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Altly: Acht Dinge, die die Facebook-Alternative besser machen will

Altly: Acht Dinge, die die Facebook-Alternative besser machen will

Mit „Altly“ will Dmitry Shapiro eine echte Facebook-Alternative entwickeln, die nicht nur eine Alternative sondern auch ein echter Herausforderer sein soll. Und Shapiro bringt gute Voraussetzungen mit: Als ehemaliger CTO im Bereich Musik bei MySpace besitzt er einiges an Expertise und mit Draper Fisher Jurvetson wurde bereits ein namhafter Kapitalgeber gefunden. Warum Altly als Facebook-Alternative dringend kommen müsse, beschreibt er in einem langen Blogpost. Die Kurzfassung: Privcay first, Monetarisierung zuletzt.

Altly: Acht Dinge, die die Facebook-Alternative besser machen will

Altly-Gründer Shapiro: Warum wir eine Alternative für Facebook brauchen

Fast genau ein Jahr ist es her, da machte die Geschichte der vier Geeks die Runde, die mit Diaspora das bessere Facebook bauen wollten. Bis heute ist davon noch nicht allzu viel zu sehen, die Weiterentwicklung von Diaspora läuft eher enttäuschend. Auch andere Versuche, wie beispielsweise das etwa gleich alte Open Source Social Network Appleseed sind noch keinen großen Schritt weiter gekommen. Und da alte Konkurrenten wie MySpace sich längst umorientiert und den Wettkampf mit Facebook aufgegeben haben, ist die Ausschreibung „Konkurrent für gesucht!“ immer noch aktuell.

Dmitry Shapiro will mit Altly eine echte Facebook-Alternative entwickeln.

Neuester Bewerber ist mit Altly ein Startup eines alten Bekannten. Dmitry Shapiro ist sein Name und er war bereits bei MySpace als CTO für den Bereich Music tätig. Er weiß also durchaus worauf er sich einlässt. Das merkt man dann auch in seiner langen Begründung, in der er ausführlich beschreibt, warum wir eine Alternative für Facebook brauchen. Facebook habe demnach nicht nur die Art und Weise verändert, mit der wir mit Freunden, Angehörigen, Kollegen und anderen Personengruppen kommunizieren, sondern:

  1. Facebook zwingt uns dazu „Freunde“ zu haben, mit denen wir nie kommunizieren würden, gäbe es Facebook nicht.
  2. Facebook zwingt uns dazu immer mehr persönliche Informationen preiszugeben und das nicht nur an Freunde, sondern auch an deren Freunde.
  3. Facebooks Privatsphären-Einstellungen sind dermaßen komplex, dass selbst erfahrene Anwender Schwierigkeiten haben, alles zu verstehen. Dazu ändert Facebook sie laufend, wodurch immer wieder neue Probleme entstehen.
  4. Facebook eignet sich unsere persönlichen Informationen an und verkauft uns als Produkt an Werbetreibende, ohne unser Einverständnis und ohne Mehrwert für uns.
  5. Die Social Plugins von Facebook machen es quasi unmöglich, dass wir uns frei und privat im Netz bewegen können.

8 Dinge, die Altly anders machen will

Mit Altly soll nun ein Social Network entstehen, das all die Fehler von Facebook nicht macht und sich stattdessen diese acht Kriterien auf die Fahne schreibt:

  1. Privatsphäre ist der wichtigste Faktor.
  2. Jeder Nutzer soll ganz genau sehen können, wer welche Informationen zu sehen bekommt.
  3. Die Kontrolle über die Informationen soll beim Nutzer liegen und das Handling soll so einfach wie möglich sein.
  4. Die Nutzer sollen selbst entscheiden können, welche Informationen gespeichert werden, für wie lange und wer Zugriff darauf hat.
  5. Die digitale Identität ist mit all den persönlichen Informationen sehr wertvoll, so dass wir nicht nur den vollen Zugriff darauf haben sollten, sondern auch alleine von ihrem Wert profitieren sollten.
  6. Werbetreibende sollen nicht ausgeschlossen werden, aber im Vergleich mit den Nutzern auch nicht bevorteilt werden.
  7. Die Nutzerdaten gehören einzig den Nutzern. Wer ein Netzwerk verlässt, sollte alle seine Daten mitnehmen und sie im Netzwerk komplett löschen können.
  8. Andere Netzwerke die noch entstehen können, sollten mit bestehenden Netzwerken verknüpfbar sein.
Viel zu sehen gibt es bei Altly.com bisher nicht, aber das Vorhaben ist schon ehrgeizig.

Das sind einige interessante Punkte, die Dmitry Shapiro seiner Facebook-Alternative Altly auf die Fahne schreibt. Besonders der Punkt 4, bei dem es um die Verwertung von persönlichen Informationen geht, ist sehr wichtig. Denn ein Modell, das dem Nutzer wieder die vollständige Kontrolle über seine persönlichen Informationen gibt, könnte auch schnell zu einem Monetarisierungsproblem führen. So erstrebenswert ein Social Network nach den obigen acht Kriterien auch sein mag, so schwierig wird auch eine langfristige Umsetzung sein. Warum sollte ein werbendes Unternehmen sich bei Altly engagieren, wenn es bei Facebook viel mehr Freiräume, sprich Userdaten angeboten bekommt?

