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E-Commerce

Amazon schafft den Logistik-Arbeiter ab – gut so

    Amazon schafft den Logistik-Arbeiter ab – gut so
(Bild: © Composer - Fotolia.com)

Kostenloser schneller Versand, billige Artikel – der Kunde erwartet es. Ohne günstige und effiziente Logistik unmöglich,  deshalb ersetzen bei Amazon jetzt Roboter den teuren Mitarbeiter. Ein Kommentar über eine eigentlich begrüßenswerte Entwicklung.

Eine schon etwas abgedroschene Befürchtung schießt den meisten Menschen durch den Kopf, wenn es um Roboter und Jobs geht: Roboter stehlen den menschlichen Mitarbeitern Jobs. Besonders wenn der große, böse Konzern Amazon diese Roboter einsetzt um seine unterbezahlten Mitarbeiter zu ersetzen – wie wir gerade im Artikel „Amazon ersetzt Mitarbeiter durch Roboter“  vermeldet haben. Sicher, Amazon meldet gleichzeitig 70.000 neue (Teilzeit-) Arbeitsplätze – betreibt damit aber nur geschickte Beschwichtigung. Ein Roboter, der das zwei- bis dreifache Pensum eines Menschens erledigt, lässt den Umkehrschluss zu, dass mindestens zwei Stellen pro Roboter eingespart werden können. Eigentlich ein Grund um auf die Barrikaden zu gehen –klingt ja fast menschenverachtend. In Wirklichkeit jedoch ist die Automatisierung eine unvermeidbare Entwicklung, mehr noch: eine wünschenswerte Entwicklung.

Der Kiva-Roboter platziert sich unter einem Regal, schraubt sich durch Dreh-Bewegungen in die Höhe und „trägt" dann das Regal mit sich fort. (Bild: Kiva Systems)
Der Kiva-Roboter platziert sich unter einem Regal, schraubt sich durch Dreh-Bewegungen in die Höhe und „trägt" dann das Regal mit sich fort. (Bild: Kiva Systems)

Um eines gleich vorweg zu nehmen: dieser Kommentar ist kein Loblied auf die Geschäftspolitik von Amazon, die Personalpolitik von Amazon oder auf irgendeine andere Politik von Amazon. Da gäbe es wahrscheinlich genug zu kritisieren. Nein, dieser Kommentar möchte eine zentrale Frage beantworten: macht Amazon etwas falsch, oder ist die aktuelle Entwicklung unvermeidbar gewesen? Zieht man ein schlichtes Fazit aus einem nüchternen Blick auf die Konsum-orientierte Gesellschaft, die immer mehr fordert und immer weniger bezahlen will, sowie den unmittelbaren Folgen dieser Einstellung, dann muss der Schluss unweigerlich lauten: Ja, es ist unvermeidbar den Menschen als Logistik-Mitarbeiter durch Roboter zu ersetzen. Wieso das auch gut so ist, erklärt der folgende Kommentar.

Amazons Logistik-Kosten

Wie realisiere ich es als Versandhändler dem Verbraucher billige Produkte kostenfrei und schnell nach Hause zu liefern, ohne dabei meine Mitarbeiter schlecht zu bezahlen und gleichzeitig noch selbst eine nennenswerte Marge zu erzeugen? Betrachtet man Amazon, muss man eigentlich antworten: geht nicht mehr. Die Logistik-Kosten steigen, trotzdem bietet Amazon mit Prime eine enorm beliebte Servicepauschale für kostenlosen Versand am nächsten Tag. In den USA musste Amazon die Gebühr allerdings bereits erhöhen, hier in Deutschland zeigt der stetige Kampf mit den Gewerkschaften und Fernsehdokumentationen dass „die Luft dünn wird“. Gerade zeichnet sich ab, dass Logistikzentren in Tschechien auch Deutschland beliefern, es wäre blauäugig nicht von Folgen für den deutschen Personalstand von Amazon auszugehen. Mitarbeiter entlassen, schlecht bezahlen, Zeitarbeit – alles keine sozialen Handlungen. Aber wovon soll denn eine sozial-verträgliche Logistik bezahlt werden? Der Verbraucher erwartet kostenfreien Versand, und will selbstredend auch nicht mehr für seinen Einkauf bezahlen. Wie hätte der nette Moderator in der alten Kult-Talkshow-Parodie „TV Kaiser“ jetzt geseufzt: „Ein Teufelskreis“. In der Tat.

amazon
Amazon-Mitarbeiter kämpfen um gerechtere Löhne. (Screenshot: Süddeutsche/dpa)

