t3n News Entwicklung

„BattleHack is all about Swag!“ – Zu Besuch beim wohl spektakulärsten Hackathon der Welt

„BattleHack is all about Swag!“ – Zu Besuch beim wohl spektakulärsten Hackathon der Welt

Mit dem BattleHack hat das Programmieren zu einem spektakulären Großereignis im Stil einer Zocker-WM gemacht. Wir haben das deutsche Team bei den „World Finals“ im kalifornischen San José durch den Hacker-Wahnsinn begleitet.

„BattleHack is all about Swag!“ – Zu Besuch beim wohl spektakulärsten Hackathon der Welt

BattleHack in San José. (Foto: PayPal/Braintree)

Andreas Osowski, Ulysses Hsiúng-Luó und Hoa Huynh sehen müde aus an diesem sonnigen Samstagmittag. Den drei Entwicklern steht der Jetlag förmlich ins Gesicht geschrieben. Aus Berlin sind sie nach San José ins Silicon Valley gekommen, nicht mal 48 Stunden ist das her. Doch an Schlaf ist jetzt nicht zu denken. Konzentration ist gefragt, notfalls mit viel Koffein. Denn es geht um was.

Osowski, Hsiúng-Luó und Huynh sitzen an einem Tisch im PayPal-Hauptquartier, um sie herum etwa 50 andere Programmierer. Sie alle haben einen Traum: Sie wollen so etwas wie die Weltmeisterschaft im Programmieren gewinnen. Die Luft in dem dunklen, von blauem Scheinwerferlicht getränkten Raum ist stickig, bunte und über die Bildschirme rasende Codezeilen vermischen sich mit dem hastigen Klicken auf den Tastaturen der Laptops. Die Zeit ist knapp.

Battlehack: In 24 Stunden zu 100.000 Dollar

Beim BattleHack geht es neben 100.000 US-Dollar auch um den Dienst der guten Sache. (Foto: PayPal/Braintree)
Beim BattleHack geht es neben 100.000 US-Dollar auch um den Dienst an der guten Sache. (Foto: PayPal/Braintree)

Hacken für eine bessere Welt

Ein an die Wand projizierter Counter erinnert die drei daran, dass ihnen nicht mehr als 24 Stunden bleiben, um den Coup zu wiederholen, der ihnen erst im Sommer in Berlin gelungen ist. Damals setzten sie sich beim Vorentscheid mit einer im Eiltempo programmierten Spenden-App gegen die Konkurrenz durch – und lösten so das Finalticket zum wohl spektakulärsten der Welt: dem BattleHack. An diesem Wochenende in San José, wo die World Finals stattfinden, soll es wieder klappen. Geht ihr Plan auf, klingelt die Kasse: 100.000 US-Dollar gibt es zu holen.

Become the Ultimate Hacker for Good!“

Und doch geht es um viel mehr als das, wie schon der vom BattleHack manifestierte Claim „Become the Ultimate Hacker for Good“ beweisen soll. Programmieren für eine bessere Welt? Ja, zumindest auf Seiten der Veranstalter ist man bemüht, sich primär in den Dienst der guten Sache zu stellen: „Unser Ziel ist es, Entwickler aus allen Kontinenten zusammenzubringen und sie Probleme zu lösen lassen, die uns im Alltag nerven“, erklärt Tim Messerschmidt, Developer-Evangelist bei PayPal und Mitorganisator des BattleHack. Das könne ein Ortungsdienst für Familienmitglieder, ein Datenanalyse-Tool für Pandemien oder auch eine Spenden-App sein. In Sachen Kreativität sind den Teilnehmern des BattleHack keine Grenzen gesetzt, das Endergebnis müsse, so Messerschmidt, nur einen sozialen Hintergrund haben – und natürlich eine PayPal-Integration.

