Sogenannte Unkonferenzen sind die Anti-Bewegung in der Konferenzenwelt. Podiumskonferenzen, vorgefertigte Agenden, bis ins kleinste Detail durchorganisierte Superkonferenzen und kostspielige Tagungen haben ausgedient - wenn man den Anhängern dieser Kultur glaubt. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter Begriffen wie "FooCamp", "BarCamp" oder "Open Space"? Bei diesen neuen Konferenzformaten gibt es keine starren Agenden und keine passiven Zuschauer. Und vor allem: Alles ist kostenlos. T3N stellt drei Formate vor, die in der Lage sind, die Welt der Konferenzen auf den Kopf zu stellen - und das zum Teil sogar schon tun.
FooCamp
Unter FooCamp versteht man eine vom Verlag O'Reilly organisierte Veranstaltung, bei der das Programm erst im Laufe des Tages von den Teilnehmern gestaltet wird. Laut Selbstbeschreibung gibt es keine Agenda - bis die Teilnehmer eine machen. FooCamp ist damit eine typische Form der Unkonferenz, bei der es keine passiven Zuschauer sondern nur aktive Teilnehmer gibt. Das Wort Unkonferenz hingegen ist älter als das O'Reilly-Event: Es entstand bereits 1998 im Rahmen der XML Developers Conference.
Zu den FooCamps gibt es jedoch nur beschränkten Zugang: Ohne eine Einladung kein Einlass. Der Idee entstand, als eine Mitarbeiterin den Verlagsgründer Tim O'Reilly mit ihrer Idee einer Foo bar, in der Freunden des Verlagschefs Drinks gereicht werden sollten. Die Idee wurde später zum FooCamp. Während einer der Veranstaltungen wurde jedoch in Erinnerung an die Ursprünge eine Bar mit dem Namen "Foo bar" aufgebaut.
Der Begriff "Foo" wurde übrigens später ein Backronym, also ein Begriff, dem erst später eine sinnvolle Bedeutung zugefügt wurde: Friends of O'Reilly.
BarCamp
2005 wiederum schickten sich einige Amerikaner an, ihre eigene Unkonferenz nach dem Vorbild von O'Reillys FooCamp zu organisieren. Sie waren auf der Heimreise von einer Konferenz und Ryan King hatte die Idee, auf das von O'Reilly organisierte Camp zu antworten. Im Gegensatz dazu wollte er seine Idee jedoch offen wissen. Der Gedanke der Kostenlos-Kultur wurde hier außerdem gepflegt - ein weiterer großer Vorteil der BarCamps.
Von den BarCamps haben sich außerdem Themen-Camps abgespaltet, die im Gegensatz zu den eher allgemein gehaltenen BarCamps speziellere Themenbereiche behandeln. Traditionell übernimmt die Organisation eines BarCamps eine Gruppe Freiwilliger, die über Sponsorengelder die Unkonferenz finanzieren. Eintrittsgelder gibt es in der Regel nicht.
Die auf den Regeln im Film "Fight Clubs" basierenden BarCamp-Regeln besagen unter anderem, dass Neulinge bei ihrem ersten BarCamp etwas präsentieren müssen. Eine andere regelt, dass es nur Teilnehmer und keine "Touristen" gibt. Doch um es mit einem Filmzitat zu sagen: Es handelt sich dabei mehr um Richtlinien als um wirkliche Regeln (Fluch der Karibik).
Der Name BarCamp geht aufs Programmieren zurück: "Foo" ist dort ein typischer Platzhalter, ebenso "Bar".
Open Space
Die Gründungsgeschichte des "Open Space" ist mittlerweile zu einer Art Legende avanciert und die geht so: Über ein Jahr war Harrison Owen mit der Planung eines Kongresses für Organisationsentwickler beschäftigt, der auch reibungslos ablief. Doch nach der Veranstaltung kam ein Freund auf ihn zu und sagte: "Großartig, aber das beste waren die Kaffepausen". Er dachte darüber nach und fragte sich, ob er wohl eine Konferenz organisieren könnte, die nur aus Kaffeepausen bestand. Die Idee der Open Spaces war geboren.
Ähnlich wie bei BarCamps oder FooCamps werden auch bei Open Spaces zu Anfang die Themen festgelegt, die während des Open Space besprochen werden sollen. Dann beginnt die Arbeit in kleineren Projektgruppen, die am Ende den Anwesenden vorgestellt wird.
Das "Gesetz der zwei Füße" besagt außerdem, dass der Teilnehmer während der Veranstaltung zwischen den Gruppen wechseln kann. Es dreht sich alles darum, Teilnehmer zum Mitmachen zu motivieren und um das Thema "Etwas verändern". Diese beiden Dinge treiben den Open Space voran. Die Unterschiedlichkeit der Menschen spielt dabei eine wichtige Rolle. Eine der vier Regeln des Open Space besagt: "Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute".
Andere Formate
- Webmontage finden abends statt und bieten neben einem Essen auch kurze Vorträge an. Doch wie auch bei den anderen Veranstaltungen steht dabei das Socializing im Vordergrund. Seit 2005 finden sie statt, der erste war in Köln, mittlerweile ist die Welle bereits ins ferne Silicon Valley übergeschwappt.
- Neben Webmontagen finden auch die pl0gbars abends statt. Meist in Bars oder Cafés treffen sich regelmäßig die Anhänger und Freunde des Blogs pl0g.de. In 24 deutschen Städten finden die pl0gbars mittlerweile statt. Vorträge gibt es hier keine.
- Ebenso wird beim Lunch 2.0 auf Vorträge verzichtet. Das "soziale Essen", wie es in der Selbstbeschreibung genannt wird, findet seit 2007 statt. Anfangs noch monatlich, jetzt bei Bedarf und je nach Sponsoren. Bisher fand Lunch 2.0 in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Leipzig statt. Das Konzept stammt aus den USA.
Fazit
Formate wie BarCamps oder Open Spaces werden in Zukunft einen wichtigen Platz in der Konferenzen-Landschaft einnehmen. Sie sind das perfekte Beispiel für die in andere Lebensbereiche hineingetragene Open-Source-Kultur.
BarCamps bestechen durch ihre Möglichkeit, freien Wissensaustausch zu betreiben - sowohl finanziell als auch ideologisch frei. Hinter den BarCamps steht mittlerweile eine starke Gemeinde, die sicher zum Ärger vieler Konferenzorganisatoren nicht mehr bereit ist, viel Geld für Informationen auszugeben.
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