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Amazon-Gebühren für Händler um bis zu 70 Prozent erhöht – auf Kosten der Kunden?

Das dürfte so manchen Händler ärgern: erhöht die Gebühren um bis zu 70 Prozent. Wer seine Produkte über die Plattform vertreibt, darf seine Waren – wie oft kritisiert – nicht günstiger auf anderen Plattformen anbieten. Im Zusammenhang mit einer aktuellen Provisionserhöhung könnte das dazu führen, dass Amazon für manche Händler endgültig als Vertriebskanal ausscheidet. Händler könnten die höheren Kosten auch auf Kunden umlegen und ihre Preise erhöhen.

Amazon-Gebühren für Händler um bis zu 70 Prozent erhöht – auf Kosten der Kunden?

Amazon hatte seine Gebühren vor einiger Zeit in den USA erhöht. Seit dem 4. April dieses Jahres gelten auch neue Gebühren für europäische Händler, die laut einem Bericht von eCommerce-Vision je nach Land um bis zu 70 Prozent höher ausfallen. Der Online-Retailer muss sich seit geraumer Zeit mit einigen negativen Schlagzeilen herum ärgern. Da war beispielsweise der Shitstorm auf Facebook, Mitarbeiter in Deutschland drohen mit einem Streik und auch das Kartellamt prüft derzeit die Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler.

Die aktuellen Amazon-Gebühren für Händler im Überblick.

Amazon-Gebühren verärgern Händler

Erst kürzlich hat Amazon seine Verkaufszahlen erstmals für Deutschland veröffentlicht. Demnach geben die Deutschen 6,8 Milliarden Euro bei dem Online-Retailer aus. Amazon zeichnet für ein Fünftel des Gesamtumsatz der Versandhandelsbranche verantwortlich. Viele Händler setzen auf Amazon als Vertriebskanal. Immer mehr von ihnen könnten diese Strategie vor dem Hintergrund der jüngsten Vorkommnisse jedoch überdenken. Immerhin schmälert eine Erhöhung der Provision je nach Produkt und Kategorie für Händler auf Amazon die Gewinnspanne.

Für Elektronikzubehör müssen deutsche Händler statt sieben ab sofort zehn Prozent Provision zahlen. In Großbritannien steigen die Provisionen für diese Produktkategorie sogar von sieben auf zwölf Prozent. Höhere Gebühren werden aber auch bei vielen anderen Produktkategorien fällig. So müssen beispielsweise deutsche Händler eine höhere Provision für Autoreifen entrichten und französische Händler für DVDs, Games und Musik.

Höhere Amazon-Gebühren und Preisparität setzen Händler unter Druck

Zusammen mit der umstrittenen Preisparitätsklausel von Amazon könnten die angehobenen Gebühren in der Tat dazu führen, dass einige Händler sich nach Alternativen umsehen. Im November 2012 hatte der Konkurrent Hood.de den Retail-Riesen wegen der Preisparitätsklausel verklagt. Diese untersagt Händlern, auf Amazon angebotene Produkte über andere Vertriebskanäle wie Kataloge oder über das Internet günstiger anzubieten. Die Preisstabilitätsklausel gilt zwar schon seit 2010, Amazon setzt diese aber erst seit einigen Monaten strenger gegenüber Händlern auf dem Marktplatz durch. Mittlerweile ermittelt das Bundeskartellamt in der Sache.

Preiserhöhungen für Kunden nicht unwahrscheinlich

Das Anheben der Gebühren verärgert Händler insbesondere in Verbindung mit dieser Klausel, unter der die Gewinnspanne bei steigenden Gebühren generell leidet. Händler, die darauf angewiesen sind, ihre Produkte auch weiterhin bei Amazon anzubieten, müssen aus diesem Grund entweder geringere Gewinne hinnehmen oder die Preise erhöhen.

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5 Antworten
  1. von Manfred am 08.04.2013 (17:39Uhr)

    Sehr traurig, wie sich Amazon allmählich von seinen Wurzeln entfernt. Früher war es auch als Privatverkäufer kein Problem, Sachen relativ schnell loszuwerden. Dann sind sie so geirig geworden, dass es sich nicht mehr gelohnt hat, das gleiche passiert jetzt auch bei gewerblichen Verkäufern.

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  2. von Händler vergleichen am 08.04.2013 (17:46Uhr)

    @Robert Mischuda #7: Heute gabs eine Meldung über Amazon-Zahlen und da sind sie fast sogar stolz drauf, das sie in der Cloud geringe Margen haben weil sie das vom Handel gewöhnt wären.

