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Ratgeber

Amazon führt produktspezifische Verkaufsprovisionen ein – Was bedeutet das für Marketplace-Händler?

Was verändert sich bei Amazons Verkaufsprovisionen? (Foto: Shutterstock)

Amazon beginnt die Verkaufsprovisionen zu verändern. Die Veränderungen sind gerade für Verkäufer relevant und schwer zu durchblicken. Alexander Hoffmann von ecomparo.de analysiert die Veränderungen und wie man davon profitieren kann.

Auch wenn neben Amazon bekanntermaßen weitere Marktplätze wie eBay, hitmeister, fyndiq oder Allyouneed existieren, so zeichnet sich Amazon nicht nur durch eine wachsende Marktdominanz, sondern auch bezüglich der Verkaufsprovisionen durch vergleichsweise hohe prozentuale Gebühren von bis zu 17,85 Prozent aus, die je nach Kategorie und Land abweichen können.

Änderungen der Amazon-Verkaufsgebühren sind relativ selten. Dies führt dazu, dass im Vergleich zu anderen, relativ jungen Marktplätzen, die sich oft vor allem durch geringere oder keine Marktplatz-Provisionen differenzieren, ein großes Verkaufsprovisions-Gefälle existiert. Eine Übersicht der Amazon-Verkaufsprovisionen findet ihr hier. Vergleichsweise selten senkte Amazon bisher die Verkaufsprovisionen je Kategorie, wie dies zum Beispiel für Elektro-Großgeräte zum 1. März 2012 (Senkung von 15 Prozent auf sieben Prozent vom Brutto-Verkaufspreis) der Fall war.

ASIN-spezifische, temporäre Senkung der Verkaufsprovision

Aktuell erhalten einige Amazon Marketplace-Verkäufer eine Information über eine „Rabattaktion“, welche auf den ersten Blick unscheinbar anmutet. In diesem umfangreichen Beitrag wollen wir die neue Amazon-Maßnahme näher beleuchten, denn ein genauerer Blick lohnt sich. Hierbei zeigen wir konkrete mögliche Zukunftsentwicklungen auf, dessen sich Amazon-Verkäufer bewusst sein sollten. Zunächst jedoch die anonymisierte Mitteilung an Marketplace Händler im Wortlaut:

Eine kompakte Zusammenfassung des Beitrags (FAZIT) findet ihr am Ende des Beitrags.

Guten Tag, wir möchten Sie bei der Gestaltung attraktiver Preise für beliebte Artikel unterstützen und bieten Ihnen daher für einen begrenzten Zeitraum die Möglichkeit, einen Rabatt für die Verkaufsgebühr für die unten aufgeführten ASINs zu erhalten.

Die Rabattaktion für Verkaufsgebühren beginnt am 31. März 2016 (MET) und endet am 14. April 2016 (MET).1 Wenn der Gesamtverkaufspreis für einen ausgewählten Artikel (d. h. der vom Käufer bezahlte Gesamtbetrag inklusive Artikelpreis und Gebühren für Lieferung oder Geschenkverpackung) während des Aktionszeitraum nicht über dem angegebenen Schwellenwert liegt, wird Ihre Verkaufsgebühr bei jedem Verkauf dieses Artikels um die angegebenen Prozentpunkte reduziert.

Wenn beispielsweise für einen der ausgewählten Artikel regulär eine Verkaufsgebühr von 15 % gilt und im Rahmen dieser Rabattaktion ein Erlass von 5 Prozentpunkten angeboten wird, zahlen Sie nur noch 10 % Verkaufsgebühr bei jedem Verkauf dieses Artikels, wenn der Gesamtverkaufspreis dem entsprechenden Schwellenpreis oder weniger entspricht.

ASINArtikelnameRabatt für VerkaufsgebührSchwellenpreis
XXXXXXAmazon - Artikelname3%-Punkte Rabatt376,99 EUR

Wenn Sie diese und andere für Sie verfügbare Rabattaktionen ansehen oder Ihre Preise aktualisieren möchten, öffnen Sie die Seite Kennzahlenmonitor für Preise im Abschnitt Preisgestaltung in Seller Central.

