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Kommentar

Der AWS-Ausfall und warum unsere Abhängigkeit von den großen Cloud-Anbietern ein Problem ist

    Der AWS-Ausfall und warum unsere Abhängigkeit von den großen Cloud-Anbietern ein Problem ist

(Foto: drserg / Shutterstock.com)

Eine Störung bei Amazons AWS-Cloud hat mehrere bekannte Dienste stundenlang unerreichbar gemacht. Der Vorfall zeigt uns, warum es problematisch ist, wenn wenige große Anbieter den Markt beherrschen.

Schöne neue Cloud-Welt: Ein Anbieter kämpft mit Problemen und wir alle merken es

Die Cloud hat vor allem einen großen Vorteil: Sie ist extrem flexibel. Rechenkapazität steht genau dann zur Verfügung, wenn sie benötigt wird. Sinkt die Auslastung, sinken auch die Infrastrukturausgaben für Unternehmen. Hohe Fixkosten, die beim Betrieb eigener Rechenzentren anfallen, können so vermieden werden. Kein Wunder also, dass von Netflix über Snapchat bis Apple viele große Firmen mittlerweile auf Cloud-Angebote wie AWS oder die Google-Cloud setzen. Diese Konzentration auf einige wenige Anbieter hat aber auch Nachteile.

Das hat sich erst kürzlich wieder gezeigt, als die Amazon-Cloud mit Störungen zu kämpfen hatte. Dienste wie Slack, Trello, IFTTT und viele andere waren über Stunden kaum oder gar nicht erreichbar. Auch Apples App-Store und iCloud-Angebot sollen betroffen gewesen sein. Das ist für die Betreiber dieser Dienste ärgerlich, aber auch für die jeweiligen Nutzer.

Von der AWS-Cloud hängen heute viele Dienste ab – und das ist ein Problem. (Foto: dennizn / Shutterstock)

Egal, wie gut ein Anbieter gegen Ausfälle abgesichert ist – Fehler passieren nun einmal. Zumal niemand wirklich jedes potenzielle Problem voraussagen kann. So sind Googles Cloud-Rechenzentren zwar gegen Blitzeinschläge geschützt, aber dennoch musste der Konzern vor zwei Jahren einen Datenverlust eingestehen, als am 13. August 2015 gleich viermal ein Blitz in ein belgisches Datenzentrum einschlug.

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„It’s the centralization, stupid!“ – Warum eine zu hohe Konzentration auf wenige Anbieter problematisch ist

Problematisch in diesem Zusammenhang sind nicht die Cloud-Dienste an sich, da sie in den allermeisten Fällen durchaus das liefern, was sie ihren Kunden versprechen. Heikel wird es allerdings, wenn viele wichtige Web-Dienste auf denselben Anbieter setzen. Doch genau eine solche Zentralisierung findet vor allem im Bezug auf Amazons AWS und die Google-Cloud statt.

Wie dramatisch es sein kann, wenn viele Unternehmen auf wenige Infrastruktur-Anbieter setzen, zeigte auch der DDoS-Angriff auf den DNS-Anbieter Dyn im Jahr 2016. Damals waren Twitter, Netflix, Yelp, Github, Pinterest, Etsy, Airbnb, das Playstation-Network und viele weitere bekannte Websites betroffen. Je höher die Konzentration im Infrastrukturbereich wird, desto größer und gefährlicher sind die Auswirkungen für das gesamte Netz.

Bildergalerie: Ein Blick in die Rechenzentren von Google

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Was tun?

Etwaige Ausfälle von Cloud-Diensten ließen sich natürlich abfedern, wenn Unternehmen mehrere Dienstleister in Anspruch nähmen. Das hat sich auch schon bei den großen Cloud-Kunden herumgesprochen. So nutzt Netflix selbst zwar AWS, ihre quelloffene Continuous-Delivery-Plattform Spinnaker ist aber längst in der Lage, Software auf mehreren großen Cloud-Diensten gleichzeitig zu verwalten.

Das alles kostet aber natürlich Geld. Und hier sind wir leider auch bei dem Knackpunkt: Für ein Unternehmen ist es letztlich unerheblich, ob ein Ausfall bei dem genutzten Cloud-Anbieter auch Probleme für andere Dienste mit sich bringt. Wenn sich die eigene Verfügbarkeit aufgrund einer sowieso sehr hohen Uptime nur minimal steigern lässt, dürfte die Investition zusätzlicher Summen unwahrscheinlich werden.

Das Nachsehen hat hier der Nutzer, der beim Ausfall seiner üblichen Arbeits-Tools nicht einmal auf Netflix ausweichen kann. Aus Nutzersicht bleibt vorerst wohl nur die Hoffnung, dass der Markt weiterhin hart umkämpft bleibt und sich AWS oder ein anderer Konkurrent nicht zu einem Quasi-Monopolisten entwickelt.

