Geschäftsmodell in der Grauzone: Wie Händler mit Arbitrage auf Ebay Geld verdienen

(Grafik: Shutterstock)

Online vergleicht doch jeder Preise, oder? Offenbar nicht, wenn man sich das Arbitrage-Modell cleverer Ebay-Verkäufer anschaut. Die kopieren Amazon-Angebote auf ihre Ebay-Seite und verkaufen sie mit Aufschlag weiter. Den Versand übernimmt trotzdem der eigentliche Amazon-Händler. Wie genau das funktioniert und wie eine ganze Ökonomie um den Trick entstanden ist, zeigen wir hier.

Es gibt Millionen Angebote bei Ebay und Amazon, doch einige gleichen sich auf den US-Seiten verblüffend. Da ist zum Beispiel diese Brotbox, die bei Ebay mit der gleichen Beschreibung gelistet wird, wie bei Amazon – sogar mit der gleichen Schriftart. Nur bei Ebay kostet sie fünf Dollar mehr. Das gleiche gilt für über 11.000 weitere Produkte, die der Ebay-Shop „A Far Away Galaxy“ im Angebot hat. Er ist nur einer von vielen, die Amazon-Ebay-Arbitrage betreiben.

Kauf bei Ebay, Versand durch Amazon

Wenn jetzt ein Ebay-Kunde bei A Far Away Galaxy die Brotbox aus Edelstahl kauft, setzt sich eine Kettenreaktion in Gang: Der Ebay-Verkäufer als Arbitrageur bekommt das Geld vom Kunden und bestellt die bei Amazon fünf US-Dollar günstigere Brotbox. Diese lässt er als Geschenk an seinen Ebay-Käufer verschicken. Wenn der Kunde fragt, warum ein Amazon-Paket bei ihm ankommt, antworten viele Arbitrageure einfach mit dem Argument, Kartons der Umwelt zuliebe wieder zu verwenden. Fünf US-Dollar sind zunächst kein großer Betrag, aber bei einer Masse von über 11.000 Produkten, mit denen der Arbitrageur 5 bis 15 Prozent des Gesamtpreises verdient, kann das zu vernünftigen Umsätzen führen – schließlich braucht der Ebay-Verkäufer keine Infrastruktur und zahlt nur die Ebay-Gebühren.

Das Amazon-Angebot der Brotbox. Der Rabatt macht das Produkt interessant. (Screenshot: Amazon)
Bei Ebay kostet das gleiche Produkt fünf US-Dollar mehr. Die Beschreibung ist direkt von Amazon kopiert. (Screenshot: Ebay)

Am Ende schadet das Konzept wohl nur dem eigentlichen Amazon-Händler. Einer der Betroffenen erzählt bei Entrepreneur.com von seinem Hauptproblem: Rücksendungen und Markenbotschaft. Fred Ruckel verkauft bei Amazon sogenannte Ripple Rugs, Katzen-Spielzeug-Teppiche für knapp 40 US-Dollar. Nach seiner Aussage seien die Reklamationen stark gestiegen, seitdem Ebay-Arbitrageure sein Produkt anbieten. Und das habe ihn allein in einem Monat schon 8.000 US-Dollar gekostet.

Löst ein Kunde bei Ebay eine Rücksendung aus, holt sich der Arbitrageur ein Return-Label bei Amazon und schickt das dem Ebay-Kunden. Gleichzeitig verlangt er bis zu 20 Prozent des Artikelwerts als Lagerauffüllungs-Gebühr vom Kunden. Amazon wiederum verlangt von seinem Händler (der das Produkt aus Amazon-Sicht ja verkauft hat) eine Rücksende-Gebühr. Am Ende dürfte der Amazon-Händler Geld verlieren, vor allem, wenn er das verkaufte Produkt nicht nochmal verwenden kann. Der Kunde muss Ebay-Gebühren zahlen und der einzige, der auch an der Rücksendung verdient, ist der Arbitrageur.

