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Warum Apple Twitter kaufen muss

hat mit dem und dem quasi im Alleingang die Hardware-Basis für die Digitalisierung unserer Alltagswelt geschaffen. Was auf der einen Seite aber ein kaum angreifbarer USP für das Unternehmen darstellt – die unvergleichliche Hardware-Expertise – macht auch gleichzeitig die größte Schwäche des Konzerns aus: Das Fehlen einer ebensolchen Expertise im Bereich moderner Web-Dienste. In diesem Zusammenhang wäre die Akquisition von Twitter strategisch äußerst klug.

Warum Apple Twitter kaufen muss

Wenn es um fundamental wichtige Web-Services geht, ist Apple eher schlecht aufgestellt. Der letzte Ausflug in die Welt der Social Networks ist mit Ping beispielsweise mehr als schief gelaufen. Die anderen großen Player im Web – Amazon, Facebook und Google – haben diesbezüglich ganz andere Trümpfe im Ärmel: Sie sind nicht so abhängig von Hardware-Lösungen wie Apple und in grundlegenden Kernbereichen des Netzes führend. Ein genauerer Blick in diese Kernbereiche verdeutlicht Apples Problem.

Facebook, Amazon und Google mit fundamental wichtigen Web-Diensten

Wer im Web einkaufen will, geht zu Amazon. Der gigantische Versandhändler steht bei vielen Menschen mittlerweile synonym für das Shoppen im Web. Selbst die kürzlich aufkommende Kritik an den Konzern dürfte daran wenig ändern. Aber mehr noch: für viele Nutzer fungiert Amazon mittlerweile als Suchmaschine für Einkaufsprodukte – ein Umstand, der vor allem Google tangieren könnte. Mit den kürzlich eingeführten Amazon Web Stores bietet das Unternehmen sogar Online-Shop-Betreibern an, ihren Shop mit Hilfe von Amazon Services zu betreiben.

Informationen suchen, ordnen, verwalten – all das kann der Internetnutzer nicht erst seit heute mit den Google Web-Services. Dabei kann er auf eine Vielzahl von Diensten wie Mail, Kalendar, Maps, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Dateiverwaltung zurückgreifen. Wer im Netz oder in der physischen Welt etwas sucht, trifft also auf und nutzt meist unweigerlich Google. Mit Technologien wie dem Knowledge Graph oder Google Now verbessert der Konzern aus Mountain View seine Informationsaufbereitung zunehmend und verpasst ihr zunehmend eine semantische Logik.

Google mit seinen umfassenden Web-Services für die Zukunft gut gerüstet
Google mit seinen umfassenden Web-Services für die Zukunft gut gerüstet

Facebook hat dem nüchternen, mathematisch anmutenden Netz, das von Google algorithmisch geordnet wird, einen sozialen Layer verpasst. Informationen im Netz erhalten seit dem Aufstieg der sozialen Netzwerke eine menschliche Note. Wer sich mit anderen austauschen möchte, der macht das zuerst bei Facebook. Über Text, per Fotos, verstärkt auch per Video. Wirkliche Konkurrenz hat der blaue Riese im Keim erstickt – und sich Instagram frühzeitig einverleibt. Mit der Ankündigung von Graph Search geht das soziale Netzwerk nun einen Schritt weiter und ordnet die Unmengen an Daten, die der Konzern mittlerweile von seinen Nutzern hat, und macht sie erstmals vernünftig durchsuchbar.