Vielen Dank, dass Sie bei Amazon verkaufen,

Amazon Services Europe

1Rabatte auf die Verkaufsgebühr werden für alle ausgewählten Artikel, die während einer Rabattaktion verkauft werden, zum Zeitpunkt des Bestelleingangs berechnet. Rabatte auf die Verkaufsgebühr werden als Rabatt für die Verkaufsgebühr in den Transaktionsdetails aufgeführt. Amazon ist berechtigt, diese Rabattaktion jederzeit zu ändern oder abzubrechen, indem wir Sie über die jeweiligen Änderungen informieren. Nach Ende dieser Rabattaktion gelten wieder die standardmäßigen Verkaufsgebühren. Rabattaktionen für Verkaufsgebühren gelten nur für ASINs, die der richtigen Kategorie und dem korrekten Browse Node zugeordnet sind und auch sonst den Richtlinien von Amazon entsprechen. Weitere Informationen zu den standardmäßigen Verkaufsgebühren finden Sie in der Gebührenübersicht für Verkaufen bei Amazon.
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Je größer die Verkaufsprovisionen bei Amazon, desto wettbewerbsfähiger sind Händler mit eigenen Onlineshops

Vor dem Hintergrund der seit längerem steigenden Bedeutung von Marktplätzen als Absatzkanal im E-Commerce ist diese Feststellung zunächst unter Umständen verwunderlich. Die Wettbewerbsfähigkeit des Vertriebskanals „eigener Onlineshop“ gegenüber dem Vertrieb über Amazon für Handelsunternehmen und Hersteller ergibt sich aus den Einsparungen bei Verkaufsprovisionen auf Amazon. Dieses Budget, das umso größer ist, je größer die Amazon-Provision in den jeweiligen Sortimenten ist, ermöglicht nach wie vor rentable Investitionen in E-Commerce-Software (Shopsysteme) und Marketing (Google Adwords, Facebook Advertising, CPC-Kosten auf Preisvergleichsdiensten, et cetera). Mehr zum Thema auch im Beitrag „Von der Preissuchmaschine zum Marktplatz“.

Amazon will wachsen, jetzt auch auf Kosten der Provisionen? (Foto: CC-BY hnnbz)

(Hohe) Amazon-Verkaufsprovisionen stehen Wachstum im Wege

Gerne wird die relativ aktuelle Statistik bemüht, dass mittlerweile 44 Prozent aller Produktsuchen bei Amazon beginnen. Diese Statistik sagt jedoch noch nichts über den eigentlich Kaufabschluss aus. Da der Preis neben Service und Verfügbarkeit aber noch immer eines der elementaren Kaufkriterien, vor allem bei hochpreisigen Produkten darstellt, stehen Verkaufsprovisionen in Höhe von bis zu 17,85 Prozent einem ungebremsten Wachstum von Amazon im Wege.

Wie stark diese Wachstumsbremse zu bewerten ist, darüber lässt sich wohl streiten. Fest steht jedoch, dass in Zeiten tendenziell sinkender Margen ein Provisions-„Broken“ von 17,85 Prozent in vielen (hochpreisigen) Sortiments-Bereichen definitiv als ein erheblicher Kostentreiber zu bewerten ist. Betrachtet man beispielsweise die Kategorie Zubehör für Industrie, aber auch Baumarkt näher, so liegen hier auf Amazon.de die Preise, zum Beispiel für Markenwerkzeuge im hohen dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Bereich oft rund 10 Prozent bis 15 Prozent über den Preisen der Angebote in den Onlineshops eben dieser Marketplace-Händler.

Gerade weil Amazon in den letzten Jahren immer stärker den Marktplatz- und Infrastrukturgedanken durch einzelne Maßnahmen und Leistungserweiterungen wie Fulfillment by Amazon (FBA) vorangetrieben hat, ist es erstaunlich, dass sich seitens Amazon diese Veränderungen noch nicht in der Gebührenstruktur wiederfinden. Denn gerade in Hochpreissegmenten ist eine starre Provisionsverrechnung von eben bis zu 17,85 Prozent denkbar ungeeignet um Amazon auch hier als E-Commerce Infrastruktur zu etablieren, da die möglichst vollständige Erschließung aller Produktsortimente für Amazon von hoher Priorität ist.

