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Analyse

Amazon wird von Daimler verklagt: Wie gefälschte Radkappen den Marktplatz verändern könnten

Daimler verklagt Amazon. Im Bild: Amazon Headquarter in Seattle. Gebäude Day 1 North. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Daimler verklagt Amazon, der US-Konzern soll gefälschte Mercedes-Benz-Radkappen verkauft haben. Was nach einem einfachen Rechtsfall klingt, könnte den Marktplatz nachhaltig verändern.

Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes meldet, dass Daimler in den USA eine Klage gegen Amazon eingereicht hat. Forbes zitiert aus der Klage, laut derer Amazon gefälschte Mercedes-Benz-Radkappen verkauft haben soll. Im Unterschied zu vielen anderen Urheberrechtsauseinandersetzungen hat in diesem Fall kein Händler gefälschte Produkte auf dem Amazon-Marktplatz verkauft, sondern Amazon selbst. Daimler soll sich, laut eigener Auskunft in der Klageschrift, vorab vergeblich an Amazon gewandt haben. Die Antwort von Amazon sei für Daimler unzureichend gewesen. Bisher gilt bei Amazon das Prinzip „Rechteinhaber melden Verstöße“, von alleine wird der US-Konzern eher nicht aktiv. Sollte Daimler mit seiner Klage Erfolg haben, könnte sich das ändern.

Daimler versus Amazon

Daimler verklagt Amazon in den USA wegen Produktfälschungen. (Foto: dpa)

Prinzipiell wäre eine solche Klage einfach zu bewerten: Eine Markenrechtsverletzung wurde begangen, Amazon wird dazu verurteilt, das zu unterlassen – und die Welt dreht sich weiter. Doch drei Punkte machen diese Klage zu etwas Besonderem:

  1. Bisher hat Amazon noch keine Rechtsstreitigkeiten ausfechten müssen, bei denen der Händler selbst gefälschte Produkte verkauft hat.
  2. Amazon weist die Verantwortung für Rechtsverletzungen der Händler von sich, die Haftbarkeit erstreckt sich laut aktueller Rechtsprechung nur auf den Händler, der die Rechtsverletzung auf dem Amazon-Marktplatz begeht.
  3. Daimler verlangt in der Klage von Amazon präventive Maßnahmen, um Rechtsverletzungen zu verhindern.

Daimler führt in seiner Klage aus, dass Amazon trotz intensiver Bemühungen von Daimler und anderen Markeninhabern gar kein System hätte, um Rechtsverletzungen präventiv zu verhindern sowie lediglich minimale Prozesse, um Rechtsverletzungen aufzufinden. Amazon würde stattdessen die Beseitigung von Rechtsverletzungen auf den Schultern der Rechteinhaber abladen.

Zwar hat die Klage auf den ersten Blick vermutlich keine direkten Auswirkungen auf Punkt Zwei, denn es geht hier ja um Rechtsverletzungen, die direkt von Amazon begangen worden sein sollen. Indirekt zeigt aber gerade die Forderung von Daimler nach präventiven Maßnahmen seitens Amazon, dass Auswirkungen auf den gesamten Marktplatz zu erwarten sind.

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Der endlose Kampf der Markeninhaber

Viele Markeninhaber führen lange Auseinandersetzungen mit Amazon zu diesem Thema, Marken wie Birkenstock oder Swatch sind schon laut schimpfend vom Amazon-Marktplatz verschwunden, weil der Marktplatz-Betreiber nicht bereit war, die Vorstellungen der Unternehmen zu ihrem Markenschutz zu erfüllen.

Aus wirtschaftlicher Sicht keine gute Entscheidung, denn so überlässt die Marke den Produktfälschern oder unautorisierten Verkäufern völlig das Feld – durch einen Rückzug wollten diese Marken Amazon dazu bewegen, präventive Maßnahmen zum Schutz von Marken einzurichten. Was Amazon bisher verweigert hat – erste Anzeichen, dass sich das ändert, haben sich schon in letztem Jahr abgezeichnet.

Amazon kann auch anders

Fossil ist hingegen offiziell bei Amazon erhältlich, allerdings können nur autorisierte Händler Fossil-Schmuck und Uhren verkaufen. Der Deutschland-Chef von Fossil führte 2016 aus, dass Amazon in den letzten zwei Jahren auf die technischen Voraussetzungen für Fossils selektive Distributionsstrategie hingearbeitet hätte. Amazon ist offensichtlich in der Lage, wirksame Präventivmaßnahmen gegen unautorisierte Verkäufer und Plagiate durchzuführen, setzt diese Maßnahmen aber nur ein, wenn die Marke ihr komplettes Sortiment bei Amazon anbietet.

Was die Daimler-Klage verändern könnte

Entweder im Rahmen eines Urteils oder einer außergerichtlichen Einigung mit Daimler könnte Amazon dazu gezwungen werden, die präventiven Maßnahmen, die der Konzern bisher nur ausgewählten Markenpartnern anbietet, generell einzurichten. Das könnte den Kampf von Markenrechtsinhabern und autorisierten Händlern gegen Plagiate und unautorisierte Verkäufer erheblich vereinfachen.

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