Internet-Nutzer treffen im Netz also unweigerlich auf Amazon, Facebook oder Google. Alle drei Unternehmen haben es verstanden, sich stetig weiterzuentwickeln und neuen Bedingungen anzupassen. Bestrebungen, eigene zu bauen, soll die jeweiligen Ökosysteme kontrollierbarer und besser monetarisierbar machen – aber signifikanter Gewinn wird mit dem Hardware-Verkauf bei den drei Web-Konzernen nicht generiert. Viel wichtiger jedoch ist, dass Google, Amazon und Facebook mit ihren Diensten plattformübergreifend zugänglich sind – auch und gerade auf dem iPhone. Apple hingegen fehlt nicht nur solch ein fundamental wichtiger Web-Dienst, die eigenen Software-Produkte des Unternehmens sind auch nur auf Apple-eigenen Plattformen verwendbar. Sich aber in Zukunft weiter auf die Produktion von Hardware zu konzentrieren, und Software nur deshalb zu entwickeln und zu vertreiben, um möglichst viele Apple-Geräte zu verkaufen, könnte sich als fatal herausstellen. Denn: Hardware wird immer unwichtiger.

Software wichtiger als Hardware: Dienste rücken in den Mittelpunkt

Die Technologie-Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass Hardware immer unwichtiger wird. Das mag zwar vor dem Hintergrund des unglaublichen Erfolgs eines iPhone absurd erscheinen, aber je mobiler, leichter Hardware wird, desto unwichtiger wirkt und wird sie. Im Idealfall ist sie kaum spürbar, wird am Körper getragen und unterscheidet sich nur noch marginal voneinander. Google Glasses oder Apple Glasses, Chips, die am Körper getragen werden – welche Rolle spielen da die Unterschiede?

Hardware wird immer unwichtiger: Google-Gründer Sergey Brin mit der Google-Brille
Hardware wird immer unwichtiger: Google-Gründer Sergey Brin mit der Google-Brille

Zwar hat Apple wie kein anderes Tech-Unternehmen bewiesen, das die perfekte Symbiose aus Hardware und Software vor allem im Mobile-Bereich fundamental wichtig ist, um die bestmögliche Nutzererfahrung zu erreichen. Aber Google zeigt, dass schöne und gut funktionierende Applikationen beispielsweise sowohl auf Android als auch auf fremden Systemen wie eben iOS möglich sind. Oder wie es Patrick B. Gibson in Anlehnung an Tom Dale so schön formuliert hat: „Apple’s biggest problem: Google is getting better at design faster than Apple is getting better at web services.“

Gut funktionierende und perfekt auf den User angepasste Web-Dienste rücken zunehmend in den Vordergrund – und in diesem Bereich steht Apple auf keinem guten Ast. Das Unternehmen braucht perspektivisch dringend einen eigenen fundamental wichtigen und für Nutzer essenziellen Web-Dienst, auf den Nutzer auch außerhalb des Apples-Universum stoßen. Apple muss sich öffnen, um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein. Ein erster Schritt in diese Richtung könnte der Kauf von Twitter sein.

Apple sollte Twitter kaufen

Mit der Akquisition von Twitter könnte der Konzern gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nicht nur, dass sie einen der aktuell wichtigsten Web-Dienste besitzen würden. Sie kämen auch in den Genuss von unschätzbarem Know-How in Sachen moderner Entwicklungsarchitektur eines millionenfach genutzten sozialen Web-Dienstes. Und diesbezüglich hat Apple starken Nachholbedarf. Beispielhaft seien nur das äußerst schlecht umgesetzte Game Center unter iOS sowie die veraltete Framework-Technologie (WebObjects), die iTunes und den App Store antreibt, genannt. Ganz zu schweigen von den Problemen, die iCloud für Nutzer und Entwickler tagtäglich verursacht.

Apple-CEO Tim Cook sollte den Kauf von Twitter in Erwähnung ziehen.
Apple-CEO Tim Cook sollte den Kauf von Twitter in Erwähnung ziehen.