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Die Amazon-Händler versuchen zurück zu schlagen

Fred Ruckel, der Typ mit den Katzenteppichen, hat Amazon und Ebay bereits auf sein Problem hingewiesen. Offenbar verstößt das Amazon-Ebay-Arbitrage-Modell aber nicht gegen die Richtlinien der Marktplätze. Erste Amazon-Händler versuchen jetzt selbst, zurück zu schlagen: Ruckel verkauft seinen Katzenteppich mittlerweile teurer bei Amazon, um Verluste durch Rücksendungen aufzufangen und bietet eine neuere Version günstiger in seinem eigenen Shop und im stationären Handel an.

Ein anderer Betroffener versucht es mit Guerilla-Aktionen. Eric Wildermuth verkauft Kinder-Hüte namens „Snuggleheads“. Wenn er eines seiner Produkte bei Ebay entdeckt, kauft er es dort für etwa 27 US-Dollar. Bevor der Arbtitrageur dann bei Amazon den Hut kaufen kann, erhöht Wildermuth den Preis auf 199 US-Dollar. Dem Arbitrageur bleibt nur die Wahl 172 US-Dollar zu verlieren oder den Kauf rückgängig zu machen, was sich negativ auf seine Ebay-Bewertungen auswirken würde. Laut Wildermuth hätten Arbitrageure oft bei ihm angerufen und gebettelt, die Preiserhöhung wieder rückgängig zu machen. Nach Beleidigungen von seiner Seite habe er die Gespräche immer schnell beendet.

Auf der anderen Seite können Amazon-Händler natürlich auch profitieren. Im Zweifel bietet Ebay einen weiteren Verkaufskanal, den sie nicht einmal betreiben müssen. Dem hält Fred Ruckel entgegen, dass er die Kontrolle darüber haben will, wie seine Produkte dargestellt werden und oft seien die Ebay-Seiten wenig liebevoll gestaltet.

Eine ganze Ökonomie entsteht um den Trick

Die Amazon-Ebay-Arbitrage würde sich nicht lohnen, wenn die Arbitrageure zu viel Zeit in das Kopieren der Amazon-Angebote investieren müssten. Zu ihrem Glück gibt es mehrere Tools, die das übernehmen. Eines der Bekanntesten ist bereits 2013 entstanden und heißt DS Domination. Die Seite hat nach eigenen Angaben 140.000 Nutzer und wirbt damit, die Power von Amazon, Ebay und Walmart für jeden zur Verfügung zur stellen – minutenschnelle Geldgewinne inklusive. DS Domination und Konkurrenten wie Profit Scraper oder Profit Spy bieten eine Software, die Amazon nach den meistverkauften Produkten scannt. Nutzer müssen dann nur den Link in die Software kopieren und ihre gewünschte Marge festlegen und ein Ebay-Post wird erstellt.

Die Programme kosten zwischen 67 und knapp 500 US-Dollar im Monat. Die Unterschiede berechnen sich danach, wie viele Amazon-Angebote der Arbitrageur gleichzeitig auf Preisänderungen beobachten will. DS Domination agiert mit einem Schneeballsystem, bei dem jeder kostenlosen Zutritt zur „Member’s Area“ erhält, der zwei Bekannte einlädt. Neben der Software verkauft der Anbieter Trainings-Sessions für 20 US-Dollar im Monat. Hier sollen die Nutzer noch mehr Tipps und Tricks zum Arbitrage-Modell kennenlernen. Im Endeffekt versprechen diese Anbieter – wie im Video oben zu erkennen – das große Geld ohne viel Aufwand. Aber die Wirklichkeit scheint anders auszusehen. Große Anbieter wie A Far Away Galaxy dürften ordentliche Umsätze machen, aber selbst der Mann hinter dem Account sagt, dass es mittlerweile sehr hart sei, so Geld zu verdienen und für Neueinsteiger fast unmöglich, Erfolg zu haben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf OMR.com.

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