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Startups

Barcelona – auf dem Weg zum Startup-Hub oder: Warum es auch deutsche Gründer nach Spanien zieht

    Barcelona – auf dem Weg zum Startup-Hub oder: Warum es auch deutsche Gründer nach Spanien zieht

Barcelona lockt Startups. (Foto: © Mihai-Bogdan Lazar – Fotolia.com)

Die Stadt Barcelona lockt Startups mit vielfältigen Angeboten – und auch der spanische Staat hat erkannt, wie viel Potenzial in Firmen aus dem Ausland liegt. Ein Grund auch für immer mehr deutsche Startups, sich hier umzugucken.

Barcelona will Startups und Industrie zusammenbringen

Der Business-Park 22@ in Barcelona. (Foto: Felicitas Hackmann)
Der Business-Park 22@ in Barcelona. (Foto: Felicitas Hackmann)

Barcelona. Tapas, Strand, Mobile-World-Congress. Gerade die Tech- und Mobile-affinen Leser wissen, dass der Congress im März als Auftakt der Konferenzensaison zählt. Mittlerweile zieht Barcelona aber nicht mehr nur die Samsungs, Fords, und andere Techriesen an. Letztes Jahr fand zum ersten Mal im Rahmen des MWC die 4YFN (Four Years From Now) statt – eine Startup-Konferenz, die unter anderem Whatsapp-Gründer Jan Koum zum Fireside-Chat vor die rund 2.000 Gäste lud.

Man wolle Startups und die Industrie zusammenbringen, heißt es. Dafür gibt es nicht „just another startup conference“, sondern ein umfangreiches Programm der Regierung, um Barcelona als Startup-Hub für die Digitalwirtschaft mit Fokus auf Mobile, Smart City und Internet of Things langfristig zu integrieren. Nicht im Fokus, sondern eher versteckt, entwickelt sich eine Szene, die besonders von der spanischen Regierung, der Stadt Barcelona und speziell vom Programm „Barcelona Activa“ gefördert wird.

22@ – Das Digital District für Startups in Barcelona

Einst als Barcelonas Logistik- und Industrieviertel bekannt, wurde der Stadtteil „22a“ (benannt nach einer Lizenz, die für den Wirtschaftszweig nötig war) in „22@“ umbenannt. Zwischen ein paar freien Flächen, Betongebäuden und Graffiti wurde Platz für Innovation und neue Technologie geschaffen. Insgesamt rund vier Millionen Quadratmeter sollen fast 90.000 Arbeitsplätze schaffen.

Das Viertel befindet sich im Umbau. Fast menschenleer, kaum Restaurants oder Cafés, noch kein Leben auf der Straße. Weit weg von den bunten Touristen-Gassen, ganz ohne überteuerte Paella. Nur das bunte Grafitti lenkt von den grauen Fassaden ab, die eher an ein verlassenes Dörfchen in den USA erinnert. Aber die ersten Neubauten sind entstanden und gleich neben leicht runtergeranzten Gebäuden finden sich Größen wie T-Systems und General Electric.

Das Viertel befindet sich im Umbruch. (Foto: Felicitas Hackmann)
Das Viertel befindet sich im Umbruch. (Foto: Felicitas Hackmann)

Mittendrin: Das „Barcelona Growth Center“. Auf acht Etagen sollen Gründungs- und Technikbegeisterte alles finden, was sie brauchen. Modern, schlicht, aber freundlich gestaltet, mit großen Fenstern und Holzfassaden sticht das Gebäude aus der Umgebung heraus und bringt Leben ins Viertel.

Anstatt für verschiedene Ämter durch die Stadt zu fahren, kann man im Erdgeschoss die Formulare zur Unternehmensgründung ausfüllen und sich zum Beispiel zum Thema Steuern beraten lassen. In den anderen Etagen befinden sich die zehn Teams des Accelerators „Startupbootcamp Internet of Things & Data“, Barcelonas erstes Förderprogramm für Games, Gamebcn, und bald Impact, ein Accelerator, der sich auf mobiles Internet konzentriert. In dem Haus gibt es außerdem einen Business-Inkubator und eine Universität. Überall laufen junge und nicht mehr ganz so junge Leute herum, die meisten sprechen Englisch. Sie erklären ihre Ideen, diskutieren und beraten einander.

Internationales Publikum ist gerne gesehen

Barcelona lockt Startups – mit Coworking-Spaces und Maker-Zentren. (Foto: Felicitas Hackmann)
Barcelona lockt Startups – mit Coworking-Spaces und Maker-Zentrum. (Foto: Felicitas Hackmann)

„Im Bereich Internet of Things tut sich gerade einiges in Barcelona.“

Natürlich sind mildere Temperaturen ein Plus, aber darum sei man nicht hier, erklärt Markus Kopf, Mit-Gründer von TERAKI, und aktuell im Startupbootcamp-Accelerator. Man habe sich speziell für dieses Projekt beworben, da es sein Startup weiter nach vorne bringen soll. „Im Bereich Internet of Things tut sich gerade einiges in Barcelona“, fügt Kopf hinzu.