Nicht jeder Arbeitsstelle ist erhaltenswert

Man kann es als Zynismus betrachten, Arbeitsstellen als nicht erhaltenswert zu betrachten. Besonders in Anbetracht der Arbeitslosenzahlen. Soziale Gerechtigkeit verlangt aber, dass Menschen für Ihre Arbeit eine Entlohnung erhalten, die es Ihnen ermöglicht den Lebensunterhalt zu finanzieren. Und mal ehrlich: die meisten von uns erwarten von ihrem Gehalt mehr, als nur den einfachen Lebensunterhalt: einen angenehmen Lebensstandard. Wenn die Arbeit, die eine Arbeitsstelle mit sich bringt, aber nicht mehr menschenwürdig bezahlt und gestaltet werden kann? Wenn die Logistik-Mitarbeiter aufgrund des steigenden Versandaufkommens immer mehr abwicklen müssen, Amazon aber nicht mehr bezahlen kann? Was dann? Neu gestartete Versandhändler mit wenig Erfahrung machen meist eine gemeinsame Erfahrung: wenn der Umsatz steigt und mehr verpackt und versandt werden muss, reicht es nicht mehr zusätzliche Versandkräfte einzustellen. Dann muss der Arbeitsablauf automatisiert werden, mit Hilfe einer Warenwirtschaft, Barcode-Scannern und Logistik-Technik. Amazon steht an der gleichen Stelle, nur viele Level höher. Die Gier des Kunden – ich nehme mich selbst als bekennendes Amazon-Prime-Mitglied von dieser Gier nicht aus – nach kostenlosem und schnellen Versand bringt die Logistik unweigerlich an diese Stelle.

In den letzten Tagen habe ich zwei Bücher gelesen, die thematisch wunderbar hierher passen: der Roman „Herr aller Dinge“ von Andreas Eschbach und das Sachbuch "Work-Life-Bullshit" von Thomas Vasek. Andreas Eschbach legt seinem Protagonisten Hiroshi Kato eine immer wiederkehrende Frage in den Mund: Würden Sie diese Arbeit auch erledigen, wenn Sie diese nicht für Ihren Lebenunterhalt bräuchten?. Zugegeben: Eschbachs Roman ist Science-Fiction und beschäftigt sich mit einer Maschinenform, die für soziale Gerechtigkeit sorgen soll, so dass jeder seine Arbeit frei wählen kann. Das kann in der Realität nicht jeder. Würde man den Packer am Fließband bei Amazon fragen, würde er aber vielleicht auch antworten: nein, ich wäre nicht hier. Die Arbeit ist stumpf, die Lagerhalle kalt und den ganzen Tag stehen bei schlechter Bezahlung ist auch nicht prickelnd. Das erwähnte Sachbuch „Work-Life-Bullshit“ sagt zusammengefasst aus, dass wir nicht weniger Arbeit, sondern bessere Arbeit brauchen – um eben nicht einen Ausgleich zwischen einer ungeliebten Arbeit und der geliebten Freizeit zu schaffen, sondern mehr Lebensqualität in die Arbeit zu bringen.

Amazon im Weihnachtsgeschäft (Bild: Amazon)
Amazon im Weihnachtsgeschäft (Bild: Amazon)

Fazit: Lasst die Roboter ruhig kommen

Ich kann nicht für jedes Problem in diesem Kontext eine sinnvolle Lösung anbieten. Dann wäre ich Wirtschaftsphilosoph, -Ökonom oder - Berater in einer Regierung oder einem Think-Tank. So bin ich, was ich bin und sehe aus meinem Standpunkt eines klar hervorstechen: Wenn es nicht mehr möglich ist eine Arbeit anständig zu bezahlen, sollte sie auch kein Mensch verrichten müssen. Wenn die Arbeit darüber hinaus auch eigentlich nicht mehr menschenwürdig ist, aufgrund der verrichteten Tätigkeit und den Arbeitsbedingungen – dann sehe ich keinen Grund diese Arbeit noch zu erhalten. Was man abschliessend nicht unberücksichtigt lassen sollte: Technologien, die zur Rationalisierung führen, schaffen Arbeitsplätze an anderer Stelle. Besser bezahlte Arbeitsplätze, unter anderem in der Informationstechnik. Technischer Fortschritt hat oft dazu geführt, dass Arbeitsplätze vernichtet wurde und andere dafür geschaffen wurden. Vernichtet wurden immer Arbeitsplätze, die von einer Maschine ersetzt werden konnten. Wenn die Tätigkeit so beschaffen ist, dass diese von einer Maschine erledigt werden kann, ist diese Tätigkeit dann überhaupt noch für einen Menschen angemessen?

Finde einen Job, den du liebst

19 Reaktionen
Sanni
Sanni

Es ist leider ein gängiger Zustand, für das erhalten von Lohn bzw Sozialhilfe irgend eine unnütze Arbeit verrichten zu müssen, egal wie blöd sie ist. Die Menschen kehren quasi Laub auf Waldwegen.

Technisch betrachtet braucht man diese Amazon Mitarbeiter und viele tausend andere Berufe schon lange nicht mehr, was im Gegensatz zu einer natürlichen und selbstverständlichen Erwartung eine Verschlechterung ihrer Situation darstellt. Anstat sich jetzt in den ruhestand begeben zu dürfen, nachdem sie von Robotern ersetzt wurden, droht ihnen Armut oder der nächste bedeutungslose Job. Im Schlimmsten Fall können sie vom Kapitalismus einfach nicht mehr verwertet werden, wie viele Millionen Menschen die in den Slums festsitzen.

Auch ich als Softwareentwickler bin nicht so naiv um zu glauben, meine Arbeit könne nicht automatisiert werden. Die Anzahl der schlecht gebildeten Leute in der IT nimmt seit Jahren stets zu, die trotzdem 100% Leistung bringen. Mit unter liegt das daran, das Technik gesellschaftsfähiger geworden ist und das Programmieren grundsätzlich einfacher ist (früher Assembler, heute Frameworks, morgen "selbstprogrammieren sprachen") .