„Wir hatten mehrere Ideen auf dem Zettel“

Das deutsche Entwicklerteam um Andreas Osowski, Ulysses Hsiúng-Luó und Hoa Huynh. (Foto: PayPal/Braintree)
Das deutsche Entwicklerteam um Andreas Osowski, Ulysses Hsiúng-Luó und Hoa Huynh. (Foto: PayPal/Braintree)

Für einen von langer Hand ausgetüftelten Masterplan haben die Teams aber keine Zeit. Mentale Vorbereitung? Ja. In Frameworks einarbeiten? Ja. Schon vorab an einem Prototypen basteln? Keinesfalls. „Alle Teams fangen hier mit null Zeilen an“, sagt Messerschmidt. Entsprechend viel Zeit hat man sich auch beim deutschen Entwicklerteam gelassen, sich die zündende Idee für das Finale zurechtzulegen. „Wir hatten mehrere Ideen auf dem Zettel skizziert, für die aus unserer Sicht beste haben wir uns aber erst im Flieger entschieden“, sagt Osowski.

Geworden ist es am Ende eine Android-App, mit der Nutzer die Kontrolle über lästige Billboards an urbanen Plätzen zurückgewinnen sollen. „Wir glauben, dass öffentliche Werbung auch in öffentliche Hände und nicht länger in die von Großkonzernen gelegt werden sollte“, erklärt Osowski und ergänzt: „Mit unserer App können Nutzer, die mit ihrem Smartphone in die Nähe eines Billboards kommen, für geringe Geldbeträge die bestehende Werbung einfach durch karikative Anzeigen oder Fotos aus dem Flickr-Stream ersetzen.“

Mit Cupcakes und Masseuren um den Globus

Ob's so mit dem Sieg klappt? Osowski und seine Kollegen scheinen zumindest die Ruhe weg zu haben: „Eigentlich sind wir noch ganz relaxed, die Aufregung bei so einem Hackathon kommt erst, wenn man erfährt, an was die anderen Teams so arbeiten.“ In der Tat ist die Konkurrenz in San José groß, kurz vor dem Startschuss stellen die Teams ihre Ideen vor. Das Team aus London verspricht etwa, innerhalb von 24 Stunden eine zukunftsweisende E-Learning-Plattform für Schulkinder zu bauen, Team Chicago will Obdachlosen mit einer Desktop-Applikation zu neuen Jobs verhelfen und das Team aus Istanbul propagiert eine lokale Crowdfunding-Plattform für Menschen in Not.

„BattleHack is all about Swag!“

Die Ideen beim BattleHack sind so gesehen simpel – der Rahmen, den PayPal ihnen gibt, ist dafür allerdings umso größer. Um geeignete Finalteams ausfindig zu machen, tourte man zuvor mit kleinen Ablegern des Events durch 14 Metropolen auf vier Kontinenten. Sidney, Singapur, Tel Aviv, Moskau, Mexico City, San Francisco. Messerschmidt und sein Team haben den BattleHack, den es erst seit etwas mehr als einem Jahr gibt, unter dem Dach des Payment-Pioniers in wenigen Monaten zu einem globalen Hacker-Event mit dem Charme einer riesigen Geburtstagsparty gemacht.

Wie viel sich PayPal das Event in Kooperation mit seiner Schwesterfirma Braintree kosten lässt, kann oder will man nicht verraten. Doch es sieht teuer aus. Unter einer der goldenen der Sieger-Axt nachempfundenen Eisskulptur wird Sushi serviert, es gibt Cupcakes, eine Saftbar, eisgekühlte Spirituosen, einen DJ, einen Schlafraum, einen Game-Truck, Goodies und jede Menge Masseure. Ein ungewöhnlich dekadentes Ambiente für einen Programmierwettbewerb. Und so passt es auch ins Bild, dass die BattleHack-Macher die Teams am Mittag mit den Worten „BattleHack is all about Swag!“ an die Tische schicken.