Verkaufsprovisionen - Der unvollkommene Markt

Amazon schickt sich an, sich als „Markt“ und Infrastruktur im E-Commerce zu etablieren. Tritt man einen Schritt zurück und betrachtet zunächst die volkswirtschaftliche Thematik des vollkommenen und unvollkommen Marktes, so kann festgestellt werden, dass mit der Höhe der Verkaufsprovisionen für bestimmte Produkte und Kategorien das Maß der Unvollkommenheit von Amazon als Markt im volkswirtschaftlichen Sinne steigt. Dieser Effekt ist mit der Erhebung von Steuern vergleichbar.

Zunächst wird die Angebots- und Nachfragekurve eines Produktes über Amazon und einen Onlineshop, der idealisiert kostenfrei und die gleiche Reichweite wie Amazon besitzt, dargestellt.

Verkaufsprovision1

Durch diverse USPs von Amazon, als Beispiele werden unter anderem der bisweilen kulante Retouren Prozess angeführt, weicht die Nachfragekurve auf Amazon von der des Onlineshops ab und führt vereinfacht zur folgenden veränderten Situation (exogene Veränderung der Nachfragekurve).

Verkaufsprovision2

In der Realität kann die höhere Preisbereitschaft (geringere Preissensibilität) der Amazon-Kunden in Kombination mit der größeren Reichweite vereinfacht zu folgender Situation führen.

Verkaufsprovision3

Auch wenn die obigen Angebots- und Nachfrageszenarien als eher exemplarisch zu bewerten sind, zeigen Sie dennoch deutlich, welch großes Potential zu Steigerung des Umsatzes und zur Optimierung der Angebots-Nachfrage-Korrelation auf Amazon als solches vorhanden ist. Das Potenzial, welches sich aus dynamisierten Provisions-Anpassungen ergibt, ist daher als durchaus bedeutend zu bewerten.

Dynamische Verkaufsprovisionen bieten Amazon verschiedene Steuerungsmöglichkeiten

Amazon ist kein freier und vollkommener Markt, sondern ein global agierendes Unternehmen, dessen Entscheidungen teilweise sehr kontroverse Meinungen provozieren. Für die einen ist Amazon ein alles verschlingender Wal, der auch gerne zu seinen Händler in (unfairen - siehe Kontosuspendierungsberichte) Wettbewerb tritt. Für die anderen ist es ein Vorbild kundenfokussierter Weiterentwicklung.

Ob man die Dynamisierung der Verkaufsprovision klar in eine der beiden Schubladen einordnen kann, ist fraglich. Fest steht jedoch, dass sich Amazon hierdurch neue Steuerungsmöglichkeiten schafft. Einige wären wie folgt:

  • Generell kurzfristige Reaktionsfähigkeit zur Veränderung der Provision seitens Amazon, anstelle der Veränderung der Kategorie-Verkaufsprovisionen
  • Staffelung der Provision je nach Verkaufspreis, das heißt niedrigpreisige Artikel mit höheren Provisionen belegt
  • Abweichende Provisionen je Produkt zwischen gewerblichen & privaten Anbietern. Das ist de facto bereits bei den jetzigen Tests der Fall!
  • Unterschiedliche Schwellenpreise je Marketplace-Anbieter
  • Flexible Anpassung der Verkaufsprovision an Produktlebenszyklen
  • Bestimmte Provisions-Rabatte oder -Zuschläge für Trendprodukte oder knappe, das heißt kaum verfügbare Produkte
  • Steigende, beziehungsweise nicht rabattierte Provisionen für Saisonartikeln außerhalb der Saison (niedrigere Preiselastizität der Kunden)
  • Maßnahmen zur Vergrößerung des Sortimentes: Listung von noch nicht auf Amazon vorhandenen Produkten zunächst ohne Verkaufsprovision
  • Verkaufsprovisions-Änderungen zu bestimmten Jahreszeiten: Weihnachten, Ostern, Prime-Day, et cetera.

