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8 Tech-Themen, über die wir 2015 diskutieren [Kolumne]

8 Tech-Themen, über die wir 2015 diskutieren [Kolumne]

Smart Machines halten Einzug in den Alltag, Health-Tech wird mit Risikokapital überflutet und Open-Source-Software wird immer wichtiger für IT-Unternehmen. Unser Autor Andreas Weck wagt in seiner einen vorausschauenden Blick in die Themenlandschaft 2015.

8 Tech-Themen, über die wir 2015 diskutieren [Kolumne]
K5 Security Robot soll Streife laufen. (Bild: Knightscope, Inc.)

1. Pervasive Datenanalysen werden extrem detaillierte Persönlichkeitsprofile bilden

Pervasive Datenanalysen machen Extrem detaillierte Persönlichkeitsprofile möglich. (Bild: Sashkin - Fotolia.com)
Pervasive Datenanalysen machen Extrem detaillierte Persönlichkeitsprofile möglich. (Bild: Sashkin - Fotolia.com)

Mit dem Aufkommen des „Internet der Dinge“, wird die pervasive Datenanalyse stärker denn je zum Diskussionsthema. Dahinter steckt der Umstand, dass intelligente Geräte die allesdurchdringende Vernetzung des Alltags realisieren und somit Daten gesammelt und ausgewertet werden, die bisher kaum erfasst wurden. Bekanntestes Beispiel ist Google mit seinen Ambitionen nicht nur auf dem Desktop-Computer oder dem mobilen Endgerät die Kunden beim Surfen zu durchleuchten, sondern auch in die Fahrzeuge, in die Geldbörse und ins Wohnzimmer der Menschen zu blicken. Die daraus entstehenden umfangreichen Persönlichkeitsprofile werden vor allem kommerziell genutzt, dürften aber auch für Begehrlichkeiten bei staatlichen Stellen sorgen.

2. Kontextreiche Computer-Systeme ermöglichen autonome Entscheidungen

Computer-Systeme werden mithilfe von Datenanalysen und sogenannter „Embedded Intelligence“ fähig auf Außenfaktoren zu reagieren und von selbst zu handeln. Besonders deutlich wird das im Rahmen von Innovationen wie dem selbstfahrenden Auto, das bereits seit Jahren von Google sowie dem Automobilhersteller Daimler maßgeblich entwickelt wird. Doch auch Sicherheitssysteme werden noch stärker als bisher mit Sensoren ausgestattet und lernen ihre Außenwelt zu vermessen und eigenständige Entscheidungen zu fällen. Das EU-Projekt INDECT soll beispielsweise in diesem Sinne Informationen über Überwachungskameras sammeln und „auffälliges Verhalten“ von Menschen auf der Straße registrieren, analysieren und bei entsprechenden Stellen Alarm auslösen.

3. Smart Machines werden Disruption neu definieren

K5 Security Robot soll Streife laufen. (Bild: Knightscope, Inc.)
K5 Security Robot soll Streife laufen. (Bild: Knightscope, Inc.)

Kontextreiche Computer-Systeme und Robotertechnologie werden noch stärker als bisher verheiratet und den Weg für sogenannte „Smart Machines“ ebnen. Im Silicon Valley kam vor kurzem beispielsweise der erste Polizeiroboter zum Einsatz – der K5 Security Robot. Er soll künftig auf Streife gehen, kann bestimmtes auffälliges Verhalten registrieren und einen lauten Alarm auslösen, der Kriminelle aufschreckt und von ihrem Vorhaben abbringt. Doch nicht nur im Sicherheitsbereich wird es zu bisher ungeahnten Veränderungen kommen. Smart Machines werden auch und gerade in der Produktion, der Logistik und im Transportwesen zum Einsatz kommen. Die „Smart Machines“-Era hat das Zeug zur disruptivsten Epoche der IT-Geschichte zu werden.

4. Health-Tech-Branche wird mit Risikokapital überflutet

Die nächsten riesengroßen Investitionen werden vor allem in dem Bereich der Health-Tech fließen. Kaum einem Thema wird derzeit im Silicon Valley und in der US-amerikanischen Risikokapitalbranche mehr Potential zugeschrieben. Geschäftsmodelle bilden sich vor allem im Zusammenhang mit der Analyse von Gesundheits- und Körperdaten um Krankheiten aufzuspüren und Behandlungstherapien aufzustellen. Doch auch Unternehmen wie Theranos sind derzeit hochdotiert: Das Unternehmen hat ein Testverfahren entwickelt, das allein mit einem Tropfen Blut bis zu 200 Blutwerte beispielsweise zu erhöhtem Cholesterin oder Krebsmarkern ermittelt – und zwar noch am selben Tag. Die Bluttests können bereits jetzt schon für wenige US-Dollar in einigen Walgreens-Märkten durchgeführt werden.

