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Amazon Prime greift nach „Weltherrschaft“: Prime-Vorteile jetzt auch in anderen Onlineshops

Amazon Prime greift nach „Weltherrschaft“: Prime-Vorteile jetzt auch in anderen Onlineshops

versucht sein Prime-Programm auf andere Onlineshops auszuweiten und als übergreifendes Kundenbindungsprogramm zu etablieren. Jetzt ist der erste große Retailer eingestiegen. Ein Überblick über Prime-Pass und den ersten Referenzkunden.

Amazon Prime greift nach „Weltherrschaft“: Prime-Vorteile jetzt auch in anderen Onlineshops

Amazon will Prime übergreifend als Shopping-VIP-Pass etablieren.  (Grafik:…

Am gestrigen Dienstag ist mit dem britischen Fashion-Retailer und seinem Onlineshop AllSaints.com der erste externe Onlineshop Teil des Amazon-Prime-Programms geworden. Seit einem Jahr versucht Amazon laut dem Wall-Street-Journal schon, Marken wie Abercrombie & Fitch und Neiman Marcus von seinem externen Amazon-Prime-Programm „Prime Pass“ zu überzeugen. Mit AllSaints ist jetzt ein erster, großer Partner bei eingestiegen. Sollten die Ergebnisse aus dieser Partnerschaft andere große Marken und Onlineshops von „Prime Pass“ überzeugen, könnte sich eines Tages zu einer Art übergreifendem „Elite-Shopping-Club“ entwickeln.

(Screenshot: Amazon)
Das Amazon-Prime-Programm.(Screenshot: Amazon)

Das „Amazon-Prime-Pass-Programm“ bei AllSaints

Im ersten Schritt hat der britische Retailer seinen eigenen Onlineshop bei Amazon Prime integriert. Die Produkte werden ausdrücklich nicht über Amazon angeboten – im Gegenteil, AllSaints hat quasi seinen eigenen Onlineshop innerhalb von Amazon bekommen, wie Re/Code berichtet. Allen Produkten ist der Hinweis „Auf einer anderen Website kaufen“ hinzugefügt worden. Weiterhin sind die Produkte von AllSaints in die Suchergebnisse von Amazon.com integriert worden. In beiden Fällen werden die Kunden zu AllSaints.com weitergeleitet.

Das Storefront von AllSaints bei Amazon. (Screenshots: Amazon)
Das Storefront von AllSaints bei Amazon. (Screenshots: Amazon)

AllSaints bietet allen Amazon-Prime-Kunden bei Bestellungen im Allsaints-Onlineshop eine kostenfreie Lieferung am nächsten Werktag an, in den USA stehen Prime-Mitgliedern normalerweise eine Lieferung innerhalb von zwei Werktagen zur Verfügung. AllSaints-Kunden müssen einen Mindestbestellwert von 100 britischen Pfund erreichen, um eine Zustellung am nächsten Werktag zu erhalten. Das Prime-Programm wird auf der Website von AllSaints nicht beworben, lediglich ein Hinweis auf die neue Zahlungsmethode „Amazon Login & Pay“ ist zu finden.

Amazon Login and Pay wird bei AllSaints „beworben“, Prime allerdings nicht. (Screenshot: AllSaints.com)
Amazon Login and Pay wird bei AllSaints „beworben“, Prime allerdings nicht. (Screenshot: AllSaints.com)

Amazon Prime-Pass im Überblick

Wie läuft die Integration von Amazon Prime ab? Die Kunden klicken auf ein Angebot in den Suchergebnis oder ein Produkt des externen Prime-Partners auf der Amazon-Website und werden dann direkt in den Onlineshop des Partners umgeleitet. Die Kunden loggen sich mit ihren Amazon-Zugangsdaten ein und bezahlen direkt mit den bei Amazon hinterlegten Zahlungsinformationen.

Amazon bietet AllSainsts demnach:

  • Werbung in den Amazon-Suchergebnissen.
  • einen integrierten Shop bei Amazon.
  • die Integration von Amazon „Login & Pay“.

Die Bedingung hierfür ist ein kostenloser Versand für Prime-Mitglieder mit Lieferung innerhalb von maximal zwei Werktagen. Es fallen darüber hinaus die üblichen Transaktionskosten bei „Login & Pay“ an, keine zusätzlichen Verkaufsprovisionen. Es handelt sich aus Händlersicht demnach um ein Anzeigenformat auf Amazon.com, das optisch nativ in Amazon eingebettet wurde. Für Amazon ist es neben den Aktionen wie der heute angekündigten Amazon-Prime-Foto-Cloud eine Aufwertung für Amazon Prime – und ein weiterer Schritt zur Festigung der marktbeherrschenden Stellung von Amazon.

AllSaints Suchergebnisse bei Amazon. (Screenshot: Amazon)
AllSaints Suchergebnisse bei Amazon. (Screenshot: Amazon)

Vorteile und Nachteile: Die Ängste der Händler und Amazons Antworten

Die Ängste bei Onlinehändlern und Marken schwappen häufig über, wenn es um den Giganten Amazon geht. Dessen langjährige Erfahrung im Sammeln und Verwerten von Kundendaten schürt die Angst, dass Amazon solche Programme nutzt, um Informationen über Bestseller zu sammeln und in Konkurrenz mit den Werbepartner zu treten. Zumindest im Marktplatzbereich liegt der Verdacht nahe, dass Amazon Händler mit eigenen Angeboten aussticht.

