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Amazon Shitstorm: Internationale Reaktionen von absurd bis besonnen

Der Amazon Shitstorm rund um miese Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter und Nazi-Vorwürfe schlägt weitere Wellen. Mittlerweile haben auch internationale Medien das Thema aufgegriffen. Die Reaktionen reichen von absurden Artikeln wie „Amazon used neo-Nazi guards to keep immigrant workforce under control in Germany“ beim Independent bis hin zu Beiträgen, die deutlich besonnener und informativer daher kommen als die ARD-Reportage.

Amazon Shitstorm: Internationale Reaktionen von absurd bis besonnen
Amazon-Lager im Streik: Bis voraussichtlich Mittwoch wollen rund 1.800 Beschäftigte a…

In der vergangenen Woche sorgte die Reportage der ARD mit dem Titel „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ über die Arbeitsbedingungen bei .de für einen Aufschrei vieler Nutzer in sozialen Netzwerken. Dieser wurde immer lauter, je länger Amazon versuchte das Thema bei Facebook, Twitter und Co. tot zu schweigen. Wie auch immer man den Umgang des Online-Retailers mit dem Shitstorm sieht, zumindest reagierte Amazon auf Nachfrage verschiedener Medien mit einem Statement zu der ARD-Reportage - so auch auf Anfrage von t3n.

Im Rahmen des Amazon Shitstorm hagelte es auf der Fanpage von Amazon.de negative Kommentare von erschütterten "Fans".

Amazon Shitstorm in der Presse

Obwohl der Konzern in seinen Reaktionen auf die Reportage „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ Besserung gelobt, dürfte der Image-Schaden zumindest kurzfristig beachtlich ausfallen. Der Amazon Shitstorm hat nämlich so große Wellen geschlagen, dass auch einige internationale Medien das Thema aufgegriffen haben. Wenig überraschend stürzte sich die allseits geliebte britische Yellow Press auf die Vorwürfe, dass eine von Amazon.de eingesetzte Sicherheitsfirma Verbindungen zur Neo-Nazi-Szene hat. Der Independent titelte „Amazon used neo-Nazi guards to keep immigrant workforce under control in Germany“. In eine ähnliche Kerbe schlagen auch der Telegraph (Amazon faces claims of 'neo-Nazi' security staff) und die Daily Mail (Fury over Amazon's 'neo-Nazi, black-clad' German security staff who 'intimidate foreign workers).

Auch für die New York Times stehen die Neo-Nazi-Vorwürfe im Vordergrund. Die Zeitung titelt online allerdings zurückhaltender als die Presse in Großbritannien: Amazon to Investigate Claims of Worker Intimidation at Distributor in Germany. Wesentlich besonnener und gleichzeitig informativer als die ARD widmet sich die Financial Times dem Thema. In dem Artikel werden die Arbeitsbedingungen bei Amazon in England beleuchtet, die ebenfalls zu wünschen übrig lassen. Die Financial Times betrachtet das Thema sehr ausführlich vor dem Hintergrund der Verschiebung vom stationären Handel hin zum Online-Handel.

Amazon beendet Zusammenarbeit mit Sicherheitsdienst

Mittlerweile hat sich laut Manager Magazin auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen eingeschaltet und fordert von Amazon Aufklärung über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern. In wie weit sich etwas an den Arbeitsbedingungen bei Amazon.de besonders im kommenden Weihnachtsgeschäft ändern wird, bleibt abzuwarten. Immerhin reagiert der Konzern auf die Kritik an der Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst Hensel European Security Services (H.E.S.S.). Wie die Süddeutsche meldet, hat Amazon den Sicherheitsdienst mittlerweile von seinen Aufgaben entbunden.

Ist der Amazon Shitstorm in seiner Heftigkeit berechtigt?

