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10 Jahre Facebook – „Na endlich, du Mitläufer!“ [Kolumne]

10 Jahre Facebook – „Na endlich, du Mitläufer!“ [Kolumne]

In seiner nimmt Andreas Weck seine gespaltene Beziehung zu unter die Lupe. Der Grund? Das 10. Jubiläum des Sozialen Netzwerks.

10 Jahre Facebook – „Na endlich, du Mitläufer!“ [Kolumne]

10 Jahre Facebook. (Bild: Flickr-mkhmarketing / CC-BY-2.0)

10 Jahre Facebook: Ein Meilenstein in Internetjahren

10 Jahre Facebook: „Na endlich, du Mitläufer!“ (Screenshot: Facebook)
Zehn Jahre Facebook: „Na endlich, du Mitläufer!“ (Screenshot: Facebook)

Facebook wird zehn Jahre alt. Das ist nicht nur ein runder Geburtstag, das ist in Internetjahren ein Meilenstein. Ich selbst bin seit 2010 dabei, damals hat mich mein Kumpel Rico nach meinem Eintritt als erster begrüßt: „Na endlich, du Mitläufer!“, schrieb er mir unter den Augen zahlreicher anderer Freunde auf die Pinnwand. Danach habe ich die Pinnwand erst mal gesperrt – nur noch Privatnachrichten bitte! „Eintritt“ hörte sich damals übrigens ziemlich exklusiv an. Das hörte sich so an, als ob man einem Club beigetreten wäre. Und irgendwie hat sich das auch mehr oder weniger so angefühlt. Ich bin jetzt auf Facebook. In einem Club, der mein soziales Leben, meinen sozialen Status aufwertet – The-International-Gentlemens-Club-Galore! Hier werden Bünde fürs Leben geschlossen – und zwar über Landesgrenzen hinweg.

10 Jahre Facebook: „Dreist kommt weiter, aber nicht voran!“

Tatsächlich habe ich mich lange Zeit geziert. Mein Eintritt 2010 war eigentlich gar nicht mein erster Eintritt. Ich habe schon ein gutes Jahr vorher den Anmeldeschein ausgefüllt. Nachdem das Soziale Netzwerk damals allerdings mein komplettes Adressbuch hinter der E-Mail-Adresse durchforstet hatte, um mir zu sagen, dass Thomas und Maria auch hier sind, bin ich gleich wieder verschwunden. Dreist kommt weiter, aber nicht voran: Ich habe mein Konto wieder gelöscht und StudiVZ eine zweite Chance gegeben – schon damals habe ich wert auf ein Mindestmaß an Privatsphäre gelegt. Dazu kam, dass der Kreis meiner internationalen Freunde sowieso überschaubar war und ich auch nicht so richtig das Bedürfnis hatte, Kontakt zu jeder Person zu halten, mit der man irgendwo mal ein Bier getrunken hat. Wie vermessen von mir – genau darum geht es doch eigentlich.

Facebook verbindet die Welt: „Mi casa es su casa!”

Freunde kommen und Freunde gehen – aber nicht auf Facebook! (Screenshot: Facebook)
Freunde kommen und Freunde gehen – aber nicht auf Facebook! (Screenshot: Facebook)

Aus dem anfänglichen Misstrauen wurde jedoch große Sympathie. Facebook begann mich zu faszinieren. Auf einmal fand ich es total toll, zu sehen, wie Alexander von einer thailändischen „Fullmoon“-Party aus euphorische Grüße schickte oder wie Steffi uns von Melbourne aus ihre neue Wohnung zeigte. War schon irgendwie geil, wie klein die Welt durch Facebook geworden ist. Und immer, wenn ich die beiden im echten Leben wieder sah, war es, als wären sie nie weggewesen. Jeder wusste immer, was der andere so macht – dank des Newsfeeds, der schon 2006 eingeführt worden war. Peinliche Berührungsängste, nachdem man sich zwei Jahre nicht gesehen hatte, gehören seit Facebook der Vergangenheit an. Und auch mitgebrachte Freunde der Freunde, die man über Bilder und Kommentare „kennengelernt“ hatte, wurden familiär aufgenommen: „Mi casa es su casa!”