Von produktspezifischen zu Kategorie spezifischen Anpassungen der Verkaufsprovision

Wie einleitend beschrieben, sind bis dato Anpassungen der Verkaufsprovision für die jeweiligen Kategorien, sicherlich auch aus Gründen der einfacheren Kommunikation relativ selten. Wie gelangt Amazon aber nun zu einzelnen notwendigen Veränderungen der Provisionshöhen je Kategorie? Anstatt die relativ stabilen Provisionen je Kategorie zu ändern und die Effekte gemäß „Try & Error“ zu protokollieren und auszuwerten, ist es für Amazon vorteilhaft die Reaktionen und Effekte auf veränderte Verkäuferprovisionen zunächst bei einzelnen Produkten und Händlern zu beobachten . Für Amazon sind sicherlich unter anderem die folgenden Werte von Relevanz:

  • Anteil der Marketplace-Händler, welche die Preise anpassen
  • Innerhalb welchen Zeitraums erfolgen die Preisanpassung
  • Auf welchen Wert (Schwellenpreis oder darunter) erfolgt die Anpassung Prozentuales Umsatzwachstum durch die jeweilige „Maßnahme“
  • Wie schnell erfolgt die Preisanpassung durch die Händler?
  • und viele mehr …

Eine produktindividuelle dynamische Anpassung von Verkaufsprovisionen kann letztendlich als eine granulare Fortsetzung der Provisionsunterschiede der einzelnen Produktkategorien betrachtet werden.

Viele erfolgreiche Provisionsanpassungen einzelner Produkte einer Kategorie werden wohl zu Veränderungen der Provisionshöhe diese Kategorie führen.

Amazon wird nicht nur in der Logistik immer automatisierter. (Foto: CC-BY Alvy)

Amazon und Automatisierung

Dazu Amazon die effiziente Gestaltung und automatisieren von Prozessen passt, kann eine allmähliche „automatisierte Überprüfung der Provisionshöhen“ aller Produkte/ Produktarten und damit jeder Kategorie erwartet werden.

Ein ASIN-spezifischer Rabatt auf die Verkaufsprovision könnte zukünftig durch unterschiedliche Kennzahlen algorithmisch gesteuert werden. Auch schafft Amazon durch die produktspezifische Anpassung der Verkaufsgebühren sozusagen erst die Datenbasis, um datengetrieben die für Amazon vorteilhaften Entscheidungen treffen zu können, da nun die Auswirkungen von Senkungen oder Erhöhungen der Verkaufsprovisionen für Amazon planbar werden.

Schwellenpreis-Bedingung führt automatisch zu Preisreduzierungen durch Händler

Durch die einschränkende Bedingung des „Schwellenpreises“ schafft Amazon einen starken Anreiz der Angebotspreisreduzierung seitens der Marketplace-Händler und vermeidet somit Fehler, wie Sie zum Beispiel von Meinpaket.de zur Schaffung attraktiver Händlerpreise massiv begangen wurden:

Bei Meinpaket führten großzügig verteilte Kundengutscheine von bis zu 18 Prozent auf Händlerseite dazu, dass die Preise durch die Händler um eben diese Gutscheinwerte (zum Beispiel 18 Prozent) angehoben wurden. Die monetäre Ersparnis der Kunden durch die Gutschein erhöhte sozusagen eins zu eins die Marge der Händler, da keine einschränkende Bedingung definiert wurde.

Schwellenpreis-Bedingung ist kostengünstiger Automatismus

Man kann meiner Meinung nach folgern, dass die Schwellenpreis-Bedingung für Amazon im Prinzip nur die kostengünstigste und rechtlich einfachste erste Realisierung einer automatisierten Preisreduzierung für Drittangebote von Marketplace-Händlern darstellt, da der Aufwand der Preisanpassung komplett auf Seiten der Händler anfällt. Auch wäre ein direktes Preisdiktat von Händlerpreisen seitens Amazon aktuell noch schwer vorstellbar und auch rechtswidrig.