Es mag sein das sich neue Jobs bilden oder sich die Arbeitszeiten durch Arbeitsteilung reduziert bei vollen Lohnausgleich. Aber ich weiß das dies nicht einfach so passieren wird und wir Menschen nicht einfach erwarten dürfen, das Roboter und Maschinen uns Arbeit beschaffen statt das zu tun wozu sie gedacht sind: Arbeit abzunehmen.

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Guter Kommentar
Guter Kommentar

@Sebastian P Posting 17.: Als Kleinaktionär des neuen Marktes weiss man das Manager sich gerne die Taschen füllen. Auf Rendite kommt es nicht so an und die wird faktisch auch oft nicht geliefert. Es gibt genug Projekte die scheitern und zillionen oder Milliarden kosten.
Leistung gibts eher im Sport: Da herrscht öffentliche Kontrolle und offene Kritik.
Überall sonst ist das eher unerwünscht und alle machen mit und keiner wills gewesen sein.

MINT bringt nicht so viel wie man denkt. Heute stellte sich heraus das Informatiker nur 1% mehr Lohn bekommen haben und das Arbeitsamt nur punktuellen Mangel feststellt. Mangel sieht anders aus. Die Bewerber kriegen ja mit ob sie nur einmal oder zehn mal zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden und dementsprechend mehr kann man fordern.
Wenns kalt wird steigen die Ölpreise ja auch.

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Gustave
Gustave

Raus mit den Maschinen in ihr eigenes Land!

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Sebastian P.
Sebastian P.

Der Artikel hackt nicht auf der üblichen "böse-Technik-ersetzt-Menschen" Argumentation rum. Danke.

Mal nachgedacht: Arbeit ist kein endliches Gut. Es wird immer mehr Arbeit (Angebot) als (Arbeiter) Nachfrage geben. Theoretisch gibt es keine Arbeitslosigkeit. Theoretisch!! Das Problem ist der Wert der Arbeit. Also das, was für die Verrichtung bezahlt wird. Erwirtschaftet Max 50 Euro, so kann ihm die Firma 30 Euro Gehalt zahlen, der Rest (20 Euro) geht für Steuern, Betriebskosten, Rückstellungen, Vorstandsvilla usw. drauf. Aber was wenn Max nur 40 Euro erwirtschaftet? Dann kann ihm der Unternehmer nur 20 Euro bezahlen. Soweit die Basics.

Die Schwierigkeit liegt m.E. in unserem auf Schulden und Inflationierung basierenden System. Max muss darin jedes Jahr eine Rendite von x% erwirtschaften. "Wachstum". Also in Jahr 2 schon 55 Euro, Jahr 3 60 Euro usw. tut er dies nicht, die Firma muss aber gleichzeitig höhere Betriebskosten, Steuern usw. bezahlen, fallen die Gehälter bzw. Max Arbeit wird irgendwann unwirtschaftlich, er wird entlassen. Graue Theorie, aber man muss sich das klar machen.

Der ganze Stress, die Rücksichtslosigkeit, dass Gegeneinander statt Miteinander. All das lässt sich auf diesen Druck ständig wachsen zu müssen zurückführen. Jedes Jahr muss die Rendite vergrößert werden, jedes Jahr muss der Gewinn höher ausfallen. Alleine um den Status Quo zu erhalten. Niemand kann sich leisten bei +-0 rauszukommen, obwohl das eigentlich ausreichen müsste! Also wird entweder mehr verkauft oder aber bei den Gehältern gedrückt.

Was bei diesem System passiert, ist dass man langsames, nachhaltiges Wachstum bestraft. Man begünstigt Risiko, Casino-Spielchen und Blasenbildung. Denn nur bei x% Rendite lohnt sich Engagement überhaupt. Ich sehs ähnlich wie einige Kommentatoren - ewig kanns so nicht weiter gehen. Vermutlich will man das System resetten und wieder so weiter machen. Die Alternative wäre natürlich eine Wirtschaft ohne Leben auf Pump und Schielen auf riesige Renditen. Bin kein Volkswirt, aber das gäbe bestimmt riesige Verwerfungen zu Beginn, weil sich alle Auswüchse "normalisieren" würden. Interessantes Gedankenspiel.

Ähnlich wie Jochen bin ich beim Thema Grundgehalt hin und her gerissen. Wünschenswert wäre es, aber ich vermute volkswirtschaftlich destrasöse Auswirkungen. Ich selbst würde z.B. sofort kündigen und das tun, was ich tun möchte. (an innovativen Projekten coden).

Ich versuche mir gerade am Beispiel Müllabfuhr vorzustellen, wie das wäre, wenn man versuchen würde die Arbeit angenehmer zu gestalten, damit sie überhaupt noch jemand macht. Vermutlich müsste man bei der Müllabfuhr an der Bezahlung schrauben. Wenn schon Stinkearbeit, dann wenigstens gut bezahlt. Aber dann dürften die Lohnkosten in die Höhe schnellen. Also fallen Arbeitsplätze weg. (siehe oben) Die Bezahlen aber das Grundgehalt für alle. Am Ende blieben nur noch höchst produktive und wirtschaftliche Berufe in den MINT Fächern oder eben der öffentliche Dienste (Wirtschaftlichkeit uninteressant) übrig. Und das System würde irgendwann implodieren. Hm.

