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Autobranche: Auch deutsche Zulieferindustrie droht Zukunft zu verschlafen

Mit Vollgas in die Zukunft? Wer sich als Zulieferer nicht schleunigst mit der Elektromobilität auseinandersetzt, hat sehr bald schon ein Problem, sagen die Herren von Oliver Wyman. (Foto: Shutterstock)

China fährt Deutschland auch in Sachen Elektromobilität längst davon. Das stört nicht nur VW, BMW und Daimler – sondern zunehmend auch die traditionelle Zulieferindustrie. Deren Aussichten sind düster, klärt eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman.

Nicht nur die deutschen Autohersteller zeigen sich derzeit wenig innovativ. Auch die traditionellen Zulieferer der Branche haben offensichtlich Probleme, sich an neue Gegebenheiten auf dem sich schnell verändernden Markt anzupassen – und drohen bei der Elektromobilität auf der Strecke zu bleiben. Eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman, die die internationalen Perspektiven der Elektromobilität untersucht und Folgen für die bestehende Zulieferindustrie aufzeigen will, prophezeit: Anbieter, die noch stark auf den klassischen Verbrennungsmotor setzen, laufen Gefahr, Marktanteile zu verlieren und Wachstumschancen auszulassen.

Diese Schwäche nutzen will die chinesische Regierung, die eine auf alternative Antriebe ausgerichtete Autoindustrie aufbaut, wie die Studienautoren herausarbeiten. Verschärft werde die Lage durch die zunehmende vertikale Integration der Automobilhersteller (OEM), die zunehmend auch nach der Wertschöpfung ihrer Lieferanten greife. Der Analyse zufolge wird der E-Antrieb schon im Jahr 2025 nur noch knapp 20 Prozent teurer sein als der Verbrennungsmotor und „zu zunehmender Durchdringung führen”, wie es heißt. Von Zulieferern erfordere dieser Umstand „eine konsequent auf Elektromobilität ausgerichtete Produkt- und Markenstrategie sowie neue Kooperationen”, sagen die Strategen von Oliver Wyman.

Preise für Elektroantrieb und Verbrenner gleichen sich zunehmend an. (Grafik: obs/Oliver Wyman)
Preise für Elektroantrieb und Verbrenner gleichen sich zunehmend an. (Grafik: obs/Oliver Wyman)

China startet Verbrenner-Verbannung

Dafür müssten sie bereit sein, sich selbst mit direkten Konkurrenten zu verbünden. Eben auch, weil die aufstrebende Wirtschaftsmacht China mittlerweile stark auf elektrische Antriebe setze. Den Kauf von E-Autos fördere die dortige Regierung über Zuschüsse und Steuererleichterungen – sowie über eine Benachteiligung konventioneller Fahrzeuge im Alltag. So müssen Besitzer von Pkws mit Verbrennungsmotor in einigen Städten eine Maut entrichten oder werden gar mit Fahrverboten bestraft.

Dieses Maßnahmenbündel, darauf verweist die Studie, zeige bereits Erfolge: 2015 seien in China mehr E-Autos verkauft worden als in Europa und Nordamerika zusammen. Parallel beeile sich das Land mit dem Aufbau seiner Elektromobilitätsindustrie. Das Leitbild „Made in China” verlange, dass nicht weniger als 80 Prozent der verkauften E-Autos im Jahr 2025 aus heimischer Produktion stammen. „China positioniert sich als Schlüsselmarkt für Elektromobilität – und andere Schwellenländer werden folgen”, sagt August Joas, Partner und Leiter der globalen Automotive-Practice bei Oliver Wyman.

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Expertentipp: Produkte und Marke neu ausrichten

Hierzulande müsste also endlich auch Bewegung in den Markt kommen. Die überwiegend noch stark im traditionellen Automobilbau verankerten deutschen Zulieferer müssten nun also möglichst schnell eine Strategie entwickeln, wie sie auf die Entwicklungen im Ausland reagieren. Es gelte, die Produkte und die Marke gleichermaßen neu auszurichten, sagen die Experten von Oliver Wyman. Der Vorstoß in die Welt der Elektromobilität müsse allerdings nicht unbedingt allein aus eigener Kraft geschehen. Neben dem Kauf von Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette könnten Kooperationen die Schlagkraft erhöhen, sagt Joas. Auch das Joint-Venture mit einem direkten Konkurrenten dürfe da „kein Tabu sein”. Zugleich sei es wichtig, die internationale Präsenz zu stärken.

