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Karriere

Deutschlands Medienmacher: Unterbezahlt und überarbeitet – aber nicht unglücklich [Interview]

    Deutschlands Medienmacher: Unterbezahlt und überarbeitet – aber nicht unglücklich [Interview]

(Foto: Shutterstock-WaveBreakMedia)

Wie steht es um die Arbeitsbedingungen in der deutschen Medienbranche? Eine Studie der Gehaltsplattform Skjlls ist der Frage nachgegangen – wir haben mit Gründer Gunnar Stenzel darüber gesprochen.

Die Gehaltsvergleichsplattform Skjlls hat erst vor wenigen Wochen das Licht der Welt erblickt und doch haben sich schon Hunderte Nutzer angemeldet und die Datenbanken mit ihren Informationen gefüttert. Das Tool sammelt über Crowdsourcing Angaben zu Fähigkeiten und Berufserfahrung von Medienschaffenden sowie zu den Gehältern. Über eine sogenannten „Big-Data-Engine“ werden die Daten anonymisiert zusammengeführt. Interessierte finden in Skjlls somit eine spannende Recherche-Plattform, mit der sie ihren Marktwert ermitteln und vergleichen können. Umso mehr Menschen mitmachen, desto präziser werden die Ergebnisse.

Jetzt haben die Verantwortlichen eine Studie herausgeben, die die ermittelten Daten präsentiert. Sie zeigt unter anderem den Status Quo zu Gehältern, Arbeitsbedingungen und Befindlichkeiten in sieben verschiedenen Fachbereichen – aufgeteilt nach Festangestellten und Freelancern, Alter, Geschlecht, Berufserfahrung und Arbeitgeber-Typen. Zu den Fachbereichen gehören unter anderem Projektleiter, Konzepter, Designer sowie Frontend- und Backend-Entwickler. Wir konnten Gunnar Stenzel, dem Gründer der Plattform, ein paar Fragen zu den interessante Studienergebnisse stellen.

Arbeiten in der Medienbranche: Skjlls-Gründer Gunnar Stenzel im Interview

Gunnar Stenzel ist Gründer von Skjlls, einer Gehaltsvergleichsplattform, die auf Crowdsourcing aufbaut. (Foto: Skjlls)
Gunnar Stenzel ist Gründer von Skjlls, einer Gehaltsvergleichsplattform, die auf Crowdsourcing aufbaut. (Foto: Skjlls)

t3n.de: Ihr habt über 1.000 Medienschaffende nach ihren Arbeitsbedingungen gefragt. Mit welchem Ergebnis? Ist Deutschland ein Paradies für diese Fachkräfte?

Gunnar Stenzel: Es scheint durchwachsen zu sein. Weder herrschen paradiesische Zustände, noch allgemeine Frustration. Guckt man sich die Gehälter, die gebotenen Benefits und die Bereitschaft den Arbeitgeber zu wechseln an, so zeigen sich ein paar deutliche Schattenseiten des Paradieses.

Betrachtet man jedoch die Aussagen zur allgemeinen Zufriedenheit im Job, zu den Kollegen oder zu den eigenen Aufgaben, strahlt die Sonne wieder. Man könnte sagen: Unterbezahlt und überarbeitet, aber nicht unglücklich!

t3n.de: Wer war zufriedener und wer unzufriedener?

Stenzel: Sehr deutlich wurde, dass Freiberufler generell zufriedener und jüngere Festangestellte generell unzufriedener mit ihrer Situation sind – bei weiblichen Berufseinsteigern ist beispielsweise der Wert der „inneren Kündigung“ mit 19 bis 23 Prozent erschreckend hoch.

Arbeiten in der Medienbranche: Zufriedenheit der Festangestellten nach Geschlecht. (Grafik: Skjlls)
Arbeiten in der Medienbranche: Zufriedenheit der Festangestellten nach Geschlecht. (Grafik: Skjlls)

t3n.de: Und woran liegt das konkret?

Stenzel: Die Studie betrachtet erst mal nur den Status Quo. Das Warum lässt sich aus den Antworten der Teilnehmer aber teilweise erahnen. Freiberufler scheinen es generell etwas leichter zu haben, ihr Arbeitsleben zu gestalten oder ihre Forderungen durchzusetzen. Sie sind zufriedener mit ihrer Entlohnung und machen weniger Überstunden als Festangestellte. 75 Prozent erhalten zudem einen Ausgleich für geleistete Überstunden.

Unter Festangestellten erhalten hingegen nur 25 Prozent einen teilweisen oder vollständigen Überstundenausgleich. An der hohen Anzahl an „innerer Kündigung“ unter weiblichen Berufseinsteigern könnte zudem das enorm hohe Stresslevel schuld sein – es ist das Höchste unter allen Teilnehmergruppen. Vielleicht spielt aber auch das Gehalt eine Rolle. Es liegt nämlich, wenn auch nicht weit, unter dem der männlichen Kollegen. So ganz genau wissen wir das nicht.

t3n.de: Wie viel weniger verdienen denn weibliche Berufseinsteigerinnen?

Stenzel: Das Bruttogehalt der weiblichen Studienteilnehmer liegt in den ersten beiden Berufsjahren mit 2.371 Euro knapp 200 Euro unter dem der männlichen Kollegen. Nach fünf Jahren beträgt die Lücke schon 400 Euro und vergrößert sich weiter.