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Jochen G. Fuchs

@Jens
Leistungsgerechte Bezahlung. Wenn dieser Stundenlohn deiner Meinung nach so eingestuft werden kann - dann verstehe ich deine Meinung.

Gut, ich weiß nicht ob sich die Logistik-Branche deiner Einschätzung anschließen würde, aber lassen wir das mal außer acht, wie von dir mit „die Kirche im Dorf“ lassen gefordert.

Ich habe ich die konkreten Zahlen in meinem Artikel nicht erwähnt, weil nicht nur die Lohnhöhe und die sonstigen Leistungen und Arbeitsbedingungen in eine Bewertung einfliessen müssten, sondern auch die verschiedenen Arbeitsformen.

Aber wir verlieren uns in einem Nebenschauplatz. Der vorliegende Artikel blickt in die Zukunft und sagt: Versand muss immer billiger werden, der Markt verlangt danach. Kosten in der Logistik senken wird zu Lasten des Mitarbeiters gehen. Mir geht es demnach mehr um einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Und das wird zukünftig nicht besser. Aber das steht ja schon alles im Artikel. ;-)

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JensS
JensS

@Jochen
"Wenn dem so wäre, dass alle Mitarbeiter in der Logistik gut von Ihrem Job leben könnten, hätte ich diesen Kommentar nicht zu schreiben brauchen. Nur zwei kleine Hinweise: die Gewerkschaften setzen sich nicht umsonst für bessere Löhne ein und laut einer früheren Berichterstattung des Spiegels waren etwa ein Drittel der Saisonkräfte auf der „Lohnliste“ ..."

Ab wann kann man gut von seinem Einkommen leben. Ich habe gerade keinen Verweis, meine aber gelesen zu haben, dass das Einstiegsgehalt bei Amazon bei über 9,50 EUR liegt. Aus meiner Sicht kann man davon leben. Sicher davon eine Familie zu ernähren ist schwierig. Auch der Amerika Urlaub ist da nicht so leicht finanzierbar. Aber hier muss man die Kirche im Dorf lassen. Es handelt sich um einfache Tätigkeiten, die man nicht wie den Job eines Facharbeiters bezahlen kann.

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Guter Kommentar
Guter Kommentar

Nur Ted Turner und ich haben schon vor Jahren die Ursache des Problems angesprochen. Damals wollte es keiner hören...

Aber gut und nur Ergänzungen: Campagnolo hat vor vielen Jahren mal auf Fabrik mit wenigen Arbeitern umgestellt. Das ging schief.
Wenn Du die TV-Dokus schaust und z.B. siehst das sie eine Woche konfiguriert haben um gefrorenen Apfelstrudel/Kirschstrudel/... zu produzieren weil der Teig und die Kirsch/Apfelmasse ja alles passen müssen und nichts rauslaufen soll und die obere und untere Teigschicht dicht am Rand passen müssen, dann lernt man etwas: Maschinen müssen recht lange programmiert werden.
Wenn man jede Woche ein anderes Handy produziert, sind Menschen aktuell noch besser.
Foxcon wollte Roboter in den Fabriken einführen. Sowas nennen wir hier aber vielleicht " Automaten " weil die z.b. nur Farbe gleichmäßig irgendwo draufsprühen und eben keine 10-achs-Superduper-Roboter für hunderttausende Euros sind.
Auch im Recycling ist es wohl besser, möglichst viele Automaten einzusetzen.

Schwarzwälder Kirschtorte ist vom Gesetzgeber stark reguliert. Hinter dem Roboter stehen einige Frauen mit Kirschen in der Hand und tauschen die teilweise dann aus bzw. ergänzen fehlende Kirschen " je nachdem wie gute Laune die Maschine hat " (Zitat aus der Erinnerung so in etwa wie die Mitarbeiterin es sagte ) .
Die Fabrik wo diese zweifarbige Schokolade " mit Flecken " produziert wird: " Man hört wenn man reinkommt ob die Produktion gut läuft. " . Debugging per Audio ist ja auch eine Technologie. Manchmal kann man die LEDs an den Ethernet-Karten klackern hören und hört instinktiv ob die Maschinen / PCs / Automotor / Autoreifen ... gut laufen oder z.b. die Reifen ungewöhnliche Abrollgeräusche machen.

D.h. Technik muss überwacht werden und funktioniert nicht immer gleich.
Mehr Automatisierung ist zu begrüßen wenn man als Kunde dadurch ein günstigeres Leben hat und mehr Geld in seiner Tasche. Wieso also Inflation und mehr Stromleiten gebraucht wrden, wenn alle Autos und Elektrogeräte weniger Strom und Benzin brauchen und die Dämmung besser wird erschliesst sich mir nicht. Weil man immer mehr leistungslose Leute durchfüttern muss ? Und Hartz4-Empfänger sind nicht gemeint.