Steigende Intransparenz für Händler

Die Interpretation der Aussagen und Informationen seitens Amazon deutet aktuell darauf hin, dass die produktspezifischen Rabattaktionen händlerübergreifend für jeden Marketplace-Händler gültig ist. Wie bereits an unterschiedlichen Stellen im Beitrag angedeutet, kommen auf Amazon-Händler unter Umständen weitreichende Herausforderungen zu:

  • Neben Senkungen von Provisionen sind auch (temporäre) Provisionszuschläge je Produkt/Kategorie denkbar. Beispielsweise wären in (niedrigpreisigen) Kategorien, in den Amazon das marktseitige Umsatzvolumen dominiert, langfristige Anhebungen der Provisionen denkbar und konsequent in Analogie zu der 45-Prozent-Provision auf Zubehör für Amazon eigene Geräte, wie Kindle, Firetablets, FireTV, et cetera.
  • Unterschiedliche Provisionshöhen von Händler zu Händler, welche zum Beispiel an die Verkäufer-Performance gekoppelt wären
  • Abweichende Provisionssätze zwischen gewerblichen und privaten Verkäufern, wie das bis dato nur in der Kategorie Elektronik der Fall ist (Verkaufstarif Einzelanbieter: zehn Prozent, Verkaufstarif Professionell: sieben Prozent)
  • und so weiter ...

Fazit und Einschätzung

  • Es ist nicht davon auszugehen, dass die aktuellen Rabattaktionen ein Test bleiben werden. Vielmehr ist mittelfristig eine weitreichende Dynamisierung der Verkaufsprovisionen zu erwarten.
  • Kurzfristig sind die Provisions-Änderungen, die zunächst vor allem durch Senkungen der Provision gekennzeichnet sind, für Marketplace-Händler als durchaus positiv zu bewerten.
  • Auf einzelne ASINS-beschränkte Provisions-Anpassungen sind insbesondere bei hochpreisigen Artikeln zu erwarten.
  • Auch wenn Amazon bereits mit dem ein oder anderen Umsatzstarken Pureplay-Händler individuelle Verkaufsprovisionen vereinbart haben mag, erst durch die jetzigen Maßnahmen erschließt sich Amazon Steuerungsmöglichkeiten des Pricings über das gesamte Sortiment.

Amazon wird mehr und mehr zu Infrastruktur. Allerdings ist diese Infrastruktur in keiner Weise staatlich geregelt oder gar kostenlos (vergleiche Vollkommener Markt). Vielmehr kann Amazon seine Händler nun beliebig unterschiedlich „besteuern“ und nach belieben durch starke monetäre Anreize, selbst in ihrer ureigenen Domaine, der „Verkaufspreis-Festsetzung“ de facto fernsteuern.

Auch wenn dieser Beitrag wohl eher die möglichen Bedenken als die positiven Effekte einer dynamischen Provisionsgestaltung seitens Amazon aufzeigt; die Marktmacht und Entscheidungsgewalt, welche durch ein Amazon ausgeht, über dass zukünftig vielbeschworene 75 Prozent des E-Commerce-Umsatzes fließen wird sehr deutlich.

  • Zwar gibt es Paradebeispiele für Amazon-Pureplayer wie Kavaj. Sie lassen sich jedoch nicht für alle Händler und Hersteller beliebig wiederholen.
  • Im Wettbewerb um globales Wachstum üben Alibaba, aber auch globale Chatdienste wie Wechat Druck auf die (noch starren) Provisions-Strukturen bei Amazon aus.

Über den Autor

Alexander Hofmann ist Geschäftsführer der HOWADO GmbH, die auf dem E-Commerce Vergleichsportal ecomparo.de unabhängige und umfassende Recherche- & Evaluierungsdienstleistungen zur Auswahl von E-Commerce-Software bietet.

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5 Reaktionen
Manches könnte einfacher erklärt sein
Manches könnte einfacher erklärt sein

Danke für die Antwort. Das mit dem Scoop war auf ein Fachmagazin bezogen.

