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Bank der Zukunft: EC-Karten mit Kontostand-Display und andere Wunschträume

Bank der Zukunft: EC-Karten mit Kontostand-Display und andere Wunschträume

„Papa, was sind das für Zahlen auf deiner Karte?“ fragt mein siebenjähriger Sohn, als er meine EC-Karte sieht. „Das ist eine Kontonummer“ antworte ich. „Steht da wie viel Geld du hast?“ fragt er weiter. Ich verneine. „Warum nicht?“ will er wissen. Ja, warum eigentlich nicht?

Bank der Zukunft: EC-Karten mit Kontostand-Display und andere Wunschträume

Gestern

Die Art und Weise, wie wir heute mit Geld umgehen, hat sich dramatisch geändert. Spulen wir die Zeit etwas zurück und schauen uns an, wie unsere Eltern in den 1980ern mit Geld umgegangen sind und auch heute noch umgehen. Die private Finanzlandschaft war einfach strukturiert. Es gab den Begriff „Personal Finance Management“ nicht. Man hatte ein Girokonto, ein Sparbuch und eine Immobilienfinanzierung. Versicherungen wurden bei einer Versicherung abgeschlossen. Versicherungsmakler war meist jemand aus dem Bekanntenkreis. Stromanbieter gab es genau einen. Den Telefonanschluss hatte man beim Fernmeldeamt und das Telefon hatte eine Wählscheibe mit Häkeldeckchen.

wählscheibe telefon
© sasel77 - Fotolia.com

Groß eingekauft wurde einmal die Woche im Supermarkt. Vorher wurde Bargeld geholt, auch einmal die Woche. Zwischendurch ging man in den Tante-Emma-Laden im Ort, da wurde auch mal angeschrieben und am Ende der Woche bezahlt.

Regelmäßige Ausgaben wurden per Lastschrift eingezogen oder es gab einen Dauerauftrag. Beides wurde händisch gemacht und in der Filiale (oft im Ort) abgegeben. Man kannte seinen Bankberater meist persönlich. Kontoauszüge gab es auf Papier und den Kontostand bekam man beim Geld abheben mitgeteilt. Nebst prüfenden Blick des Bankberaters.

Postleitzahlen waren vierstellig und es gab noch Yes Torty und Raider. Bis auf die Musik war alles in Ordnung.

Natürlich hatte man auch finanzielle Sorgen und Ängste. Aber man hatte einen recht guten Überblick über die eigene finanzielle Situation.

Heute

Schauen wir uns an wie wir, die Generation X, Y, C64 oder @, heute mit Geld umgehen, sieht die Sache anders aus. Man hat nicht mehr nur ein Girokonto, sondern im Durchschnitt 2,5. Versicherungen hat man bei unterschiedlichen Anbietern. Vor allem hat man mehr als früher. Zum Telefonanschluss gesellen sich gleich 2 Mobilfunkverträge, DSL und TV. Eingekauft wird online. Bezahlt mit Paypal und Co. Im stationären Handel wird mit EC oder Kreditkarte bezahlt und obwohl Deutschland noch immer am Bargeld hängt, nehmen bargeldlose Zahlungen stetig zu.

Heute ist man überschuldet. Man finanziert viel mehr als früher. Wenn man sich einen neuen Fernseher kaufen will, steht meist schon die Finanzierung, bevor man sich für das Modell entschieden hat.

Wir haben heute alles. Nur keine Ahnung. Vor allem haben wir keinen blassen Schimmer wo unser Geld hin geht. Fragt man den Otto Normalverbraucher nach seinen Fixkosten, passiert dies: er rechnet im Kopf exakt folgende Posten zusammen: Miete, Strom, Telefon/Kommunikation = X hundert Euro. Versicherungen, Verträge, Zeitungsabos, digitale Abos etc. wird alles gänzlich vergessen. Und so wundert man sich, dass trotz der gar nicht mal so hohen Fixkosten am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist.

smartphone
© Maksim Kostenko - Fotolia.com

Trotz der Digitlaisierung des Zahlungsverkehrs zahlen wir heute nicht in Echtzeit, sondern mit Verzögerung. Tage später wird das Geld vom Konto abgebucht, da hat man den Einkauf längst vergessen. Das trägt nicht gerade zur Übersicht bei.

Die Elektronisierung des Zahlungsverkehrs Mitte der 1980er Jahre brachte neue Möglichkeiten. So konnte man mit BTX nun seine Rechnung online bezahlen. Mit den Internetanschlüssen kamen auch die ersten Online-Banking-Produkte auf den Markt. Anfangs zum reinen Bezahlen konzipiert, wurden diese immer weiter ausgebaut. Personal Finance Management war geboren und zwischen den Anbietern kam es zum Feature-War. Es waren nicht mehr nur Überweisungen möglich, detaillierte Auswertungen sollten dem Anwender einen Überblick über seine finanzielle Situation geben. Letztendlich erreichte man aber nur die Generation derer, die ohnehin mit Geld umgehen gelernt hatte und gab dieser Zielgruppe ein Werkzeug, um sich die alte Übersicht zurück zu holen.

