Amazon entschied sich selbst für die Abschaltung von WikiLeaks
Die Entfernung von WikiLeaks von den Servern von Amazons Cloud-Service AWS brachte dem Unternehmen viel Kritik ein. Nicht nur WikiLeaks und dessen Gründer und Sprachrohr Julian Assange sahen darin eine Boykottierung der Redefreiheit. Als sich dann auch noch der stockkonservative US-Senator Josef Lieberman sehr zeitnah zu Wort meldete und andere Hoster dazu aufforderte, WikiLeaks ebenfalls abzuschalten, war eine politische Einflussnahme auf die Amazon-Entscheidung naheliegend. Dies sei aber falsch, ließ Amazon nun in einer offiziellen Stellungnahme mitteilen.
Verletzung der allgemeinen Nutzungsbestimmungen
Als Grund für die Abschaltung von WikiLeaks nannte Amazon stattdessen die Verletzung der Nutzungsbestimmungen der AWS. Die über 250.000 Depeschen von US-Diplomaten, die WikiLeaks von verschiedenen Informanten gesammelt habe, seien nicht rechtmäßig im Besitz von WikiLeaks. In den Nutzungsbestimmungen ist aber festgehalten, dass die Kunden die Rechte an den Inhalten besitzen müssen, die sie über AWS verbreiten. Es sei für Amazon klar, dass WikiLeaks nicht die Rechte an den Dokumenten habe.
Zudem müssen die AWS-Nutzer sicherstellen, dass mit den von ihnen vertriebenen Inhalten keine Personen oder Institutionen zu Schaden kommen. Auch dieser Punkt sei bei WikiLeaks zumindest fragwürdig und da Amazon eine Gefahr nicht ausschließen könne, wurde WikiLeaks vorsorglich abgeschaltet.
Kontroverse Daten sind für Amazon grundsätzlich okay
Die Amazon Web Services bestehen bereits seit vier Jahren und viele Kunden hätten in dieser Zeit die unterschiedlichsten Daten über diese Cloud veröffentlicht, teilt Amazon weiter mit. Darunter seien auch immer wieder mal kontroverse Daten gewesen, doch man hätte nie eingreifen müssen. Auch in Zukunft wolle man das bei diskussionswürdigen Inhalte nicht tun, solange dadurch niemand zu Schaden kommt und die Nutzungsbestimmungen eingehalten werden.
Fazit
Natürlich klingen die Gründe von Amazon durchaus plausibel. Und natürlich beeilt sich das Unternehmen zu betonen, man habe nicht auf politischen Druck hin reagiert. Dennoch bleibt hier ein fader Beigeschmack, den Amazon auch mit dieser offiziellen Stellungnahme nicht wegwischen kann. Dafür wurde die Abschaltung von den US-Politikern zu sehr gefeiert, denn diese müssten eigentlich wissen, dass es sich dabei allenfalls um einen kleinen Etappensieg handeln kann.
WikiLeaks wird weiterbestehen und auch weiterhin Server für ihre brisanten Daten finden. Nur bei Amazon wohl nicht mehr. Welches Signal von dieser Entscheidung für die Verlässlichkeit der Amazon Dienste ausgeht, wird wohl jedes Unternehmen selbst entscheiden müssen. Klar ist aber aus meiner Sicht: Amazon hat es verpasst ein klares Statement zur Redefreiheit abzugeben.
Weiterführende Links:
- Amazon verbannt WikiLeaks von seinen Servern - t3n News
- Offizielles Statement von Amazon
- Fall WikiLeaks zeigt: Datensammelwut wird zur Gefahr - t3n News
- WikiLeaks veröffentlicht 251.287 vertrauliche Telegramme - t3n News
Bildnachweis: Foto von Marcin Wichary auf Flickr. Lizenz: CC BY





14 Answers
von Dustin Klein via facebook 03.12.2010 (10:13Uhr) 1.
Was soll man dazu sagen? Echt schade...
von Olivier Dobberkau 03.12.2010 (10:29Uhr) 2.
"Klar ist aber aus meiner Sicht: Amazon hat es verpasst ein klares Statement zur Redefreiheit abzugeben."
Kann ich genau so unterschreiben!
von Mark Max 03.12.2010 (10:43Uhr) 3.