Als Amazon-Kunde der gelegentlich ein paar Bücher auf Amazon verkauft hatte, hatte ich 15% im Kopf. Dafür muss man nicht hinter Kunden her rennen und schauen ob überwiesen wurde usw. Klingt also viel, ist es effektiv aber nur bei höheren Stückzahlen also Gewerbe.
Man sollte vielleicht im Hinterkopf behalten ob man den Text besser machen könnte. Weiches Brot kaut sich besser als eingetrocknetes...
Grundprobleme wie die Preiselastizität und die vielen weiteren Aspekte wie Preise der Konkurrenz sind schwer oder kaum darzulegen. Im Hinterkopf über Optimierungspotential nachzudenken schafft auf Dauer evtl. schmackhaftere und vollständig(er) verstandene und gelesene Texte wenn die Peer Group nicht The Big Bang Theory-Wissenschaftler oder das Team Scorpion sind.

Gut war die Liste der Möglichkeiten durch Amazon. Darauf wollte ich eigentlich hinaus: Wo findet sowas statt.

Man könnte öffentlich Preisdruck bzw. "Sog" nach unten generieren. Markenprodukte sind recht preis-stabil und Amazon könnte schauen, dort günstige Alternativanbieter zu finden was de facto aber trotz Kapitalismus oft wohl zu selten stattfindet. Vielleicht weil die Hersteller danach schauen und manche Produkte eventuell auch nicht mehr dort verkauft werden sollen (1) während massive Rabattierung von Kleidung im Ladengeschäft zum Sommer/Winter-Schlussverkauf möglicherweise nicht juristisch verfolgt wird. Aber Preisgerechtigkeit interessiert fast nur mich. Die meisten können sich vielleicht als Großverdiener anscheinend möglicherweise $179-Amazon-Echo-Boxen in jedem Zimmer, alle neuen Apple-Produkte und natürlich die vielen $149-Kickstarter-Projekte leisten...
Auch Preisstabilität für bestimmte Produkte wären interessant. Amazon sorgt dann also vielleicht dafür, das man ein Produkt eigentlich immer für x,99 Euro bekommt.

Man muss ja nicht nur in der Buy-Box sein (wikipedia buy box amazon erhellte mir, was das überhaupt ist), sondern auch der "Winner". Davon hängt die Kauf-Anzahl wohl mit am meisten ab.
Viele Leute vergleichen ja auch keine Preise. Von italienischen Hausfrauen hiess es das auch mal als Studie, aber auch bei Amazon, das keine Preise verglichen werden. Auch wenn Marketplace-Händler etwas schicken sind manche Amazon-Kunden voll sauer während mir es egal ist und mich die MindestKosten mehr stören und bei Amazon kaufen lassen. NoMarketPlace-Suchmaschinen gibts ja wohl auch deshalb.
Amazon guckt das die Händler nicht zu viel negative Probleme machen/haben so das der Kunde zufrieden ist. Dank deutscher Banken ist Paypal und Amazon-Abbuchung immer besser als mühselig (wie auch die Paypal-Werbung nannte) 20stellige IBAN-Nummern und viele weitere Zahlen abtippern zu müssen weil es bis heute keine Überweisungs-URIs(Empfänger,RechnungsNummer,Betrag,Zweck,...) oder Überweisungs-QR-Codes gibt. Danke Banken. Online-Shops sind nicht kewl. Sie erfordern (dank Amazon und Ebay vermeidbare) Lernkurven und oft genug werden die Kundendaten und Kreditkarten-Nummern, Passworte (hier im Supermarkt brauche ich kein Passwort,...), Adressen usw. gehackt... wie heute bei einem Verlag gemeldet wurde oder US-Hotelketten oder USA-Groß-Supermarkt-Ketten usw...