Doch so zwiespältig schon der Start auf Facebook  für mich war, so zwiespältig blieb die Beziehung bis heute. Ich mag den blauen Riesen, Facebook ist für mich die digitale Schaltzentrale für alles – mehr noch als Google. Ich halte Kontakt zu Freunden und Bekannten und ja: inzwischen sogar zu Eltern und Großeltern. Ich konsumiere Nachrichten über das Netzwerk, habe meinen Feed mit Listen so feinjustiert, dass mir eigentlich gar nichts mehr entgeht. Ich interviewe Personen über den Facebook-Chat und organisiere Artikel. Ich plane Urlaubsreisen über die Gruppen-Funktion und gebe meine Kontodaten preis, damit die Freunde die Miete für die Finca auf Mallorca überweisen können. Ich schicke einen Dropbox-Download-Link über den Gruppen-Chat an Freunde, damit sie meine Urlaubsbilder auch auf ihrer Festplatte abspeichern können. Ich mache, ach ... was sag ich … ich mache eigentlich alles über Facebook.

Bilder, Videos und Statusupdates: Die Jahre auf Facebook hinterlassen Spuren. (Screenshot: Facebook)
Bilder, Videos und Statusupdates: Die Jahre auf Facebook hinterlassen Spuren. (Screenshot: Facebook)

Facebook kommt in die Pubertät – ein Phase in der alles noch viel schlimmer wird?

10 Jahre Facebook: „Das Soziale Netzwerk kommt in die Pubertät.“

Doch genau da wird es bisweilen problematisch. Genau wie mir geht es vielen: Facebook ist eine geniale Erfindung, die unser Leben vereinfacht hat und uns eigentlich besser kennt, als wir uns selbst – zumindest will das Netzwerk genau das. Für Werbezwecke wird inzwischen alles ausgewertet: Gesprächsinhalte, Standorte, geteilte Nachrichten und Links, Likes, Bilder, Beziehungen, Interessen, Surfverhalten, sexuelle und politische Gesinnung – es gibt nichts, dass Facebook nicht in einem großem buntem Profil über dich und mich sammelt – da hilft auch keine Privatsphäre-Einstellung. Selbst Posts, die wir gar nicht abschicken, werden gescannt. Damit könnte ich im Grunde sogar noch leben. Das ist eben der Preis, der dafür gezahlt wird, dass der Dienst nichts kostet. Doch die Dimension hat sich schlagartig gewandelt, als auch der ein oder andere Staat den Fundus an Daten für sich beanspruchte – ohne dass ich bis heute umfangreich darüber informiert worden wäre. Jetzt lesen alle mit, auch die, die eigentlich kein Recht dazu haben. Aktuell flackert wieder das misstrauische Gefühl auf. Darüber denke ich nach und schreibe Artikel. Und teile sie zu guter Letzt öffentlich mit Freunden und Bekannten, mit Eltern und Großeltern, mit Werbetreibenden und Staatsdienern – irgendwie bekloppt, oder?

Kinder testen sich aus. Facebook war bis vor kurzem noch ein Kind und kommt jetzt langsam ins Erwachsenenalter. Der Netzpolitiker Lars Klingbeil sagte an dieser Stelle: „Facebook kommt in die Pubertät” – eine Phase in der Entwicklung eines Heranwachsenden, in der angeblich alles noch viel schlimmer wird. Hoffen wir, dass sie keine weiteren zehn Jahre anhält und dass Facebook wieder zum Symphatieträger aller wird. Und vielleicht sogar den ein oder anderen Dollar liegen lässt und einen weiteren Dollar investiert, damit auch wir Nutzer, das Rückgrat des Sozialen Netzwerkes, das Gefühl haben, dass wir mehr für die Zuckerberg-Crew im Silicon Valley sind als nur 1,2 Milliarden Datenschafe.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Aufgeweckt“ findet ihr hier.

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2 Antworten
  1. von Hendrik am 04.02.2014 (14:50 Uhr)

    Wozu Facebook? Wozu Social Networks? Messenger reichen ... gelegentlich etwas G+ fürs Blog marketing. Das wars.

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  2. von Florian Blaschke am 04.02.2014 (16:34 Uhr)

    Aber Du bist doch auch bei Facebook, Hendrik. Dann müsstest Du die Frage „Wozu Facebook?“ selbst gut beantworten können ...

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