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Bachelorarbeit vorgestellt: Journalisten vs. Blogger

    Bachelorarbeit vorgestellt: Journalisten vs. Blogger
Foto: © MacX, Fotolia.com

In den letzten Jahren konnte der Eindruck entstehen, dass Blogger bei Journalisten nicht sehr beliebt sind. Blogger seien unprofessionell und besserwisserisch. Blogger trügen nichts zum öffentlichen Diskurs bei, außer ihrer eigenen selbstverliebten Meinung. Umgekehrt wurden und werden Fehler des traditionellen Journalismus von Bloggern gerne korrigiert und kritisiert. Kein Wunder, dass sich die beiden Seiten nicht immer freundschaftlich zugeneigt waren. Aber sind sie so verschieden und wie unterscheiden sie sich?

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Wer sind „die Blogger“? Eine Definition

Wenn über Blogs und Journalismus diskutiert wird, dann können einige Fehler gemacht werden. Schon der erste Nebensatz dieses Artikels ist problematisch. „Blogger bei Journalisten nicht sehr beliebt“ – Moment. Journalisten können doch auch Blogger sein und umgekehrt. Wenn Blogger also mit Journalisten verglichen werden sollen, müssen Blogger gegenüber Journalisten abgegrenzt werden. Aber nicht nur das.

Um sie ernsthaft mit Journalisten vergleichen zu können, muss auch die Gruppe der Blogger differenziert werden. Es gibt jede Menge Blogs, die nur zu privaten Zwecken geführt werden, ohne jeglichen journalistischen Anspruch. Wenn von „den Bloggern“ gesprochen und dabei nicht genauer beschrieben wird wer gemeint ist, begeht man also einen groben Fehler.

Im Rahmen der vorliegenden Bachelorarbeit wurde der Untersuchungsgegenstand „Blogger“ folgendermaßen definiert:

Im Vergleich zu anderen Bloggern zeichnet sie aus, dass sie weitestgehend nicht über ihr Privatleben schreiben, sondern Themen behandeln, die zumindest für eine Teilöffentlichkeit interessant sind. Außerdem werden sie nicht von Unternehmen bezahlt und wenden wöchentlich eine gewisse Zeit für ihr Blog auf. Mit diesen Kriterien sollte sichergestellt werden, dass die befragten Blogger durchaus genuine journalistische Funktionen erfüllen können.

Von klassischen Journalisten trennt sie, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehrheitlich mit journalistischen Tätigkeiten verdienen.

Mit „Bloggern“ sind also im folgenden die Teilnehmer der Studie gemeint, die die gerade genannten Kriterien erfüllen.

Nachdem diese Differenzierungen vorgenommen waren, konnten die Blogger zu ihrem Selbstbild und ihrer Arbeitsweise befragt werden. Um sie möglichst gut mit Journalisten vergleichen zu können, wurden Fragen aus einem Fragebogen Siegfried Weischenbergs verwendet, welcher für die Befragung von Journalisten verwendet worden war. Die Ergebnisse von Weischenbergs Befragung, die 2006 in dem Buch „Die Souffleure der Mediengesellschaft“ veröffentlich wurden, konnten dann mit den Resultaten der Blogger-Befragung verglichen werden. Wie sieht der Vergleich aus?

Wofür Blogger ihre Zeit aufwenden

62,9 Prozent der Zeit, die Blogger wöchentlich für ihr Blog aufbringen, verwenden sie zur Recherche oder mit dem Verfassen/Redigieren eigener Texte. Mit 303 bzw. 240 Minuten durchschnittlich pro Woche sind das die Kerntätigkeiten der Blogger. Am drittmeisten Zeit verbringen sie mit dem Kontakt zu den Lesern. Journalisten bringen nur 42,7 Prozent ihrer Zeit für Recherche und das Verfassen/Redigieren eigener Texte auf. Bei dem Vergleich ist allerdings zu beachten, dass bei Journalisten die Minutenzahl pro Tag und bei Bloggern die Minutenzahl pro Woche betrachtet wurde.