Die Monetarisierung ist und bleibt die Achillesferse eines Facebook-Konkurrenten. Wer eine echte Alternative entwickeln möchte, braucht dafür reichlich Kapital. Ein echter Konkurrent muss mindestens ein ebenso umfangreiches Featureset wie Facebook bieten und dabei die in der Tat vorhandenen nervenden Faktoren von Facebook im gleichen Handstreich eliminieren. Das ist sicher kein leichtes Unterfangen, aber auch nicht komplett unmöglich. Immerhin ist das Vertrauen in die Plattform Facebook nicht so hoch, wie manch einer denkt.

Nur 15 Prozent der Nutzer vertrauen Facebook ohne Vorbehalt

Das führende Social Network Facebook polarisiert ohne Frage. Die einen lieben die Plattform ohne Kompromisse, die anderen verstehen nicht, wie man sich als Nutzer mit einer Plattform abgeben kann, die so wenig auf Wert auf das Recht zur Privatsphäre der Nutzer legt. Letztlich sprechen die weltweit über 600 Millionen Facebook-Nutzer aber eine deutliche Sprache: trotz aller Bedenken und Probleme, die Netzcommunity braucht ein Social Network wie Facebook. Die Frage ist aber, ob es auch zwingend Facebook sein muss. Immerhin wurde erst kürzlich in einer Studie von Netpop Research festgestellt, dass 47 Prozent der Nutzer Facebook nicht vorbehaltlos vertrauen. Insgesamt haben nur 15 Prozent der Nutzer keine Sorgen im Umgang mit Facebook.

Da sollte man eigentlich meinen, dass Facebook selbst versuchen müsste, das Vertrauen der Nutzer nach und nach zurückzugewinnen. Doch das scheint eher Wunschdenken zu sein, wenn man sich die jüngsten Aussagen von Gründer und CEO Mark Zuckerberg so durchliesst. In einem Interview auf der Bühne des G8-Forums in Paris erklärte er, Facebook habe mit einigen neuen Funktionen zwar Ängste hinsichtlich der Privatsphäre bei den Nutzern geschürt, die auch zu zahlreichen öffentlichen Diskussionen geführt hätten, doch letztlich hätten die Nutzer diese Funktionen doch angenommen. Was er dabei allerdings vergisst zu erwähnen, ist die Tatsache, dass oft erst von den Nutzern erzwungene Änderungen zur Annahme der neuen Funktionen geführt haben. Ein wirkliches Vertrauensverhältnis sieht sicher anders aus.

Was glaubt ihr: brauchen wir eine Facebook-Alternative? Und wenn ja, könnte Altly eine solche werden? Wie sieht denn euer perfektes Social Network aus?

Weiterführende Links:

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12 Antworten
  1. von Stefan am 30.05.2011 (16:32 Uhr)

    Also prinzipiell finde ich die Idee sehr gut, vermute aber, dass Altly keinen Erfolg haben wird. Facebook kennt mittlerweile (fast) jeder und (fast) jeder hat sich angemeldet. Wem es gefällt, der hat dort alle seine Freunde und wird deshalb nicht wechseln bevor seine Freunde es nicht machen. Also müssten erstmal viele Leute den "ersten Schritt" machen, sodass die anderen folgen und sich langsam alles in Altly verschiebt.
    Warten wir einfach mal ab, bis es startet. Vielleicht wird es erfolgreich, vielleicht auch nicht...

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  2. von Rouven am 30.05.2011 (17:34 Uhr)

    Würde mich trotzdem interessieren wieviele von euch, oder besser noch, wieviele insgesamt gleich mal einen Nutzernamen registrieren haben lassen um den Start nicht zu verpassen. Meint jemand, dass diese Zahl schon im Vorfeld Aufschluss darüber geben kann, ob sich eine FB-Alternative durchsetzen wird?

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  3. von Torsten am 30.05.2011 (18:48 Uhr)

    Facebook Like Button auf der Seite?

    Fail oder Mega Fail?

    Ich meine der Zuckerberg freut sich sicher drüber :D

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  4. von Chris am 31.05.2011 (00:37 Uhr)

    Meiner Meinung nach ist das Hauptargument von Altly nicht annähernd stark genug um Facebook abzulösen. Eventuell bildet sich ein Netz von Leuten die gegen die Einstellung von Facebook rebellieren, doch "Freunde" finden sich dort sich nur schwer ein und das unterstützt den benötigten Netzwerk-Effekt ebenfalls nicht.

    Ich habe grundsätzlich nichts gegen den Versuch einzuwenden, die big player abzulösen, doch meiner bescheidenen Meinung nach wird Altly auf keinen Fall FB ablösen, zumindest nicht mit diesem Konzept.

