Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Ratgeber

Den Onlineshop braucht kein Mensch mehr: Einblicke in das Performance-Marketing im Amazon-Zeitalter

    Den Onlineshop braucht kein Mensch mehr: Einblicke in das Performance-Marketing im Amazon-Zeitalter

(Grafik: Shutterstock Montage: t3n)

Der Onlineshop ist der heilige Gral des Onlinehandels, ohne geht nichts. Oder? Jens Wasel vom Marktplatzhändler KW-Commerce jedenfalls hat da so seine eigenen Ansichten. Und leitet seinen Onlineshop zu Amazon um – mit Erfolg. Ein Artikel aus der Serie  kreativ.

Er wirkt kein bisschen irre, wie er mir hier gegenüber sitzt, im Innenhof des Berliner Ellington Hotel. Hoch gewachsen, unrasiert und spitzbübisch lächelnd. Und doch werden viele Händler ihn für völlig verrückt erklären. Der Verrückte ist Jens Wasel, der Mitgründer des Marktplatzhändlers KW-Commerce. Mit zwei Eigenmarken produziert das 170 Mann starke Unternehmen Handyzubehör und liefert an rund 4 Millionen Kunden 334.000 Bestellungen im Monat aus. Wasel leitet jetzt seine Onlineshops komplett auf Amazon um – und lächelt dabei immer noch.

(Foto: kwcommerce)
Jens Wasel von KW-Commerce mit seinem Team in Berlin – vorne, mittig, kariertes Hemd. (Foto: KW-Commerce)

Der Onlineshop, der heilige Gral der Branche

Der Onlineshop ist in der E-Commerce-Branche so etwas wie der heilige Gral. Ja, mit etwas Widerwillen wird auf Amazon oder eBay verkauft – aber am liebsten ist es Händlern, wenn der Kunde im Onlineshop des Händlers einkauft: Der Umsatz im Onlineshop fließt vollständig in die Taschen des Händlers, der Kunde und die Kundendaten gehören dem Händler und es ist alles hübsch unter Kontrolle. Genau so stellt sich ein Händler die optimale Situation vor, und geht stillschweigend davon aus, dass er mit seinem eigenen Onlineshop immer noch am meisten verdient.

Ein ärgerliches Thema dabei ist für die meisten Händler im Höchstfall noch die Sache mit den Kundengewinnungskosten. Es ist unheimlich mühsam und teuer geworden, einen Neukunden zu gewinnen. Im Gegensatz dazu wird die Reaktivierung eines Bestandskunden meist als etwas günstiger betrachtet. Ist der Kunde dann erst einmal im Shop, dann gilt es die Conversion-Rate zu optimieren und das Cross-Selling so zu optimieren, dass der Kunde einen möglichst hohen Warenkorbwert erzeugt.

Irrsinn oder geniale Strategie

(Foto: Jens Wasel)
(Foto: Jens Wasel)

Auf diese Glaubensgrundsätze eines durchschnittlichen Händlers pfeift Jens Wasel. Mit KW-Commerce verkauft Wasel im Moment hauptsächlich auf Amazon, der Ausbau weiterer Marktplatzkanäle läuft bereits. Für die beiden Eigenmarken kwmobile und kalibri betreibt KW-Commerce bisher lediglich eine Marken-Website und noch keinen Shop. Dort werden Produkte vorgestellt und verschiedene Service-Leistungen geboten, wie beispielsweise ein Download von Bedienungsanleitungen.

Jetzt erweitert das Unternehmen die beiden Markenauftritte in Kürze um einen Onlineshop. Der Shop wird wie allgemein üblich auf jeder Marken-Website integriert, damit endet dann auch schon das Übliche: Denn statt im Warenkorb des Händlers zu landen, landet der Kunde am Schluss im Checkout von Amazon. „Einen eigenen Onlineshop hatten wir für die Marken einige Zeit, hat für uns nicht funktioniert“, kommentiert Wasel die eigentümliche Entscheidung.