Unsere Generation ist anders. Wir leben und zahlen virtuell. Geld ist nicht mehr greifbar, sondern wird zu einem abstrakten Gegenstand. Wir finden im Internet auf alles eine Antwort. Unser Smartphone kann uns etwa auf Anhieb sagen, wie hoch der Mount Everest ist oder wann der beste Kumpel Geburtstag hat. Wohin unser Geld geht nicht, erfahren wir nicht. Wir brauchen keine Personal-Finance-Management-Tools. Wir wollen nichts „managen“.

Es ist ganz einfach: Wir wollen nur Antworten auf die einfachen Fragen: Wo geht das Geld hin, warum hab ich so wenig über und kann ich mir eine Sache X oder Y leisten. Mehr nicht.

Morgen

Wir befinden uns in einem Umbruch. Es wird viel diskutiert über alternative Bezahlverfahren, über Personal Finance Management. Über Technologie. Über Mehrwertdienste.

Es wird darüber diskutiert, wie man mit dem Anwendern in Zukunft Geld verdienen kann. Es wird aber zu wenig darüber diskutiert, was der Anwender braucht.

Ich bin chronisch pleite. Ich brauche keinen Mehrwertdienst, der dazu führt das ich Dinge kaufe, die ich nicht brauche. Ich möchte mein Geld nicht „managen“ und  Auswertungen interpretieren. Ich kann kein BWL. Ich brauche kein Personal Finance Management, ich brauche Personal Finance Overview.

Übermorgen

Meinen Kinder wünsche ich einen echten Überblick über deren finanziellen Situation. Ich wünsche mir, dass die kommende Generation ihr Geld nicht „managen“ muss, sondern einfach weiß wohin ihr Geld geht. Ich wünsche mir eine Technologie, die mir vor dem Kauf sagt: „Junge, tu es nicht. Du bist gerade pleite.“ Ich wünsche mir keine Smartphone-App. Ich möchte dass mir das Medium, mit dem ich bezahle, sagt wie ich gerade finanziell dastehe.

Warum also zeigt mir die EC-Karte nicht meinen Kontostand? Ja warum eigentlich nicht?

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3 Antworten
  1. von Jan Reinhard am 27.09.2013 (13:53 Uhr)

    Hallo Herr Klotz,
    trotz Ihrer richtigen Analyse übersehen Sie ein kleines Detail bei Ihrem Wunschzettel. Künftig (>5J.) wird es nur noch selten EC-Karten geben. Die meisten Mobile Payment Lösungen sehen diese integriert im Smartphone.
    Gruss
    JR

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  2. von Maik Klotz am 27.09.2013 (15:36 Uhr)

    Mir ist die Technologie nicht wichtig. Ob nun EC-Karte oder App. Ich möchte einfach vorher wissen was passiert.

    Dieser Satz bringt es vielleicht auf den Punkt: "Ich möchte dass mir das Medium, mit dem ich bezahle, sagt wie ich gerade finanziell dastehe."

    Grüße

    Maik

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  3. von Tradition am 28.09.2013 (04:06 Uhr)

    Der Kontostand ist weniger wichtig als der frei verfügbare Cash-Flow. Wenn durch Miete, Abos,... Gelder gebunden also quasi reserviert sind, müsste das klar kenntlich gemacht werden. Man sollte auch keine Überschuldung unterstützen sondern dafür sorgen das jeder seinem Perzentil in der Lohnscala entsprechend lebt oder billiger um früher in Rente gehen zu können. Punktwolken versteht jeder wenn sie gut graphisch dargestellt werden. Dann sieht man, das der TV zu teuer für einen ist oder der Urlaub. Es bräuchte nur eine Bank anfangen. Dann müssten die anderen nachziehen. Aber man kann nicht mal Kontoauszüge als CSV kriegen und sein neues Iphone per Kassenbon-QR-Code als Betriebsausgabe ans Finanzamt melden sondern muss immer noch Kassenbons einsenden statt die mehrfach vom Staat geretteten Banken die Betriebsausgaben-Liste ans Finanzamt senden zu lassen...
    Sowas ist trivial. Wenn eine Bank oder Elektronik-Fachmarkt-Kette es anfängt, müssen alle anderen nachziehen.

    Wer Länder kennt, wo man abmahn-frei, trivialpatent-frei und ohne Schikanierung pogrammieren darf, kann ja mal Hinweise geben.

    Wer es übrigens noch nicht mitbekommen hat: Die EC-Karten haben bald wohl NFC eingebaut. Per Handy ist es vermutlich bequemer, aber im Prinzip kann man NFC-Aufkleber für Firmen-Konto und für Privatkonto auch am Schlüsselbund haben und über die Kasse ziehen.
    Interessant ist, das Banken bis heute keine Email-Bestätigung von Online-Käufen per Kreditkarte abfragen hingegen NFC verhältnismäßig schnell einführen. NFC wird vielleicht als Bedrohung gesehen während Kunden-Optimierung anscheinend eher nicht in Usability gesucht wird.
    Handwerker-Software müsste QR-Codes draufschreiben damit man die Zahlen nicht mehr abtippen muss. Stattdessen muss man bald 30stellige Nummern abtippen. Wie viel Prozent der Überweisungen werden falsch woanders landen ? Gleichzeitig kann man immer noch nicht seine Lastschriften online verwalten und Abos per Online-Banking kündigen.

    Fortschrittsverhinderung ist Tradition.

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