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Digitale Gesellschaft

Notification-Noise: Wenn der Schlummermodus nicht mehr ausreicht

    Notification-Noise: Wenn der Schlummermodus nicht mehr ausreicht

Stehengelassene Notifications haben den schalen Beigeschmack ungelöster Aufgaben. Wichtige und unwichtige Dinge lösen den selben Alarm in meinem Kopf aus - Android Lollipop will das ändern. Ist eine Lösung in Sicht?

Brrr, brrr, brrr. Ein vertrautes Surren tönt vom Schreibtisch unseres Social-Media-Managers Alexander. Brrr, brrr. Intuitiv greift er nach seinem Smartphone und verrichtet die nötigen Handgriffe. Mit ein paar Wischern lässt er die kleinen roten Notifications verschwinden, die sich in den letzten zehn Minuten angesammelt haben.

Er kann nicht anders, sagt er. „Selbst wenn es nur die Benachrichtigung von nem unbedeutenden Spiel ist, ich will sie da weg haben.“ Und das ist das Problem. Die Notification setzt sich auf dein Display, klein und rot – und juckt wie ein elender Mückenstich. Na, willst du auch kratzen? Guck ruhig auf dein Handy, vielleicht sitzt da ja schon wieder was.

Die Notification setzt sich auf dein Display, klein und rot – und juckt wie ein elender Mückenstich.

Das Smartphone ist für uns Kommunikations-, Planungs- und Unterhaltungszentrum. So gut wie jede App hat eine Benachrichtigungsfunktion, die uns an Dinge erinnert – uns auf neue Nachrichten hinweist. Dazu gibt es noch eine ganze Reihe von internen Systembenachrichtigungen: Akku irgendwann fast leer, Akku fast leer, Akku wirklich gleich leer, Update kann durchgeführt werden, Update wurde durchgeführt, W-lan ist verfügbar, kein W-lan verfügbar, und soweiter und sofort. Das Meiste davon: völlig unwichtig!

Altes Phänomen in neuem Gewand

Das Phänomen ist nicht neu und ähnlich wie damals, als man am Briefkasten vorbei lief und eine Ecke eines Briefes aus dem Schlitz heraus ragte. Der Unterschied: mittlerweile kommt der Postbote zig Mal am Tag - und der Briefkasten, der liegt auf dem Tisch.

briefkasten
(Foto: © matmart - iStock.com)

Meine Theorie: Das Problem ist ein Phänomen der 25-Jährigen und älterer Generationen. Denn wir haben unser Kommunikationsverhalten zu einer Zeit entwickelt, in der die meisten Nachrichten potenziell noch Inhalte enthielten, die tatsächlich wichtig waren. Kommunikation war teurer und umständlicher. Deswegen gab es nicht für jeden Fliegenschiss einen Brief oder einen Anruf. In unserem Gehirn bildete sich quasi die Synapse „Mitteilungen sind wichtig“.

Das ist allerdings nicht mehr so. In meinem Fall weisen schätzungsweise nur zehn Prozent aller Benachrichtigungen auf Wichtiges hin. Und davon ist etwa nur die Hälfte überhaupt zeitkritisch.

Man muss Prioritäten setzen

Hardcore-Offliner würden jetzt vielleicht gleich das konsequente Ausschalten des Smartphones empfehlen. Aber das ist ja Quatsch. Einige Erinnerungen sind ja durchaus wichtig, andere immerhin sinnvoll. Die Lösung, die also auf der Hand liegt, liegt leider nicht in unserer Hand: eine Priorisierung der Notifications – bisher kaum möglich. Jede noch so unbedeutende Benachrichtigung belegt in der selben Art die Banachrichtigungszeile, wie die wichtigen – das Lämpchen leuchtet ebenfalls in der selben Farbe. Folge: Es wird derselbe Trigger ausgelöst: Alarm.

