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Warum Apple all die guten Apps bekommt

kontrolliert seine Software und , so gut es geht. Gegen Konkurrenten geht man mit aller Härte vor – besonders auf dem mobilen Markt. Und auch wenn der US-Konzern keine Programme für die Geräte der Wettbewerber bereitstellt, entwickeln diese – allen voran Google, Amazon und Microsoft – viele ihrer auch für die iOS-Plattform. Doch warum ist das eigentlich so?

Warum Apple all die guten Apps bekommt
Ab sofort ist der App-Umtausch auch bei Apple möglich,
(Foto: Rob Boudon / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Wer ein iPhone oder iPad kauft, bekommt mobile Apps und Dienste wie Siri, iMessage, iWork, iPhoto und FaceTime direkt von Apple. All diese Programme gibt es für keine Produkte der Konkurrenz. Von denen sind dafür jede Menge Apps auch auf den Tablets und Smartphones von Apple erhältlich.

Wer also ein Apple-Gerät besitzt und Programme der Konkurrenz bevorzugt, muss deswegen nicht zu Android oder Windows Phone wechseln. iPhone- und iPad-Nutzer können direkt von ihren Geräten auf die wichtigsten Apps der konkurrierenden Plattformen zugreifen. Andersrum sieht es jedoch ganz anders aus. Wer ein Smartphone oder Tablet von Samsung, HTC, Nokia und all den anderen Firmen besitzt, muss auf die Programme von Apple verzichten.

Das ist für Apple natürlich von großem Vorteil. Doch woher kommt dieses Ungleichgewicht? Grund sind unter anderem die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der großen Rivalen. Google, Microsoft und Amazon sind in erster Linie Softwarefirmen, die bestimmte Dienste anbieten. Zwar stellen sie auch ein wenig Hardware her (Google zum Beispiel durch seine Tochterfirma Motorola Mobility). Doch Apple – bekannt für seine gute Software – verkauft seine Programme fast ausschließlich über die eigene, teure Hardware. Damit erzielt das Unternehmen einen Großteil seiner Gewinne.

Samsung-Fernseher lässt sich mit iPhone bedienen

Auch wenn Android-Smartphones am beliebtesten sind: Apple hat bisher mehr als 400 Millionen iOS-Geräte verkauft. Der Apple-Markt ist einfach zu groß, um ihn zu ignorieren – sogar für die direkten Konkurrenten.

Wer ein Apple-Gerät besitzt, kann offizielle Google-Apps wie Google Maps, Google Search, Gmail, den Browser Chrome , Google Drive und mehr nutzen. iOS-Nutzer können sich von Microsoft entwickelte Programme wie die Bing-Suche, den Cloud-Speicherdienst SkyDrive, die Aufzeichnungs-App OneNote und viele mehr herunterladen. Und natürlich gibt es auch die wichtigsten Amazon-Apps für Apple-Nutzer.

Ein paar Beispiele: Wer auf dem iPad oder iPhone digitale Bücher lesen will, der kann entweder Apples iBooks-App verwenden, die offizielle Kindle-App benutzen oder auf die offizielle Google Play Books-App zurückgreifen – um nur einige zu nennen. Wer sich gerne mit seinem Smartphone unterhält, der kann entweder Apples eigenen intelligenten Assistenten Siri fragen oder die sprachgesteuerte Google-Suche verwenden. Weder die eine noch die andere Kombination lässt sich auf anderen Geräten finden – denn Apple gibt seine Apps nicht weiter.

Sogar Samsung, Apples größter Konkurrent was Hardware betrifft, hat bereits einer Handvoll an Apps für iPhone und iPad herausgebracht. Dazu gehört ein Programm, mit dem sich die Geräte in Fernbedienungen verwandeln. Richtig gelesen: Man kann mit seinem iPhone einen Fernseher von Samsung bedienen – mit freundlicher Unterstützung von Samsung.

Wenn man Google Maps unter iOS mit der Android-Version vergleicht, dann kommt die Kartenlösung bei Apple deutlich schlanker und moderner daher.

Ein Ende des Nachschubs durch die Rivalen von Apple ist nicht in Sicht. So hat Google gerade eine iOS-Version von Field Trip herausgebracht, die standortbezogen interessante Plätze hervorhebt. Und Microsoft veröffentlichte kürzlich eine iOS-Variante seiner SmartGlass-App, mit der mobile Geräte mit der Spielekonsole Xbox verbunden werden können.

Und ich schreibe hier bisher nur von offiziellen Apps. Es gibt natürlich auch noch eine Menge Programme anderer Hersteller, die Funktionen der rivalisierenden Plattformen nachahmen oder auf andere Weise für iOS bereitstellen. Auch habe ich mich bisher nur auf tatsächliche Apps bezogen und nicht auf Dienste, die per Browser auf mobilen Geräten verfügbar sind.

iTunes und Safari auch auf dem PC

Die Frage lautet also: Warum helfen Apples Rivalen dem Konkurrenten dabei, iPhones und iPads besser zu machen, wenn dieser sich dafür gar nicht revanchiert?

Google sagt: „Wir wollen unsere Produkte für so viele Menschen wie möglich verfügbar machen. Unser Ziel ist, die beste Google-Erfahrung über verschiedene Plattformen und Geräte anzubieten." Amazon erklärt, es verfahre schon länger nach der öffentlichen Politik mit Namen: „Buy Once, Enjoy Everywhere". Dahinter steckt der Wunsch, den Einkauf von digitalen und physischen Inhalten auf jeglicher Hardware so einfach wie möglich zu gestalten – nicht nur auf den firmeneigenen Kindle-Geräten.

