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Dein Team braucht dich! Warum gute Chefs auch kontrollieren müssen

Dein Team braucht dich! Warum gute Chefs auch kontrollieren müssen

Wie viel Vertrauen ist gut, wie viel Kontrolle notwendig? Viele Chefs versuchen, ihrem Team große Freiräume zu geben. Aber Vorsicht: wird das als Desinteresse wahrgenommen, leidet die Produktivität. „Engaged Leader“ machen das besser.

Dein Team braucht dich! Warum gute Chefs auch kontrollieren müssen

Engaged Leader. (Foto: Shutterstock)

Enorm beschäftigt: Viele Chefs glänzen durch Abwesenheit. Das ist nicht immer gut fürs Team. (Foto: Shutterstock)
Sich zurückziehen und das Team einfach machen lassen? Viele Chefs setzen auf diese Strategie. (Foto: Shutterstock)

Wie viel Management ist gut für mein Team? Für Führungskräfte keine einfach zu beantwortende Frage. Viele Chefs lassen ihren Mitarbeitern bewusst große Freiräume, um sie nicht einzuengen oder ihre Kreativität durch engmaschige Kontrollen zu erdrücken. Aber Vorsicht: was wahrscheinlich gut gemeint ist, kommt bei den Kollegen unter Umständen als Desinteresse an.

Mikromanagement vs. Laissez-Faire: Wo liegt die Grenze?

Denn auch wenn das kleinteilige Eingreifen in die Arbeitsorganisation der Kollegen als „Mikromanagement“ verpönt ist: das Laissez-Faire-Management, also der gegenteilige Ansatz, lässt sich ebenfalls ins negative Extrem treiben. Der Organisations-Coach Patrick Lencioni nennt das „Abdication Management“, also Management durch Machtverzicht, und beschreibt seine Erfahrungen damit wie folgt:

„Auf jeden Mikromanager, den ich treffe, kommen heute dutzende Abdikations-Manager, die kaum eine Ahnung davon haben, woran ihre direkten Untergebenen arbeiten. Ihren Führungsansatz verteidigen sie mit dem Hinweis auf ihren eigenen, überquellenden Terminkalender oder – schlimmer noch – mit stolzen Begriffen wie Vertrauen, Autonomie und Bevollmächtigung.“

In Wahrheit, so Lencioni, sorge ihr Führungsstil aber vielmehr für gravierende Produktivitäts-Hemmnisse: Ängste und Unsicherheiten im Team etwa, zu spätes Erkennen von Problemen oder Ziellosigkeit – um nur einige zu nennen.

„Leadership: Es sollte zum guten Ton gehören, häufig Fortschritte abzufragen.“

Lencioni plädiert dafür, den Terminus „Mikromanagement“ nicht mehr so negativ einzuordnen. Typischerweise wird er mit einem unsicheren oder misstrauischen Vorgesetzten in Verbindung gebracht, der seine Unerfahrenheit durch verstärkte Kontrolle kompensiert und sein Team damit lahm legt. Für Lencioni hingegen sollte es unter Führungskräften zum guten Ton gehören, genau über die Aktivitäten der Kollegen Bescheid zu wissen und sie häufig nach ihren Fortschritten zu befragen.

Vom Mikromanager zum „Engaged Leader“

„Engaged Leader“ engen ihre Mitarbeiter nicht ein, bringen ihnen aber trotzdem großes Interesse entgegen. (Foto: Shutterstock)
„Engaged Leader“ engen ihre Mitarbeiter nicht ein, bringen ihnen aber trotzdem großes Interesse entgegen. (Foto: Shutterstock)

Gerade die Projekte, die er als Boss mit vollem Elan betreue und vorantreibe, so Lencioni, brächten ihn immer wieder an die Schwelle zum Mikromanagement – und seien unterm Strich trotzdem um Längen besser für die Firma als Projekte, die ihn weniger interessierten und bei denen er sein Team „einfach machen“ lasse.

