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Amazon verbannt WikiLeaks von seinen Servern

Amazon verbannt WikiLeaks von seinen Servern

hat die Enthüllungsplattform von seinen Servern verbannt. Wohl auch auf Druck der US-Regierung wurden die diplomatischen Depeschen, mit denen WikiLeaks aktuell für viel Wirbel sorgt, wieder von den Servern der Amazon Web Services verbannt, nachdem WikiLeaks in Hinblick auf den zu erwartenden hohen Traffic gerade erst darauf ausgewichen war. Amazon hat diesen Schritt bisher nicht kommentiert. Das Abschalten erfolgte aber wohl auf dem ausdrücklichen Wunsch des erzkonservativen US-Senators Joseph Lieberman.

Amazon verbannt WikiLeaks von seinen Servern

WikiLeaks unter Druck - Amazon knickt ein

Die groß angekündigte Veröffentlichung geheimer Depeschen aus den US-Botschaften rund um den Globus, sorgte schon im Vorfeld für große Spannung. Während US-Diplomaten Überstunden machten, um die politischen Wogen der kommenden Enthüllungen schon vor deren Veröffentlichung zu glätten, machte man sich bei WikiLeaks eher Gedanken um die eigenen Serverkapazitäten, waren doch enorme Zugriffszahlen zu erwarten. Der logische Schritt war eine Auslagerung zur AWS-Cloud von Amazon.

Nach mehreren, letztlich abgewehrten DDoS-Attacken, schien WikiLeaks schon aus dem Gröbsten heraus zu sein. Doch hinter den Kulissen machte die US-Regierung allen Anschein nach Druck auf Amazon und hatte damit jetzt Erfolg. Amazon sah keine andere Möglichkeit mehr, als die Daten von WikiLeaks für den Zugriff zu sperren.

US-Senator Josef Lieberman macht Druck auf Amazon und andere Hoster und prangert die Verbreitung der „illegalen Dokumente“ von WikiLeaks an (Foto: USAID Afghanistan, Flickr.com).

Lieberman: „Illegales Material darf nicht gehostet werden“

Treibende Kraft bei den Gesprächen mit Amazon scheint der als erzkonservativ bekannte US-Senator Josef Lieberman gewesen zu sein. Zumindest war er es, der nach der Abschaltung mit einem entsprechenden Statement über die Angelegenheit informierte:

This morning Amazon informed my staff that it has ceased to host the Wikileaks website. I wish that Amazon had taken this action earlier based on Wikileaks' previous publication of classified material. The company's decision to cut off Wikileaks now is the right decision and should set the standard for other companies Wikileaks is using to distribute its illegally seized material. I call on any other company or organization that is hosting Wikileaks to immediately terminate its relationship with them. Wikileaks' illegal, outrageous, and reckless acts have compromised our national security and put lives at risk around the world. No responsible company - whether American or foreign - should assist Wikileaks in its efforts to disseminate these stolen materials. I will be asking Amazon about the extent of its relationship with Wikileaks and what it and other web service providers will do in the future to ensure that their services are not used to distribute stolen, classified information.

Lieberman ruft also auch alle anderen Hoster, die Server für WikiLeaks betreiben, dazu auf, dem Vorbild von Amazon zu folgen und sich nicht an der Verbreitung von illegalen Dokumenten zu beteiligen.

WikiLeaks: „Amazon sollte aufhören Bücher zu verkaufen“

Die Reaktion von WikiLeaks auf die Verbannung von Amazon ließ nicht lange auf sich warten. Per Twitter teilte WikiLeaks mit: „Wenn Amazon solche Probleme mit der Redefreiheit habe, sollten sie aufhören, Bücher zu verkaufen.“ WikiLeaks wolle jetzt halt auf Hoster in Europa setzen und hofft hier auf eine liberalere Haltung, bzw. auf weniger politischen Einfluss.

WikiLeaks reagierte auf die Verbannung von den Amazon Servern via Twitter.

WikiLeaks-Gründer Julian Assange wird per Haftbefehl gesucht

Der Druck auf WikiLeaks wird auch durch einen internationalen Haftbefehl gegen den Gründer Julian Assange weiter erhöht. Der 39-Jährige Australier wurde von Interpol auf die Fahnungsliste gesetzt, weil gegen ihn in Schweden Vergewaltigungsvorwürfe erhoben worden sind. Bislang sei der Haftbefehl allerdings fehlerhaft gewesen, so dass die britische Polizei Assange nicht verhaften konnte, obwohl sie gewusst haben soll, wo er sich aufhalte.

Aber nicht nur der Haftbefehl sorgt für einen zunehmenden persönlichen Druck auf Julian Assange. Sein Sprecher Kristinn Hrafnsson sprach von mehreren Drohungen, auch von Regierungsseite, die die Sicherheit von Assange gefährden. Gemeint ist damit wohl auch die Äußerung des früheren republikanischen Gouverneurs von Arkansas, Mike Huckabee, der nach Angaben der Süddeutschen Zeitung eine Anklage wegen Verrats und die Hinrichtung von Assange gefordert haben soll.

Weiterführende Links:

Bildnachweis: Foto von USAID Afghanistan auf Flickr. Lizenz: CC BY

[Update 03.12.2010: Amazon erklärt die Abschaltung von WikiLeaks]

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5 Antworten
  1. von Norman am 02.12.2010 (12:16 Uhr)

    Auch dieser alte Mann wird irgendwann das zeitliche segnen.. nicht, dass ich ihm das wünschen würde aber der Welt wäre es zu wünschen, wenn es weniger Erzkonservative gäbe, die den Fortschritt aufhalten.

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  2. von Andy am 02.12.2010 (13:05 Uhr)

    Zugegeben steh ich nicht 100% hinter WikiLeaks, aber die Reaktionen der USA darauf sind schon sehr fragwürdig und erinneren mich mehr an Länder, die es mit der Presse- und Redefreiheit nicht so ernst nehmen. Alles was "unangenehm" ist mal eben wegsperren. Da braucht man sich nicht wundern, wenn Verschwörungstheorien konjunktur haben und WikiLeaks immer mehr Fans finden wird.

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  3. von Michael Lambertz am 02.12.2010 (14:22 Uhr)

    Ich kenn weder Julian Assange noch war ich mal auf WikiLeaks. Aber die ganze Geschichte zeigt: wer zu unangenehm wird, den versucht man mit allen Mitteln zu beseitigen. Das klingt allerdings jetzt von Seiten der USA so, als gäbe es noch die Veröffentlichung von ein paar Skandalen zu verhindern. Wir werden sehen. A propos Amazon: Wie war das eigentlich mit der Vermischung vom politischen und wirtschaftlichen System? Soziologisch äußerst spannend!

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  4. von Fabse am 03.12.2010 (02:36 Uhr)

    Unglaublich wieviel Arroganz Assange in 140 Zeichen packen kann. So verspielt man (zumindest meine) Sympathie.

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  5. von Martin am 03.12.2010 (21:23 Uhr)

    Ich stehe auch hinter Wikileaks und die Reaktion der USA darauf, erinnert mich schon an die eines Schurkenstaat. Guantanamo ist der besete Beweis dafür! Aber die USA dürfen das!
    Ich denke, die USA ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?
    Dann sollte die USa auch dazu stehen, was sie hinter den Rücken der Bürger denkt und sagt.
    Ich bin auch der Meinung, dass die USA kein Recht darauf hat, andere Länder der Lächerlichkeit auszusetzen, dafür gibt es in den USA selbst mehr als genug.
    Die Menschen auf dem Erdball sollten wissen, welche furchtbaren Verbrechen die USA auf diesem Erdball verübt haben. Wir Menschen wissen schon längst, der Irak war das letzte Beispiel, dass die USA jene Länder überfällt oder zerstört, die sich den USA wiedersetzen. Viele Staaten in Mittel-und Südamarika können ein Lied davon singen, wie die sogenannten Chicago Boys ihre Länder bewußt ihre Länder ruiniert und der CIA ihre Präsidenten ermordet haben.
    Es wird Zeit, dass die USA ihre unrümlich Rolle der Gewalt in der Welt beenden.

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