(Screenshot: Kalibri)
Kalibri, die hochwertigere der beiden Marken des Amazon-Spezialisten KW-Commerce. (Screenshot: Kalibri)

Und zukünftig will Wasel mit dieser Umleitung seiner Onlineshops unterm Strich mehr Umsatz machen als er es mit einem eigenen Onlineshop jemals machen könnte. Als Begründung dafür liefert Wasel etwas, dass ich als „digitale Skaleneffekte“ bezeichne.

kwcommerce-amazon-performance-marketing 2016-06-15 um 12.57.47
(Screenshot: kwmobile)

Digitale Skaleneffekte: Der Onlineshop wird vom Amazon-Ranking-Algorithmus ausgestochen

Amazon sortiert alle Produkte in den Kategorien oder in einem Suchergebnis immer nach der möglichen Kaufwahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich es ist, dass ein Kunde ein spezifisches Produkt kauft. Für die Sortierung sorgt ein ausgeklügelter Ranking-Algorithmus, welcher die Reihenfolge der Suchergebnisse nach einem ausgefeilten Schema bestimmt.

Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei der Traffic auf der jeweiligen Produktdetail-Seite bei Amazon, die Anzahl der verkauften Artikel sowie die daraus resultierende Conversion-Rate. Erhält ein Artikel viel Aufmerksamkeit und wird gut verkauft, dann wird dieser Artikel im Ranking aufgewertet und steigt in der Suchergebnisliste nach oben. Einfach ausgedrückt: Jeder Verkauf auf Amazon führt automatisch zu einem gewissen Prozentsatz zu weiteren Umsätzen. Diese Absatzsteigerung geschieht vollautomatisch, ohne Einwirkung des Händlers.

Als Skaleneffekt bezeichnet die Wirtschaft Vorteile, die einem Unternehmen durch eine gewisse Größe quasi „automatisch“ entstehen: Bei Händlern wird gerne das Einkaufsvolumen angeführt, das zu besseren Einkaufskonditionen führt. Im Gegensatz zu diesen klassischen Skaleneffekten, die in irgendeiner Form eine physikalische Komponente besitzen, sei es durch Produktion oder durch den Einkauf von mehr Gütern, haben digitale Skaleneffekte keine physikalischen Komponenten. Bei Amazon ist der Ranking-Algorithmus die rein digitale Komponente, die zum digitalen Skaleneffekt führt – und letztlich zu mehr Umsatz beim Händler.

Digitale Skaleneffekte contra Kundengewinnungskosten

Im Onlinehandel ist es mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass Kunden kaum noch zu binden sind. Glücklich kann sich schätzen, wer schon so lange am Markt ist, dass er noch über langjährige Kunden verfügt, die noch aus einer Zeit stammen, in der Kunden noch gebunden werden konnten. Alle anderen gucken mehr oder weniger in die Röhre – so führt es auch Handelsexperte und Kassenzone-Herausgeber Alexander Graf aus.

Lassen wir mal all die Stellschrauben außer Acht, die es ganz sicher noch gibt, um so noch für zumindest leicht spürbare Kundenbindungsquoten zu sorgen. Es bleibt dabei: Die große Masse der Kunden muss immer wieder kostenträchtig aktiviert und zu einem erneuten Einkauf im Onlineshop bewegt werden. Mit SEO- oder SEA-Maßnahmen, mit einem Newsletter, einem Gutschein oder mit welcher Marketing-Maßnahme der Händler es auch versuchen mag.

Auch bei Amazon muss für die Neukundengewinnung Geld in die Hand genommen werden: Entweder für interne Werbemaßnahmen, für eigene Werbemaßnahmen, für die besagten Gutscheine oder in jedem Fall für die Verkaufsprovision von Amazon.

Im schlimmsten Falle habe ich also bei Amazon Kundengewinnungskosten und noch eine Verkaufsprovision. Klingt erst mal teurer als der Verkauf im eigenen Onlineshop. Das stimmt auch. Interessiert Jens Wasel aber nicht: „Das ist völlig egal, für uns bleibt unter dem Strich mehr hängen“.