    @Felix Angermueller #1: Bei der Marktwirtschaft kann jeder Anbieter seinen Deckungsbeitrag/Preisaufschlag/Umsatzrendite normalerweise selber festlegen. Das wird über Amazons Regel verhindert weil dann keiner mehr woanders billiger anbieten kann. Lange schien keinen das Problem zu interessieren.
    Ich wäre dafür, das man digitalen Besitz endlich definiert und Weiterverkauf erlaubt und regelt (evtl ähnlich "Folgerecht" usw.) und in diesem Zusammenhang evtl auch mal Regeln für Preisbildung regelt. Das Problem der Preisgerechtigkeit ist leider diffiziler und wird m.W. nirgendwo vernünftig erklärt und diskutiert. Amazon hat gigantische User-Zahlen. Wenn man dann bei Amazon für 10 Euro anbietet und die Leute auf den eigenen Onlineshop lockt und dort für 5 Euro anbietet, ist Amazon nur eine Werbeplattform aber kriegt keine Einnahmen. Wenn ein Autor von Amazon 10 Cent kriegt und Amazon das Buch für $1 anbietet, kann Sony-Book-Store, Libri usw. auch nur für $1 anbieten obwohl sie dem Autor vielleicht 15 Cent zahlen und es gerne für 90 Cent verkaufen würden. D.h. Autoren müssten von jedem Händler exakt denselben Preis kriegen und die Händler müssten individuell ihre Provision draufschlagen. Manchen ist whispernet fürs Kindle in 150(?) Ländern per Mobilfunk sicher einen Aufpreis wert. Gleichpreis verhindert, das Digital-Content-Händler mit geringeren Gebühren am Markt mitmachen können. Von Digital-Verweigerern und Nicht-Twitterern sind vielleicht wohl wenig wirksame Lösungen zu erwarten.
    Amazon Provisionen waren bei meinen gebrauchten Buchverkäufen ca. 15%. Da das Inkasso beinhaltet ist, war das früher ok denke ich mal. Bei Ebay usw. kam man vermutlich auch nicht billiger davon oder musste auf Überweisungen warten usw. was durchaus lästig sein kann.
    Von daher wäre schön, wenn t3n das mal in Relation setzt und man mal sieht wie relevant es ist.
    Die Händler unterscheiden sich auch bei Amazon schon sehr z.B. in den Versandkosten (z.B. Tierfutter). Amazon sortiert die Angebote nach Bestellung von 1 Stück inclusive Versand und der billigste Händler wird angezeigt obwohl 10 Dosen Hundefutter inclusive Versand woanders vielleicht billiger wären. Wenn man Produkte mischt liefert Amazon also leider keine Liste von Händlerkombinationen und Lösungen für z.B. wenigste Pakete oder schnellste Lieferung oder geringste Kosten,... des gesamten Warenkorbes.

    Wurde bei Ebay die Provisions-Berechnung nicht vor einer kürzeren Weile auf Endpreis statt Startpreis umgestellt (vielleicht nur USA) ? Man muss sich die vorhandenen Konkurrenten und deren Provisionsberechnung also auch mal ansehen.

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  3. von Torsten am 08.04.2013 (20:03Uhr)

    Jeder gewerbliche Anbieter auf amazon hat die Bedingungen für das Anbieten von Waren vor der Aktivierung zur Kenntnis genommen und akzeptiert! Das Kartellamt kann in meinen Augen auch nichts anderes entscheiden... Jedem steht es frei dort anzubieten oder seine Hausaufgaben zu machen und ein eigenes Konzept aufzubauen...

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  4. von Dirk am 09.04.2013 (15:46Uhr)

    Ich finde den Titel unangemessen!
    Der Titel suggeriert mit der Frage nur, dass Amazon gierig sei mehr Geld zu sammeln und es auf unfaire Weise Dritthändler zu höheren Preisen zwingt, falls die geringeren Gewinnmargen eher Verlust werden oder die Gewinnmargen nun zu gering seien.

    Letztendlich ist die Aussage vom Titel indirekt, dass die Kunden "Geiz ist geil" wollen und vielleicht gerechtfertigte und fairere Preise angeblich nicht ertragen wollen.
    Insofern ist das indirekt eine Lästerung der Kunden.

    => Der Titel wäre in Ordnung, wenn es neutral wäre. Allerdings würde sich der Artikel langweiliger anhören und zu weniger Page impress und somit weniger eingeblendeter Werbung führen, weshalb t3n etwas weniger verdienen würde.
    Das ist sehr Bild-haft und finde ich deshalb nicht gut.

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  5. von maxi am 10.04.2013 (18:58Uhr)

    Das Problem ist, daß zwar der Gewinn im Verhältnis zum Umsatz zwar relativ niedrig ausfällt, doch das liegt nicht an deren Kosten, sondern daran daß Sie alles wieder investieren.
    Unter anderem natürlich in neue Logistikcenter und Technik.
    Das Problem ist nur, daß Amazon seine Verkäufer verärgert, indem Gebühren angehoben werden. Im Klartext sieht es aus, daß Amazon Ihre Verkäufer relativ egal sind.
    Das Ding kann so nur Platzen, denn wen die mit diesen Gebühren nicht Gewinn machen, wirtschaften sie auch nicht richtig.

    g maxi

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