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So weit ist Elektromobilität inzwischen verbreitet

Wie steht es um die Elektrifizierungsbemühungen der Autohersteller weltweit? Ein neuer Index soll den Markt transparenter machen. (Foto: Shutterstock)

Analyse mit Überraschungen: Anhand des Automotive-Electrification-Index möchte das Beratungsunternehmen Alixpartners einen komplexen Markt „transparenter, nachvollziehbarer und exakter“ abbilden.

Auch wenn es sich derzeit manchmal anders anfühlt: Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs habe in der weltweiten Automobilindustrie „Fahrt aufgenommen“, konstatiert das Beratungsunternehmens Alixpartners. Konkrete Zahlen will man diesbezüglich ab sofort anhand des sogenannten Automotive-Electrification-Index abbilden.

Dieser soll quartalsweise die elektrische Reichweite der verkauften Fahrzeuge nach Weltwirtschaftsregionen, Ländern und Autoherstellern aufzeigen, heißt es vom Unternehmen. Zusätzlich ausgewertet werde der Elektrifizierungsgrad der verkauften Gesamtfahrzeugflotte.

Alixpartners sagt, man habe mit diesem neuen Werkzeug einen Ansatz entwickelt, der die Fortschritte der Elektrifizierung gerade für einzelne Länder und Autohersteller „deutlich transparenter, nachvollziehbarer und exakter“ messe. Der Schlüsselwert in der Berechnung des Index sei dabei die in den jeweiligen Absatzmärkten oder von Autoherstellern verkaufte elektrische Reichweite, also die Strecke, die ein elektrifiziertes Auto ohne Unterstützung durch einen Verbrennungsmotor und ohne Wiederaufladen zurücklege.

Elektrifizierung setzt sich „massiv“ durch

Aus der nun veröffentlichen ersten Ausgabe des Index geht hervor, dass es im Hinblick auf die Elektrifizierung von Fahrzeugen „deutliche regionen- und länderspezifische Unterschiede“ gebe. Vor allem der chinesische Absatzmarkt und Hersteller aus China hätten in den vergangenen Jahren „deutlich aufgeholt“, auch wenn mit Tesla ein US-amerikanischer Player „weiter in einer eigenen Liga“ spiele, sagt Alixpartners. Blicke man auf Einzelstaaten, so falle die starke Position kleinerer europäischer Länder auf, die mit zum Teil gewichtigen staatlichen Anreiz- und Infrastrukturprogrammen die Elektrifizierung befördern würden.

Grundsätzlich, heißt es, beginne sich die Elektrifizierung in der globalen Automobilindustrie „massiv durchzusetzen“. Marktanteil und Anzahl der weltweit verkauften batteriebetriebenen Fahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge und Plugin-Hybride hätten sich seit dem ersten Quartal 2013 bis zum zweiten Quartal 2017 „ungefähr versechsfacht“.

Betrug deren Marktanteil damals noch 0,21 Prozent (Q1/2013), stieg er bis zum zweiten Quartal 2017 auf 1,19 Prozent an. Die Anzahl der verkauften Elektrofahrzeuge wuchs nach Angaben von Alixpartners von 41.023 (Q1/2013) auf 260.411 (Q2/2017). Mehr als versechsfacht hat sich laut des Automotive-Electrification-Index analog dazu auch die insgesamt verkaufte elektrische Reichweite aller Fahrzeuge und erreichte nun rund 47,5 Millionen Kilometer (Q2/2017) nach 7,3 Millionen Kilometern (Q1/2013).

Der zusätzlich in der Analyse erhobene Elektrifizierungsgrad der verkauften Fahrzeugflotte halte damit allerdings nicht ganz Schritt, wie es heißt. Dieser habe sich nämlich von 0,08 Prozent auf 0,43 Prozent nur etwas mehr als verfünffacht.

Auch wenn der Trend in beiden Fällen deutlich nach oben weise, sei die Volatilität hoch. Rückgänge in Einzelquartalen seien durchaus möglich, prognostiziert Alixpartners. Singuläre Ereignisse könnten die Fortschritte der Elektrifizierung in der Automobilindustrie „merklich hemmen“. So führt Alixpartners den deutlichen Rückgang in beiden Analysen im ersten Quartal 2017 auf das vorübergehende Aussetzen staatlicher Anreizprogramme in China zurück.

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China: „rasante Entwicklung“

Blickt man auf die großen Weltwirtschaftsräume China (in diesem Fall „Greater China“ inklusive Taiwan und Hongkong), Europa, Nordamerika und Japan/Korea, die zusammen ganze 86,3 Prozent (Q2/2017) des weltweiten KFZ-Absatzmarktes ausmachen, werde „die aktuelle Stärke Chinas“ deutlich. Im zweiten Quartal 2017 seien dort laut Index Fahrzeuge mit insgesamt rund 22,5 Millionen Kilometern an elektrischer Reichweite abgesetzt worden, in Europa hingegen mit circa 12,6 Millionen Kilometern kaum mehr als die Hälfte. Nordamerika folge mit rund zehn Millionen, der Wirtschaftsraum Japan/ Korea mit zwei Millionen Kilometern.

Dieselbe Reihenfolge zeige der Elektrifizierungsgrad der verkauften Fahrzeugflotte, auch wenn die Abstände zwischen den Weltwirtschaftsräumen weniger groß seien, wie es heißt. In China betrage der Elektrifizierungsgrad aller verkauften Autos 0,7 Prozent, in Europa 0,46, in Nordamerika 0,37 und in Japan/ Korea 0,25 Prozent.

China vollziehe dabei „eine rasante Entwicklung“, konstatiert Alixpartners. Sowohl im Automotive-Electrification-Index als auch im Hinblick auf den Elektrifizierungsgrad der dort verkauften Fahrzeuge sei China vom letzten Platz gestartet und habe innerhalb von viereinhalb Jahren die Spitzenposition erobert.

Nordamerika: „Tesla bleibt Solitär“

In Nordamerika bleibe Tesla ein Solitär und scheine noch keinen Brancheneffekt ausgelöst zu haben. „Sowohl der europäische als auch der nordamerikanische und der japanisch-koreanische Absatzmarkt drohen bei der Elektrifizierung hinter China zurückzufallen. Das ist eine große Herausforderung nicht nur für die Automobilindustrie, sondern auch für die Regierungen vieler Staaten, die voraussichtlich noch stärker über Anreiz- und Infrastrukturprogramme nachdenken werden“, sagt Marcus Kleinfeld, Director bei Alixpartners.

Dass regulatorische Maßnahmen und staatliche Anreizprogramme durchaus dazu beitragen können, die Fortschritte der Elektrifizierung zu beschleunigen, zeige die Entwicklung in den einzelnen Staaten, schreiben die Erfinder des Index. Diese liefere „ein differenzierteres Bild als der Blick auf die weltwirtschaftlichen Großräume“. 

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Eine Reaktion
Carl_Grau
Carl_Grau

So eine spannende Entwicklung. Es ist höchst interessant zu beobachten, wie nun die unterschiedlichen Automobilhersteller versuchen, dem Konkurrenzdruck und der Marktentwicklung Stand zu halten. So hat ja Volvo beispielsweise angekündigt, ab 2019 nur noch E-Autos auf den Markt zu werfen, siehe den Artikel Volvo 2019 nur noch mit Elektromotor . Und die Zeit bis dahin ist schnell vergangen. Ob die das einhalten können, ist daher fraglich. Ich werde das Geschehen weiterhin gespannt beobachten.

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