Denn die Umsatzsteigerung, die durch die digitalen Skaleneffekte bei Amazon entsteht, soll die Mehrkosten eindeutig ausgleichen. Einfach ausgedrückt kauft ein Kunde bei Wasel im Onlineshop ein, dann hat Wasel einen einmaligen Umsatz und etwas mehr Ertrag, aber ansonsten nichts mehr. Leitet Wasel den Kunden aber zu Amazon weiter, erhält Wasel zwar etwas weniger Ertrag, aber die digitalen Skaleneffekte sorgen vollautomatisch dafür, dass der Umsatz bei Amazon generell ansteigt. Der Umsatz-Anstieg soll dabei die erhöhten Kundengewinnungskosten mehr als wett machen.

Das Sortiment und die Marge muss passen. Sonst funktioniert Wasels Methode nicht.

Das Beispiel von KW-Commerce zeigt, dass Glaubensgrundsätze in einer Geschäftsstrategie nichts zu suchen haben. Gerade im digitalen Handel können Gesetzmäßigkeiten, die man gerade noch für uneingeschränkt geltend empfand, in der nächsten Sekunde schon ad absurdum geführt werden.

Die Performance-Marketing-Strategie von KW-Commerce funktioniert nicht bei jedem Händler. Das Sortiment muss dafür so gestaltet sein, dass jeder einzelne Artikel Ertrag abwirft und keine Mischkalkulationen vorhanden sind. Eine Steigerung des Warenkorbs ist so auch nicht möglich, was Wasel nicht weiter stört. Der Uplift des Umsatzes ist für ihn ein maßgeblicher Key-Performance-Indikator.

Den letzten Einwand, dass der Ausgang seines Experimentes ja noch offen sei, der Onlineshop von KW-Commerce würde ja gerade erst umgestellt, wischt Wasel im Gespräch vom Tisch: „Wir betreiben diese Strategie ja seit langem mit anderen Traffic-Kanälen. Der Ausgang ist also sicher.“ Der Amazon-Experte betreibt mit KW-Commerce bereits seit Jahren Performance-Marketing und erhält im Resultat bereits Traffic auf seine Amazon-Produktseiten. Den digitalen Skaleneffekt kann Wasel belegen, jetzt überträgt er das Funktionsprinzip einfach auf einen anderen Traffic-Kanal. Aller Wahrscheinlichkeit nach mit Erfolg.

Lies auch die weiteren Porträts zum Thema „Brandbuilding in Ökosystemen“ in unserer Reihe E-Commerce kreativ. Den Abschluss findest du im dazugehörigen Ratgeber in der kommenden t3n 45: „Anker Technology: Mit Mutters Ersparnissen auf dem Weg zum Amazon-Unicorn“, „The Friendly Swede: Der Lehrer, der auf Amazon 8 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht“.

llamaz
llamaz

Soviel zur Frage ob "Amazon Only" ein Geschäftsmodell mit Zukunft ist:
https://sellercentral.amazon.de/forums/thread.jspa?threadID=121016&tstart=0

Antworten
Jochen G. Fuchs

Hallo Ralf & Alexander,

ihr seid beide auf der Welle meines innerlichen Fazits zu dem Thema: Wer es sich leisten kann, sich von Amazon abzuwenden soll das machen.

Aber die Frage ist langfristig betrachtet: Welche Geschäftsmodelle müssen zwingend Ökosysteme wie Amazon nutzen und welche nicht.

Der Frage gehe ich noch nach, genauso wie der Frage wie Brandbuilding in Ökosystemen funktioniert.

Hier gibts mein aktuelles Fazit zu der Diskussion zu diesem Artikel: http://ecommercefuchs.de/k5-berlin-kwcommerce-amazon-wort-zum-sonntag

Viele Grüße,
Jochen

Antworten
Alexander
Alexander

Für Anbieter mit guter Kundenbeziehung und starken Marken ist der Verkauf über den eigenen Shop vielleicht nachhaltiger.

Wer aber ohnehin davon ausgeht, den Kunden nie wiederzusehen, für den kann ein Marktplatz der bessere Verkaufskanal sein. Das Markenimage ist dann völlig egal.