„‚Engaged‘ steht nicht für ‚engagiert‘, sondern für ‚involviert‘, ‚direkt beteiligt‘.“

Doch der Begriff Mikromanagement wird im Zusammenhang mit Führungsstilen wohl negativ besetzt bleiben. Stattdessen hat sich für das, was Lencioni sich wünscht, das Konzept des „Engaged Leaders“ etabliert. „Engaged“ steht hierbei nicht wortwörtlich für „engagiert“, sondern eher für involviert, eingenommen oder auch „direkt beteiligt“. Es beschreibt eine Führungskraft, die im konstanten Austausch mit ihrem Team steht, genau über den aktuellen Stand der Dinge informiert und jederzeit ansprechbar ist, wenn jemand Hilfe benötigt.

Wie Business-Coach Jennifer Miller in ihrer Charakterisierung solcher „Engaged Leader“ betont, geht es dabei gerade nicht um Mikromanagement auf prozessualer Ebene, sondern vielmehr darum, ein gutes Gespür für die Befindlichkeiten und Sorgen der Mitarbeiter zu entwickeln. So könnten Manager schnell reagieren, wenn Unsicherheiten entstehen oder die Stimmung im Team zu kippen droht.

Problematisch: Viele Chefs sind kaum erreichbar für ihre Angestellten

Was tun, wenn man nicht weiterkommt? Viele Chefs sind für ihre Angestellten in so einer Situation nicht erreichbar. (Foto: Shutterstock)
Was tun, wenn man nicht weiterkommt? Viele Chefs sind für ihre Angestellten in so einer Situation nicht erreichbar. (Foto: Shutterstock)

Miller empfiehlt Führungskräften, sich folgende Fragen zu stellen, um herauszufinden, ob sie ein „engaged Leader“ sind oder eher durch Unerreichbarkeit und „Abdication Managment“ auffallen:

  • Habe ich im letzten Mitarbeiter-Meeting ständig auf die Uhr geschaut, statt mich auf das Gespräch zu konzentrieren, weil ich eigentlich Wichtigeres zu tun hatte?
  • Schreibe ich E-Mails oder mache sonstige Dinge mit dem Smartphone, während ich in einem Meeting mit meinen Mitarbeitern bin?
  • Habe ich in letzter Zeit Meetings mit dem Team oder einzelnen Mitarbeitern abgesagt, weil ich zu viel zu tun hatte?

Miller fragt: „Wie oft lassen sich deine Mitarbeiter mit ‚es kam etwas dazwischen‘ abspeisen, bevor sie sich damit abfinden, dass du einfach nicht an ihnen interessiert bist?“ Sie mahnt Führungskräfte dazu, den Kollegen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen und sie auf diese Weise zu Höchstleistungen anzuspornen.

Je digitaler wir werden, desto mehr „Engaged Leader“ brauchen wir

„Wie viele Meetings hast du in letzter Zeit platzen lassen?“

Geht es nach Charlene Li, Gründerin und Geschäftsführerin der Wirtschaftsberatung Altimeter Group, darf sich heute sowieso kein Chef mehr dem konstanten Austausch mit Kollegen und Angestellten entziehen. Die digitale Transformation mache diesen Schritt nicht nur möglich, sondern zwinge Führungskräfte regelrecht dazu, sich für Feedback aus vielen Richtungen zu öffnen, eingefahrene Beurteilungsmuster zu überdenken und viel öfter direkt mit Kollegen zu interagieren.

Für Li drückt findet dieser Ansatz Ausdruck im Dreiklang Zuhören (nicht nur Kunden, auch den Mitarbeitern), Teilen (von Wissen und Informationen) und Involvieren (etwa durch gezielte Dialoge). Nur Chefs, die diesen Dreiklang beherrschen, sind in ihren Augen fit genug, um ihr Team und ihr Unternehmen sicher in die digitale Zukunft zu steuern.

Schaut euch in diesem Zusammenhang auch unseren Artikel „Bist du eine gute Führungskraft? Finde es raus – mit der Digital Leadership Canvas“ an!

 

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Eine Antwort
  1. von TobiasKollewe am 17.07.2015 (16:38 Uhr)

    Schöner Artikel. Passend dazu auch "10 Tipps für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Team" von Marietheres Mimberg:
    http://www.mimberg-puetz.de/10-tipps-fuer-eine-erfolglose-zusammenarbeit-in-ihren-teams/

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