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Kolumne

Warum Augmented Reality doch noch das nächste große Ding werden kann

    Warum Augmented Reality doch noch das nächste große Ding werden kann
Spectacles von Snap. (Foto: Snap)

Google Glass ist bei Konsumenten gescheitert, weil Google entscheidende Fehler gemacht hat. Doch als nächste große Geräte-Klasse sind AR-Brillen nur folgerichtig. Die Neuland-Kolumne.

Spätestens, als sich das Wort „Glassholes“ für Träger von Googles Augmented-Reality-Brillen als eine allgemein bekannte Bezeichnung etablierte, war die Google Glass für Konsumenten tot. Google brach den öffentlichen Beta-Test der Datenbrillen ab – stattdessen soll Google Glass in der Industrie eingesetzt werden.

Google Glass ist vor allem an der gesellschaftlichen Akzeptanz gescheitert – wer mit einem Google-Glass-Träger sprach, wusste nicht, ob er aufgenommen wird. Auf dem Tech-, Musik- und Film-Festival South by Southwest (SXSW) waren aber ganz ähnliche Brillen, die in der Lage sind, Videos und Fotos aufzunehmen, plötzlich ein Massenphänomen: Viele Besucher trugen die von der Snapchat-Mutterfirma Snap vertriebenen Spectacles.

Augmented Reality vor dem Durchbruch? Was Snap richtig macht

Die Brillen zeigen deutlich durch ein kreisendes Licht an, ob sie gerade aufnehmen oder nicht. Und sie sind anders vermarktet als die Google Glasses – als lustiges Spaß-Gerät vor allem für Kids und Jugendliche, die damit alberne Clips aufnehmen und auf Snapchat hochladen, nicht als an die Google-Cloud angebundene alles erfassende Datenbrillen. Die junge Zielgruppe stößt tendenziell auf weniger gesellschaftlichen Widerstand als die Technik-Nerds, die die Early Adopter der Google Glass waren. Snap hat außerdem auf das Design der Brille geachtet, das eher in ein Musikvideo passt als in einen dystopischen Science-Fiction-Film, und mit 129 US-Dollar sind die Spectacles recht günstig.

„Wir haben PCs mit ihren Bildschirmen und so weiter rund um die Limitierungen von Computern gebaut“

Noch fehlt den Spectacles die Augmented-Reality-Schicht. Doch es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis die Technik soweit ist, dass eine neue Generation von Spectacles über das Sichtfeld Einblendungen virtueller Natur legt, ohne dass Kunden dafür zu viel Geld in die Hand nehmen müssen oder der eingebaute Computer den Tragekomfort einschränkt. Dann ließen sich beispielsweise – wie derzeit mit Snapchat auf dem Smartphone – Köpfe in Tacos und Zungen in Hundezungen verwandeln. Der perfekte Einstieg, um eine Technologie zu etablieren, die viele im Falle der Google-Glass-Brillen noch als „creepy“ wahrgenommen haben.

Spectacles-Shop von Snap auf der Fifth Avenue in New York. (Foto: NYCStock/Shutterstock)

Während die lange als neue Geräteklasse gehypten Smartwatches außer im Fitnessbereich nichts können, was Smartphones nicht besser machen, böten Spectacles mit Augmented-Reality-Layer nicht nur spaßige Elemente wie das Ersetzen von Gesichtern mit Hundeschnauzen, sondern perspektivisch schier endlose Möglichkeiten mit echtem Mehrwert: Von eingeblendeten Geoinformationen aus der Wikipedia über dem Gebäude, vor dem der Nutzer gerade steht, über native Navigation bis zur Anzeige von Visitenkarten auf Messen oder einer Augmented-Reality-Version der Dating-App Tinder ist vieles vorstellbar. Und angesichts der Werbemöglichkeiten wie dem Einblenden von speziellen Angeboten von Läden direkt im eigenen Sichtfeld dürften auch Marketer feuchte Hände bekommen.

Auch Apple soll an AR-Brille arbeiten

Snap ist nicht die einzige Firma, der nachgesagt wird, an einer Augmented-Reality-Brille zu arbeiten. Schon Anfang des Jahres berichtete der AR-Experte Robert Scoble unter Berufung auf Insider beim deutschen Optik-Konzern Carl Zeiss, dass Apple und Zeiss zusammen an einer AR-Brille arbeiteten, die noch 2017 erscheinen könnte. Am Rande der SXSW sagte er, ohne Quellen zu nennen, Apple präsentiere ein solches Gerät bereits in den kommenden drei Monaten. Laut Scoble kam das Thema einer AR-Brille schon vor sieben Jahren in einem gemeinsamen Gespräch mit dem damaligen Apple-Chef Steve Jobs und dem heutigen Apple-Chef Tim Cook auf.

