Amazon Appstore for Android: „ein Desaster“

Der Amazon Appstore for Android sei ein absolutes Desaster - zumindest nach Ansicht eines schwedischen Independent-Entwicklers, der mit seinen Vorwürfen deutlich macht, dass ein Appstore kein Selbstläufer ist. Wer nicht gewissenhaft an nötigen Features und Diensten arbeitet, kann keinen Erfolg haben. Das gilt auch für Amazon.

Der Appstore for wird es wohl überleben, dass der schwedische Entwickler Bithack sein Spiel namens Apparatus aus dem Store entfernt hat. Die Vorwürfe, die Bithack gegen Amazon erhebt haben es allerdings in sich und zeigen, dass im Appstore des virtuellen Warenhauses einiges im Argen liegt. Warum der Amazon Appstore for Android besonders für kleinere Entwickler ein absolutes „Desaster“ ist, erklärte Bithack-CEO Emil Romanus kürzlich in einem Blogpost und nannte dabei sechs Hauptkritikpunkte:

  1. Kein Filtern nach Geräten möglich
  2. Sehr limitierte Möglichkeiten von Kundenfeedback
  3. Langsamer Review-Prozess
  4. Entwickler können nicht auf falsche Bewertungen reagieren
  5. Keine Möglichkeit, den Kaufpreis zu erstatten
  6. Ramschpreise

amazon appstore
Der Amazon Appstore for Android ist nach Ansicht eines schwedischen Entwicklerstudios keine Alternative zum Android Market.

Amazon Appstore for Android ohne funktionierende Geräte-Filter

Amazon filtert nach Angaben von Bithack Android-Smartphones nicht korrekt heraus, die von einer App nicht unterstützt werden. Der Entwickler bietet sein Spiel Apparatus explizit nicht für Geräte mit kleinem Screen an, da man der Meinung ist, dass dieses Game auf diesen Geräten unspielbar ist. Der Fakt, dass Amazon sich darum nicht kümmert, führt natürlich nicht nur zu enttäuschten Kunden, die Geld für eine App ausgeben, die sie gar nicht nutzen können. Kunden machen ihrer Enttäuschung entsprechend mit negativen Bewertungen der App Luft, die wiederum den Entwickler negativ beeinflussen. Auf dem Android Market findet im Gegensatz dazu eine entsprechende Filterung statt.

Amazon bietet kaum Kundenfeedback

Laut dem schwedischen Entwickler sind die eingeschränkten Möglichkeiten für Kunden im Amazon Appstore for Android, Feedback zu geben, ein großes Problem. Im Vergleich zu hunderten Bewertungen vom Android Market hätte es über Amazon lediglich drei Kontaktversuche mit dem Entwickler gegeben - zwei davon über Twitter.

Aufnahme von Apps bei Amazon zu langsam

Wie auch im Apple Appstore kommt beim Amazon Appstore for Android eine manuelle Prüfung eingereichter Apps zum Einsatz. Auf den ersten Blick eine zu begrüßende Maßnahme, da man so sicherstellen kann, dass angebotene Apps gewissen Qualitätsansprüchen genügen. Allerdings sei der Review-Prozess laut Bithack viel zu langwierig. Im Fall von Apparatus dauerte die Freigabe initial zwei Wochen, doch damit war es noch nicht getan. Die App wurde von Amazon abgelehnt, da sie kein HTTPS für Session Cookies im Community-Bereich verwendete. Nach Beheben dieses Mangels dauerte es allerdings eine weitere Woche, bis die App von Amazon aufgenommen wurde.

apparatus android market
Apparatus im Android Market. Der Entwickler beklagt beim Konkurrenz-Market Amazon Appstore for Android unter anderem, dass das Spiel auch solchen Nutzern angezeigt wird, deren Geräte dafür nicht geeignet sind. Das führt zu schlechten Bewertungen, auf die der Entwickler wiederum nicht reagieren kann.