Amazon erhöht die Preise nicht, sondern schafft sich soweit ich das sehe (rein positive) Belohnungs-Mechanismen - also keine negativen Sanktionen - für erwünschtes Verhalten bzw. bestimmte Produkt-Gruppen. Man muss ja vermutlich nicht -- vollkommen überraschend (wie der Staat bei fast allen Krisen und wohl bald auch bei den Jobverlusten und Großproblemen durch E-Autos) -- plötzlich mehr Provision abdrücken als gedacht. Bei manchen Dienstleister, Groß-IT-Projekten und Bauprojekten ist Time-and-Budget also Kosten und Wartezeit bzw. die Provisionen nicht immer so gut abschätzbar.

Interessanter ist jetzt also wo sowas jetzt wirklich stattfindet. Die sinnvolle Liste der Möglichkeiten kann man also aktuell halten, fomulierungsmäßig ggf. für kleine Amazon-Käufer oder auch Händler ohne VWL/BWL-Diplom/FU/TU/BA-Abschluss also den "oberflächlichen Gelegenheitsleser"(oder wie die Formulierung in den Presseregeln war also wie jemand der bei TV durchzappt und hängen bleibt und man ihn hängen bleiben lassen bzw. zum kompletten Durchlesen und Verstehen bringen will und nicht nach 10 Zeilen schon was anderes anklickt) überarbeiten und ggf. ergänzen ohne ein niedriges Niveau erreichen zu brauchen.

Bei manchen Produkten oder Videospielen o.ä. hingen bestimmte Vertragskonditionen wohl auch davon ab, welche Bewertungen man bei manchen Bewertungs-Sammel-Portalen hat.
Ähnliche Mechanismen ergeben sich vielleicht duch Amazons Markt-Dominanz.
Ein echter Markt laut Definition hat keine Eintritts-Hürden also kein Knast für Trivial-Patent-Verletzungen (2) und ist EIN EINZIGER virtueller Punkt wo ALLES Angebot und ALLE Nachfrage zusammentreffen und JEDER ALLES weiss was er zur Kaufentscheidung (Hatte das Auto Totalschaden, Kilometerstand, Nachbesserungen, Reparatur-Log-File, wie lange gibts Android-Updates, wie lange braucht es bis der Akku so kaputt ist das man einen neuen braucht,...) braucht. Die Preisbehörde hätte das unter Rot-Grün trivial programmieren können. Die Probleme sieht man an den täglichen Benzinpreis-Schwankungen was die Behörde auch sehr einfach verhindern könnte.

Stattdessen muss Amazon die Marktfunktion übernehmen. Froogle wurde ja auch beendet oder stagniert vor sich hin wie fast alles ausser Googles Kern-System (Suchfunktion und TEXT_Werbungs-Vermarktung) und Youtube und Google-Mail weil beides von den Google-Boni-Managern selber benutzt wird.

(1): http://t3n.de/news/amazon-olg-frankfurt-online-handel-667419/
(2): http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-kann-sich-nicht-auf-Direktive-zum-Schutz-geistigen-Eigentums-verstaendigen-151212.html Dank TTIP usw. werden die Content- und US-Patent-Inhaber auf Geschäfts-Ideen bald sicher froh.

Tacit Knowledge
Tacit Knowledge

Hallo Herr Hofmann,

vielen Dank für den Artikel und vor allem für den ökonomischen Ansatz.
Haben Sie weitere Quellen, Literatur oder weiterführende Artikel zu diesem Thema?

Ich wollte die Thematik meinen Betreuern meiner VWL Thesis vorstellen; bräuchte jedoch ein Paper/Literaturbasis oder Ähnliches falls vorhanden. Es muss wissenschaftlich fundiert sein und ohne Literatur tun sich die Betreuer leider etwas schwer.

Gruss,

Tacit-Knowledge

Nicola Straub

"Gerne wird die relativ aktuelle Statistik bemüht, dass mittlerweile 44 Prozent aller Produktsuchen bei Amazon beginnen. Diese Statistik sagt jedoch noch nichts über den eigentlich Kaufabschluss aus."

Im zitierten Artikel geht es um die Möglichkeiten des SEO für Amazon. Amazon-SEO ist aber nur dann möglich, wenn es sich um eigene Artikel handelt - Handelsmarken, individuelle Produkte etc. Für Standardprodukte kann gar kein Amazon-SEO betrieben werden, da man ja nicht Herr über die Daten ist, hier ist für Händler vielmehr der Kampf um die Buybox angesagt. Das wird in den zitierten Artikel auch sehr genau beschrieben.