Wie ihr Rollenbild aussieht

Weischenberg und die anderen Beteiligten hatten für ihre Studie drei verschiedene Rollenbilder entworfen, die mit jeweils fünf „Items“ abgefragt wurden (siehe Grafik). Vor allem im Rollenbild „Information & Vermittlung“ finden sich größere Unterschiede zwischen Bloggern und Journalisten. Blogger konzentrieren sich insgesamt nicht auf Nachrichten für ein breites Publikum und legen nur vermindert Wert darauf „das Publikum neutral und präzise zu informieren“. „Meinungsfreudigkeit“ (vgl. Armborst 2006, S.10) ist charakteristisch für Blogs, das wird auch durch ein Item aus dem Rollenbild „Service und Unterhaltung“ bestätigt. 73 Prozent der Blogger sagten, dass sie „dem Publikum eigene Ansichten präsentieren“ wollten. Das meinen nur 19 Prozent der Journalisten.

Die Moral der Blogger

Weiterhin sollten die Probanden verschiedene Recherchemethoden bewerten. Hier sollte geprüft werden, inwiefern Blogger moralisch korrekt handeln. Insgesamt lehnten die Blogger alle aufgelisteten Recherchemethoden stark ab. Sie handeln also eher moralisch, was allerdings auch zu einem Problem werden kann. Wenn jeder Journalist so mustergültig handelt, wie es die Blogger angeben, wäre so manche wichtige investigative Recherche nie durchgeführt worden.

Fazit

Im Ganzen lassen sich Blogger folgendermaßen charakterisieren: Sie sagen ihre Meinung und stehen in engem Kontakt mit ihrem Publikum. Dabei ist ihr primäres Ziel ihr Publikum zu unterhalten. Sie verwenden ihre Zeit vor allem für die Recherche und das Schreiben von Texten und fühlen sich moralischem Handeln verpflichtet.

Diese Aussagen können über die Stichprobe getroffen werden, die in diesem Fall untersucht wurde. Generell sollte es eher vermieden werden Pauschalurteile über Blogger zu fällen. Die Vielfalt verschiedenartiger Blogs ist zu groß.

Das Rollenbild oder die Rollenbilder von Bloggern sind ein komplexes Forschungsfeld und diese Ergebnisse sind als Anstoß zu betrachten, dieses Feld weiter zu erforschen.

Weitere Hintergrundinformationen zur Bachelorarbeit „Journalisten vs. Blogger“ findet ihr auf www.konjunktivist.de.

Was haltet ihr von den Erkenntnissen? Interpretiert ihr die Zahlen ähnlich oder fallen euch andere Dinge auf?

Über den Gastautor

Jonathan Kleinpass hat Medienmanagement in Hannover studiert. In seiner Bachelorarbeit „Journalisten vs. Blogger“ hat er die beiden Gruppen hinsichtlich ihres Selbstverständnisses miteinander verglichen. Von Zeit zu Zeit bloggt er unter konjunktivist.de oder twittert als @koreanderkult.

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6 Reaktionen
tanjahandl
tanjahandl

@ Jonathan: Alles klar! Danke für die rasche Antwort. :)

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Jonathan Kleinpass

@Jorni: Die N's bei Weischenbergs Umfrage haben variiert und lagen immer so um die 1500.
Es wurden folgende Recherchemethoden abgefragt:

ohne Genehmigung vertrauliche Regierungsunterlagen zu benutzen; sich als Mitarbeiter in einem Betrieb zu betätigen um an Informationen zu gelangen; Leuten für vertrauliche Informationen Geld zu bezahlen; sich als eine andere Person auszugeben; eine andere Meinung oder Einstellung vorzugeben, um Informanten Vertrauen einzuflößen; versteckte Mikrofone oder Kameras zu benutzen; unwillige Informanten unter Druck zu setzen um Informationen zu bekommen; private Unterlagen von jemandem ohne dessen Zustimmung zu verwenden; Informanten Verschwiegenheit zusagen, aber nicht einhalten.