Kaum Kunden-Kommunikation

Emil Romanus ärgert sich besonders über den Umstand, dass Entwickler nicht in jedem Fall auf falsche Kundenbewertungen antworten können. Im Fall von Apparatus besagte die als am hilfreichsten eingestufte Bewertung, dass die App eine Internetverbindung voraussetze und zudem Anwender tracken würde. Beide Aspekte seien schlicht falsch, aber Bithack konnte das Missverständnis nicht richtigstellen. Der Entwickler sitzt nämlich nicht in den USA (der Amazon Appstore for Android ist auf die USA beschränkt) und kann aus diesem Grund seine eigene App nicht kaufen. Dies wäre aber nötig gewesen, da selbst Entwickler nur Bewertungen/Kommentare abgeben können, wenn sie ihre eigene App kaufen.

No Refunds im Amazon Appstore

Für die vielen Fälle, in denen Käufer enttäuscht waren, weil sie aufgrund der fehlerhaften Filterung nach nutzbaren Geräten die App nicht nutzen konnten, hätte Bithack nach Angaben von Romanus gerne den Kaufpreis erstattet. Dies sei aber im Amazon Appstore nicht möglich.

Amazon verramscht Apps kleiner Entwickler

Nach der Aussage von Bithack-CEO Romanus senkte Amazon den Preis für die ohnehin schon um 50 Prozent reduzierte App nach negativen Bewertungen ohne Rücksprache und Erklärung. Hierbei geht es um einen bekannten und stark kritisierten Passus aus dem Amazon Developer Agreement.

Bithack kehrt dem Amazon Appstore den Rücken

Der Amazon Appstore ist aus Sicht von Bithack nicht tragbar und die vorgebrachten Vorwürfe stimmen zumindest in Bezug auf kleinere Entwickler nachdenklich. Die Verfehlungen sind sicherlich auch für größere Entwicklerstudios ärgerlich, aber kompensierbar. Schließlich können Entwicklerstudios mit einem größeren finanziellen Polster beispielsweise ausreichend Testgeräte organisieren und auch einen längeren Freigabeprozess leichter aussitzen. Nach Ansicht von Romanus gibt es für kleinere Entwickler kaum Gründe, ihre Produkte auch über den Amazon Appstore for Android zu vertreiben. Finanziell wirke sich der Schritt, nur noch auf dem Android Market vertreten zu sein, für diese Entwickler nur marginal negativ aus.

Bei aller Kritik des Amazon Appstores durch Bithack sollte man allerdings bedenken, dass viele Entwickler mit diesem Absatzkanal zufrieden sind. Positiv stechen in jedem Fall die gut funktionierenden Empfehlungen hervor, und auch Test Drive bietet einen Mehrwert. Mittels diesen Features können potenzielle Käufer eine App vor dem Erwerb auf ihrem Computer ausprobieren.

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Bildnachweis für die Newsübersicht: Foto: nickwallen / flickr.com, Lizenz: CC-BY

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8 Answers

  1. von Christian 06.07.2011 (14:31Uhr) 1.

    Eines noch:
    - Keine Alternativen zur Kreditkarte

    Das macht den Shop bei den Zahlungsmethoden auch nicht besser als den Android Market und ist auch der Grund, warum ich ihn mir noch nicht einmal angesehen habe.

  2. von M B From Liesborn via facebook 06.07.2011 (15:03Uhr) 2.

    Amazon hat sowas?

  3. von Klaus Kirschbaum via facebook 06.07.2011 (15:11Uhr) 3.

    Würde mir nicht im Traum einfallen

  4. von Florian Held via facebook 06.07.2011 (15:14Uhr) 4.

    Nein, möchte ich auch nicht ^^ ...

  5. von Lars Echt via facebook 06.07.2011 (15:32Uhr) 5.

    Da gab es doch schon kurz nach der Eröffnungen nen böses erwachen mit paid-apps. Damit war die Sache direkt gestorben...

  6. von Micha Pietsch via facebook 06.07.2011 (15:32Uhr) 6.

    Noch nie gehört.

  7. von Frank Leidig via facebook 06.07.2011 (16:06Uhr) 7.

    Wusste ich bisher auch nicht.

  8. von Amazon Appstore for Android: „ein Desa… 07.07.2011 (04:06Uhr) 8.

    [...] hier den Originalbeitrag weiterlesen: Amazon Appstore for Android: „ein Desaster“ » t3n News [...]

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