Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Entwicklung & Design

„Klassische Bezahl-Apps sind klar auf dem Rückzug“: Die Vor- und Nachteile des Abo-Modells [Interview]

    „Klassische Bezahl-Apps sind klar auf dem Rückzug“: Die Vor- und Nachteile des Abo-Modells [Interview]

Sind Abos das Zukunftsmodell für Apps? (Foto: © ymgerman – iStock.com)

Die Frage nach der richtigen App-Monetarisierung ist komplex, ihre Antwort fällt für jeden Anbieter individuell aus. Wir haben mit iosphere, die kürzlich den Sprung auf ein kostenpflichtiges Abo-Modell gewagt haben, über ihre Erfahrungen gesprochen. 

Der Weg zum richtigen App-Geschäftsmodell

Neues App-Geschäftsmodell: Trails für iOS.
Neues App-Geschäftsmodell: Trails für iOS.

Viele App-Entwickler kennen die Situation: Ihre App, die als nettes Nebenprojekt – vielleicht während des Studiums oder nach Feierabend – begonnen hat, nimmt langsam, aber sicher, an Fahrt auf. Ein Grund zum Feiern! Mit dem Erfolg der App kommen aber auch erhöhte Aufwände und Kosten auf den Anbieter zu, so dass sich irgendwann die Frage nach dem Geldverdienen stellt. Hier gilt es nun einen schmalen Grat zu überwinden: Denn die bestehenden Nutzer sollen natürlich nicht durch den Wechsel hin zum neuen App-Geschäftsmodell verärgert werden, wie dies etwa den Machern der Banking-App Outbank passiert ist.

iosphere aus Köln hat diese Entwicklung in den letzten Monaten vollzogen. Bereits 2008 hat Gründer Felix Lamouroux die iPhone-App Trails entwickelt, eine Anwendung für Wanderer und Outdoor-Fans, die umfangreiche Offline-Funktionalitäten und Kartenmaterial bietet. Die App wurde für anfänglich für zwei, später für knapp fünf Euro über den App Store angeboten. Den ersten Nutzern folgten Aufträge von Lonely Planet und SchweizTourismus sowie Kooperationen mit anderen Startups. 2010 gründete Lamouroux mit seinem Geschäftspartner Lukas Mollidor eine GmbH, um die diversen Projekte besser betreuen und das eigene Vektor-Karten-Framework weiter entwickeln zu können. Mittlerweile besteht iosphere aus sieben Mitarbeitern. 2014 fiel die Entscheidung zur Runderneuerung von Trails – verbunden mit dem Umstieg auf ein kostenpflichtiges Abo-Modell.

Abo, Bezahl-App oder In-App-Kauf?

t3n.de: Wie sieht die neue Preisstaffelung bei Trails genau aus?

Felix Lamouroux: Das neue Trails gibt es in einer kostenlosen Basis- und einer kostenpflichtigen Pro-Version, die per In-App Kauf verfügbar ist. Bei der Pro-Version haben wir uns für ein Abo-Modell mit begrenzter Laufzeit entschieden. Zur Zeit gibt es nur eine Abo-Option à sechs Monate für insgesamt 1,89 Euro – also etwa 30 Cent pro Monat – die nach einem halben Jahr automatisch ausläuft. Wir wollten die Preisstruktur zum Start vor allem niedrig und simpel halten, das Abo-Modell ist für uns die transparenteste Lösung. In Zukunft werden wir sicherlich noch an der Differenzierung über verschiedene Abo-Längen und dem Niveau drehen, um das für Nutzer und App beste Verhältnis zu finden.

t3n.de: Warum wolltet ihr nicht beim bisherigen Geschäftsmodell, der einfachen Bezahl-App, bleiben?

„Mit nur einer Zahlung beim Kauf können wir unsere laufenden Kosten nicht abbilden.“

Felix Lamouroux: Für den Wechsel zur kostenlosen App mit Abo-Modell sprachen für mich drei Dinge: Erstens, durch Funktionen wie die Offline-Karten entstehen ernstzunehmende laufende Kosten je Nutzer auf dem Server. Mit nur einer Zahlung beim Kauf können diese Kosten nicht richtig abgebildet werden.

Zweitens gibt es im App-Store keine guten Möglichkeiten für bezahlte Updates. Bei vielen Apps fehlt daher der Anreiz, langfristig die Funktionalität zu erweitern oder zu verbessern. Im Abo-Modell dagegen haben auch wir ein Interesse, Nutzer mit neuen Funktionen und Verbesserungen bei der Stange zu halten.

Drittens ist es nun deutlich einfacher, Nutzer über die kostenlose Basis-App mit Trails vertraut zu machen. Früher hätten wir dafür eine separate „Lite App“ anbieten und pflegen müssen. Für Nutzer ist in solchen Fällen aber meist undurchsichtig, wo genau die Unterschiede liegen. Und die Conversion leidet unter dem Erfordernis, die kostenpflichtige App bei Interesse erneut über den App-Store downloaden zu müssen.

t3n.de: Und wann sind klassische Bezahl-Apps oder In-App-Käufe von Vorteil?

Funktioniert auch offline: Die Outdoor-App Trails für iOS. (Screenshot: iosphere)
Funktioniert auch offline: Die Outdoor-App Trails für iOS. (Screenshot: iosphere)

Felix Lamouroux: Das klassische Modell der bezahlten Apps ist mehr und mehr auf dem Rückzug. Es genügt ein Blick auf die Charts der umsatzstärksten Apps im Store, dort finden sich nur noch wenige klassische kostenpflichtige Apps. Kostenpflichtige Apps ohne In-App-Käufe machen vor allem dann Sinn, wenn es eine klar kommunizierbare, zentrale Funktion der App gibt, die sich nicht in verschiedene Komponenten aufgliedern lässt oder wenn es um Apps geht, die keinen langfristigen Nutzen bieten – also Apps, die kurze Zeit Spaß machen müssen.