Wenn man die Diskussion über Logistiker anschaut sieht man auch, das nur die gut bezahlenden Logistiker bestreikt werden statt mal die Löhne bei den niedrig bezahlenden Logistikern zu outen und dort erstmal hochzutreiben.
Wenn man die Straße nicht zur Seite hin absichert erodiert sie, bricht weg und man wundert sich das die Straße immer dünner wird. Wenn man die Löhne und Lebenskosten (Krankenversicherung, Chinesen haben 40% Sparquote aber vielleicht nur auf dem Land) in China und Afrika steigert und die wahre Grund-Ursache angeht, wandern die Jobs auch weniger ab.

Ein Grundversprechen lautet: "Ihr studiert alle und tut dann rumsitzen und nicht schwitzen". Landbevökerung glaubt das und ein Land nach dem anderen fällt darauf herein und wundert sich dann über die Jugendarbeitslosigkeit von 20 oder mehr Prozent. Weil wer hat dort studiert ? Der Pfarrer, der Rechtsanwalt, der Arzt und die Lehrerin. Und die leben natürlich gut. Dummerweise sehe ich sehr genau das es zu viele Diplom-Reporter und Diplom-Informatiker gibt. Mit seinem geisteswissenschaftlichen Studium macht man Jobs die früher Realschüler gemacht haben. Und weil Frauen geheiratet wurden und dann von ihrem Mann durchgefüttert wurden, sind Verwaltungs-Kosten bzw. Frauen-Jobs klassischerweise eher niedriger bezahlt. Der Realschüler bei der deutschen Autofirma mit Haustariflohn konnte seine Familie und ein Haus und Auto abbezahlen. Für deren Kinder gibts aber keine guten Haus-Tariflöhne mehr. Das sind Tochterfirmen mit kleineren Löhnen.

Sowas erklärt aber keiner einem nirgendwo. Die Wirtschafts-Presse besteht oft nur aus Agenturmeldungen die von Praktikanten bzw. Volontären durchgereicht werden.

Besser wirds hier vermutlich nicht mehr.

In USA wurden (Zahlen sind geraten) 100.000 Jobs entlassen aber es wurden jetzt im "Aufschwung" vielleicht nur 5000 Jobs neu eingestellt. Die US-Arbeitszahlen waren glaube ich so, das 180.000 jeden Monat eingestellt werden, aber mehr den Arbeitsmarkt verlassen. Hier wären das Rentner die dann durchgefüttert werden müssen.

Schade das es keine Wikis gibt wo man sowas in Relationen setzen kann. Also sowas wie ein Roi-Schema aber mit Volks-wirtschaftlichen/Statistik-Daten wie bei Data-Wiki so das jeder sieht und klarmachen kann, das das Schiff auf Sand läuft.
Manche Leute in USA glauben auch die Inflationsdaten nicht. Per Amazon-Wunschliste könnte man doch den Einkaufskorb nachstellen und mal sehen ob die Amazon-Inflation ähnlich wie die Inflationszahlen laufen.
Per Twitter könnte man sich arbeitslos melden und realtime die Anmeldungen für Arbeitslosigkeit sehen statt immer erst einen Monat später. Aber wenn die EU das mit einer Milliarde Euro Forschungs- und Fördergeldern macht ist das sicher viel besser so wie schon Euro-Suche ( Quaero ), Europäische Scan-Projekte, Europäische Karten- und Touristik-Dienste, Europäisches Everywhere-Wifi, Verkehrsdaten-Baken usw., .
Da sieht man immer wo mein Geld bleibt und wie viel besser EU-Ausgaben für den Bürger sind als z.B. kostenlose Google-Projekte.

Ineffizienz kann man sich auf Dauer nicht leisten. Wettbewerb gibts allerdings keinen, weil US-Patente oft nicht zur Durchsetzung der möglichen Techniken führen und man Dinge wie Dwolla oder Square schon vor 10 Jahren hätte haben können. Clouds usw. gibts allerdings erst etwa 5 Jahre. Und NoSQL-Datenbanken wollten früher auch nur besonders vorausschauende Informatiker haben. Digitale Bildung hätte es schon vor 10 Jahren geben können. "Bildungs-Wiki" braucht keine Steuergelder, kann sich mit Werbung finanzieren und wer Bildung will, trifft sich dort. Der Rest kann ja Lehrerpensionen bezahlen. Bildung ist auch Kochen, effektiv Heizen, Hygiene (z.B. Entwicklungs-Länder), Bewerbertests, Skill-Checks, Ikea-Möbel aufbauen, im haushalt selber Dinge erledigen oder z.b. was die bei " Ab ins Beet " im Garten oder Eigenheim oft ohne Profi-Handwerker überwiegend selber bauen und meist ja auch ganz ordentlich wird. Bildung ist nicht nur Schule und Studium. Bildungs-Wiki wäre kostenlos. Wo gibts Länder wo man sowas stressfrei aufbauen kann ?

Wieso macht die Linke keine Lohnstatistik um die Wahrheit über den Arbeitsmarkt zu ergänzen ? Die haben doch viele Büros in vielen Städten. Sowas ist Trivialprogrammierung so wie auch dieses aktuell auf Sand sitzende US-Projekt. Da muss man keine Alien-Raumschiffe aus Radio-Teleskop-Daten erkennen. Man muss nur Name, Vorname, Geschlecht usw. abfragen und if-then/case...-Abfragen erledigen. Das ist reine Verwaltungs-Tätigkeit. Wie kann sowas simples fehlschlagen ? Das es an Kleinigkeiten hakt, sollte klar sein weil ja keiner ausser mir XML und Test-Daten benutzen will. Aber Worte wie "Vorname / Nachname..." nicht auf spanisch, koreanisch, chinesisch übersetzt zu kriegen ist schon traurig. Dafür sind die Language-Catalogs bei der Programnierung doch...