Die Softwareentwickler haben die Notwendigkeit glücklicherweise erkannt und fangen langsam an, vermehrt Möglichkeiten zur Priorisierung einzuräum – sowohl bei Inhalten (Inbox by Gmail), als auch Benachrichtigungen.

Android Lollipop könnte den Juckreiz stillen

Wie das genau mit den kleinen Nervensägen ist, ist ja bei Android und iOS sehr unterschiedlich, aber eins ist relativ gleich: Die Benachrichtigungen haben einen einheitlichen Stil. bei iOS kann man im Benachrichtigungszentrum zwar verschiedene Sortierungen vornehmen, aber das geht mir nicht weit genug. Dass auf dem Homescreen entweder kleiner roter „Mückenstich“ am Ordner erscheint, oder gar nicht, finde ich ungenügend. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einem gelben Kreis für Benachrichtigungen, denen ich weniger Priorität eingeräumt habe?

Einen recht guten Ansatz, wie ich finde, hat Android Lollipop in diese Richtung. Android 5.0 Lollipop sortiert Notifications vor und ordnet sie nach Prioritäten – jene von häufig benutzten Apps weiter nach oben, und umgekehrt.

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Über die Lautstärketasten gibt es in Lollipop nun außerdem die Möglichkeit, in einen Modus zu wechseln, in dem nur priorisierte Benachrichtigungen den Nutzer erreichen – dauerhaft oder nur für einen bestimmten Zeitraum. In einem eigenen Menü kann man festlegen, welchen Benachrichtigungen eine hohe und welchen eine niedrige Priorität zugeordet werden soll. Mit einer Einstellung kann man so mehrere niedrig priorisierte Apps „stumm“ stellen, anstatt jede einzelne.

Noch konnte ich die neuen Funktionen nicht testen, habe aber die große Hoffnung, dass es wie ein Fenistil gegen den digitalen Mückenstich wirkt. Ein paar Justierungsmöglichkeiten fehlen mir zwar noch zu meinem Glück, aber es ist ein guter Anfang.

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4 Reaktionen
Dominik

Ich habe seit einiger Zeit fast überwiegend mein Handy auf lautlos sowie die Notification LED ausgeschaltet. Bei eingehenden Anrufen vibriert mein Handy. Damit komme ich bis dato gut aus. Damit es mit den priorisierten Benachrichtigungseinstellungen etwas taugt, müsste dies tiefer gehen. App > Typ (z.B. Nachricht, Freundschaftsanfrage) > und jeweils (sofern möglich) eine Beschränkung auf Kontakte. Aber jeder Anfang ist besser als nichts ;).

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Nico
Nico

Bei meinem Smartphone sind nur solche Meldungen zugelassen, die mich auch potentiell interessieren. Damit kann eben nicht mehr jede App eine Meldung absetzen. Mein Nexus 4 hat außerdem ein "Benachrichtigungslämpchen" das tatsächlich auch mehrere Farben hat. So kann ich schon an der Farbe erkennen aus welcher App die Nachricht kommt. Das löst natürlich nicht das Problem der inhaltlichen Periodisierung, ist aber immerhin ein Fortschritt.

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Insomnia88
Insomnia88

Mal etwas off-topic: Wer liest eigentlich die Artikel vor? Gibt es da 'ne Möglichkeit die Namen zu erfahren? Der Autor ist es nicht, oder?

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Melanie Petersen

Hey,

die Namen der Vorleser kannst du auf Narando erfahren. Schau mal hier: http://www.narando.com/articles/wie-es-sich-anfuhlt-wenn-ein-startup-scheitert

Da ist unter dem Player dann sogar immer eine kleine Kurz-Bio.

Die Vorleser sind nicht die Autoren. Was Narando genau ist und wie das funktioniert, kannst du dir hier ansehen: http://t3n.de/news/t3n-vorlesen-lassen-narando-570972/

Viele Grüße,
Melanie

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