Zudem könnte Apple die aktuell mehr als fragwürdige Entwicklung von Twitter als Media Company bremsen und aus dem Dienst das machen, was es ursprünglich groß gemacht hat: Twitter als Plattform, als Infrastruktur für eine Vielzahl von Diensten. Ohne den finanziellen Druck könnte Twitter als sozialer Mikroblogging-Dienst in der Tat noch viel stärker das Web „durchziehen“ und sich unverzichtbar machen. So vieles ist auf Basis von Twitter denkbar und machbar, von Payment- bis hin zu Chat- und Nachrichten-Diensten. Ohne finanzstarken Mutterkonzern wird Twitter aber dazu verdammt sein, Geld verdienen zu müssen. Und dieser Druck wirkt sich bekanntlich auf die zukünftig eher fragwürdige Unternehmensstrategie des Dienstes aus.

Wenn Apple in der Vergangenheit eines bewiesen hat, dann die Wichtigkeit für ein Unternehmen, stets den Willen und auch die Fähigkeit zu haben, sich mit seinen Produkten an veränderte Bedingungen anpassen zu können. Wer kann sich nicht an die Kommentare zum ersten iPhone erinnern. Apple und ein Telefon? Das schien vor sechs Jahren völlig abwegig. Der Rest ist Geschichte.

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16 Antworten
  1. von verzaehlt am 22.02.2013 (15:04 Uhr)

    Klingt sehr logisch.
    Zudem würde ich es sehr befürworten wenn Apple denn Twitter wirklich kaufen würde.
    Ping war wirklich ein Reinfall seitens Apple.

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  2. von Fabian am 22.02.2013 (15:14 Uhr)

    Apple sollte sich lieber wieder auf MP3 Player und Desktops für Kreative mit reichen Eltern beschränken!

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  3. von Flo am 22.02.2013 (15:25 Uhr)

    Bitte nicht! Ich will auch weiterhin twittern können ohne einen Mac oder ein iPhone zu besitzen.

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  4. von severin am 22.02.2013 (16:56 Uhr)

    Es mag durchaus sein, dass Apple twitter kaufen wird.

    Aber Apple würde twitter auch in wenigen Monaten komplett zerstören...

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  5. von laskuso am 22.02.2013 (17:01 Uhr)

    Bitte nicht! Das würde den Markt ja noch weiter monopolisieren.

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  6. von verzaehlt am 22.02.2013 (17:06 Uhr)

    @Flo Wer sagt denn dass man nicht mehr ohne Mac oder iPhone/iPad/iPod twittern kann? Wäre der mit Abstand größte Mist den Apple (wenn es dazu kommen sollte) verzapft hat.

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  7. von severin am 22.02.2013 (18:51 Uhr)

    Ich sehe schon die Fehlermeldung vor meinem geistigen Auge:

    "Dieser tweet konnte nicht veröffentlicht werden, da er anstößige Begriffe enthält, die mit unseren Nutzungsbedingungen nicht vereinbar sind."

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  8. von Michael am 22.02.2013 (19:39 Uhr)

    Tut mir Leid aber das ist für mich nicht nachvollziehbar. Mit leichten Abwandlungen konnte die Twitter-Leute den Artikel nehmen und sich bei Apple vorstellen um ein Kaufangebot einzuholen. Mir entschließt sich jedoch warum Apple danach besser da steht. Nur weil sie Twitter haben? Twitter wird ihnen keine Umsätze/ Profite generiern und schon gar nicht mit den Margen die sie gewohnt sind.

    War dies ein Abschlussbericht für den Marketingkurs der Realschule?

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  9. von Alexander Bachmann am 23.02.2013 (09:45 Uhr)

    Twitter zu kaufen, wäre für Apple strategisch alles andere als sinnvoll. Als Apple mit dem 4S Siri vorstellte, wurde Eric Schmidt gefragt, wie denn Google's Antwort auf Siri aussehen würde. Er sagte damals, es würde keine Antwort geben. Google müsse die Innovationszyklen beachten. Wenn man jetzt anfangen würde, eine Art von Siri zu entwickeln, würde man immer hinterher hängen. Google würde bereits jetzt an der nächsten Generation von Siri arbeiten. Ein knappes Jahr wurde Google Now vorgestellt.