Internationales Publikum ist in Barcelona gerne gesehen, daher ist es besonders für Gründer aus dem europäischen Ausland relativ leicht, sich für Inkubatoren- oder Accelerator-Programme zu bewerben. Während die Lebenskosten jedoch etwas über denen in Berlin liegen, bleibt ein anderes Problem das gleiche wie schon so oft in Deutschland beklagt: Investoren sind zwar bereit, Seed-Investments locker zu machen, geht es allerdings an A-Round-Anschlussfinanzierungen, trauen sie sich nicht, erzählen Gründer, wenn sie unter sich sind. Fast mit Neid blicke man nach Berlin, in eine Stadt, die für ihr Startup-Ecosystem bekannt ist.

In Barcelona wissen die meisten nichts von diesem Angebot für Gründer und Gründungsinteressierte. Hat man aber erst mal einen Fuß in der Tür, erkennt man, wie viel sich tut, wer dabei ist, und wo man hin muss.

Barcelona lockt Startups: Mit Co-Working-Spaces und einem Maker-Zentrum

Der 3D-Drucker läuft permanent. (Foto: Felicitas Hackmann)
Der 3D-Drucker läuft permanent. (Foto: Felicitas Hackmann)

Neben dem Barcelona-Growth-Center gehören auch Co-Working-Spaces wie das Betahaus oder das Maker-Zentrum „Makers of Barcelona“ für Startups zum zentralen Anlaufpunkt der Szene. Hier sitzen Kreative hinter einer Glastür, die sich nur mit MemberCard öffnen lässt und die sie von den Geräuschen aus dem Café abschirmt. Denn neben der Espressomaschine laufen dort ununterbrochen der 3D-Drucker und der Laser-Cutter.

(Foto: Felicitas Hackmann)
(Foto: Felicitas Hackmann)

Stolz präsentiert der Barista seine Holzbrettchen, in die das Logo der Location eingelasert ist. Während sich draußen Barcelona mit seinen kleinen versteckten Gassen als alte, aber bunte Stadt präsentiert, sind die Räume weiß, modern, und das Inventar zum größten Teil aus hellem Holz. An irgendwelchen Plastiktischen von IKEA und Co. will man hier nicht sitzen. Man liebt es anders, man bevorzugt es modern. Da darf ein Bitcoin-ATM, mit dem man Bitcoins kaufen, beziehungsweise umtauschen kann, natürlich auch nicht fehlen.

Am Ende ist aber neben aller staatlicher Förderung und Hilfestellungen auch die Vielfalt der Stadt ein Grund für viele, hier Fuß zu fassen. Talente lassen sich zwar mit Geld locken, aber Multikulti, Design und Kunst, Kultur und Architektur, und dass man sich noch nicht in ein gemachtes Nest setzt – all das reizt. Alt und neu, kleine Gassen, laute Straßen und nicht zu letzt das Meer inspirieren und begeistern.

Zuzüge von Unternehmen wie der Gaming-Fabrik King oder dem FinTech-Startup kantox beweisen, dass sich in Barcelona einiges tut. Weitere Accelerator und Inkubatoren sind geplant, um nationale und internationale Startups und Ideen nach Barcelona zu locken. Zwar will man auch lokale Talente fördern, doch vertrauen die Spanier darauf, dass eine Mischung aus internem und externem Know-how langfristig zum Erfolg führen wird. Neben anderen heimlich wachsenden Standorten wie Lissabon, ist Barcelona durchaus eine interessante Location, wenn man dem fast überlaufenen Berlin und dem zu teuren London entfliehen will.

Die Reise erfolgte teilweise auf Einladung von 4YFN.

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7 Reaktionen
Zbig
Zbig
15.02.2015, 12:15 Uhr

Zum Thema Lebenshaltungskosten in BCN:
Wohnungsmieten sind hier höher als in Berlin, in etwa mit gefragten Vierteln in Stuttgart vergleichbar. Kosten für Wasser/Müll/Hausreinigung sind allerdings meistens schon in der Kaltmiete enthalten.

Alles andere ist eher deutlich günstiger, wenn man sich etwas auskennt und die Tourifallen meidet. Vor allem Lebensmittel sind im Vergleich zu Deutschland richtig billig und haben oft Gourmetqualität.
Für meine private spanische Krankenversicherung zahle ich gerade mal 45,- EUR im Monat (Vollversicherung mit 350,- EUR Selbstbeteiligung/Jahr), in D habe ich zuletzt 340,- EUR/Mon. bezahlt (ohne Zähne und mit 900,- EUR SB).