Weshalb sollte Amazon ein extra Statement zur "Redefreiheit" bzw. "Meinungsfreiheit" abgeben. Ist doch selbstverständlich. Der Verstoß gegen die AGB ist eindeutig und klar. An dieser Stelle braucht es keinen Druck einer amerikanischen Regierung. Ich als Demokrat und Unternehmer würde genauso handeln.
von Krystian Artur Bandzimiera via facebook 03.12.2010 (12:33Uhr) 4.
Deswegen keine "likes"!
von otomo 03.12.2010 (16:29Uhr) 5.
einerseits angeblich bereit sein kontroverse Daten hosten zu wollen, aber dann auf die Rechteinhaberei pochen scheint mir ein Widerspruch, oder? Ist nicht alles kontroverse Material tendenziell illegal in den Händen des Veröffentlichers?
von Mario 04.12.2010 (01:19Uhr) 6.
@Mark Max
>Ich als Demokrat und Unternehmer würde genauso handeln.
Als Unternehmer wäre die Reaktion eventuell noch rational begründbar, als Demokrat sollten Sie sich lieber nicht bezeichnen. Hoffen wir mal, dass es nicht zuviele regimtreue Unternehmer Ihres Schlages gibt.
von Ben 04.12.2010 (15:51Uhr) 7.
die Begründung Amazons ist nur eine vorgeschobene – da sollte man sich nicht an der Nase herumführen lassen. Laut AGB hätte amazon Wikileaks auch schon vor ein paar Wochen von seinen Servern verbannen könnem. Klar ist amazon auf die Linie der US-Regierung eingeschwenkt, was denn sonst. Zensur, Nachrichten-, Meinungs- und Medienkontrolle statt Meinungsfreiheit und Demokratie, das kann man nicht unterstützen. Es geht auch um die Freiheit des Netzes.
Ich habe daher entschieden, jede Geschäftsbeziehung zu Amazon abzubrechen.
von Mark Max 04.12.2010 (16:11Uhr) 8.
Vorgeschoben ja. Weil es um die Last der Server ging. Man sollte die Sache nicht so eng sehen und schon gleich gar nicht eine weitere "Verschwörung" wittern. Ich jedenfalls habe stabiles Vertrauen in die Weltöffentlichkeit und in den Willen zur Demokratie.
Nur diesen Hackern, diesen paranoiden und im aktuellen Fall größenwahnsinnigen Nerds, den ist nun gar nicht zu trauen. So wollen die Welt verbessern? Warum tun sie dann nicht endlich etwas ... Konkretes?
Nein, es heißt nur: Hauptsache in den Medien. Das ist alles.
von otomo 04.12.2010 (20:54Uhr) 9.
@Mark Marx: Falsches Kraut geraucht? Oder aus Langeweile ein bisschen rumtrollen?
von Mark Max 05.12.2010 (20:10Uhr) 10.
Probiere mich gerne mal aus. Als Troll in unpolitischen, journalismusfernen und recht einseitigen Foren, wie diesem hier, empfehle ich sehr gerne den wunderbaren und exakten Artikel in der Taz: "Schrumpfende Öffentlichkeit" http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/schrumpfende-oeffentlichkeit/
Und nu is gut hier. Ich bin raus.
von Falk Hedemann 05.12.2010 (20:42Uhr) 11.
Unpolitisch in der Regel ja und das ist auch gewollt, aber warum journalismusfern und einseitig? Das versteh ich nun nicht so ganz, denn im Rahmen unserer Themen schreiben wir hier schon professionell und ein Forum sind wir übrigens wohl eher nicht. Wenn man auf einer professionellen Sport-Seite keine Börseninformationen findet, ist die Seite noch lange nicht schlecht. Oder sehe ich das jetzt komplett falsch?
von Operation Payback: WikiLeaks-Anhänger l… 13.12.2010 (11:07Uhr) 12.
[...] Amazon erklärt die Abschaltung von WikiLeaks - t3n News [...]
von WikiLeaks: Bank of America dreht Geldhah… 20.12.2010 (11:30Uhr) 13.
[...] WikiLeaks handlungsunfähig zu machen. Nachdem Amazon die Internetseite der Enthüllungsplattform gelöscht, PayPal Konten eingefroren hat und Mastercard sowie Visa den Vertrag mit WikiLeaks gekündigt [...]
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