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  5. von tanjahandl am 31.05.2011 (12:15 Uhr)

    Soeben Username reserviert. Mir gefällt das Konzept, und das Design ist in meinen Augen nicht grottig, sondern schwimmt am aktuellen Minimalismustrend. Bin neugierig, was es dann wirklich kann.

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  6. von steini am 31.05.2011 (14:08 Uhr)

    ja und ich auch habe mal den Namen reserviert, die Grundsätze tönen schon mal nicht schlecht, mal sehen was daraus wird!

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  7. von Philipp D am 31.05.2011 (15:39 Uhr)

    FB hat ein minimalistisches Design, das von Altly scheint mir einfach nur unausgereift zu sein.
    Path ist auch keine schlechte Alternative: .

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  8. von Vincent am 31.05.2011 (15:40 Uhr)

    Eigentlich gar nicht so schlecht der Ansatz.
    Aber ganz ehrlich... wenn altly größer werden sollte als Facebook werden sie´s doch genau so machen wie jetzt Facebook. Mit irgendwas müssen die ja ihr Geld verdienen. Und der Amerikanische Geheimdienst darf nach dem Gesetzt eh auf alle Daten von "Sozialen Netzwerken" zugreifen!

    Gruß, Vincent

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  9. von loomedo am 01.06.2011 (08:31 Uhr)

    So gut gemeint der Ansatz auch ist, aber ich denke das er sich so wie geplant nicht durchsetzen wird. Durch die höhere Zahl an Einstellungen die der Nutzer vermtl. seiner Privatsphäre wegen vornehmen muss, wird das Netzwerk die Nutzer sehr schnell mit zuviel Fragen nerven. Wenn ein Bildupload zugleich einen Fragenkatalog ala "Wie lange soll das Bild gespeichert werden? Soll die Allgemeinheit das Bild sehen? Bitte wähle die Freunde aus die das Bild sehen dürfen. Wie lange dürfen sie das Bild sehen? etc." mit sich bringt, ist es fraglich ob die Nutzer das dann (lange) mitmachen.

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  10. von Thorsten am 02.06.2011 (08:39 Uhr)

    Ich glaub auch nicht an einen altly Erfolg. Altly hört sich nach url shortener an.
    Es sollte aber langsam eine Konkurrenz geben, ansonsten haben wir in ein paar Jahren eine Kamera im Kopf für Facebook Live... damit auch alle ihr Leben sharen können.
    Aber ein Netwerk mit zu vielen Sicherheitsfragen, wie @loomedo beschrieben hat, würde ziemlich schnell nerven. Facebook ist einfach und schnell. Welche Konkurrenz kann in kurzer Zeit so eine Plattform schaffen?
    Ich glaube nicht, dass viele Benutzer sich sorgen um Ihre Daten machen. Jeder nutzt die Vorteile von Facebook und man klammert so schnell die Nachteile und deren Konsequenzen aus.
    Man kann nur hoffen die nächsten Generationen nicht über Facebook wählen gehen ;)

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  11. von Alex L am 04.06.2011 (19:39 Uhr)

    Hallo,
    den Artikel soeben durchgelesen und ja, ich habe mich ja schon in einem anderen Kommentar als reger FB-User offenbart. Damit gehöre ich wahrscheinlich zu den oben erwähnten 15%. Trotzdem interessieren mich FB-Alternativen und mir geht es dabei weniger um eine Community, in welcher ich den ganzen lieben Tag verbringe, sondern eher um einen weiteren, besseren oder nicht, sei erstmals dahingestellt, Kandidaten für die Kombination mit dem eigenen Blog.

    Technisch gesehen sollte eine neue Social Plattform schon etwas mehr auf dem Kasten haben als FB und auch die Privatspheren-Optionen müssen anders, vertrauenswürdiger gestaltet werden. Im Prinzip wird es mit egal welchem Konkurrenten ein ebensolcher Newsstream sein, mit all den Einstellungen und dem Facettenreichtum. Ich bin ein bloggender Webmaster und chatte so gut wie nie. Bei einer Community geht es uns Bloggern unter anderem um eine sehr hohe Zielgruppe in der eigenen Sprache.

    Was nützt mir ein technisches Monster mit 100 Tsd. Usern ;-) Es ist schon richtig, dass Facebook weiterhin eine Menge Potential hat, weil einfach enorme Menschenmassen erreicht werden können. Das muss das neue Social Network im Auge behalten erstmals toppen. Von FB zu wechseln, daran denke ich trotzdem nicht und dafür muss FB schon eine Menge Sch.... angestellt haben. Ob es nun Google oder ein anderer Social-Konkurrent sein wird, ich werde auch diesen nutzen, soweit es mir als bloggendem Webmaster einen Nutzen bringt.

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  12. von Girl23 am 07.11.2011 (17:23 Uhr)

    Habt Ihr euch schon mal die Seite http://www.supondo.com angeschaut ist auch eine facebook alternative

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