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Marketplace-Händler sollen haften: Gericht sieht Amazons Empfehlungsfunktion als unerlaubte Werbung

Marketplace-Händler sollen haften: Gericht sieht Amazons Empfehlungsfunktion als unerlaubte Werbung

Die Funktion, mit der sich Hinweise zu Amazon-Produkten per an Freunde oder Bekannte senden lassen, ist nach Auffassung des Oberlandesgerichts Hamm wettbewerbswidrig. Die Entscheidung ist nicht zuletzt auch für Marketplace-Händler problematisch.

OLG Hamm: Weiterempfehlungsfunktion ist wettbewerbswidrig

Oberhalb des Preises eines jeden Angebots auf befinden sich vier kleine Icons, über die Nutzer ein Produkt per E-Mail, Facebook, Twitter oder Pinterest mit ihren Freunden oder Bekannten teilen können. So weit, so unspektakulär. Jetzt hat das Oberlandesgericht Hamm allerdings entschieden, dass es sich bei dieser Weiterempfehlungsfunktion um wettbewerbswidrige handelt.

Konkret ging es bei der Entscheidung des OLG Hamm um einen Marketplace-Händler, der Sonnenschirme über Amazon verkauft hatte. Ein Mitbewerber, der ebenfalls Sonnenschirme über das Internet vertreibt, sah darin eine Wettbewerbsverletzung. Das Gericht schloss sich dieser Auffassung an, auch wenn die Weiterempfehlungs-E-Mails von Amazon-Nutzern und nicht dem beklagten Händler selbst versendet werden. Entscheidend sei, dass der Empfänger dem Empfang der E-Mail nicht explizit zugestimmt habe. Außerdem habe der Händler bewusst eine Verkaufsplattform gewählt, auf der diese Funktion verfügbar ist.

Amazon Marketplace: Um diese Funktion geht es. (Screenshot: Amazon.de)
Amazon Marketplace: Um diese Funktion geht es. (Screenshot: Amazon.de)

OLG Hamm untersagt dem Beklagten den Verkauf über den Amazon-Marketplace

Das OLG Hamm hat eine vorinstanzliche Entscheidung bestätigt, nachdem dem beklagten Händler untersagt wird, seine Sonnenschirme weiter über den Amazon Marketplace zu verkaufen. Es sei dabei ohne belang, dass es sich dabei um eine Funktion von Amazon handele, auf die Marketplace-Händler keinen Einfluss haben. Es sei die Pflicht des Beklagten, die Angebotsseite selbstständig auf etwaige Wettbewerbsverstöße hin zu untersuchen.

Die Kanzlei des Klägers äußerte sich in einem Blog-Artikel zu der Entscheidung des OLG Hamm. Nach Einschätzung des mit dem Fall betrauten Anwalts sei ein rechtssicheres Verkaufen über Amazon nicht möglich, solange das Unternehmen die Weiterempfehlungsfunktion nicht deaktiviert. Betroffene Händler könnten, so der Anwalt, das Unternehmen auf Regress in Anspruch nehmen, wenn sie von einem Wettbewerber verklagt werden. Wir haben bei Amazon nachgefragt, ob eine Überarbeitung der Funktion geplant sei, darauf aber bisher keine Antwort erhalten.

Ebenfalls interessant für Marketplace-Händler ist unser Artikel „Gut gesucht, gut gekauft – So dominierst du die Amazon-Suche“.

via www.golem.de

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4 Antworten
  1. von mercalli12 am 26.01.2016 (15:42 Uhr)

    Mal wieder ein klarer Fall von "Internet nicht verstanden". Ich denke nicht, dass der Händler nur wegen einer solch banalen Funktion Amazon als Plattform gewählt hat. Der Anwalt des Klägers und der Kläger missbrauchen hier Internet-Basics um einem Wettbewerber eins reinzuwürgen. Das ist wie "Das Kind hat mir den letzten Lolli vor der Nase weggeschnappt". Es hindert doch niemand den Kläger daran seine Produkte ebenfalls bei Amazon anzubieten. Ich kann nicht verstehen, wie ein Gericht dem auch noch beipflichten kann.

    Internet einfach erklärt Teil 37: Die "Empfehlen"-Funktion ist daraus erwachsen, dass man man früher immer den Link einer Website händisch aus der Adresssleiste des Browsers kopieren musste, dann hat man einen neue E-Mail verfasst, den Link dort reinkopiert und versendet.

    Um diesen unnötigen Umweg zu verkürzen hat sich ein schlauer Fuchs die "Empfehlen"-Funktion ausgedacht. Und das nicht um Händler zu ärgern, die auf veraltete technische Lösungen zu setzen scheinen, sondern um dem Nutzer das Leben zu erleichtern.

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    • von Stefan am 27.01.2016 (09:29 Uhr)

      Kann ich nur zustimmen :-D!

      Vielleicht wird in Deutschland jetzt der Button eingeführt in dem dann eine Anleitung aufpopt wie man die URL kopiert und als Mail verschickt.
      Das wäre ja dann wieder legitim ;-)

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  2. von fotobeam am 26.01.2016 (21:14 Uhr)

    Und wieder steht man in Deutschland alltäglichen Internet-Themen im Weg. Manchmal muss man schon an der Urteilskraft der Instanzen zweifeln.

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  3. von Mario am 27.01.2016 (08:30 Uhr)

    Wow, ob das in der höchsten Instanz Bestand hat? Ich zweifle da, natürlich nur auf Grundlage meines 30 jährigen sinnfreien Verstandes, stark daran.
    Ernsthaft? Viele Shopsysteme ala Magento, Shopware etc bieten ebensolche Funktionen. Jeder beschissene Wordpressblog mit Shopmodul macht das..

    Ich kann jetzt also einfach einen 0815 Shop von einem Studenten für teure 200€ erstellen lassen ohne jeglichen Mehrwert an den sich heutige Käufer im Internet schon längst gewöhnt haben, nein die dies mittlerweile als Standard wollen und dann einen Wettbewerber verklagen? Ist jetzt die Zeit in der Dummheit belohnt wird?

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