In-App-Käufe ohne zeitliche Beschränkungen machen vor allem bei Spiel-Inhalten Sinn oder wenn es um einzelne Funktionen geht. So kann man einzelne Funktionen oder Funktionspakete freischalten. Bei Funktionspaketen kann dann aber schnell beim Nutzer die Erwartung geweckt werden, dass auch zukünftige neue Funktionen kostenlos im Paket enthalten sein sollten – dieses Problem umgehen wir mit dem Abo-Modell.

Was bleibt umsonst, was wird Premium-Content?

t3n.de: Welche Funktionen sind hinter die Paywall verlagert worden, welche bleiben umsonst – und warum?

„Alles, was das virale Marketing unterstützt, bleibt kostenlos.“

Felix Lamouroux: Wir haben vor allem die Funktionen in das Abo-Paket verlagert, die mit laufenden Kosten verbundenen sind: die Offline- und Topo-Karten. Dazu haben wir uns entschieden, ein paar weitere Profi-Funktionen ebenfalls zum Abo-Paket hinzufügen, um den Wert des „Pro-Abos“ zu erhöhen. Allerdings war unser oberstes Ziel, dass die Nutzer auch ohne das Upgrade eine interessante und funktionsreiche App nutzen können. Zudem haben wir alle Funktionen, die beim viralen Marketing helfen können, kostenlos gelassen: So sind etwa das Versenden von Aufzeichnungen und das Teilen auf Twitter oder Facebook in der Basis-Version verfügbar. Auch Funktionen, die die Vermarktungs-Chancen durch Apple erhöhen, wie etwa die HealthKit-Integration, sollten kostenlos bleiben.

t3n.de: Wie gestaltet man den Übergang für seine Nutzer, wenn man auf ein kostenpflichtiges Abo umstellt? Habt ihr Erfahrungswerte, die ihr teilen könnt?

Felix Lamouroux: Wir haben uns entschlossen, die neue Version als neue App und nicht als Update zur alten Version anzubieten. Das erlaubt es Nutzern, die für die alte App gezahlt haben, diese wie gewohnt weiter zu nutzen. Nutzer, die die neue App testen wollen, können die Daten aus dem alten Trails einfach übernehmen und so die Vorteile selbst beurteilen. Die alte App wird allerdings nicht weiter gepflegt werden.

Wechsel beim App-Geschäftsmodell: Transparenz für die Nutzer

Felix Lamouroux von iosphere hat den Sprung auf ein neues App-Geschäftsmodell gewagt. (Foto: Felix Lamouroux)
Felix Lamouroux von iosphere hat den Sprung auf ein neues App-Geschäftsmodell gewagt. (Foto: Felix Lamouroux)

t3n.de: Welches Feedback habt ihr von den Nutzern bekommen?

„Wenn von Gier und Abzocke die Rede ist, schmerzt das.“

Felix Lamouroux: Wir haben viel positiven Zuspruch von langjährigen Nutzern erhalten, die begeistert sind, dass die sechs Jahre alte App mit neuem Leben erfüllt wird. Wie zu erwarten war, mischen sich darunter auch Beschwerden über das neue Abo-Modell. Wenn von Gier und Abzocke die Rede ist schmerzt das natürlich, insbesondere da wir uns für ein sehr transparentes Abo-Modell entschieden haben, ohne automatische Folgekosten. Viele Nutzer verstehen leider nicht, welche Aufwände in der Entwicklung, Pflege und dem Unterhalt der Server stecken. Mit diesen negativen Rezensionen werden wir wohl noch etwas leben müssen. Insgesamt überwiegen aber die positiven Rückmeldungen und es gibt keine inhaltliche Kritik an der neuen App. Das motiviert uns sehr.

t3n.de: Seht ihr einen Einfluss auf Nutzer- bzw. Download-Zahlen?

Felix Lamouroux: Wir hatten das Glück, dass Apple uns bereits in der dritten Woche mit einem großen Banner auf der App-Store-Hauptseite in Deutschland, Österreich und der Schweiz beworben hat. Auch in den USA und vielen anderen Ländern werden wir im Bereich Sport durch Apple beworben. Das ist für uns natürlich eine Ehre und hat die Download-Zahlen extrem stark beeinflusst. Auch die kostenlose App hat die Nutzerzahlen stark steigen lassen. Wir sind mit der neuen Version ja sozusagen von Null gestartet, da diese als neue App im Store ist. Wir müssen die Nutzer also erst einmal zum Wechsel motivieren.

t3n.de: Auf welche Marketing-Strategien setzt ihr sonst noch?

„Wir haben gezielt auf die Vermarktung durch Apple hingearbeitet.“

Felix Lamouroux: Die Werbung durch Apple war natürlich ein großer Glücksfall für uns. Allerdings haben wir auch gezielt darauf hin gearbeitet, indem wir alle für uns sinnvoll nutzbaren neuen Funktionen in iOS8 unterstützen: Widgets, Continuity mit dem Mac, Health Kit. Das war sicherlich das wichtigste Element.

Die ersten Wochen des Starts haben wir zusätzlich mit Pressearbeit und Werbung auf Facebook begleitet. Da wir mit iOS 8 gestartet sind, ist das neue Trails für die meisten Outdoor-Fans zur Nebensaison auf den Markt gekommen. Daher warten wir mit weiteren Marketing-Maßnahmen jetzt bis zum Frühjahr – dann werden wir wahrscheinlich vor allem auf eng abgesteckte Facebook-Werbung zurückgreifen.

Finde einen Job, den du liebst zum Thema iOS, Android

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen