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Infrastruktur

Ampeln auf Grün schalten? In Dänemark können einige Radfahrer das schon

    Ampeln auf Grün schalten? In Dänemark können einige Radfahrer das schon

(Foto: Shutterstock)

Wer glaubt, das Internet of Things beschränke sich vor allem auf clevere Kühlschränke oder Industrie-Anwendungen, täuscht sich. Auch für den Straßenverkehr gibt es spannende Ideen – wie ein Radfahrer-Projekt aus Dänemark zeigt.

Keine roten Ampeln mehr für Radfahrer?

Statistiken zufolge verbringt der moderne Mensch sechs Monate seines Lebens vor roten Ampeln. Sechs Monate! Dabei soll die Vernetzung doch auch hier für einen reibungsloseren Verkehr und weniger Staus, für optimale Routen und entspannteres Reisen sorgen. Während in Ländern wie Finnland immerhin mit flexiblem Nahverkehr experimentiert wird und in der Automobilindustrie die Forschung für das vernetzte Auto auf Hochtouren läuft, macht Dänemark dieser Tage mit einem weiteren spannenden Experiment von sich reden: einem Pilotprojekt, dass es Radfahrern erlaubt, Ampeln auf Grün zu schalten. Selbständig.

Das RFID-System für Radfahrer von ID-Advice. (Foto: ID-Advice)
Das RFID-System für Radfahrer von ID-Advice. (Foto: ID-Advice)

Was nach Willkür und – wie es die Internetseite grist.org nennt – „Gott spielen“ klingt, hat einen seriösen Hintergrund. Die Räder von 200 Radfahrern in der dänischen Stadt Aarhus sind in diesem Jahr mit RFID-Chips ausgestattet worden, die im Vorderrad verbaut wurden. Nähern sich diese Räder einem etwa mülleimergroßen Detektor, erkennt er die Chips und schaltet die Radfahrer-Ampel dahinter auf grün. Das bisher nur an einer Kreuzung getestete Programm gehört zum EU-Projekt RAPID („Rapid Deployment for Intelligent Cities and Living“), das fünf europäische Städte zu Smart Cities machen soll: Santander in Spanien, Issy‐les‐Moulineaux in Frankfreich, Athen in Griechenland, Genua in Italien – und eben Aarhus.

Radfahrer und rote Ampeln: Ein Unfallrisiko

Doch warum sollte eine Stadt eine solche Vorzugsregelung für Radfahrer einführen? Rita Westergaard, Business-Managerin bei ID-Advice, dem Hersteller der RFID-Chips, erklärt das dem Smithsonian-Magazin folgendermaßen: „Wenn wir auf der Radspur in kurzer Abfolge viele Ampeln haben, verwirrt das die Radfahrer, sie wollen nicht ständig anhalten.“ Doch gehört es nicht zu jedem Verkehrskonzept, dass Verkehrsteilnehmer genau das aushalten müssen? Bedingt. Ein reibungsloserer Radverkehr nämlich soll erstens die Lust von Menschen steigern, überhaupt mit dem Rad zu fahren und zweitens für einen flüssigeren Straßenverkehr sorgen. Und: Radfahrer, die bei Rot über eine Ampel fahren, stellen nach wie vor ein nicht unerhebliches Unfallrisiko dar. Auch das könnte mit einem solchen System gemindert werden.

So soll das System funktionieren. (Grafik: ID-Advice)
So soll das System funktionieren. (Grafik: ID-Advice)

Wie das Smithsonian-Magazin weiter berichtet, scheinen die Radfahrer, die an dem Projekt teilnehmen, bis jetzt äußerst glücklich zu sein – und die übrigen Verkehrsteilnehmer scheint die Vorzugsregelung nicht weiter zu stören. Vermutlich bekommen sie auch (noch) nicht all zu viel davon mit. Vor allem aber könnte das RFID-System einen teuren Umbau bisheriger Verkehrssysteme unnötig machen. Die klassischen Induktionsschleifen, die vor vielen Ampeln in den Boden eingelassen sind, reagieren nämlich auf Fahrräder meistens nicht. Allerdings müsse, so räumt Westergaard ein, noch einiges an Entwicklungsarbeit in das System gesteckt werden – bisher seien die Sensoren schwer zugänglich und damit nicht einfach zu warten, dazu komme, dass die RFID-Chips noch eher unhandlich seien.

Trotzdem wollen die Stadt Aarhus und ID-Advice das Projekt ausbauen und bis zum zweiten Quartal 2016 weitere Ampeln damit ausstatten – auch Lissabon und Athen hätten schon Interesse bekundet, so Westergaard. In Zeiten zunehmender innerstädtischer Verkehrsprobleme ein Projekt, das für viele Verkehrsexperten Potenzial haben dürfte.

Übrigens: Nicht nur innerstädtisch gibt es derzeit spannende Projekte: In Deutschland gibt es mit der A9 auch schon die erste Teststrecke für selbstfahrende Autos.

via grist.org

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1 Reaktionen
Ben Richter
Ben Richter

Mir scheint das System mit Blick auf Klima und CO2 jedoch eher kontraproduktiv. Immerhin zwingt man dadurch Autos öfter zum anhalten/anfahren.
Fraglich, ob in dem Maße SUV-Fahrer auf ihr Radl umsteigen...

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