auch auf die 20 Windturbinen und kühlschrankgroßen Brennstoffzellen, die Adobe dem Dach des Hauptquartiers installiert hat. Mit ihnen deckt der Konzern bereits einen Teil seines Strombedarfs selbst. Schon jetzt liegt Adobe an der Spitze der umweltfreundlichsten Tech-Unternehmen, obwohl entsprechende Standards noch nicht an allen Standorten in den USA erfüllt werden. Noch in diesem Jahr aber will Digneo die „grüne Null“ packen: „Dann sind alle unsere Gebäude absolut klimaneutral“, verspricht er.

Mit Fitness-Trackern zu besseren Mitarbeitern

Corporate Sustainability aber sei mehr als nur „bloßes Energiesparen“, das stellt Digneo klar. Es gehe auch darum, die Mitarbeiter für mehr Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. „Wir animieren mit unterschiedlichen Maßnahmen dazu, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren“, sagt er. Neben kostenlosen ÖPNV-Tickets biete Adobe etwa Subventionen für Radfahrer an. Und: Setzen sich Mitarbeiter für ein lokales Umweltprojekt ein, winken Gratifikationen.

Doch nicht alles wirkt so altruistisch, wie man es auf den ersten Blick vielleicht vermuten könnte. So stellt Adobe seinen circa 6.000 Mitarbeitern in San José kostenlose Fitness-Tracker zur Verfügung. Man kooperiert dazu mit dem Hersteller FitBit. Mitarbeiter sollen so dazu animiert werden, sich regelmäßig im Büro zu bewegen beziehungsweise Sport zu treiben, heißt es. Durch ein spezielles Widget mit dem Namen „Up your steps, Down your footprint“ erhält das Ganze sogar eine spielerische Komponente zum Wohle der Umwelt.

Über das „Corporate Wellness“-Programm von FitBit stellt Adobe seinen Mitarbeitern kostenlose Fitness-Tracker zur Verfügung. (Foto: FitBit)
Über das „Corporate Wellness“-Programm von FitBit stellt Adobe seinen Mitarbeitern kostenlose Fitness-Tracker zur Verfügung. (Foto: FitBit)

Eine super Sache, resümiert Digneo. „Die Leute sind zufriedener, fühlen sich besser, und müssen seltener zum Arzt“, sagt er. Einwänden, Adobe würde seine Belegschaft so indirekt überwachen, begegnet Digneo routiniert. Er höre sie nicht zum ersten Mal. Niemand sei ja zum Tragen der Armbänder verpflichtet. „Adobe geht es darum, Mitarbeitern zu zeigen, dass auch sie mit einfachen Mitteln einen Teil zur nachhaltigen Unternehmensführung beisteuern können.“

t3n im Silicon Valley

daniel_huefner_t3nDaniel Hüfner berichtet für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Startups und interessante Orte des Tech-Epizentrums. Auf Twitter bekommt ihr zudem weitere Eindrücke von der US-Westküste.

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11 Antworten
  1. von Matthias Töpfer am 05.04.2015 (11:40 Uhr)

    Dieses ganze Wie-toll-ist-doch-Adobe-Getue geht mir auf die Nerven. Umweltfreundlichkeit? Mag ja sein. Seit der Version CS5 hab ich von Adobe nichts mehr auf Papier oder CDs bekommen. Aber das machen die um Geld zu sparen. Die Creative Cloud als Vorzeigebeispiel für Umweltfreundlichkeit zu preisen ist platt. Tatsächlich bleibt der wirklich relevante Aspekt des Artikels unbeleuchtet: Adobe verkauft weniger Abos als erwartet. Na klar. Wer hatte es denn anders erwartet? Aber ich vermisse wie immer genaue Zahlen. Wie viele sind es tatsächlich, die sich von Adobe ins Abo zwängen lassen? Und wie viele bleiben bei den alten Versionen und kaufen mit Freude jede neue Alternative, die am Markt auftaucht? Ein Artikel, der das unabhängig untersucht, wäre ein wirklich interessanter Artikel.

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    • von Marcus C. J. Hartmann am 05.04.2015 (14:08 Uhr)

      Hallo Matthias. In diesem Falle bleibt höchstens der für dich relevante Teil unbeleuchtet. Der Artikel hat nie behauptet, sich mit den Absätzen und Umsätzen der Firma zu beschäftigen. Hätte es dazu tatsächlich Zahlen in diesem Text gegeben, wäre das im Bezug auf den Titel des Textes maximal ein interessanter Randfakt gewesen. Die CS6 von Adobe gab es übrigens durchaus noch auf CD. Es sei denn, ich bin einer Betrügerfirma namens ADOBE auf den Leim gegangen. Ich halte es durchaus für wichtig, auf die mögliche Klimaneutralität eines Unternehmens aufmerksam zu machen, denn es gibt nach wie vor zu viele von denen, die rücksichts-, skrupel- und hirnlos die menschliche Lebensgrundlage für die nächsten Jahrtausende zerstören, um für sich und ein paar lächerliche Jahrzehnte Geld einzustreichen, das nie mehr ausgegeben werden kann.
      Mit diesen Worten wünsche ich ein frohes und besinnliches Osterfest.