Wer flexibel im Brand und schnell in der Anpassung ist, der verkauft heute AaSuperb bei Amazon und nächste Woche AaDeluxe bei Ali Baba.

Wasels Entscheidung die kwcommerce Produkte ausschließlich über den Marktplatz zu verkaufen ist schlüssig.

Antworten
Ralf Ehlert

Zufällig kam bei mir gerade der Newsletter von neuhandeln.de an, in dem Stephan Meixner schreibt (zu einem anderen Thema, dennoch passend):

"Vielleicht muss man sich auch einmal von dem Gedanken lösen, über Online-Portale von Dritten zu verkaufen. Der Second-Hand-Händler reBuy hat jedenfalls schon bewusst auf Umsätze bei Amazon und eBay verzichtet, um dadurch den eigenen Online-Shop zu stärken.

Wer seine eigene Marke etablieren will, muss zwar kräftig die Werbetrommel rühren. Dafür aber kann man im eigenen Shop selbst festlegen, was wann und wie zu machen ist - und allein deshalb ist eine Abwendung von Amazon & Co. doch eine Überlegung wert, oder?"

Als Online-Marketer ist mir Stephan Meixners Sichtweise doch erheblich näher. Dürfte allerdings vom jeweiligen Geschäftsmodell abhängen - und von der Marktmacht Amazons, falls die irgendwann einen kritischen Punkt erreichen wird, bei dem dann niemand mehr die Wahl hat.

Übrigens: Schön geschriebener Bericht, Kompliment an den Autor Jochen G. Fuchs.

Antworten
tomruthemann
tomruthemann

Das ist doch alles viel zu kurz gedacht. Wie Dorra richtig schreibt: Wo soll denn da eine eigene Marke entstehen, wie bin ich geschützt, dass der Riese mich nicht einfach irgendwann rauskickt und selbst meine Produkte anbietet?

Eine Abhängigkeit entsteht, die zum Knebel wird – und das nur, um auf kurze Distanz gute Umsätze zu machen?

Wenig nachhaltig, wenig perspektivisch gedacht – oder kurz: Da hat wohl jemand Strategie und Taktik verwechselt.

Antworten
Jochen G. Fuchs

Die Marke ist entstanden. Eine zweite wird gerade aufgebaut. Wieviele Marken muss man denn aufbauen bevor einer „Funktioniert!“ schreien darf?

Abhängigkeit ist begrenzt wenn eigene Traffickanäle und weitere Vertriebskanäle aufgebaut werden, wie es Wasel macht.

Kurzfristig? Ich weiß nicht. Die machen das seit vier Jahren, in Onlinehändlerjahren sind die bereits 96. ;-)

Antworten
tomruthemann
tomruthemann

Die Gefahr ist konkret, dass Amazon Vertriebswege kapert. Lokale Amazon-Händler berichten davon und wissen Beispiele zu nennen. Und die Gefahr wächst je erfolgreicher der Verkäufer auf Amazon ist.

Deren Tip war seine Informationen über Hersteller, Vertrieb usw auf alle Fälle zu schützen und diese keinesfalls leichtfertig offen zu legen.

Soweit ich weiß hat VersaCommerce die Möglichkeit geschaffen innerhalb des eigenen Shops auf Amazon zu verkaufen. Ich kann das nicht im Detail beurteilen, aber das sieht nach einem schon eher geeigneten Konzept aus, solchen Gefahren aus dem Weg zu gehen.

Jochen G. Fuchs

Vertriebswege? Bei Eigenproduktion und eigenem Design? Wie hier bei kwcommmerce?

Nicht so ohne weiteres. Also; Gar nicht.

Die Gefaht besteht eher darin, dass Amazon mir mit Eigenmarken Konkurrenz macht.

Dann muss das Produktmanagement Bestseller ersetzen.