Microsoft betont, dass es die eigene Software für die „erste und beste" Lösung für Windows Smartphones und Windows-8-Tablets hält und sagt: „Wir stellen unseren Kunden eine qualitativ hochwertige Nutzererfahrung auf zahlreichen Geräten zur Verfügung."

Apple hat bereits vor Jahren sein Medienverwaltungsprogramm iTunes und den Internetbrowser Safari auch auf Windows PCs herausgebracht. Zur restriktiven Politik, selbst entwickelte Apps nur auf den eigenen Geräten zur Verfügung zu stellen, wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Doch natürlich gibt es einige große Einschränkungen: Wer in einer Google- oder Microsoft-Welt leben will, also mit einem einzigen Log-In alle Dienste und Apps dieser Unternehmen nutzen will, der wird mit einem Apple-Gerät sicher nicht glücklich. Bestimmte Programme von Google und Microsoft sind auch gar nicht für iOS erhältlich. Zum Beispiel gibt es die offizielle Smartphone-Version von Microsoft Office nur für Windows Phone – allerdings gibt es schon länger Gerüchte über eine iOS-Variante. Auch die Künstliche-Intelligenz-App Google Now und die Bezahllösung Google Wallet sind bisher nicht auf Apple-Geräten verfügbar. Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Gründe, warum Smartphone-Käufer statt zu Apple lieber zu Android- oder Windows-Hardware greifen könnten: zum Beispiel die Nutzeroberfläche und die größere Auswahl an Alternativen.

Noch eine Einschränkung: Sowohl Microsoft also auch Amazon bieten eine Reihe von Apps für Smartphones und Tablets an, auf denen Googles mobiles Betriebssystem Android zum Einsatz kommt. Und trotzdem gibt es Momente, da Apple vorne liegt. Die Video-Streaming-App von Amazon gibt es zum Beispiel nur für iOS-Geräte. Android-Nutzer haben das Nachsehen. Und noch einmal: Wer Android nutzt, muss ohne Apple-Apps auskommen.

Eigentümer von Windows-Smartphones haben in vielerlei Hinsicht noch das Nachsehen. Für sie stehen die wenigsten Programme von anderen Anbietern zur Verfügung: nur eine App von Google und drei von Amazon. Zum Vergleich: Wer im App Store von Apple auf die Suche geht, der findet ein Dutzend und mehr Programme der anderen Konkurrenten. Nutzer von Amazons Kindle-Fire-Tablets kommen ebenfalls nicht in den Genuss eines Angebots, über das iPhone- und iPad-Besitzer verfügen.

Was bedeutet das also für den Anwender? Die große Unterstützung der iOS-Plattform mag nicht jeden vom Kauf eines iPhones oder iPads überzeugen. Doch wer sich dafür entscheidet, der kann sich auf einige Schlüssel-Apps der Konkurrenz freuen.

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Von Walter S. Mossberg

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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4 Antworten
  1. von laskuso am 22.03.2013 (09:47 Uhr)

    Herrlich. Die dreifache Weiterverwendung eines Textes. Vom englischen WSJ zu All Things D, weiter zum deutschen WSJ und jetzt auch bei t3n. :-)

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  2. von Pooly am 23.03.2013 (07:18 Uhr)

    Ich bin kein Entwickler oder dergleichen aber kann es nicht sein, dass es für Programmierer einfacher ist auf iOS zu entwickeln, da es nicht so viele unterschiedliche Gerätetypen gibt (Displaygröße etc.)?

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  3. von Simon am 25.03.2013 (23:42 Uhr)

    Ich würde auch keine Apps für Windows Phone entwickeln, da die App nicht alle kaufen können, weil Microsoft es bis heute nicht geschafft hat Prepaidkarten auf den Markt zu bringen.
    Sie könnten ja einfach diese dämlichen XBOX Punkte abschaffen und stattdessen echtes Geld aufs Konto gutschreiben.
    An der Xbox nervt mich das Umrechnen von Punkte zu Euro auch schon.

    Es gibt wirklich auch Leute, die noch nicht 18 sind und keine Kreditkarte besitzen (ICH). Man könnte einfach wie bei Steam Paysafekarten akzeptieren.
    Und ich bin mir sicher, dass eher Jugendliche unnötig Geld für Apps ausgeben, als Leute mit Job, die beim Kauf nachdenken.

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  4. von willwach am 26.03.2013 (09:16 Uhr)

    Netter Artikel. Von T3N hätte ich auch nichts anderes erwartet.
    Sorry, aber seid doch mal ein wenig kritischer.
    Denkt doch bitte mal darüber nach, eure Redaktion ein wenig heterogener zu gestalten und nicht nur Apple-Nutzer einzustellen.

    Was macht eine "bessere" App denn aus? Bedienung, Layout, Geschwindigkeit, Nutzen, etc...?
    Bestimmte Apps gibt es nur auf dem IPhone, weil sich die Zielgruppe der App nie, oder nur selten, ein Gerät mit weniger "Status-Symbol"-Wert kaufen würde.

    Alles was die Masse interessiert gibt es dann halt auf beidem. Und wo die App nun besser umgesetzt ist, ist gewohnheitsabhängig.
    Ich empfinde die Nutzung eines IPhone/IPod als wesentlich weniger intuitiv als die eines Android-Geräts.

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