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Wo bleibt eigentlich Apple TV? Darum hat Cupertino schon wieder keine TV-Lösung präsentiert [Kolumne]

Wo bleibt eigentlich Apple TV? Darum hat Cupertino schon wieder keine TV-Lösung präsentiert [Kolumne]

Neue iPads, neue iMacs, neues Betriebssystem: hat vor allem Produktverbesserungen vorgestellt und wenig Neues gezeigt. Was ist eigentlich mit der Zukunft von Apple TV? Die von Luca Caracciolo.

Wo bleibt eigentlich Apple TV? Darum hat Cupertino schon wieder keine TV-Lösung präsentiert [Kolumne]

Am Ende wollen TV-Zuschauer meist einfach nur Fernsehen schauen. Und Apple weiß da…

Apple TV: Kommt da noch was? Und wenn ja, wann?

Apple TV: Kommt da noch was? (Grafik: Apple)
Apple TV: Kommt da noch was? (Grafik: Apple)

Die Tech-Branche fragt sich noch immer, welche Strategie Apple eigentlich in Bezug auf unsere heimischen Wohnzimmer verfolgt. Da gibt es diese kleine, formschöne Kiste namens Apple TV. Die funktioniert, verrichtet brav ihren Dienst und verkauft sich recht ordentlich. Und da gibt es die Welt der Smart TVs, die in Sachen User-Interface und User-Experience eine einzige Katastrophe sind. Internet und Fernsehen. Da geht doch noch was, oder?

Die einfachste Lösung für Apple wäre es, die Ansätze von Amazon und Google zu kopieren. Amazon hat mit dem Fire TV und Google erst kürzlich mit dem Nexus Player ein relativ einfaches Konzept umgesetzt: Kleine Kiste, günstiger Preis, Anbindung an Google Play, Game-Controller, fertig. Apple hätte das vor Jahren tun können: mit Flash-Speicher ausstatten, Anbindung an den App Store, einen Game-Controller beilegen, fertig ist Apples TV-Strategie.

„Die Komponenten sind schon da, sie müssen nur verknüpft werden.“

Was hindert den Konzern also daran? Eine solche Form des Apple TVs wirkt doch so naheliegend: Die Komponenten sind schon da, sie müssen nur verknüpft werden. Ist Apple das Wohnzimmer also egal? Das glaube ich nicht, sonst hätten sie Apple TV doch nie auf den Markt geschmissen. Die Begründung ist eine andere. Apple wartet ab. Noch immer. Denn wie sich die Tech-Industrie in das Wohnzimmer der Konsumenten schleichen soll, gehört auch heute noch zu ihren großen, ungelösten Herausforderungen: Viele, im Grunde genommen alle bisherigen, Ansätze sind gescheitert. Kein Wunder, dass man in Cupertino nichts überstürzen will.

Das Wohnzimmer, die ewige Herausforderung der Tech-Branche

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Das Wohnzimmer ist ein Wohlfühl-Raum. Hier will man sich nicht mit unausgereiften Technologien herumschlagen. (Foto: © StudioThreeDots – iStock.com)

Die größte Herausforderung beim Thema Smart TV ist es noch immer, den Raum zwischen Screen und Nutzer sinnvoll zu füllen, soll heißen: Bei einem Desktop-Computer sitzt der Nutzer direkt vor dem Schirm und verfolgt in der Regel einen bestimmten Zweck. Das gilt ebenso für Laptops, Smartphones und Tablets. Zu dieser Situation passende User-Interfaces lassen sich entwickeln. Die „direkte“ Verbindung zwischen Nutzer und Screen gibt es beim Fernseher aber nicht. In der Regel sitzen Fernsehzuschauer auf dem Sofa und haben einige Meter Abstand zwischen Screen und sich selbst. Sender umschalten mit einer Fernbedienung ist deshalb die einzige Interaktion, die den TV-Konsumenten derzeit zumutbar ist – alle bisherigen Smart-TV-Lösungen, die das ignorieren, machen aus dem TV-Genuss einen Krampf.

Um TV-Zuschauer zu überzeugen, muss die Technologie perfekt sein

„Das Bedürfnis, in einem Wohlfühl-Raum die neueste Technologie zu haben, ist extrem gering.“

Apple wartet also ab, noch immer. Zu Bedenken gilt es ja auch, dass der Konzern seine Kreativkraft in den vergangenen zwei Jahren vermutlich komplett in die Entwicklung der Apple-Watch gesteckt hat. Für den Apple-Fernseher wäre es ohnehin noch zu früh: Sprach- und Gestensteuerung, die naheliegendsten Steuerungstechnologien für Fernsehzuschauer, sind technisch noch nicht ausgereift genug – und damit geradezu prädestiniert dafür, im heimischen Gebrauch durchzufallen. Denn das Wohnzimmer ist ein Wohlfühl-Raum – wenn hier etwas nicht funktioniert, dann wird halt das „Alte“ benutzt. Was aus Sicht der meisten Konsumenten auch überhaupt nicht schlimm ist. Das Bedürfnis, in einem Wohlfühl-Raum die neueste Technologie haben zu wollen, ist extrem gering. Am Ende wollen TV-Zuschauer meist einfach nur Fernsehen schauen.

Und Apple weiß das genau. Deshalb konzentriert sich das Unternehmen derzeit auf seine Erfolgsgeräte – was ja bei Apples Verkaufsmargen keine so ganz schlechte Strategie ist. Eine TV-Lösung wird Apple erst dann präsentieren, wenn sie die perfekte Lösung für das Dilemma zwischen Internet und Fernseher gefunden haben.