Nicht vergessen, wie ich schon im Artikel schrieb: Das ist kein Konzept für jeden. Sonder für Händler mit Eigenmarke und Eigenproduktion. Bitte aus der Gültigkeit der Aussage nichts anderes machen als da steht.

tomruthemann
tomruthemann

_Die Gefaht besteht eher darin, dass Amazon mir mit Eigenmarken Konkurrenz macht.
Dann muss das Produktmanagement Bestseller ersetzen._

Das ist doch genau was ich auch schreibe, Amazon kapert Dinge – Produkte – die man sich vielleicht mühsam und unter hohem Einsatz "erarbeitet" hat. Und dann soll die Lösung sein, dass das Produktmanagement was Neues findet? Das kann's ja wohl nicht sein und ist mir deutlich zu einfach gedacht.

Jochen G. Fuchs

Du sprichst von Vertriebswegen. Das hat nichts mit Eigenmarke oder Eigenproduktion zu tun.

Eine Produktionskette habe ich selbst unter Kontrolle, die bekommt Amazon nicht wenn ich bei Amazon verkaufe. Woher auch?

Irgendwelchen China-Müll auf Alibaba einkaufen und als Eigenmarke verkaufen das hat für mich nichts mit Eigenmarke zu tun. Das wäre dann ein Vertriebsweg. Wer sowas macht…

Ich verstehe auch ehrlich gesagt das Problem nicht. Niemand kann jahrelang mit ein und dem selben Sortiment überleben. Kategorie und Produktmanagement ist das A und O.

Wir leben in einer Marktwirtschaft. Da gibt es nun einmal Wettbewerb. Damit muss ich als Händler leben und als Marke erst recht.

Wenn Apple ein neues Highend-Smartphone herausbringt und Samsung ebenfalls, dann verliert einer von beiden. Dann muss das Produktmanagement sich etwas neues ausdenken.

Ob ich als Marke bei Amazon aktiv bin oder nicht, Amazon kann mir trotzdem meine Bestseller stehlen. Ich sehe da nur ein marginalen Unterschied.

Wenn ich nicht will dass der Wettbewerb Konkurrenzprodukte auf den Markt bringt dann muss ich entweder ein Monopol aufbauen oder sterben gehen.

Das ist plakativ und polemisch, das ist mir klar. Bringt aber meiner Meinung nach die Diskussion auf den Punkt. Einfach nur vor Amazon Zittern ist jedenfalls auch keine Lösung.

tomruthemann
tomruthemann

Wenn Du schreibst »Wenn ich nicht will dass der Wettbewerb Konkurrenzprodukte auf den Markt bringt dann « dann ergänze ich; »verkaufe ich nicht meine Produkte bei diesem Wettbewerb und lasse ihn auch noch wissen wo ich es her habe« (egal ob AliBaba oder Eigen-Herstellung).

Lassen wir es dabei, ich glaube unsere Einstellung dazu ist einfach zu unterschiedlich, ich halte nun mal nichts von purem Markt-Liberalismus.

Jochen G. Fuchs

Nee, auf einen grünen Zweig kommen wir beide nicht mehr. Macht aber nichts. Das Leben wäre langweilig ohne konträre Meinungen. ;-)

Eine Frage noch und ein letzter Hinweis:

Wieso verrate ich Amazon meinen Hersteller, wenn ich über Amazon verkaufe? Mache ich nicht, ich wüßte nicht wie. Es sei denn ich bin so blöd die Einlieferungen vom Hersteller vornehmen zu lassen.

kwcommerce dürfte die Diskussion hier gar nicht interessieren. Der Gerätezyklus ist in diesem Markt so kurz, die Neuerscheinungen produzieren etwa vier Wochen lang Bestseller, dann war's das. Dann kommen die nächsten Geräte. Und das nächste Zubehör kommt. Da ist das Produktmanagement im Regelbetrieb schon dabei Bestseller zu ersetzen.

tomruthemann
tomruthemann

»Wieso verrate ich Amazon meinen Hersteller, wenn ich über Amazon verkaufe? Mache ich nicht, ich wüßte nicht wie. Es sei denn ich bin so blöd die Einlieferungen vom Hersteller vornehmen zu lassen.«

Nun, wer aufmerksam und entsprechend arbeitet, der wird erst einmal keine Probleme haben, völlig richtig. Ich hake hier nur so intensiv nach, wenn mir glaubhaft Händler (wie schon gesagt) auf einem hiesigen Amazon-SEO-Stammtisch erzählt haben, was passiert (oder passieren kann). Je erfolgreicher, desto gefährlicher – und es wurde dem Vertriebsriesen unterstellt ganz direkt Wege zu suchen, das Geschäft selbst zu übernehmen.