    Anders als in diesem Artikel dargestellt, kann Apple mit Twitter nichts gewinnen. Weder bringt Twitter Apple in eine strategische Position, die vergleichbar wäre mit der von Google, Amazon oder Facebook. Noch hat Twitter auch nur ansatzweise soviel KnowHow in Sachen Webentwicklungsarchitektur, dass es einen Kauf begründen würde. Twitter hat derzeit große Probleme, innovative neue Produkte oder zumindest Features zu entwickeln, die auch in Zukunft gegen die Konkurrenz bestehen können. Apple muss weiter denken und sich fragen, wo die technologische Entwicklung hingeht. In den Markt mit einem neuen Produkt einzusteigen (und da gebe ich dem Artikel recht) ist Apple ja noch nie schwer gefallen.

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  10. von Andre am 23.02.2013 (14:51 Uhr)

    Eine leichte Hybris ist diesem Artikel zu entnehmen. Ähnlich dem Artikel kürzlich, wo Ihr Facebook empfohlen habt, es solle ein kostenloses Mobiltelefon auf den Markt bringen.

    Glaubt Ihr wirklich, dass sich Apple, Facebook und Twitter Tipps von T3N bezgl. Ihrer Geschäftsentwicklung geben lassen müssen?

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  11. von DesignOhneFunktion am 23.02.2013 (16:35 Uhr)

    Man merkt sofort ob der Artikel von einem mit Technischen Kenntnissen oder Marketing Seo Kenntnissen verfasst worden ist: "Sie kämen auch in den Genuss von unschätzbarem Know-How in Sachen moderner Entwicklungsarchitektur".
    Absoluter Kenner ;)

    Da wird wohl wieder 1User = x Euro gerechnet und nicht mehr.

    Sorry aber das ist nen vergleich von Äpfel mit Birnen.
    Ich bin ja kein Apple anhänger aber ich betrachte auch nicht Twitter als WOW das Know-How.

    Google, Oracle, Microsoft, Apple, Facebook und Amazon ist da in einer ganz anderen Welt der Kenntnisse.

    Unternehmen in Deutschland über die keiner spricht weil es kein Social Service ist die auch mehr Know How besitzen ist IT z.b. von Banken wie Volksbank oder Sparkasse.

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  12. von luckyone am 24.02.2013 (12:19 Uhr)

    Der Gedanke ist nicht neu, er geistert seit knapp 2 Jahre durchs Netz. Daher möchte ich dem Autor vorschlagen ein paar Artikel von Analysten mit zu verlinken.

    Des Weiteren würde ich es begrüßen, wenn Sie vllt. den Artikel erweitern. Denn die Hauptfrage ist ja nicht ob Apple twitter kauft, sondern welche Akquisition für Apple insgesamt am sinnvollsten ist.

    Warum?

    Weil Apple die riesigen Cash-Berge sonst über kurz oder lang an die Aktionäre ausschütten muss, was nicht im Interesse der Kunden und Nutzer wäre.

    Es stellt sich für mich (!) also eher folgende Frage:

    Welches Investment wäre strategisch für den Kunden und Apple selbst, am sinnvollsten?

    Gruß
    The Luckyone

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  13. von Otto am 25.02.2013 (17:42 Uhr)

    Wäre in der Tat interessant und zwar für beide Parteien, also für Apple und auch für Twitter. Irgendwie hat sich ja Twitter auch noch nicht so gross weiterentwickelt. Was dann aber super mühsam wäre, wenn iphone und mac user betreffend Twitter bevorteilt würden. Was soll denn eigentlich Microsoft machen. Mit Skype sind sie ja ein Bisschen dabei aber reicht wohl noch nicht.

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  14. von Gepard am 26.02.2013 (12:52 Uhr)

    Da hat der werte Autor aber mal fett die Spekulierhosen an.

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  15. von jrobion am 01.03.2013 (05:07 Uhr)

    hmm also ich glaube nicht das das in näherer Zukunft passieren wird http://www.3g.de/apple/ipad-4-32-gb-wifi/

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