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Algorithmus entlarvt Foren-Trolle nach nur fünf Kommentaren

Algorithmus entlarvt Foren-Trolle nach nur fünf Kommentaren

Foren-Trolle sind ein Übel für Betreiber und Moderatoren von Foren und Kommentarspalten. Ein neuer Algorithmus soll Diskussionsteilnehmer, die sich nur auf destruktive Beiträge beschränken, schon nach fünf Kommentaren erkennen.

Algorithmus entlarvt Foren-Trolle nach nur fünf Kommentaren

Als Troll wird im Netz eine Person bezeichnet, die Diskussionen absichtlich mit provokativen Kommentaren stört, um Reaktionen hervorzurufen. Für die Nutzer von Online-Foren und Kommentarspalten ist dies im besten Fall nervig. Aber das Trollen kann dazu führen, dass sich Betreiber und Moderatoren gezwungen sehen, gegen beleidigende und hetzerische Meinungen vorzugehen. Viele der in diesem Zusammenhang ausprobierten Methoden und Funktionen gehen dabei zu Lasten der Meinungsfreiheit, wie t3n-Kolumnist Andreas Weck warnt.

Forscher untersuchen 50.000 Foren-Trolle

Wissenschaftler der Universitäten Cornell und Stanford haben nach 18-monatiger Forschungsarbeit einen Algorithmus entwickelt, der Foren-Trolle nach nur fünf Postings erkennen soll – zumindest mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit. Als Grundlage diente den Forschern die Analyse von mehr als 35 Millionen Postings von fast zwei Millionen Nutzern auf den drei großen Websites CNN, Breitbart und IGN. Rund 50.000 Nutzer wurden im Untersuchungszeitraum von Moderatoren von den Diskussionen ausgeschlossen. Die Beiträge dieser Foren-Trolle wurden genauer unter die Lupe genommen.

Foren-Trolle zeichnen sich durch besondere Sprache aus. (Foto: eirikso / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Kommentare der Nutzer, die am Ende von der Diskussion ausgeschlossen wurden, deutlich von denen der anderen Nutzer unterscheiden. Die Beiträge enthalten weniger positive Begriffe, sind schwerer verständlich, rufen aber deutlich mehr Reaktionen hervor. Außerdem würden sich Foren-Trolle viel länger in einzelnen Foren-Threads oder Kommentarspalten aufhalten als normale Nutzer.

Vorsicht bei technischen Lösungen gegen Foren-Trolle

Allerdings warnen die Forscher davor, ausschließlich auf Algorithmen wie den ihren oder ähnliche technische Lösungen zu setzen, wenn es darum geht, gegen Foren-Trolle vorzugehen. Schließlich rufe besonders strenges Blocken von Kommentaren oder Nutzern zusätzliches Pöbeln hervor. Insbesondere, um zu verhindern, dass unschuldige Nutzer fälschlicherweise geblockt werden, sollte immer ein menschlicher Moderator Ausschlüsse überwachen. Noch besser ist den Forschern zufolge aber, den Foren-Trollen die Möglichkeit zu geben, sein Verhalten zu ändern.

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5 Antworten
  1. von SA am 21.04.2015 (07:55 Uhr)

    Ich glaube es reicht schon User die die Software als Trolle entlarvt dann einfach als Troll zu markieren. So sehen alle anderen dass er ein Troll ist und keiner hat ihn ausgeschlossen also Meinungsfreiheit gewahrt.

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    • von Marc Gutt am 21.04.2015 (08:52 Uhr)

      @SA ich kann Dir aus Erfahrung sagen, dass öffentliche Geschichten niemals positive Effekte haben. Selbst Ermahnungen empfehle ich privat auszusprechen. Ansonsten löst man nur eine Welle aus. Das kann bis "ich hol mir tausend Accounts und Müll alles voll" führen. Auch ein Troll ist irgendwann einsichtig, wenn er denn Teil der Community sein möchte.

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  2. von Marc Gutt am 21.04.2015 (08:49 Uhr)

    Meine Hemmschwelle einen Kommentar abzugeben, war noch nur so hoch wie in diesem Kommentar. Da fühlt man sich gleich wie ein Troll.

    Einen Troll könnte ich in meinen Foren über die Häufigkeit der Meldungen ausmachen. Wobei man vermutlich auch ein "Vote für Kick"-Button einführen könnte (Ergebnis nur für Admins sichtbar).

    Ich hätte dann noch einen Trick gegen Spammer. Bei mir fliegen z.B. alle die in einem Offtopic Bereich mit "das sehe ich auch so"-Beiträgen loslegen. Trefferquote ist 100%, weil danach immer ein Beitrag mit einem Link folgt und das wo neue Mitglieder nur nofollow-Links setzen können. Und dann fliegen noch die, die auf wundersame Weise nach 1-2 Wochen in einen bereits verfassten Beitrag einen Link reineditieren wollen. Das läuft sogar automatisch.

