Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Analyse

Der völlig verrückte Verkaufslaster: Was Amazon mit dem Treasure-Truck vor hat

Der Treasure Truck ist ganz auf ein abgefahrenes Einkaufserlebnis ausgerichtet. (Foto: Amazon)

Der Treasure-Truck startet. Ein verrückter Verkaufslaster, der vor den Türen der Kunden ein limitiertes Sonderangebot verkauft. Jochen G. Fuchs analysiert, was Amazon damit erreichen will.

Im letzten Jahr ließ Amazon einen Lkw, der ein wenig aussieht wie die Willy-Wonka-Version eines Verkaufslasters vom Hamburger Fischmarkt, durch Seattle rollen. Das eigentümliche Gefährt war beladen mit einem einzelnen Produkt zum Sonderpreis, das an registrierte Treasure-Truck-Nutzer an jeder zweiten Straßenecke verkauft wurde. Hört sich nach einem richtig guten PR-Stunt an, dachten damals viele. Pustekuchen, im Moment kündigt Amazon den breiten Start der Treasure-Truck-Flotte aufwendig in der US-App und auf der US-Website an. Was Amazon hier aufstellt, ist ein Berührungspunkt mit dem Kunden, der buchstäblich mit Pauken und Trompeten aufschlägt – und alle Sinne berühren soll.

Der Amazon-Treasure-Truck

Der Treasure-Truck kombiniert ein stark reduziertes Angebot mit einer begrenzt verfügbaren Stückzahl eines potentiell begehrten Produkts. Das Produkt ist nur an einem Tag in der Woche erhältlich und nur gegen Vorbestellung und Bezahlung in der Amazon-App. Welches Produkt erhältlich ist, erfahren Kunden kurze Zeit vor dem Verkauf – entweder durch eine SMS oder in der Amazon-App.

Amazons rollende Schatzkiste: Der Treasure-Truck verkauft Sonderangebote auf der Straße

Möchte ein Kunde das Angebot in Anspruch nehmen, wird das Produkt in der App gekauft – und später an einem Wunschort abgeholt. Möglichst an der nächstliegenden Straßenecke. Am Aktionstag tingelt der Treasure-Truck dann durch die Stadt, hält an den definierten Straßenecken – und gibt die Ware an den Kunden aus.

Anzeige

Breiter Start des Treasure-Trucks in den USA

Die ersten Anzeichen sind schon in der Job-Börse von Amazon zu finden gewesen: Personell stockt der US Konzern für Treasure-Truck auf. Sechs Entwickler, einen Produkt-Manager und einen Programm-Manager für den Betrieb des Treasure-Truck-Programms werden gesucht.

Der Treasure-Truck ist bisher nur durch die Straßen von Seattle gerollt. Jetzt kündigt Amazon an, weitere Städte zu befahren. (Grafik: Amazon)

Auf der Website und in der App wird der breite Start des Treasure-Truck-Programms seit kurzem prominent beworben. Auch der Twitter-Account @treasuretruck macht fleißig Werbung.

Das Prinzip hinter dem Amazon-Treasure-Truck

Ökonomisch geht es zum einen um die künstliche Verknappung eines Produktes, um die Attraktivität und den Drang zum Kauf künstlich zu steigern. Zum anderen um den psychologischen Effekt eines besonderen Angebots, das im Rahmen eines effektvollen Happenings an den Kunden übergeben wird. Hier wird der Kontakt zu Amazon und der Einkauf emotional aufgeladen. Amazon bietet mit der Lieferung nahe zum Kunden zwar einen faktischen, trockenen Kundenvorteil – viel wichtiger ist aber der Spieltrieb des Kunden und das Erlebnis beim Einkauf.

Der Einkauf muss zum Erlebnis werden, das ist ein Mantra, dass in der Handelsbranche seit Jahren vorgebetet wird. Im Regelfall wären die Berater und Experten schon damit zufrieden, wenn der Einkauf nicht zu einem traumatischen Erlebnis wird. Der Einkauf als Erlebnis gilt gefühlt heute schon als gemeistert, wenn der Kunde den Laden verlässt, ohne sich zu ärgern. Das ist kein Einkaufserlebnis.

DAS ist ein Einkaufserlebnis

(Screenshot: Amazon)

Und DAS

(Screenshot: Amazon)

Einen besseren Eindruck vermitteln die Werbetrailer auf der Treasure-Truck-Landingpage bei Amazon. Dort sind einige Gratisaktionen, Verlosungen und Verkaufsaktionen veröffentlicht – die einen guten Eindruck davon vermitteln, mit welchen Methoden Amazon den Touchpoint Treasure-Truck hier emotional auflädt.

Der Treasure-Truck verkauft nicht nur Waren, sondern ist ein rollender Amazon Botschafter

Wer weiß, wie Amazon verhandelt, dürfte sich schon denken können, dass der US-Konzern auch bei diesen Sonderangeboten Ertrag erwirtschaften kann – vor allem aber Umsatz. Das erste Angebot vor einem Jahr war eine Gopro Hero4 in Schwarz für 179 US-Dollar – zum damaligen Zeitpunkt knapp 65 Prozent Rabatt auf den UVP. In ein Paketzustellerfahrzeug passen durchschnittlich 150 bis 200 Pakete. In den Treasure-Truck dürfte locker die doppelte Menge passen – und eine Gopro nimmt nicht viel Platz weg. Wenn Amazon grob überschlagen 500 Stück verkauft hat, entspräche das einem Umsatz von fast 90.000 US-Dollar.

Auch wenn das US-Wirtschaftsmagazin darüber grübelt, ob Amazon jetzt Restposten mit dem Treasure-Truck verramschen will, wird Amazon eher wertige und beliebte Produkte auswählen.

Denn wichtiger als der reine Ertrag dürfte dem Konzern die Wirkung des Verkaufsevents auf den Kunden sein. Das Jahrmarktsgefährt und die Aufmerksamkeit, die von den immer wieder mit prominenten Stars und Sternchen begleiteten Verkaufsevents ausgehen, erfüllen eine extrem effektive Funktion als Markenbotschafter.

Das passt auch zum Thema:

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Hinweis

Du hast gerade auf einen Provisions-Link geklickt und wirst in Sekunden weitergeleitet.

Bei Bestellung auf der Zielseite erhalten wir eine kleine Provision – dir entstehen keine Mehrkosten.


Weiter zum Angebot