Die negative und teils heftige Reaktion vieler Kunden von Amazon.de kann man unterschiedlich bewerten. Es dürfte eigentlich jedem halbwegs klar denkenden Konsumenten klar sein, dass günstige Preise nicht nur bei Amazon eine Schattenseite haben, bei denen wir als Kunden gerne auch mal zwei Augen zudrücken. „[... ] wir wollen guenstige Produkte! Wir wollen kostenlose Lieferungen am naechsten Tag und die Abwicklung von Reklamationen innerhalb einer Woche“, bemerkt Sascha Pallenberg auf Mobilegeeks ganz richtig. Und natürlich: das macht die Kritik am Gebaren von Amazon.de nicht falsch. Man sollte sich als Kunde aber immer fragen, wie billig es denn nun wirklich sein muss. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es um Online-Bestellungen oder um günstige Fertiggerichte wie Lasagne geht.

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13 Antworten
  1. von boykottke am 18.02.2013 (12:59Uhr)

    "Daily Mail", okay, aber "The Indipendent" und der "Daily Telegraph" als Yellow Press? Also bitte... Das ist Unsinn.

  2. von Stephan Jäckel am 18.02.2013 (14:25Uhr)

    boykottke hat Recht: Also der Independent fällt bestimmt nicht unter "Tabloid".

    Ansonsten ist es nicht ganz unüberraschend, dass sich in der angelsächsischen Welt Meldungen über Deutschland und Neo-Nazis gut verkaufen. Titelseiten sind nun einmal "Werbebanner". Von daher muss die FTD seriöser titeln.

    Das der Kunde sich seltenst fragt, wie die Prozesse aussehen, mit denen Leistungen erstellt werden, ist normal. Und ja, die meisten Menschen werden annehmen, dass in Unternehmensprozessen die sie nutzen, es mit Recht und Ordnung zur Sache geht. Nicht weil sie naiv oder dumm sind, oder sich nur für den Preis interessieren; sondern weil sie annehmen in einem Rechtsstaat des 21. Jahrhunderts zu leben (und in diesen Worten ist kein Zynismus enthalten), in dem Unternehmen darauf achten, was sie tun, selbst wenn ihr eigenes Erleben an ihrem eigenen Arbeitsplatz ebenfalls nicht problemfrei ist. Einfacher ausgedrückt: Menschen sind in der überwiegenden Mehrheit Bobby und nicht J.R. (Ewing).

    Aber wie gesagt, wir stehen erst am Anfang von Social Business und Vorfälle wie um Amazon oder Wiesenhof sind eine Chance Vorgänge zu überdenken und die Dinge anders zu machen: Transparent und nahe an den Menschen; sowohl jenen nahe, die im Unternehmen arbeiten, als auch jenen, die seine Leistungen in Anspruch nehmen. Das ist ein zunehmend wichtigerer Aspekt der Imagebildung. Und ja, Image kann auch Kunden kosten. Für den Moment hat Amazon das Falsche, langfristig wohl nicht.

    Einen Shitstorm-Notfallplan sollten bekannte Marken heutzutage in jedem Fall in der Schublade haben. Schmerzlich lernen mag u.U. hiflreich sein und zu schnelleren Änderungen führen, aber angenehm ist es mit Sicherheit nicht.

  3. von derflo am 18.02.2013 (15:27Uhr)

    Warum kümmert es aber immer noch keinen, wie die meisten unserer Produkte hergestellt werden? Das Problem in der Distribution ist dabei das Geringste!

  4. von Simon am 18.02.2013 (22:27Uhr)

    Zum letzten Absatz, insbesondere zur Aussage "Man sollte sich als Kunde aber immer fragen, wie billig es denn nun wirklich sein muss": Generell ist das ein berechtigter Einwand, allerdings mit einem ganz großen Problem: Auch bei teureren Produkten/Händlern kann man sich überhaupt nicht sicher sein, ob man hier ökologisch und sozial einkauft oder nicht. Wäre das der Fall, wäre die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben, sicherlich größer...

  5. von Wolfgang am 19.02.2013 (04:18Uhr)

    Wenn der Preis das Kriterium wäre, an dem man ausmachen könnte, wie ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter behandelt, müsste bei Apple morgens ja jeder mit Handkuss persönlich begrüßt werden. Ist aber nicht so.