Die Content-Branche bewegt sich

In Sachen Content hingegen, lange Zeit als das eigentliche Problem des vernetzten Fernsehers angesehen, gibt es schon jetzt erste Hoffnungsschimmer: In die Content-Branche kommt Bewegung. So hat etwa HBO erst kürzlich angekündigt, den Dienst HBO Go ab dem kommenden Jahr weltweit anzubieten – und zwar ohne den Zwang, einen Kabelanschluss in den USA haben zu müssen.

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Am Content muss gearbeitet werden – erste Hoffnungsschimmer gibt es bereits. (Grafik: Apple)

Vielleicht ist das genau das richtige Signal. Denn wenn das Content-Problem gelöst ist, und das dürfte nun nur noch eine Frage der Zeit sein, und die Inhalte zunehmend aus dem Netz kommen, dann braucht es auch einen Fernseher, der den Content abspielt und gut navigierbar macht.

„Apple wird kein einfaches AddOn auf den Markt schmeißen.“

Ob es dafür allerdings einen Fernseher mit iOS braucht, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht bleibt es am Ende eine schlanke TV-Lösung, die via iPhone und mit Inhalten versorgt wird. Vielleicht wird es auch mehr als das. Aber Apple wird kein einfaches Apple-TV-AddOn wie Amazon oder Google auf den Markt schmeißen. Denn gewonnen ist damit am Ende rein gar nichts. Schon gar nicht für Apple, die mit Content-Verkauf ja ohnehin nicht das eigentliche Geld verdienen.

Und seien wir mal ehrlich: iOS-Games auf dem Fernseher – brauchen wir das wirklich?

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6 Antworten
  1. von manuel_a am 17.10.2014 (14:03 Uhr)

    Die Inhalte sind doch bereits da. Netflix gibt es nun auch in Europa, da wird Apple nicht auf HBO warten (zumal Apple ja eh eher wert auf den US-amerikanischen Markt legt). Am Inhalt dürfte es daher nicht scheitern.

    Und warum soll jemand keine Spiele auf einem TV spielen wollen? Mit einem Gamepad wie z.B. beim Nexus Player kann ich mir das recht gut vorstellen.

    Die "schlanke Lösung" erinnnert mich dann doch etwas an den Chromecast.

    Zudem denke ich sehr wohl, dass Apple schauen wird, dass man auch iTunes-Inhalte wie Filme und Musik, auf einem Apple TV abspielen und kaufen kann. Damit haben sie bisher gut dran verdient und das werden sie sicherlich auch dort ausbauen, zu mal ja der TV das Gerät ist, an dem man sich die iTunes-Filme anschaut.

    Was vom Artikel übrig bleiben dürfte, sind die Anmerkungen, dass Apple zu stark mit der Watch beschäftigt war und für sich noch keine perfekte Bedienung gefunden hat.

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  2. von ecki am 17.10.2014 (14:26 Uhr)

    Inhalte von Itunes lassen sich doch bereits seit der ersten Generation von Apple TV abspielen, das ist doch (neben bildschirmspiegelung) der eigentliche sinn der Sache- kam auch ungefähr zeitgleich zum start des film- verleih services...

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  3. von David am 17.10.2014 (16:12 Uhr)

    Ich verstehe den Artikel nicht. Apple TV bietet derzeit genug Content in den USA.

    iTunes bietet neue Filme und Serien. Die gekauften Filme findet man alle in der iCloud, die auch abrufbar sind. Für Musik gibt es iTunes (Match) sowie iTunes Radio, Beats Music und Vevo.

    Neben den SVOD-Diensten wie Netflix und Hulu Plus ist so gut wie jeder wichtige US-Fernsehsender auf der Apple TV vertreten: HBO. Showtime, ABC, Fox, ESPN, FX, History Channel, A&E, CNBC, Lifetime, PBS und einige Disney Sender für Kinder.

    Dann gibt's noch die Videodienste YouTube, Vimeo, Yahoo Screen, AOL. Ebenfalls gibt es Livestreams für Sportinteressierte: NBA, NFL, NHL und andere.

    Über Airplay kann man alle Videoinhalte von iOS und OS X Devices auf der Apple TV abspielen.

    In den USA ist das "Content-Problem" gelöst. Für mich würde das jedenfalls mehr als reichen.

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  4. von Netz TV am 18.10.2014 (11:36 Uhr)

    Sieht eher so aus als hätte Apple das Rennen aufgegeben. Ich sehe derzeit aus dem Apple-Universum keine konkurrenzfähige Lösung. Amazon und einige TV- Hersteller (zum Beispiel LG mit ihrem WebOS ) sind da mit ihren Konzepten laengst technisch zu weit voraus. Die einzige Möglichkeit wäre ein richtiges TV- Gerät. Dafür bekommt Apple von der Konkurrenz aber kaum die besten Bildschirme- die bauen die lieber in eigene Geräte. Das Rennen ist gelaufen. Apple ist raus- genau wie Google.

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  5. von Pry am 18.10.2014 (20:23 Uhr)

    Habe den Artikel gelesen und mußte echt schmunzeln.

    Apple ist wahrscheinlich der einzige Konzern, der in der Presse und von Nutzern sogar für das nicht-anbieten einer Lösung/eines Produkts gelobt wird...

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  6. von Manuel am 18.10.2014 (22:24 Uhr)

    Ja da geht noch einiges. Da müsste einfach mal ein dicker Knüller kommen der einschlägt. Mal sehen was Apple hier noch zeigen wird.

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