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Akkurater Widerstand: Wie ein Berliner mit Schlips und Rock gegen die Totalüberwachung kämpft

    Akkurater Widerstand: Wie ein Berliner mit Schlips und Rock gegen die Totalüberwachung kämpft

Akkurater Widerstand mit Schlips und Rock. (Bild: Flickr-Jono Müller / CC-BY-2.0)

Die Protest-Folklore hält den Durchschnittsdeutschen von Demonstrationen fern. Der Berliner Michael Bukowski verordnet für die diesjährigen „Freiheit statt Angst“-Demonstration den akkuraten Widerstand.

Vorurteile mag in der Regel niemand und doch sind sie allgegenwärtig. Nehmen wir das Vorurteil gegenüber Demonstranten: Gewaltbereite Wutbürger und Utopisten, die nicht arbeiten gehen wollen – so blickt der Durchschnittsdeutsche Thomas Müller auf den gemeinen Demonstrationsteilnehmer herab. Doch warum nur?

Wer schon einmal auf einer Demonstration war, wird wissen, dass dort einige „Ich-bin-gegen-alles“-Typen herumschwirren, die mit Anarchie-Zeichen auf der Jacke, einem Anti-Kapitalismus-Schild in der Hand und einer Anonymous-Maske im Gesicht einfach nur Stimmung machen wollen – und das, obwohl sie sich auf einer Demonstration für Umweltschutz befinden. Dass dieses Bild, das dann schlussendlich von den Medien in der Berichterstattung überzeichnet wird, der eigentlichen Sache schadet, liegt auf der Hand. Der Durchschnittsdeutsche macht sich nicht gemein mit Anarchisten. Die Revolution steckt nicht in der DNA von Thomas Müller.

Kontraproduktive Protest-Folklore auf Demos

Akkurater Widerstand-Initiator Michal Bukowski.
Akkurater Widerstand-Initiator Michal Bukowski.
Und genau da liegt der Hund begraben: Es braucht die tausenden Durchschnittsdeutschen da draußen, deren Anwesenheit für Gehör in den Reihen der Politik sorgt. Ansonsten ist jeder wichtige Protestmarsch dazu verdammt, dass er mit ein paar hundert Besuchern im Nichts verläuft. Erkannt hat das auch der Berliner Michael Bukowski, der im vergangenen Jahr die „Freiheit statt Angst“-Demonstration besucht hat und enttäuscht von der Protest-Folklore und einem bekloppten Tweet einer Piratin eine ungewöhnliche Idee entwickelte.

Was war passiert? Auf der jährlich stattfindenden Kundgebung treffen sich in der Regel Menschen, um sich gegen die Totalüberwachung der Bevölkerung durch Regierungen auszusprechen. Im Jahr der Snowden-Veröffentlichungen haben die Veranstalter und Teilnehmer insgeheim gehofft, dass die Tragweit der Causa den Deutschen bewusst ist und sie gemeinsam für ein Ende der Massenüberwachung eintreten – immerhin geht das Thema doch alle etwas an. Doch weit gefehlt. Trotz der Umstände haben sich in Berlin nur 15.000 Personen eingetroffen. Um es ganz klar zu sagen, für ein paar tausend Mennekin macht kein Spitzen-Politiker auch nur einen Finger krumm.

„Akkurrater Widerstand“ anstatt „Akuter Widerstand“

Bukowski sieht den Grund für die Abstinenz der breiten Mitte – wie gesagt – in den oben geschilderten Umständen. Damit dieses Jahr alles anders wird, verordnet er in einer Aktion den Teilnehmern der nächsten „Freiheit statt Angst“-Kundgebung den Revoluzzer-Look und die Kapitalismus-Kritik mal daheim zu lassen. Auf der Projektseite heißt es dazu: „Wir sind der akkurate Widerstand und sehen auch so aus. Wir tragen Anzüge, Oberhemden, Blusen, Röcke. Wir wollen, dass Oma Krause in den Nachrichten proper gekleidete Leute sieht.“

Vor allem aber möchte Michael Bukowski, dass das Thema der Massenüberwachung sich nicht im Sand verläuft, wie so viele andere wichtige Themen, die die Politiker in ihrem Duckmäusertum einfach aussitzen. Die Nachricht bleibt die gleiche: Die Freiheit der Menschen darf im Digitalen nicht enden. Wer das wie der „Akkurrate Widerstand“ sieht, trifft sich am 30. August 2014 vor dem Brandenburger Tor in Berlin – gekämmt und gestriegelt!

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2 Reaktionen
Gerdi
Gerdi

Und wenn die meisten Teilnehmer so konstruktiv auftreten muss man zusätzlich höllisch auf Provokateure innerhalb der Veranstaltung aufpassen. Verschiedene Interessengruppen wünschen sich ja dass wie Initiativen "Freiheit statt Angst" in schlechtes Licht gestellt werden.

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christof_versacommerce.de
christof_versacommerce.de

Klasse Initiative! Das Thema muss von allen Seiten und von allen Bevölkerungsschichten angegangen werden, sonst wird die Politik sich nicht bewegen.

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