Für eigene Produkte/Handelsmarken aber ist der Anzahl der Suchenden und dann Findenden sehr wohl ausschlaggebend. Denn hier ist es im Grunde egal, ob dann bei Amazon direkt gekauft wird, oder von dort ausgehend noch nach dem eigenen Hersteller-Shop oder Filialen gesucht wird, um dort zu kaufen - jedenfalls solange die eigenen Produkte gefunden werden und überzeugen konnten.

Von daher geht ist der Hinweis, dass der Anteil der Produktsuchen NICHT der Anzahl der Verkäufe entspricht, völlig ins Leere oder entspringt dem Denkfehler, dass es um Standardprodukte und die Buybox gehe. Das ist hier aber nicht der Fall, es geht hier rein um eigene Produkte/Handelsmarken. Und denen geht es wie gesagt vor allem erst einmal darum, bei Produktrecherchen überhaupt aufgefunden zu werden, um dann überzeugen zu können. Würden hierbei die 44% auf Amazon statt via Google Recherchierenden ignoriert oder vernachlässigt, kann das mittlerweile fatal sein.

Herzliche Grüße
Nicola Straub

Alexander Hofmann
Alexander Hofmann

Vielen Dank für den Kommentar. Die Entwicklungen von Amazon, die im Gastbeitrag betrachtet und analysiert werden, sind generell für alle Unternehmen relevant, die Waren auf Amazon anbieten. Deshalb haben wir uns die Mühe gemacht und versucht aufzuzeigen, wohin die Reise seitens Amazon gehen kann, weil eben Händler tendenziell vor vollendete Tatsachen gestellt werden und Amazon selten Einblicke in langfristige Pläne gewährt. Ein IT-Scoop ist das sicherlich nicht, eher eine langfristige Entwicklung...

Wann Amazon welche der beschriebenen Steuerungsmöglichkeiten nutzen wird? Diese Einschätzung obliegt jedem Händler und Hersteller selbst, ist nicht der Hauptaspekts des Beitrags.

Dass Amazon nun die technische Möglichkeit geschaffen hat, de facto die Kontrolle über die Preisgestaltung von Marketplace-Angeboten auszuüben; diese Tatsache steht im Fokus. Wer Amazon kennt oder als Unternehmen auf Amazon aktiv ist, der kann und sollte aus dem Beitrag weitere Schlüsse ziehen. Beispielsweise wird die Preisänderung aufgrund einer von Amazon "vorgeschlagenen" Preissenkung mit großer Wahrscheinlichkeit ein weiteres Buy-Box-Kriterium bewerten.

Die Automatisierung von Preisanpassungen im Zuge von "vorgeschlagenen" Preissenkungen durch Repricing-Anbieter ist unserer Einschätzung nach ebenfalls zeitnah zu erwarten. Der damit steigende Handlungsdruck auf die Marketplace-Händler zeigt einmal mehr die monopolartige Stellung von Amazon.

Manches könnte einfacher erklärt sein
Manches könnte einfacher erklärt sein

Bisher wurde auch nicht haargenau aufgelistet welche Produkte genau für 4,99-Versandpreis-20-kg-Paket bestellbar sind:
http://t3n.de/news/amazon-pantry-645412/

Auch Qualitäts-Fachmagazine scheiterten schon am Ebay-Bietagenten und blamierten sich... Der letzte IT-Scoop ist schon Jahrzehnte her und war SoftRAM.

Auch ist nicht ganz klar, was und wie man als Händler machen sollte. Mathematiker haben etwas verstanden wenn sie raus gehen und es jemand auf der Straße korrekt erklären können. Das fehlt hier. Oder bei Löwen wird auch nichts gelistet oder partielle Roi-Schemata benutzt obwohl das in praktisch jeder geldbasierten (Schulden-Rettungs-/Haus-Rettungs-/Restaurant-Rettungs-/Autobesitz-Rettungs-)-Show passiert.

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