Dabei wurde eine 5 er Skala mit folgenden Ausprägungen verwendet (1 = „voll und ganz“, 2 = „überwiegend“, 3 = „teils/teils“, 4 = „weniger“, 5 = „überhaupt nicht“ vertretbar)
Die Journalisten standen diesen Aussagen auch eher ablehnend gegenüber, allerdings stimmten sie bei einigen eher zu (Was in gewissen Situationen nicht verwerflich sein muss).

@Regina: Das wurde auch in einer 5er Skala abgefragt, wobei die Ausprägungen 1 und 2 als Zustimmung zusammengefasst wurden. Dabei habe ich mich an Weischenberg orientiert, der auch so vorgegange ist. Die Ausprägungen waren: (1 = „voll und ganz“, 2 = „überwiegend“, 3 = „teils/teils“, 4 = „weniger“, 5 = „überhaupt nicht“ vertretbar)

@Tanja: Das "-" in der Tabelle ist nicht als 0 zu verstehen, sondern wurde von mir nicht erhoben. Ich denke Wartungsarbeiten, wie sie wohl jeder Blogger auch mal machen muss, fallen unter Organisation und Verwaltung.

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Non-Blogger
Non-Blogger

Es gibt auch viele Bezahl-Blogger und Lobby/Firmen-Blogger. Neulich hiess es doch hier oder Meedia von einem Blogger-Feind mit eigenem Blog "ich konnte mit meinem Blog 1600 Visitors mit 1 Stunde Aufwand erklären statt 1600 Leuten jeweils 1 Stunde dasselbe zu erzählen".

"Die Journalisten" gibt es ja auch nicht. Fachzeitschriften die nur im Abo sind, sowie Yellow-Press die über schwangere Prinzessinnen und Geliebte und uneheliche Kinder und Scheidungen sowie Volksmusik- und Schlager-Sänger berichtet, sind auch alles Journalisten laut Eigendefinition der Vereinigung.

"Die Stahlfirmen" sind relevant. "Die Goldproduzenten" gibts vielleicht nur 2 Stück in Deutschland (Degussa und vielleicht noch wer). Trotzdem sind beide Beispiel-Gruppen nicht "Die Metallproduzenten".

So wie alle Journalisten 2-3 ehrbare Berichte pro Jahr als Ablenkung für ansonsten großflächig schlampige Arbeit oder 90% dpa/reuters-Anteil in ihren Publikationen zählen, so sind ein paar ehrbare Blogger auch nur eine (positive) Spitze eines Eisberges mit vielen Segmenten.

Wenn Vanille-Eis mit Dioxin verseucht ist, weil Vanille verseucht ist, hat Erdbeer-Eis und Schokoladen-Eis nix damit zu schaffen und ist nicht betroffen. Dieselbe Diversifizierung sollte man bei Bloggern im Kopf behalten. "Die Blogger" ist somit eine Vereinfachung zur Arbeits-Ersparnis. Bei TV wird "PayTV" "PrivatTV(besser WerbeTV)" "NischenSender" sowie "ÖR-Sender" unterschieden. Bei Radio gibts "Privat-Lokalradio" und "ÖR-Radio". Es wäre also vielleicht sinnig, bei Bloggern auch zu differenzieren weil man sonst "DENEN" formulierungstechnisch in die Hände spielt und alle Blogs bald abgeschaltet werden, weil sie keine 5000 Euro teuren Jugendschutz-Gutachten bezahlen können und sowieso nur unwesentliche Privatmeinungen sind und man nur offizielle Presse lesen darf oder was "DIE" sich sonst so einfallen lassen werden.