GEZ, Hundesteuer, IHK-Zwangsbeiträge, etc. sind hier unbekannt ;)

Antworten

Robert Brandl
15.02.2015, 14:11 Uhr

Schöner Beitrag!
Ich finde auch dass Barcelona alles bietet was ein Startup Hub haben muss. Anfang letzten Jahres bin ich mit meinem kleinen Startup von Frankfurt nach Barcelona gezogen und habe es bisher keine Sekunde lang bereut. Die Stadt ist inspirierend und voll mit Leben. Es ist auch einfach Mitarbeiter zu finden: vor Ort gibt es wahnsinnig viele junge und talentierte Leute, es ist aber auch vergleichsweise einfach Leute aus dem Ausland zu rekrutieren. Barcelona zieht als Standort.
Wer Leute festanstellen möchte, kann mit staatlichen Förderungen rechnen, die die Sozialbeiträge deutlich senken. Was mir nicht so gut gefällt ist, dass es teilweise schon sehr bürokratisch zugeht, aber das ist in Deutschland ja auch nicht viel besser.
Kostenmäßig finde ich Barcelona viel billiger als Frankfurt, Miete, öffentlicher Transport, gutes Essen - fast alles ist hier günstiger.
Bzgl. Krankenversicherung: als Selbständiger muss man normalerweise noch noch 260€ Sozialversicherung mtl. bezahlen, für 40-50€ zusätzlich kann man sich dann privat versichern.

Robert
WebsiteToolTester

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Zbig
Zbig
15.02.2015, 18:15 Uhr

Richtig, in Spanien besteht für Sebstständige Versicherungspflicht in der „Seguridad Social", diese umfasst neben der Krankenversicherung auch Renten-, Sozial- und Arbeitslosenversicherung. Das kostet zur zeit ca. 260,- EUR/Mon. (Beitrag schwankt leicht je nach Berufsgruppe), unabhängig vom Einkommen. Man hat damit vollen Zugang zum öffentlichen Gesundheitswesen.
Eine private Zusatzkrankenversicherung braucht man dann nicht zwingend.
Die Rentenbeiträge müssten vermutlich in D bei einer Rückkehr anrechenbar sein. Bleibt man in Spanien, hat man nach 15 Jahren Anspruch auf die gesetzl. Mindestrente.
Ich habe mich hier deshalb zunächst privat krankenversichert, weil Hauptwohnsitz und Gewerbe noch in D angemeldet sind.

Übrigens, man kann in BCN im Gegensatz zu Berlin richtig gut Moutainbiken :)

Antworten

Zbig
Zbig
15.02.2015, 19:19 Uhr

Korrektur:
Der Beitrag zur Sozialversicherung ist einkommensabhängig.
80% der Selbstständigen in Spanien zahlen allerdings den Mindestsatz von zur Zeit 264,- EUR.
Für (Neu)Gründer ohne Festangestellte hat die Regierung ein Förderprogramm aufgelegt:
Erste 6 Monate zahlt man: 53,07 eur
7 bis 12 Monat: 131,36 eur
13 bis 18 Monat: 183,55 eur

Weitere Infos (spanisch):
http://www.infoautonomos.com/informacion-al-dia/seguridad-social/cuota-de-autonomos-cuanto-se-paga/

sandy
sandy
16.02.2015, 12:51 Uhr

Gibt es dort auch etwas vergleichbares wie die KSK hier in DE ???

Antworten

OnpageDoc
OnpageDoc
16.02.2015, 18:39 Uhr

Barcelona gehört einfach zu den schönsten Städten in Europa und da viele jungen Startups ortsunabhängig arbeiten können, ist es kein Wunder dass man mit besseren Städte wie Berlin, London, Barcelona usw. liebäugelt.
Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass man dort einfacher Personal rekrutieren kann, da es nicht all zu lange her ist, dass Spanien tief im Sumpf stand und vor allem die jungen, gut ausgebildeten Leute die Flucht ins Ausland gesucht haben.

Antworten

tomlaun
tomlaun
11.05.2016, 11:56 Uhr

Hallo an alle,

kann die Erfahrung in Barcelona nur teilen. Habe von 4 Monaten eine Firma gegründet, die unkonventionell Werbung macht. (Mehr dazu auf Anfrage, die Website steht noch nicht).
Was ich ausser Acht gelassen habe, ist der ganze Steuerkram. Kann mir jemand einen deutschen Steuerberater in Barcelona empfehlen??
Viele Grüsse
Tom

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