Zeigt mal Software die läuft und Software die nicht gut läuft. Na also. Sowas passiert bei Mittelständlern vielleicht täglich und dann wundert man sich wieso Firmen pleite gehen.
Anscheinend hat nur Amazon die Kraft, funktionierende Systeme zu schaffen. Die haben ja auch die Clouds erfunden und waren mit EC2, S3 usw. einer der ersten Anbieter (neben z.B. Akamai). Wie erfolgreicht hingegen sind die IT-Projekte von Obama und Merkel ?

Ich glaube im Bundestag sitzen 14% Lehrer und 14% Juristen... Deswegen wird der Bildungsstand (Tippfehler in Online-Medien usw.) immer besser und die Gerechtigkeit (Abo-Fallen, Abzocke, Schrott-Immobilien...) immer besser.

Die 1% nutzen 9% um die 90% zu regieren. Die 9% wollen natürlich nicht weniger werden obwohl man Verwaltungen durch Ipads ersetzen könnte. Gibts Regierungen die durch Programmierung die Beamten-Menge minimieren möchte ?
Schaut mal die Dokus über Warteschlangen beim Ausländer-Amt oder z.B. die Berliner KFZ-Anmelde-Stelle. Da ginge vieles viel effizienter.

Antworten
Jochen G. Fuchs

@Andreas
„Wenn der Grad an Förder- und Weiterbildungsmaßnahmen nicht konstant mit dem Grad der Automatisierung mitwächst, wird es Verlierer geben. “
Ja, das zeigt die Geschichte der Arbeitslosigkeit.

„Da kann dann nur noch ein bedingungsloses Grundeinkommem für Sicherheit und Selbstwertgefühl sorgen.“
Dazu habe ich noch keine Position.

Thomas Vasek, der Autor von Work-Life-Bullshit ist gegen das Grundeinkommen. Ein Kollege vom Spiegel fasst seinen Standpunkt zusammen und hält argumentativ dagegen:

„Er [Vasek] lehnt es ab, weil es a) ungerecht sei, dass Menschen von der Gesellschaft profitierten, die keinen Beitrag zu dieser Gesellschaft leisteten, obwohl sie einen leisten könnten und weil es b) nicht erstrebenswert sei, den Anreiz zur Arbeit zu reduzieren. Schließlich würde jedem Grundeinkommensbezieher, der nicht arbeite, etwas entgehen.“

„Die Argumente überzeugen nicht, zumal Vašek an anderer Stelle seines Buches wiederholt darauf hinweist, wie sehr die Menschen an ihrer Arbeit hängen. Unter anderem zitiert er eine Emnid-Umfrage, laut der nur 15 Prozent der Deutschen nach einem Zehn-Millionen-Euro-Lottogewinn ihren Job aufgeben würden. Wer sagt also, dass viele Deutsche ihren Job aufgeben würden, wenn sie ein bedingungsloses Grundeinkommen bekämen von vielleicht 1.000 Euro im Monat? ...“

„... wenn niemand mehr zur Lohnarbeit gezwungen wäre, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen, müsste die Gesellschaft die unbedingt zu erledigende Lohnarbeit angenehmer gestalten. Sie müsste für mehr gute Lohnarbeit sorgen. Das kann doch eigentlich nur in Vašeks Sinne sein.“
Quelle: SPON 09.10.2013 , Tobias Becker, Sachbuch "Work-Life-Bullshit": Die Mär vom glücklichen Malocher. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/das-buch-von-thomas-vasek-work-life-bullshit-a-926733.html

Andreas Eschbachs Roman basiert ja unter anderem auf der Annahme, dass die Welt gerechter werden würde, wenn niemand mehr zwangsweise für sein Geld arbeiten müsste. Allerdings hat Eschbach in seinem Buch kein Konzept für die später entstehende Arbeitswelt angeboten. Sein Protagonist musste im Gespräch bekennen, keine Antwort auf die Frage nach der zukünftigen Arbeitwelt bieten zu können.

Antworten
Andreas Weck
Andreas Weck

Da kann dann nur noch ein bedingungsloses Grundeinkommem für Sicherheit und Selbstwertgefühl sorgen.

Antworten
Andreas Weck
Andreas Weck

Fakt ist, Phänomene wie Massenarbeitslosigkeit gibt es erst seit der Industrialisierung. Wenn der Grad an Förder- und Weiterbildungsmaßnahmen nicht konstant mit dem Grad der Automatisierung mitwächst, wird es Verlierer geben. Nicht bei Amazon oder der oberen Mittelklasse, sondern in der Arbeiterklasse.