Gerade bei hochwertigen Marken ist eine zweite Sorge, die Annahme, dass das Markenimage durch die Umgebung, in der das Produkt präsentiert wird, beschädigt werden könnte.

Jason Del Rey von Re/Code hat kürzlich auf einer Konferenz mit Tom Taylor, Amazon VicePresident of Seller Service, und  Rich Ascott, Global Digital Chief bei AllSaints, über diese Ängste gesprochen. Tom Taylor versuchte die Händlerängste mit dem Hinweis zu beschwichtigen, dass Amazon nur die Gesamtsumme der Bestellung, aber nicht die bestellten Produkte einsehen kann. Der AllSaints-Verantwortliche Rich Ascott versteht die Ängste, teilt sie aber nicht: AllSaints grenze sich dadurch ab, dass die Produkte nicht im Amazon-Katalog sondern im eigenen Shop angeboten würden. Darüberhinaus „sei die eigenen Marke auf der einen Seite zwar zu wertvoll, um sie aus der Hand zu geben, und Amazon in die eigenen 'braunen Boxen' packen zu lassen – auf der anderen Seite sei die Marke aber stark genug, um neben einer möglichen, eigenen Amazon-Fashion-Linie, bestehen zu können“.

Rick Ascott führt darüber hinaus einige interessante Punkte auf, die zeigen, wieso AllSaints mit dem Programm zufrieden ist und sogar darüber nachdenkt, Prime-Kunden eine exklusive Vorschau auf neue Produkte zu bieten und einzelne Artikel eventuell ausschließlich Prime-Kunden anzubieten:

  • Die Prime-Kunden weisen bei AllSaints eine um 34 Prozent höhere Konversionsrate auf.
  • Die Integration von Amazon „Login & Pay“ hat den Checkout-Prozess bei AllSaints um eine Minute verkürzt.

Kombiniert man diese Daten mit der aus mehreren Studien bekannten Erkenntnis, dass Prime-Mitglieder mehr Geld ausgeben als gewöhnliche Onlinekunden, ist klar, wieso AllSaints die Partnerschaft mit Amazon positiv betrachtet.

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8 Antworten
  1. von Marlin am 06.11.2014 (14:15 Uhr)

    Da darf man wohl gespannt sein, wie lange es noch dauert, bis Amazon dann all diese Shops, die sich Stück für Stück immer mehr von Amazon abhängig machen, einen nach dem anderen "verschlingt".

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  2. von webdesignroom am 06.11.2014 (16:46 Uhr)

    Die kostenfreie Lieferung am nächsten Werktag ist für Kunden ein nicht zu unterschätzender Anreiz das gewünschte Produkt kaufen. Der Händler, der erst in 2-3 Tagen liefert, hat deutliche Wettbewerbsnachteile. Es ist für Shops duchaus sinnvoll das Amazon-Angebot zu prüfen.

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  3. von NikolaiShulgin.Bitrix24 am 06.11.2014 (18:47 Uhr)

    @Marlin: Da stimme ich Dir zu! Ich habe regelmäßig die Erfahrung gemacht, dass Produkte, die gut laufen, dann einfach von Amazon selbst vertrieben werden und dem Händler damit die "Pralinen" genommen werden. Vorhalten kann man Amazon das wohl kaum. Das ist eben Marktwirtschaft. Händler sollten sich gut überlegen, ob Sie sich auf auf den Prime-Versand einlassen.

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  4. von Lars am 06.11.2014 (20:22 Uhr)

    Ich finde eine solche Anbindung äußerst sinnvoll, denn mehr solcher Shops die alle keine Versandkosten anbieten wenn man Prime Mitglied ist beleben das Geschäft. Ich selbst bin Prime Kunde und bestelle seither viel mehr übers Internet als wenn ich jedesmal Verbandkasten mit einberechnen muss.

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  5. von Dominik Bödger am 06.11.2014 (23:04 Uhr)

    Naja wenn auf Seiten Amazon durch Suche, Produktfindung etc. bereits einiges an "User"-Betreuung übernommen wurde, ist doch relativ offensichtlich warum die Conversionrate besser ausfällt.

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  6. von Netz-TV am 07.11.2014 (08:58 Uhr)

    Wir müssen endlich begreifen, dass "E-Commerce" und "Online-Handel" nur eine Illusion sind. Es gibt möglicherweise in der Zukunft Produzenten, Käufer und eine intelligente Distributions-Infrastruktur dazwischen die Amazon bereit stellt. Niemand wird im digitalen Bereich noch Händler brauchen- sie haben im Gegensatz zur realen Welt dort keinerlei nützliche Funktion.

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  7. von Dominik am 07.11.2014 (21:31 Uhr)

    Das wird Amazon aber freuen wenn es keinen Preisdruck mehr gibt in Form der E-Commerce Händler..

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  8. von Wulfos am 16.03.2016 (02:51 Uhr)

    Ich finde Prime schon nicht sinnvoll, denn als Haendler kann man die Leistungen der Packetdienste kaum selber beeinflussen oder man muss Expresspackete nehmen, was sich dann wiederum auf die Gewinnmarge auswirkt. Es passt eben nicht so zusammen, billig und schnell.

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