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6 Reaktionen
Dr. Andreas Jüttner
Dr. Andreas Jüttner

Bei der Konzentration im IT-Infrastrukturbereich handelt es sich um einen Paradigmenwechsel, vergleichbar mit dem Wechsel von der lokalen Stromerzeugung zu zentralen Kraftwerken Anfang des 20. Jh. Genau wie wir heute Elektrizität „aus der Steckdose“ beziehen, werden wir in Zukunft unsere meisten Rechen- und Speicherkapazitäten von zentralen Rechenzentren beziehen. Und laut Gartner hat sich dieser Markt um zwei führende Anbieter konsolidiert: Amazon und Microsoft. Ein europäischer Anbieter ist nicht in Sicht. Sind wir Europäer bereit, uns für eine solche kritische Infrastruktur in die Abhängigkeit von einigen wenigen US-Anbietern zu begeben? Würden wir akzeptieren, keine eigenen Elektrizitätsunternehmen zu haben? Waren wir bereit, unsere Fähigkeit, Flugzeuge zu bauen, aufzugeben und dies Boing zu überlassen? Warum wiederholen wir Europäer nicht die Airbus-Erfolgsgeschichte und bauen einen eigenen Cloud-Anbieter (Airbus 2.0) und geben so der EU ein neues Leuchtturmprojekt?

Antworten
Gabel
Gabel

Die betroffenen Anbieter hätten auch bei AWS mit weiteren Rechenzentren keine Ausfälle gehabt. Die Probleme traten auf us-west und S3 auf. Also eher eine generelle Frage der Ausfallsicherheit, die kostet immer Geld unabhängig ob bei einem Cloud Anbieter oder poly-cloud unterwegs.

Antworten
sfreund
sfreund

Ich glaube, das Problem ist das Geschäftsmodell der Cloudanbieter, wie AWS. Es geht ja nicht darum, wirklich die Probleme der Kunden zu lösen.

Dahinter steht eine Allmachtsphantasie. Es geht Amazon in jedem Markt, in den sie sich bewegen, darum zwischen Endkunde und Anbieter zu gelangen, um aus dieser Position den Markt neu zu formen.

Die Frage für Unternehmen, die die strategische Entscheidung treffen, Aufgaben in die Cloud zu verlegen, sollte nicht primär auf die operativen Vorteile im Umfeld der IT, sondern auf die strategischen Risiken in ihren Kernwertschöpfungsprozessen sein.

Die Public Cloud - und AWS im Speziellen - ist ja nicht per se schlecht. Im Gegenteil. Es gibt enorme Vorteile und moderne IT geht nicht mehr ohne.

Aber es wird zu einem unkalkulierbaren Risiko, wenn man nur die kurzfristigen technischen Vorteile und wirtschaftlichen Effekte sieht. Langfristig kann das für ganze Branchen verheerend sein.

Stelle man sich eine ferne Zukunft vor: On-Premise gibt es nicht mehr, weil alle Infrastrukturhersteller den zusammengeschrumpften Markt verlassen haben und Investitionen ausbeleiben. Handelsunternehmen sind also zur Abbildung ihrer Geschäftsprozesse bei Anbietern wie Amazon gezwungen - teilweise ist das heute schon so. Welche Macht hätte dann Amazon über ganze Unternehmen, Branchen, Staaten und letztlich das gesamte wirtschaftliche Gefüge der Welt?

Da sehe ich das größte Risiko.

(Neben dem technischen Risiko von Fehlerwirkungen in selbstähnlichen Systemen wie den AWS-Diensten, deren Skalierungsgrundlage diese Selbstähnlichkeit ist und die Fehler damit mitskalieren.)

Antworten
C64
C64

*ACH*
Und wo ist jetzt genau der neue Erkenntnisgewinn?

Antworten
MST
MST

<> First World Problems.

Tatsächlich halten die tatsächlichen "Arbeits-Tools" doch auch irgendeine lokale instanz bereit, sodass die Displays schon nicht sofort schwarz werden.

Antworten
Anders

Sorry Folks, jedoch ist die Schlussfolgerung Blödsinn.
Das ist ja dann ein hoffen und beten.
Und ein Monolpolist ist schlecht, weil es dann richtig VIEL Geld kostet und nicht weil der halt auch mal offline ist ab und an. Das sind sie alle.

Die Cloud ist ein anderes Wort für: Die Server anderer Leute.
Und wenn man sich gegen deren Ausfälle absicher will, dann nimmt man was?
Genau, eigene Server.
Und wie sichert man die ab? Ahh jetzt ja. Genau: Mit den Servern anderer Leute.
... Ah Moment, eine "eigene" Server aka Infrastruktur haben diese ganzen neuartigen Dienste ja gar nicht mehr. Oups!

OK; Und wie hoch ist die normale Uptime? So um die 99,99%. (Irgendwo ist immer ein SPOF!)
Wenn also jetzt jede Menge Leute "Arbeitstools" in der Cloud haben, dann kann sich jeder selber ausrechnen wie lange er pro Jahr offline sein bzw. erzwungene Freizeit erleben/erleiden wird.

Immer wieder erstaunlich, dass die meisten User wenig bis null Ahnung haben, das die IT schlicht nicht 100% verfügbar ist. Wie so ziemlich jede andere Infrastruktur auch. Nur halt eben volatiler.

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