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Software & Infrastruktur

Apple löscht iCloud-Mails ohne Warnung

    Apple löscht iCloud-Mails ohne Warnung
Laut McKinsey nutzen bald 80 Prozent aller amerikanischen Unternehmen die Cloud. (Bild: Apple)

Kleiner Mann gegen großes Unternehmen – solche Geschichten liebt die Welt. Und wenn dieses große Unternehmen dann auch noch Apple heißt, und von dem Problem nicht nur eine Person, sondern viele betroffen sein könnten, dann ist der Coup perfekt. Dann hat das Netz einen neuen Skandal.

Darum ist es wenig verwunderlich, dass aktuell der Fall eines anonymen Drehbuchautors für Aufregung sorgt. Wie die Seite Infoworld.com schreibt, wollte dieser eine Rohfassung seines Skripts per PDF-Datei an einen Regisseur schicken. Dafür nutzte er den Apple-Dienst iCloud (ehemals MobileMe), bei dem er über einen Account verfügt. Doch egal wie oft er die E-Mail versendete, sie kam nie beim Gmail-Konto des Regisseurs an. Andere Dokumente ließen sich hingegen ohne Probleme verschicken.

Weil er nicht weiterwusste, wandte sich der Autor an Steven G. Der ist Entwickler einer Software zum Schreiben von Drehbüchern, die das PDF generiert hatte. Der Programmierer versuchte zunächst, das Problem zu reproduzieren. Tatsächlich gelang es ihm, das Dokument erfolgreich nicht zu versenden. Es wurde von Apples Servern offensichtlich nicht akzeptiert. „Die E-Mail kam niemals an. Und wir erhielten auch keine Nachricht darüber, dass sie nicht zugestellt werden konnte“, schrieb Steven.

Also experimentierte er weiter, und stieß schließlich durch Zufall auf einen bestimmten Abschnitt im Drehbuch. Darin wird beschrieben, dass sich ein Charakter Werbung für eine Porno-Website auf seinem Computer ansieht. Nachdem Steven diese Stelle verändert hatte, wurde die E-Mail ohne Probleme zugestellt.

Apple hatte also das Dokument gescannt und anhand der Porno-Begriffskombination „barely legal teens“ entschieden, die E-Mail ohne Hinweis zu löschen. Um seinen Verdacht zu bestätigen, erstellte Steven weitere Nachrichten. Mal mit Dokument, mal ohne. Immer jedoch mit den oben genannten Begriffen – und häufig nicht einmal in einem pornographischen Zusammenhang. Jedes Mal war das Ergebnis das gleiche: Die E-Mails kamen nie an.

Durchleuchtet Apple E-Mails? Ja – schreibt der Konzern selbst auf seiner Internetseite: „Zur Verringerung von Spam verwendet iCloud Mechanismen wie Trendanalysen, dynamische Listen und Inhaltsfilter, um automatisch Spam-E-Mails zu erkennen und zu blockieren, ehe sie Ihren Posteingang erreichen.“

In den Nutzungsbedingungen von iCloud heißt es darüber hinaus:

„Apple behält sich [...] das Recht vor, jederzeit zu überprüfen, ob Inhalte angemessen sind [...], und kann ohne vorherige Ankündigung und in seinem alleinigen Ermessen Inhalte jederzeit vorab sichten, verschieben, ablehnen, modifizieren und/oder entfernen, wenn diese Inhalte [...] Vereinbarung verletzen oder in sonstiger Weise anstößig sind.“

Und „barely legal teens“ scheinen in den Augen von Apple tatsächlich anstößig zu sein. Gegenüber dem Wall Street Journal Deutschland erklärte das Unternehmen, dass es manchmal vorkomme, dass der Spam-Filter rechtmäßige E-Mails abfange. Und weiter: „Sollte ein Kunde der Ansicht sein, dass eine Nachricht fälschlicherweise blockiert wurde, so bitten wir ihn, sich an den Kundendienst von Apple zu wenden.“

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von Jörgen Camrath

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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1 Reaktionen
goran
goran

".. ehe sie Ihren Posteingang erreichen..."
Aber das klingt mir doch nach einem ganz normalen Spam-Filter beim Adressaten.
Aber hier ist doch die Rede von einer Art Zensur beim Absender?
Und die Leute haben auch ausgeschlossen, dass es nicht der Google-Spam-Filter war?

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