Scoble spricht beim von ihm erwarteten Übergang zur Augmented Reality als bevorzugten Weg, wie wir in Zukunft Computer steuern, von der „vierten Transformation“: Erst wurden Textterminals an Computern von Maus und Tastatur verdrängt, dann wurden die Touchscreens der Smartphones die bevorzugte Schnittstelle zwischen Mensch und Computer. Für Scoble steht mit den AR-Brillen die vierte Revolution der Mensch-Computer-Interaktion in den Startlöchern.

Auch Amazon-CTO Werner Vogels erwartet hier einen radikalen Wechsel – allerdings hin zu Sprachsteuerungen. Für ihn waren die bisherigen Schnittstellen zwischen Mensch und Computer – Maus und Tastatur ebenso wie der Touchscreen – vor allem von den jeweiligen Limitierungen der Technik der jeweiligen Zeit geprägt. „Wir haben PCs mit ihren Bildschirmen und so weiter rund um die Limitierungen von Computern gebaut“, sagte er bei einer Veranstaltung der Event-Reihe Tech Open Air (TOA) bei der SXSW. „Es ist viel natürlicher, sie mit Sprache zu steuern – das ist die Art, wie Menschen miteinander interagieren.“

Das Internet der Dinge (IoT) biete die Chance, dass gut sichtbare Dinge unseres Alltags uns direktes Feedback geben. Von Zahnbürsten, bei denen man beim Zähneputzen parallel aufs Smartphone schauen muss, oder Warnungen bei Energie-Verschwendungen auf dem Smartphone-Bildschirm hält Vogels nichts. „Wenn aber die Uhr an der Wand von grün zu rot wird, weil ich zu viel Energie verbrauche, dann ändere ich mein Verhalten“, sagte der Amazon-CTO.

Die Vorträge auf der SXSW waren vor allem von drei Themen dominiert: Technische Revolutionen in Zeiten von US-Präsident Donald Trump, Künstliche Intelligenz und Deep Learning samt Anwendungen wie Chatbots und die wachsende Bedeutung von China mit Apps wie Wechat als Innovationstreiber. Das Thema Augmented Reality spielte auf den Bühnen der SXSW nur eine Nebenrolle. Mit den weitverbreiteten Spectacles auf der Tech-Konferenz hatten viele Besucher der Konferenz aber vielleicht trotzdem einen flüchtigen Blick in die Zukunft direkt vor der Nase.

Thomas

Von der bevorstehenden Revolution durch AR und VR lesen wir jetzt schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten.

Ich aber sage: Alles, wofür man irgendwas auf die Nase / vor das Gesicht setzen muss, wird niemals das nächste große Ding.

Und bin gespannt, ob ich mich nicht doch eines Tages eines Besseren belehren lassen muss ;-)

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Andreas Lenz

Moin Thomas, hatte ich bei Google Glass und vor allem bei den VR-Klötzen am Kopf auch immer gedacht. Durch Spectacle und Snap, die vermutlich alles geben werden um AR als erste in die Breite zu tragen und Apple, die scheinbar zusammen mit Zeiss am Ball sind, könnte das anders werden. Wo technologische Basis und Möglichkeiten auf Stilikonen wie Apple und Zeitgeist (Snap) treffen, liegen große Chancen und Potentiale. Zu einem möglichen Hype der Art passen die extrem vielen nützlichen Usecases und möglichen AR-Metadaten-Layer. Neuartige gute Werbung, ich möchte es eher kontextsensitive personalisierte "AR-Location- & Layer based Pushes" nennen, wird dadurch zum greifen nah und vielleicht nutzwertig wie nie...

Vom Look & Feel gut gemacht, würde ich sowas als Brille jedenfalls gern testen. Bis die vorhandenen technischen Möglichkeiten und Daten direkt auf meiner Linse oder per Chip in meinem Hirn landen, dauert es vermutlich zu lange...

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Andreas Lenz

es entstehen sogar schon Vermarkter an der Kante http://vire.co

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