  6. von Cornelia Greiner am 19.02.2013 (09:38Uhr)

    Ich finde nicht, dass man die Reaktion der Menschen unbedingt kritisieren kann. Beispielsweise im Kommentar von Sascha Pallenberger wird von Menschen ausgegangen, die sich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen auskennen. Viele Leute tun das aber nicht. Sie wissen nicht, dass die niedrigen Preise durch irgendwo herkommen müssen. Nicht jeder Kunde ist Spiegel Leser, konsumkritisch eingestellt und hat "The Story of Stuff" gesehen. Die meisten vertrauen einfach nur, dass es in einem Logistikzentrum in Deutschland nach allgemeinen Standards zugeht und dass in der Lasagne nur drin ist, was drauf steht. Daher halte ich es für ihr gutes Recht, jetzt entrüstet zu sein.

  7. von Michaels Tagebuch (Amazon Shitstorm: Int… am 19.02.2013 (12:04Uhr)

    Amazon Shitstorm: Internationale Reaktionen von absurd bis besonnen...Amazon Shitstorm: Internationale Reaktionen von absurd bis besonnen......

  8. von Leiharbeiter, Nazis und Pakete « D… am 20.02.2013 (11:59Uhr)

    [...] T3N über den Shitstorm in der Presse Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mir [...]

  9. von Philipp am 21.02.2013 (18:38Uhr)

    Man kann hier Amazon als Großkonzern genauso kritisieren wie die kleinen Händler, die Amazon den Markt kampflos überlassen. Mehr dazu auf meinem Blog: http://wp.me/p2YCuY-hB

  10. von Dennis Sulzmann am 22.02.2013 (15:44Uhr)

    Am Ende bleiben zwei Erkenntnisse:

    1. Ein Shitstorm sagt nichts über den Inhalt der Kritik aus, sondern nur über die Form der Äußerung. Insofern muss sich ein Unternehmen primär mit den Auswirkungen und dem "Einfangen" der Diskussion befassen und weniger um den Kern der Kritik. Shitstorm ist ein Nerv-Wort, weil es synonym für das gebraucht wird, was wirklich wertvoll ist: Kritik. Hier bestehen aber große Unterschiede.

    2. Am Ende beweisen die Verbraucher wieder ein Kurzzeitgedächtnis. Der Skandal wird in wenigen Tagen, vielleicht Wochen keine Rolle mehr spielen und aus der öffentlichen Warnehmung verschwunden sein. Dann kaufen die Verbraucher wieder dort, wo es billig, bequem und mit einer roten Service-Schleife verpackt ist. Prekäre Leiharbeitsverhältnisse bei Amazon spielten vor der Reportage keine große Rolle und werden es auch danach nicht tun. Leider.

  11. von Wolfi am 25.02.2013 (11:23Uhr)

    Man sollte bedenken, dass Amazon auch seine Marketplace-Händler unter enormen Druck setzt:
    - 15% Provision (entspricht oft fast der kompletten Marge im Onlinehandel)
    - für Kunden nicht sichtbar, dass Händler für alles eine Quote bekommen z.B. Retouren, Storno der Kunden, Zustellung innerhalb kürzester Zeit (auch wenn Paketdienst schlampt) und das Beste Kontaktreaktionszeit. Hierbei muss der Händler innerhalb 24h auf E-Mails antworten! Auch am Samstag, auch am Sonntag, 365 Tage im Jahr und Auto-Response wird erkannt und nicht geduldet bei Amazon. Die Liste ist schlicht endlos...

    Auch das sollte mal angesprochen werden, denn viele Onlinehändler sind abhängig von Amazon

  12. von Meteoriten und schreiende Ziegen –… am 01.03.2013 (00:32Uhr)

    [...] thematisierte – die Wellen schlugen hoch, von Facebook-Kommentaren bis zu skurilen internationalen Pressereaktionen – es wurde eine Petition gestartet – Fachleute warnen vor dem Imageschaden und üben [...]

  13. von Amazons Imageschaden überträgt sich au… am 15.04.2013 (08:47Uhr)

    [...] Amazon Shitstorm: Internationale Reaktionen von absurd bis besonnen – t3n News [...]

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