Wenn man nur Vanille-Eis testet oder nur Mountain-Bikes schreibt man ja auch nicht "Das Speiseeis" "Das Fahrrad-Angebot" usw. Weil "Das Internet" pauschal suspekt und kontrolliert und unterworfen werden muss, spielt man denen durch "Die Blogger" "Die PC-Nutzer" "Die Internet-Nutzer" in die Hände. "Alle Finanzminister" "Alle Politiker mit Dr-Titel" "Alle Politiker" u.ä. hingegen wird nicht genutzt.

Und bei "Die Journalisten" gehts auch nur um die Mainstream-Journale. Die hunderten Fachzeitschriften u.ä. werden gerne übersehen.

Die Relevanz/Reichweite der Journalisten bzw. Blogger fehlt halt auch. Allerdings mögen Journalisten mit rot/schwarz/grün/neoliberal/enteignerisch gefärbten einseitigen "Berichten" ja eine hohe Reichweite haben, aber Journalismus war das noch nie.

Der Abschnitt mit Moral hätte etwas erklärender sein können weil mir nicht klar wird, worum konkret es ging.
Wie wir täglich in der (vom Presserat moralisch kontrollierten) Bezahl-Presse lesen können, interessiert Qualitäts-Moral recht wenig. Die ständige Diffamierung von news.google zeigt das beispielsweise sehr deutlich.
Und das Bezahlblogger billig zu haben sind, hat Bloggergate dieses Jahr ja gezeigt. Und die taz dasselbe mit käuflichen Zeitungsberichten.

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tanjahandl
tanjahandl

Sehr interessant - wobei ich mich wundere, wie die 0 Minuten für den Technikaufwand bei den Bloggern zustande kommen - wie kann es sein, dass der bei Journalisten höher ist? Besonders, wenn die Angaben für Blogger pro Woche sind, kommt mir diese Zahl spanisch vor. Einige Minuten gehen sich auch regelmäßig fürs Warten drauf.

Liebe Grüße, Tanja

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Regina Haberfellner

Finde ich auch sehr interessant!
Mich würde noch interessieren, welche Antwortmöglichkeiten es bei den drei Rollenbildern gab. Nur Ja/Nein oder abgestuft?

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jorni

Sehr spannende Erhebung, die eine klassische Analyse von Weischenberg ausweitet. Dazu ein paar Anmerkungen:

1. Ich finde, du solltest die zugrundeliegenden Zahlen deutlicher im Artikel hervorheben, insbesondere die verschieden hohen Teilnehmerzahlen bei Bloggern und Journalisten. Zudem finde ich problematisch, bei Journalisten und Bloggern verschiedene Skalen für die Minutenangaben zu verwenden - auch wenn du es im Text erklärst, halte ich ein Umrechnen für eindeutiger.

2. Den Abschnitt über die Moral der Blogger finde ich zu knapp - um welche Recherchemethoden handelte es sich? Sind es ausschließlich "moralisch verwerfliche" Methoden, oder woher leitet sich die Aussage ab, dass die Ablehnung der Blogger für hohe Moral spricht? Und wenn ja, nach welchen Kriterien werden die Methoden als "moralisch verwerflich" bewertet? Gibt es Vergleichswerte für die Journalisten?
Zu bedenken möchte ich auch geben, dass Moral nicht unbedingt das Handeln bestimmen muss: Es ist durchaus denkbar, dass auch Journalisten einige der Recherchemethoden für moralisch kritisch halten, sie aber dennoch einsetzen, weil es beruflich notwendig ist oder einem als höher bewerteten Ziel folgt.

3. Die Erhebungen zum Rollenbild finde ich sehr gelungen. Doch hier gilt, dass das eigene Rollenbild nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen muss - spannend wäre daher ein Vergleich mit einer Erhebung, die die journalistischen und bloggerischen Texte selbst zum Ausgangspunkt nimmt.

4. Wünschen würde ich mir noch eine Bewertung der jeweils anderen Seite: Was denken Journalisten wirklich von Bloggern und umgekehrt? Das würde es vereinfachen, die Aussagen aus der Einleitung zu prüfen.

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