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  3. von Nützliche Postings am 21.04.2015 (11:50 Uhr)

    Bei Amazon sieht man "4 von 5 Leuten fanden diese Rezension nützlich".
    Wenn man "schlechte Postings" tiefer unten anzeigt oder irgendwie nach Nützlichkeit sortiert bekäme, würde man lesen bis es langweilig wird und auf die Trolle hoffentlich nicht reagieren.

    Und wer mit automatischen Systemen der großen Anbieter Erfahrung hat weiss, das die oft vermutlich nicht besonders gut bezahlten Mitarbeiter lieber löschen obwohl man nichts böses getan hat bzw. kein Troll ist.

    Negative Postings kommen aber auch als interessante Zusatzinformation zu optimistischen PR-Berichten die als Redaktioneller Artikel getarnt sind.
    Oder hier gibts auch nicht viele positive Postings:
    http://t3n.de/news/it-fachkraefte-unternehmen-590267/

    Viele Redakteure machen auch immer dieselben Fehler. Wenn man jedes Quartal die Quartalszahlen der zweitgrößten deutschen Software-Firma berichtet kommt jedes Quartal als erstes im Forum die Frage im Forum was die überhaupt machen. In vielen Foren lernen die Redakteure nicht aus den Fragen.

    Hier hingegen ist das deutlich positiver als in vielen anderen Foren. Seit die Apple-Meldungen weniger wurden gibts auch weniger Fanboi-Lager-Postings.

    Es gab schon mal Analysen wie man falsche Rezensionen erkennt.
    Damit ist man beim Thema Bezahl-Poster. Ideologen gehören evtl auch dazu. Allerdings gibts auch Themen die polarisieren. Apple vs. M$, Android vs. iOS,... . GEZ vs. WerbeTV.
    Interessant in diesem Zusammenhang sind Anti-Amazon-Postings oft vielleicht von Internet-Ausdruckern: Amazon hat viele Freunde und wird überwiegend verteidigt weil die Kunden zufrieden sind. Da stehen Bezahlposter und Ideologen meist alleine da.

    Das Hauptproblem ist aber der Zeitverlust und ständig wiederkehrende Diskussions-Ketten. Z.b. bei TV-Themen wo oft Diskussionen nach 10 Beiträgen bei WerbeTV gegen GEZ versanden und die Argumente sich ewig wiederholen.

    Bessere Ideen für bessere also nützlichere und effizientere Diskussionen gäbe es. Wer einen Ort kennt wo man schikanefrei programmieren kann, kann das ja mal mitteilen.

    Man könnte dem User auch automatisiert seinen Troll-Level mitteilen. Wenn man Prozent-Stufen nimmt und jeden Tag nur um einen Prozent in die Richtung des wahren aktuellen Wertes ändert kann man diese Zahl auch neben den User schreiben. Dann lernt er konstruktiv zu posten. Er sieht natürlich die echte Zahl und auch wo er Prozentual im Vergleich zu den anderen Usern steht. So wie bei Formel1 oder Fußball der Punktestand.
    Stattdessen ergötzen sich manche Foren-Systeme darin, animierte Fußzeilen und User-Levels wie "Rookie" "Zen-Master" usw. zu programmieren.
    Das man nicht nützlich ist ist ja auch ok in Frage-Foren.

    Sehr unschön ist es, wenn man nur mal was in Erfahrung bringen will und dann sich in Foren anmelden muss. Das nervt einfach.
    Anonyme Postings kann man ja von der Community lesen lassen und dann freischalten lassen. Z.B. jeder angemeldete User der was posten will muss jeweils einen Satz aus 5 anderen Postings mit ++/+/-/-- bewerten. Es gibt auch von der Redaktion vorgegebene Sätze die zum Test dienen. Man kann auch mit unbekannten Worten beginnen. Dann werden Tippfehler bestraft und Beleidigungs-Worte schaffen es nicht in die Öffentlichkeit und man lernt konstruktiv und höflich zu diskutieren.
    Aber Hilfs-Fragen usw. wie z.b. bei Amazon sind ja keine Diskussionen. Die Antworten sind es vielleicht.

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  4. von Patrick am 21.04.2015 (14:09 Uhr)

    "Die Beiträge enthalten weniger positive Begriffe, sind schwerer verständlich, rufen aber deutlich mehr Reaktionen hervor."

    Das trifft so wahrscheinlich auch auf die Beträge von Josef Joffe - dem Artikeltrollchef der Zeit - zu.

    PS: Sommer, Sonne, Kaktuss (für die Algorithmen ;) )

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