Daraus leite ich halt meine Schlussfolgerungen ab. Es ist ja auch nicht mehr als eine klare Warnung. Und der Hinweis seine Quellen gut zu schützen.

Jochen G. Fuchs

Das braucht man gar nicht unterstellen, das kann man als Fakt betrachten.

Amazon will Umsätze übernehmen. Da klingelt dann auch mal der Vendor-Manager an und fragt direkt beim Händler nach ob er direkt an Amazon verkauft.

Oder diverse Verkaufsmechaniken versuchen Umsätze zu kapern. Ich habe selber einen solchen Mechanismus mit den Spar-Abos bei t3n aufgedeckt: http://t3n.de/news/amazon-spar-abo-701086/

Nicht falsch verstehen: Diese real existierenden „Gefahren“ rede ich nicht klein. Aber eine gute Eigenmarke und Eigenproduktion sind imho ein gutes „Abwehrmittel“.

MarcHe
MarcHe

Wie im Text ja steht, ist das Konzept nicht für jedes Unternehmen/Produkt sinnvoll.
Dass jeder Plattformbetreiber (nicht nur A) Interesse bekundet, interessante Produktbereiche die vorher nicht auf dem Radar waren, zu übernehmen, ist ohne Fragen - auf der anderen Seite bekommt A ja auch so Geld/Provision, der bei eigener Umsetzung wegbrechen würde. Abschließend muss ein derartiges Unternehmen sich fokussieren.

Zurück zum Händler, der sich die Frage stellen kann, bin ich einer unter vielen der keine Berücksichtigung findet oder push ich aktuell wie kwcommerce und sehe was die Zukunft bietet. (zumal sich alle 12 J. ein Unternehmen sowieso neu "erfinden" muss)
kwcommerce hat für sich und seine Artikel aktuell doch die beste Wahl getroffen.

Antworten
Björn Dorra

Ich widerspreche hier, dass der Weg "nur" über Amazon zu verkaufen eine kluge Idee ist.

Das Gegenteil ist der Fall.

In diesem Beispiel ist es vielleicht wirtschaftlich erfolgreich. Doch man sollte nicht vergessen, dass man sich so als Händler in eine komplette Abhängigkeit begibt.

Weiterhin ist der eigene Markenaufbau nachhaltig beschränkt bis ausgeschlossen. Auf dem Amazon-Marketplace ist es nur "mega"-Händlern vorbehalten individuelle Seiten und Produktvorstellungen aufzubauen.

Neben dem Umsatzvolumen müssen dafür jährlich sehr hohe Gebühren bezahlt werden. Der "normale" Händler kann allein die Gebühren nicht mit seinem Umsatz erwirtschaften.

- Björn Dorra, Founder http://versacommerce.de

Antworten
Irrelephant
Irrelephant

Dem kann ich nur beipflichten!

Abgesehen, dass hier keine Zahlen veröffentlicht wurden würde ich mich nie in die Abhängigkeit eines Vertriebskanals begeben und den letzten Kontakt zum Kunden verlieren.

Es sieht mir hier auch danach aus, dass nur der Checkout über Amazon läuft und somit die Marke weiterhin besteht. Ansonsten wird man ja zum FFA (forfilled for amazon) ;-) Glied in der Wertschöpfungskette und die letzten sind immer leicht austauschbar.

Antworten
Jochen G. Fuchs

Das Björn als Founder eines SaaS-Shopsystems das anders sieht, liegt in der Natur der Sache. ;-)

Wobei das eigentlich nicht sein müsste, Wasel braucht ja immer noch ein Shopsystem, auch wenn er nicht darüber abschließt.