5. Space-Traveling wird weitere Fortschritte machen

Weltraumtourismus durch Anbeiter wie Virgin Galactic steht kurz vor dem Durchbruch. (Bild: Wikimedia)
Weltraumtourismus durch Anbeiter wie Virgin Galactic steht kurz vor dem Durchbruch. (Bild: Wikimedia)

Auch das Thema Space-Traveling wird 2015 nicht in Vergessenheit geraten und stattdessen sogar noch mehr in den Fokus der Interessierten rutschen. Die private Raumfahrtindustrie erlebt zwar immer mal wieder Rückschläge allerdings sind die Fortschritte ebenfalls beachtlich. Unternehmen wie SpaceX, Virgin Galactic und Space Adventures haben sogenannte „Shuttles“ entwickelt, die Menschen in die Erdumlaufbahn und sicher wieder zur Erde gebracht haben. Space Adventures hat sogar angekündigt Flüge um den Mond mithilfe einer modifizierten Sojus-Raumfähre bis 2018 zu realisieren. Eines der bisher spannendsten Raumfahrtprojekte – zumindest auf dem Papier.

6. Die Balkanisierung des Internets ist real

Was in repressiven Staaten wie China, Saudi-Arabien oder Nordkorea längst Realität ist, wird inzwischen auch in demokratischen Ländern diskutiert – auch und vor allem als Folge des NSA-Skandals, der 2013 seinen Anfang nahm und 2014 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Unter der Balkanisierung des Internets wird die Bildung nationaler Netze verstanden, die von den jeweiligen Staaten kontrolliert werden. Hierzulande gilt die Deutsche Telekom AG als Treiber der Idee eines innerdeutschen Datenverkehrs. Inländer die Daten in Deutschland produzieren, sollen nicht mehr über ausländische Netzverbindungen transportiert werden – auch wenn der Transport schneller und günstiger abgewickelt werden würde. Dass dieses Szenario ernsthafte Sorgen in der IT-Branche hervorbringt, hat auch Ex-Google CEO Eric Schmidt zum vergangenen Jahreswechsel verlautbaren lassen, als er sagte: „Vielleicht wird die wichtigste Frage in zehn Jahren nicht mehr sein, ob eine Gesellschaft das Internet nutzt, sondern welche Version davon.“

7. Privatsphäre wird zur festen Komponente

Europäische Datenschutz-Grundverordnung wird ausgearbeitet. (Bild: Wikimedia)
Europäische Datenschutz-Grundverordnung wird ausgearbeitet. (Bild: Wikimedia)

Auch das Thema Privatsphäre wird im kommenden Jahr weiter die Tech-Welt beschäftigen – und zwar auf vielfältige Weise: Zum einen haben Startups und IT-Konzerne die Bedürfnisse vor allem junger Nutzer nach einem Mindestmaß an Privatsphäre erkannt und entsprechende Produkte entwickelt, die dem Wunsch nachkommen – siehe Snapchat, WhatsApp/TextSecure oder Google Mail/PGP. Zum anderen wird sich aber auch im kommenden Jahr auf politischer Bühne wieder einiges tun, denn auch im Rahmen der geplanten europäischen Datenschutz-Grundverordnung werden Politiker weitere mögliche Standards herausarbeiten und zur Abstimmung stellen. Das Thema Privatsphäre wird nicht mehr nur Aktivisten und Verbraucherschützer beschäftigen, sondern möglicherweise sogar zur festen Komponente in der Produktentwicklung der IT-Wirtschaft werden.

8. Mehr Open-Source in IT-Unternehmen

Der Einsatz von Open-Source wurde in den vergangenen Jahren häufig kontrovers diskutiert. Zwar galten die wegfallenden Lizenzkosten immer als klarer Pluspunkt, allerdings wurde der bisweilen schlechte Support vor allem in der IT-Unternehmenswelt bemängelt. Das hat sich allerdings mehr und mehr gebessert – heute gibt es Beratungs- und Schulungsangebote, die den Services der Softwarekonzerne kaum noch nachstehen. Besonders stark verbreitet ist der Open-Source-Einsatz im Bereich der Softwareentwicklung und der IT-Infrastruktur für Web-Anwendungen. Und auch die Entwicklergemeinschaft professionalisiert sich immer mehr, wissen die beiden leitenden Mitarbeiter des Kompetenzzentrums (KOS) Dipl.-Inform. Michael Hitz und Prof. Dr. Thomas Kessel zu berichten. In dem auf t3n.de erschienen Artikel „Abschied von Karl Klammer: Warum so viele IT-Unternehmen sich für Open-Source-Software entscheiden“ bringen sie weitere Argumente für den Siegeszug von Open-Source.

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