Frauen, die zehn bis 14 Jahre im Job sind, verdienen im Schnitt 1.800 Euro weniger als die Männer. Erst in den darauf folgenden Jahren nähert sich die Vergütung beider Geschlechter wieder an.

t3n.de: Und lassen sich die Gründe dafür ebenfalls aus den Antworten der Teilnehmer herauslesen? Sind Frauen beispielsweise weniger qualifiziert oder erfahren?

Stenzel: Frauen sind sicher nicht weniger qualifiziert als Männer. Es fällt allerdings auf, dass weibliche Arbeitnehmer in Wochenstunden gemessen etwas weniger arbeiten als ihre männlichen Kollegen. Dieser Trend setzt sich bei steigender Berufserfahrung auch fort, wie wir ermittelt haben.

Das kann aber auch schlicht daran liegen, dass Frauen wesentlich seltener in Positionen anzutreffen sind, in denen viele Überstunden abgeleistet werden müssen. Interessant ist in der Hinsicht auch, dass Frauen trotz des durchschnittlich geringeren Einkommens offenbar nicht unzufriedener mit ihrem Gehalt sind.

Arbeiten in der Medienbranche: Wochenarbeitszeit der Geschlechter nach Berufserfahrung. (Grafik: Skjlls)
Arbeiten in der Medienbranche: Wochenarbeitszeit der Geschlechter nach Berufserfahrung. (Grafik: Skjlls)

t3n.de: Ihr habt ermittelt, dass festangestellte Studienteilnehmer bis zur Rente satte 6,5 Jahre ihrer Lebenszeit mit Überstunden verbringen. Welche Berufsgruppe neigt denn am stärksten zum Workaholic?

Stenzel: Projekt- und Produktmanager haben mit Abstand die höchste, durchschnittliche Wochenarbeitszeit angegeben. Direkt nach dem Gefühl gefragt, kurz vor dem Burnout zu stehen, haben jedoch Konzepter und Strategen stärkere Stressbelastungen angegeben als Projekt- und Produktmanager. Man könnte also sagen, dass Projektmanager zwar viel mehr arbeiten als andere Berufsgruppen, dabei jedoch nicht so extrem gestresst sind.

t3n.de: Dennoch liegt die Bereitschaft der Projektleiter, den Job bei einem besseren Angebot sofort hinzuschmeißen, bei satten 54 Prozent. Bei den Konzeptern und Strategen liegt der Wert bei 51 Prozent. Wie passt das zusammen?

Stenzel: Der Wert von 54 Prozent zur Wechselbereitschaft unter Projektleitern mag hoch erscheinen, ist allerdings exakt der Branchendurchschnitt. Konzepter und Strategen liegen mit 51 Prozent demnach etwas unter dem Durchschnitt. Viel besorgniserregender ist der Wert von 63 Prozent unter Designern.

Die Antworten der Studienteilnehmer sind in diesem Fall aber sicher stark durch die Fragestellung gefärbt. Ein „besseres Angebot“ beschreibt zunächst nur eine Verbesserung der derzeitigen Situation, die für den Einzelnen natürlich etwas Unterschiedliches bedeuten kann. In der nächsten Studie werden wir deshalb stärker auf die Hintergründe eingehen.

t3n.de: Wird es eine ähnliche Studien auch zu anderen Branchen geben?

Stenzel: Im Grunde ist die Studie ja ein Nebenprodukt unseres eigenen Informationsbedarfs. Für den Start des Gehaltsvergleichs von Skjlls haben wir uns zunächst auf die Medienbranche beschränkt, um erst mal ein funktionierendes System in einem abgestecktem Rahmen entwickeln zu können. Eine Aufarbeitung in dieser ausführlichen Form war dabei erst gar nicht geplant. Aber nachdem wir durch das Posten von Zwischenergebnissen auf Facebook ein paar Diskussionen ausgelöst hatten und sogar Anrufe bekamen, haben wir uns entschlossen, die Zeit zu investieren, um die Ergebnisse unserer Daten für jedermann zugänglich zu machen.

Bevor wir also weitere Branchen integrieren, steht erst mal die Fertigstellung von Funktionen an, die es Unternehmen ermöglichen, passende Arbeitnehmer anhand ihrer Fähigkeiten zu finden. Natürlich werden dabei nur die gefunden, die überhaupt gefunden werden wollen. Ist dieser Meilenstein geschafft, machen wir uns daran, Skjlls in weitere Sprachen und weitere Branchen auszuweiten. Dazu wird es dann vermutlich weitere Studien geben.

Die ganze Studie „Lust oder Frust in der Medienbranche?“ könnt ihr hier einsehen.

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2 Reaktionen
Audrey
Audrey

Sehr interessant! - aber "Medienbranche"? Die fachkategorien sind aus der IT und kratzen mit Designer noch ein bisschen Marketing an. Wo sind PR, Produktioner, Aufnahmeleiter, freie Assistenten, Redaktionen, Content Manager, Kamera und vieles mehr ...?

Antworten
peter
peter

Webentwickler mit mehr als 10 Jahren berufserfahrung, ledig, keine Kinder, raum NRW. Maximales Gehalt: 2800€. Kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, keine Fahrkosten, keine Kantine, keine sonstigen Leistungen + unbezahlte Überstunden und befristeter Vertrag sind pflicht. Wer will in so einer Butze noch arbeiten?

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