Antworten
Jochen G. Fuchs

@JensS
„Sie gehen davon aus, dass die Logistiker, wenn ihre Position durch Maschinen ersetzt wird, einen höher qualifizierten Job annehmen können. Die Frage, die sich mir stellt - welchen?
Die Realität sieht doch so aus, dass viele dieser Menschen vorher arbeitslos waren, weil ihre Qualifikationen für keine andere Tätigkeit ausgereicht haben. Warum sollten sie nun dazu in der Lage sein, diese höherwertigen Jobs auszuführen?“
Ich verweise zum Einen auf meinen obenstehenden Kommentar zu meinem Artikel vom 26.10 19:19 Uhr – ansonsten auf mein Fazit. Das nimmt Stellung zu diesem Thema.

„... sollten wir eigentlich dankbar für solche Tätigkeiten sein, die es Menschen erlaubt ihr Einkommen selbst zu verdienen und nicht auf Unterstützung anderer angewiesen zu sein.“
Wenn dem so wäre, dass alle Mitarbeiter in der Logistik gut von Ihrem Job leben könnten, hätte ich diesen Kommentar nicht zu schreiben brauchen. Nur zwei kleine Hinweise: die Gewerkschaften setzen sich nicht umsonst für bessere Löhne ein und laut einer früheren Berichterstattung des Spiegels waren etwa ein Drittel der Saisonkräfte auf der „Lohnliste“ der Arbeitsagentur. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-zu-arbeitmassnahmen-ohne-bezahlung-das-ist-gaengige-praxis-a-800778.html

Antworten
JensS
JensS

Von meiner Warte aus gibt es bei der gesamten Diskussion um Amazon aber auch andere vergleichbare Unternehmen, den ein oder anderen Denkfehler, so auch in diesem Artikel.
Sie gehen davon aus, dass die Logistiker, wenn ihre Position durch Maschinen ersetzt wird, einen höher qualifizierten Job annehmen können. Die Frage, die sich mir stellt - welchen?
Die Realität sieht doch so aus, dass viele dieser Menschen vorher arbeitslos waren, weil ihre Qualifikationen für keine andere Tätigkeit ausgereicht haben. Warum sollten sie nun dazu in der Lage sein, diese höherwertigen Jobs auszuführen?
Von allein wird das nicht passieren und solange es uns nicht gelingt das Bildungsniveau in Deutschland für alle anzuheben und nicht nur für einen Teil der Gesellschaft, sollten wir eigentlich dankbar für solche Tätigkeiten sein, die es Menschen erlaubt ihr Einkommen selbst zu verdienen und nicht auf Unterstützung anderer angewiesen zu sein.
Da die Gewerkschaften und Politik aber offenbar eine andere Sicht auf die Dinge haben, gehe ich fest davon aus, dass die durch Maschinen (oder Verlagerungen nach PL, CZ) ersetzen Menschen, bald wieder an den Türen der Ämter stehen werden.

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willy
willy

Sie klauen unsere jobs!!!

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Jochen G. Fuchs

Eines noch zu China, auch wenn es mir etwas widerstrebt dazu überhaupt etwas zu sagen, dort sieht es nicht anders aus: Dienstleistungssektor soll der Markt der Zukunft sein. http://www.handelsblatt.com/politik/international/sieben-millionen-neue-jobs-chinas-arbeitsmarkt-stabil/8503226.html

Es widerstrebt mir dazu etwas zusagen, weil Chinas Arbeitsmarkt sehr kompliziert ist - wenn man sich da nicht auskennt, bewegt man sich schnell auf dünnem Eis. Und ich kenne mich da nicht besonders gut aus. Was ich sehe, ist der Wandel von der Planwirtschaft bzw. der geplanten Beschäftigung zur Marktwirtschaft bzw. zur kapitalistischen Konkurrenz sowie ein komplexer und merkwürdig organisierter Bildungsmarkt. China hat meiner Meinung nach ganz andere Probleme als nur die Rationalisierungsmaßnahmen des Apple-Zulieferers.

Antworten
Jochen G. Fuchs

@Netz-TV
Als Maschinenstürmer habe ich dich auch nicht eingeschätzt. ;-)

Aber zu deinem Kommentar:
Sei mir nicht böse, aber du repetierst hier fast nur deine bereits aufgezählten Thesen ohne sie zu untermauern. Und du haust da schon „dicke Dinger“ raus: Die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze ist überflüssig und 90% der IT-Branche wandert im Laufe der Zeit ins Arbeitsamt. Wie möchtest du das denn belegen?

Der Arbeitsmarkt besteht nicht nur aus IT und Gentechnik. Weder jetzt noch in Zukunft. Schaut man sich den Arbeitsmarktbericht des letzten Jahres an, dann ist das Wirtschaftliche Dienstleistungsgewerbe der tonangebende Markt, Information und Kommunikation ist zahlenmäßig belanglos dagegen. Und die Wachstumsraten zeigen das: es arbeiten 140.000 Menschen mehr in diesem Sektor, als im letzten Jahr. Der Trend zeigt also eher, dass ein Shift hin zum Dienstleistungssektor entstehen wird. http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Jahresbericht-Arbeitsmarkt-Deutschland/Generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-2012.pdf

Technische Evolution hat die Welt immer verändert, wirtschaftliches Gefüge verschoben - ja sogar Weltbilder verändert. Aber ich kann nicht sehen das deswegen gleich die ganze Marktwirtschaft „implodiert“. Verändert, ja. Aber mehr sehe ich nicht.