Die Lage, heißt es in der Studie wörtlich, sei „knifflig” für die deutschen Zulieferer. „Bereits getätigte Investitionen etwa in Werke für Komponenten von Verbrennungsmotoren lassen Elektromobilität auf kurze Sicht unattraktiv erscheinen”, gibt sich Juergen Reiner, Partner und Automobilexperte bei Oliver Wyman, verständnisvoll. Zudem komme der heimische Markt für E-Autos nur langsam in Schwung – auch, weil die Bundesregierung mit ihrer Gesetzgebung Rücksicht nehme auf die starke traditionelle Automobilindustrie und eher auf Anreize als Verbote setze.

Autohersteller gegen Zulieferer

Doch jetzt falsche Prioritäten zu setzen, könne für die ganze deutsche Zulieferindustrie schwerwiegende Folgen haben: „Mittelfristig drohen die Zulieferer Wettbewerbsvorteile einzubüßen – etwa gegenüber chinesischen Konkurrenten, die sich ganz auf E-Autos spezialisieren. Diese wittern nun Chancen, ihnen Marktanteile abzunehmen”, sagt Reiner. Verschärft würde die Lage dadurch, dass die Automobilhersteller ihre Wertschöpfungstiefe erhöhen. „Sie treiben besonders in der Elektromobilität die vertikale Integration voran und greifen nach zusätzlicher Wertschöpfung”, sagt Reiner. Der US-Hersteller Tesla etwa plant seine eigene „Gigafactory” für Batterien. Auch traditionelle Hersteller wie Daimler und der Volkswagen-Konzern wollen selbst Batterien bauen.

Damit könnte sich der Spielraum für die Zulieferer stark verringern, heißt es in der Studie. „Die bislang wichtigen Module für traditionelle Motoren und Antriebsstränge werden dramatisch an Bedeutung verlieren”, prophezeit Reiner: „Die Wertschöpfung wandert hin zur Batterie.“ Hochspannungskabelsysteme, Leistungselektronik oder Antriebsmanagement würden zunehmend in den Fokus rücken. Das wirke sich auch auf die Produktionstechnik aus: Noch vorherrschende Guss- und Drehmaschinen würden zunehmend durch Wickelmaschinen ersetzt, die für den Bau von Elektroantrieben nötig sind.

Elektroantrieb wird fortlaufend günstiger

Eine weitere wesentliche Erkenntis: Die Kosten für Elektroantriebe und Verbrennungsmotoren nähern sich dank leistungsfähigerer Batterien weiter an. Heute ist der Elektroantrieb der Analyse von Oliver Wyman zufolge noch fast doppelt so teuer wie der Verbrennungsmotor. Doch schon 2025 würde er im Schnitt nur noch knapp 20 Prozent teurer sein, rechnen die Experten vor. Auch das werde die Akzeptanz der E-Autos steigern, sagt Reiner.

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(Foto: © Rawpixel.com Adobe Stock)

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Die Berater von Oliver Wyman gehen zudem davon aus, dass die in vielen Märkten noch vorherrschende Skepsis gegenüber strombetriebenen Fahrzeugen ab 2020 rasch abnehmen wird. „Ein politischer Kurs, wie ihn China einschlägt, könnte im Jahr 2030 zu einem Anteil von 50 Prozent an den Neuzulassungen führen”, prognostiziert Joas. Er sieht die Notwendigkeit für hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, um neue Produkte zu kreieren: Technologie, sagt er, sei „das wichtigste Merkmal zur Differenzierung” – Kooperationen könnten hier schnellere Erfolge bringen.

Parallel gelte es für die Zulieferer, ihren Marktauftritt zu schärfen: „Sie müssen ihr Wertversprechen an ihr neues Produktportfolio anpassen – und können dazu das ‚E‘ als Hebel zur Differenzierung nutzen”, schlägt Berater Joas vor. Denn die Konkurrenz wachse stark: „Elektromobilität lockt branchenfremde Unternehmen etwa aus dem Chemiesektor oder der IT und Elektronik an.” So seien Panasonic und BASF längst ins Geschäft mit Batterietechnik für E-Autos eingestiegen. „Umgekehrt sollten klassische Automobilzulieferer neue Kompetenzfelder erschließen – etwa vernetzte Fahrzeuge”, sagt Joas.

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Eine Reaktion
Aylee
Aylee

Eine stärkere Vernetzung im Umkreis der Automobilhersteller könnte die Arbeitsmarktstruktur noch stärker fördern. Ich habe das Gefühl, dass Zuliefererbetriebe, Partner, Hersteller zu eng verflochten in einem Raum stehen. Doch außerhalb der Stadt gibt es großes Potential für Forschung & Entwicklung. Die Schwäbische Alb ist nicht ohne Grund eine der stärksten Wachstumsregionen Deutschlands. Das sieht man schon an der Vielzahl an Stellenanzeigen hier unter https://www.schwaebische-alb-jobanzeiger.de/ .

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