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  2. von Vomitorium am 05.04.2015 (12:51 Uhr)

    4 Milliarden(!) PDF wurden im gesammten letzten Jahr auf allen (!) PCs weltweit geöffnet?

    No way, das kommt ja wohl nie hin - einfach mal überlegen, wieviele Tausend PDF jeder von euch pro Jahr allein auf seinem Privat-Computer(!) öffnet?

    Und dann noch die ganzen Unternehmen?

    Ich tippe daher eher auf einen Übersetzungsfehler...

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  3. von Oliver am 05.04.2015 (15:28 Uhr)

    Wer Energie spart, der spart Kosten. Korrekt? Warum sind dann die Abos so teuer? Warum sind Einzelkäufe nicht mehr möglich? Ich abonniere ja auch keine Videospiele unter Steam oder Origin, sondern kaufe mir ein einzelnes Exemplar. Internetzwang habe ich dort auch nicht.
    Die Abos von Adobe sind absolut überflüssig, eher scheiße. Davon profitiert nur der Konzern.

    Auf mich wirkt es so, als wolle Adobe mit der guten Tat die üble Tat verschleiern. Es ist ein besonders gewinngeiler Konzern mit vorbildlicher Corporate Sustainability. Da entsteht bei mir Hassliebe.

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  4. von leodesign am 07.04.2015 (12:51 Uhr)

    „Mit dem Umzug in die Cloud haben wir unseren ökologischen Fußabdruck um 91 Prozent reduziert“. Aha, das geht aber auch ohne Cloud, in dem man Software/Updates einfach zum Download anbietet. Ich habe das Gefühl, da wird versucht auf dem Rücken der Natur das Abo/Cloud-Modell zu etwas besserem zu machen, als es ist: Auf dauer eine Abzocke. Sorry, aber es gibt genug andere Softwareschmieden, die es besser vormachen und da brauche ich auch keine Verpackung für kaufen!

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    • von leodesign am 07.04.2015 (12:57 Uhr)

      Wie kann ich hier denn meinen eigenen Kommentar korrigieren? Habe keine Möglichkeit gefunden, diese schönen Rechtschreibfehler auszumerzen!

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  5. von Ich am 07.04.2015 (19:36 Uhr)

    Das ist doch Blödsinn. Adobe ist auf ein Abo Modell umgestiegen um mehr Geld zu machen und den Kunden langfristig bezahlen zu lassen.

    Das jetzt als Green IT zu verkaufen (und auch von euch so unreflektiert zu veröffentlichen) ist lächerlich.

    Ich möchte mal bitte Nachweise für den gesenkten ökologischen Fussabruck sehen. Eine cloud wird nicht durch Luft und Liebe betrieben, benötigt Ressourcen und muss IMMER und für die nächsten Jahre betrieben werden. Und kommt mir nicht mit Bäume pflanzen.

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  6. von Livia Sedlmeir am 09.04.2015 (15:34 Uhr)

    Die eigentliche Wahrheit ist doch, dass sich hauptsächlich diejenigen beschweren, die seit dem Abo-Modell die Adobe-Software nicht mehr illegal downloaden können. Software ist nicht for free. Surprise?!
    Und ja, ich arbeite bei Adobe.

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    • von Matthias Töpfer am 09.04.2015 (15:48 Uhr)

      Sagen Sie mal, schämen Sie sich eigentlich nicht? Wer das Abo nicht mag, will bescheißen? Ja? Das dürfte eine grobe Fehleinschätzung sein. Während ihr das denkt, versaut ihr euch euren Ruf und das Geld das Ihr einnehmen wolltet fließt zunehmend in Konkurrenzprodukte. ;))

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      • von leodesign am 09.04.2015 (16:54 Uhr)

        Meine volle Zustimmung, Herr Töpfer! Wenn diese absurde Behauptung wirklich wahr wäre, hätte Adobe wohl schon längst dicht gemacht. Ich muss nur nicht immer das Neueste haben und dafür entsprechend löhnen. Lange bin ich mit der CS3 gut ausgekommen und habe dann das Upgrade auf die CS6 gemacht. Und ich vermute mal, dabei werde ich auch laaange bleiben!

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