Antworten
Netz-TV

@Jochen G. Weber: Nicht falsch verstehen- ich bin alles andere als ein "Maschinenstürmer". Aber die Entwicklung hat nach meiner Ansicht den Punkt längst überschritten, an dem die derzeitige Marktwirtschaft noch funktionieren kann. Vielleicht noch in einigen Inseln, für ein paar Jahre. Aber grundsätzlich ist Schluss, das System implodiert. Was wird aus den Hunderttausenden, die zum Beispiel Foxconn in China in den nächsten Jahren durch Automaten ersetzen will? Marktwirtschaft funktioniert nur, solange es einen Arbeitsmarkt gibt. "Autos kaufen keine Autos" ist zwar ein Lafontaine-Spruch, grundsätzlich aber richtig. Der Prozentsatz der Bevölkerung, dessen Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt keinen wirklichen Wert mehr darstellen, steigt rasant. Nicht alle können Gen- oder IT-Techniker werden. In Deutschland gibt es wohl an die 30 Millionen Arbeitsplätze. Wer die Entwicklung im technischen Bereich kennt, weiß: Davon sind nach heutigen Stand der Technik die Hälfte eigentlich schon heute überflüssig, ein Großteil vom Rest in den nächsten 10 Jahren. Es geht um ein Konzept für diese Zukunft. Und nein, IT-Arbeitsplätze sind es nicht. Der Bereich IT ist Rationalisierungsschwerpunkt der nächsten Jahre, Cloud-Technologien und Web-Standardisierungen werden 90% aller IT-Mitarbeiter in den nächsten 10 Jahren aufs Arbeitsamt schicken. Wir brauchen grundsätzlich neue Ideen, die natürlich nicht heißen können: Fortschritt bremsen oder beenden.

Antworten
Jochen G. Fuchs

@Netz-TV
„Die nächste Welle der Automatisierung durch intellgente Maschinen wird weit mehr Arbeitsplätze ersetzen, als jemals neu entstehen könnten.“

Das ist das klassische Argument, dass ein steigender Technisierungsgrad für die auftretende beziehungsweise ansteigende Arbeitslosigkeit veranwortlich wäre. Halte ich für falsch.

Ich zitiere mal einen Artikel der Zeit zur Rationalisierung aus dem Jahre 1952:

„So ist in der amerikanischen Landwirtschaft die Produktion von 1870 bis 1930 vervierfacht worden, während die Arbeiterzahl nur verdoppelt wurde. Der Anteil der in der Landwirtschaft beschäftigten Arbeiter fiel von 1870 bis 1910 von 52 v. H. auf 33 v. H. aller Beschäftigten. Von 1910 bis 1920 aber gab die Landwirtschaft 2 Mill. Arbeiter an die Industrie ab, und seitdem fällt die Zahl der Landarbeiter noch weiter.“ http://pdfarchiv.zeit.de/1952/22/muss-rationalisierung-zu-arbeitslosigkeit-fuehren.pdf

Der Autor des Artikels bemerkt an einer Stelle dass die Industrialisierung Arbeitskräfte frei setzt – wohlgemerkt freisetzt, nicht vernichtet. Arbeitskräfte die an anderer Stelle eingesetzt werden können und werden.

Damals war der Technisierungsgrad kein Problem – wieso sagt man nun Heute, der Grad der Technisierung sei das Problem? Das gängige Gegenargument lautet: weil der Technisierungsgrad höher ist. Ich behaupte: nein. Denn der „Sprung“ in der technischen Entwicklungsstufe ist heute kleiner als damals.

Wo liegt also das Problem? Ich denke eher in den mangelhaften Förder-Möglichkeiten für eine berufliche Weiterqualifizierung. Arbeitskräfte die an dieser Stelle frei werden, brauchen eine andere berufliche Qualifikation als am Fließband von Amazon. Da wären wir jetzt beim vielbeschworenen aktuellen Fachkräfte-Mangel: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fachkraeftemangel110.html

Und ganz zu letzt wird dich die demografische Entwicklung widerlegen, der oben genannte Artikel der Tagesschau zum Fachkräftemangel sagt dazu:

„Die Demografie schlägt zu: Nun gehen die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge in Rente. Es kommen weniger Junge nach, die Gesellschaft altert. Das heißt auch, dass die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland, also die Zahl der Menschen, die arbeiten können, bis zum Jahr 2025 um schätzungsweise 6,5 Millionen sinkt. Damit fehlen auch Fachkräfte. “

Antworten
Netz-TV

Das ist völlig richtig. Nur leben wir in einer Marktwirtschaft. Jeder ist darauf angewiesen, seine Arbeitskraft verkaufen zu können. Die nächste Welle der Automatisierung durch intellgente Maschinen wird weit mehr Arbeitsplätze ersetzen, als jemals neu entstehen könnten. Was nun?

Antworten
Preisente

"Was man abschliessend nicht unberücksichtigt lassen sollte: Technologien, die zur Rationalisierung führen, schaffen Arbeitsplätze an anderer Stelle. Besser bezahlte Arbeitsplätze, unter anderem in der Informationstechnik."
-> Nur das niemand dazu qualifiziert ist, weil der Großteil dieser Arbeiten dann doch wieder von Menschen ausgeführt wird, die zu faul waren sich anständig zu bilden.

Antworten

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