Markenaufbau auf Amazon funktioniert nicht? Das stimmt nicht. Und nur große können das? Stimmt auch nicht. Siehe Vendor Programm, siehe Launchpadstore. Siehe kwcommerce und deren Produktverpackung. Markenaufbau bei Amazon funktioniert nur anders.

Eine ausführliche Antwort zu euren Kommentaren findet ihr in meinem Blog:

http://ecommercefuchs.de/k5-berlin-kwcommerce-amazon-wort-zum-sonntag

Odo
Odo

Im Onlinehandel ist es mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass Kunden kaum noch zu binden sind.

Klar, kann man sich auch einreden. Ist wie im klassischen Handel: wenn der Händler ein Nischenprodukt verkauft das es auch sonst überall gibt. Des wegen haben sich "Magarine und Butter" Fachhändler nie durchgesetzt weil ja Aldi und Lidle das auch anbieten.

Klar wird man einen Handyzubehörhändler kaum die Treue halten. Bei einem Handyhändler sieht das schon anders aus. Aber auch hier gibt es eben keine Alleinstellungsmerkmale, da alle den gleichen China... verkaufen.

An Alleinstellungsmerkmalen fehlt es heutzutage eben kommplett. Einzig der Preis entscheidet und wird beworben. Ist ja einfach.

Und alle paar Jahre platzt dann der "Fachhändler" und geht wie eine Primel ein.

Gut das es den "Fach-Versandhandel" Amazon gibt.

Antworten
Jochen G. Fuchs

Hallo Odo!

Einreden? Nein, das darfst du mir glauben, eingeredet habe ich mir das nicht. Es ist eine bittere Wahrheit.

Du hast zwar Recht, Alleinstellungsmerkmale sind selten geworden, aber es ist auch immer schwieriger geworden Differenzierungsmerkmale auszuarbeiten. Das liegt nicht nur daran dass die Händler das nicht auf die Reihe bekommen. Ich höre selbst von gut positionierten Händlern und Marken diese Klagen. Der oben verlinkte Alexander Graf hört dergleichen ebenfalls regelmäßig.

Es ist ein wachsender Trend. Wegleugnen hilft nichts.

Viele Grüße,
Jochen

Antworten
MarcHe
MarcHe

ein Alleinstellungsmerkmal kann bspw. aber auch Service sein. Egal ob kulante Garantie-Abwicklung oder aber personalisierte "Werbung", was leider viel zu wenig passiert.
Der von Odo angesprochene Handyhändler könnte einen drauf hinweisen, dass der am ... abgeschlossene Vertrag in den nächsten x Wochen (unter Berücksichtigung der Kündigungsfrist) bspw. gekündigt werden muss, mit beiliegender vorgefertigter Kündigung oder/und ein Angebot folgt mit ähnlichen Konditionen bzw. Gegenüberstellung vorher/nachher.

Aktuell gibt es hier nur ex und hopp, sprich verkauft und danach interessiert der Kunde nicht mehr bzw. wird über kostenintensive Werbung und Gießkannenprinzip befeuert.

Viola Zweschke
Viola Zweschke

Wie bereits angemerkt, hängt es stark vom Geschäftsfeld ab, ob sich ein Onlineshop lohnt oder nicht. Kunden beispielsweise, die online Kleidung einkaufen, wünschen sich einen möglichst einfachen Retourenprozess, bei dem Retourenlabel und Retourenschein schon beiliegen. Das Retourenwesen bei amazon ist (noch) deutlich umständlicher. Textilhändler können mit einem eigenen Onlineshop hier einen wesentlichen Vorteil ausspielen. Zudem finden sich in einem Bekleidungs-Shop leichter Artikel, die vom Style her zu dem gekauften Artikel passen etc.
Zudem sehe ich auch die Gefahr, sich von amazon abhängig zu machen. Es ist immer sinnvoll, ein Geschäft auf verschiedene Standbeine zu verteilen.

Antworten
Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden
Alle Jobs
Zur Startseite
Zur Startseite