Die Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden

„Wenn du den Prototypen nicht fertig bekommst, ist das der Super-GAU.“

Was in den nächsten 24 Stunden alles schief gehen kann? Vieles. Glaubt man dem Video, das die Macher unter dem Titel „How to survive a BattleHack“ veröffentlicht haben, ist die Angst vor einem Systemcrash genauso groß wie die vor dem Einschlafen. Entsprechend empfohlen werden kurze Nappings. Laut Osowski, der in diesem Jahr schon an acht Hackathons teilgenommen hat, spiele aber vor allem der Faktor Zeit eine wichtige Rolle: „Der Super-GAU tritt immer dann ein, wenn du deinen Prototypen beziehungsweise die Präsentation nicht rechtzeitig fertig bekommst. Dann stehst du am Ende der 24 Stunden mit nichts als leeren Händen da.“

Am Ende wird dieser Fall zum Glück für keins der 14 Entwicklerteams eintreten. Wohl auch deshalb, weil der Hack-Wahnsinn zwischenzeitlich nur von einem gemeinsamen Abendessen mit hochrangigen PayPal-Mitarbeitern unterbrochen wird. Eine gute Gelegenheit, sich letzte Tipps zu holen oder die Strategie womöglich noch mal zu ändern. Ein paar Stunden noch, dann ist Präsentation.

BattleHack in San José: Der Sieger kommt aus Tel Aviv

Die Demo, die das deutsche Team um Andreas Osowski, Ulysses Hsiúng-Luó und Hoa Huynh am nächsten Nachmittag präsentieren, funktioniert. Es gibt viel Applaus, auch weil das Produkt im Gegensatz zu manch anderen Teams greifbar ist. Für die 100.000 Euro hat es trotzdem nicht gereicht. Zu gut ist die Idee, die das israelische Team aus Tel Aviv über Nacht zusammengefrickelt hat. Mit ihrer App lassen sich Anrufe und SMS ohne Mobilfunk- oder WLAN-Verbindung im Katastrophenfall über ein Mesh-Netzwerk verschicken. Eine gute Sache, findet auch die Jury.

Mit einer App, über die man ohne Mobilfunk- und WLAN-Verbindung Anrufe und SMS verschicken kann, gewann das Team Tel Aviv die 100.000 US-Dollar. (Foto: t3n)
Mit einer App, über die man ohne Mobilfunk- und WLAN-Verbindung Anrufe und SMS verschicken kann, gewann das Team Tel Aviv die 100.000 US-Dollar. (Foto: t3n)

Und das deutsche Team? Enttäuschung? Frust? „Es ist weniger die Enttäuschung als die Tatsache, dass wir alle völlig übermüdet sind“, sagt Osowski. Man freue sich jetzt einfach auf das Hotel. Der nächste BattleHack komme aber bestimmt. „Du kannst immer neue Menschen kennenlernen und hast die Chance, für 24 Stunden einfach mal ohne Ablenkung an einem Projekt zu arbeiten“, so Osowski. Und: „PayPal hat einfach das beste Essen!“

Übrigens: Hackathons wie den Battlehack gibt es auch in Deutschland. Wo und wann? Das verrät euch unsere Übersicht.

t3n im Silicon Valley

daniel_huefner_t3nDaniel Hüfner berichtet für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Startups und interessante Orte des Tech-Epizentrums. Auf Twitter bekommt ihr zudem weitere Eindrücke von der US-Westküste.

Die Reise erfolgte auf Einladung von PayPal.

Newsletter

Bleibe immer up-to-date. Sichere dir deinen Wissensvorsprung!

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Webentwicklung
Hackathon-Übersicht 2015: Die kommenden Events für Hacker im deutschsprachigen Raum [Update]
Hackathon-Übersicht 2015: Die kommenden Events für Hacker im deutschsprachigen Raum [Update]

Wir haben Hackathons für euch gesammelt, die in nächster Zeit im deutschsprachigen Raum stattfinden. Wenn euch ein wichtiges Event fehlt, dann freuen wir uns über einen Hinweis in einem … » weiterlesen

8 PayPal-Alternativen, die du kennen solltest
8 PayPal-Alternativen, die du kennen solltest

PayPal gilt nach wie vor als Branchenprimus unter den Zahlungsdiensten im Internet. Der Bezahldienst ist sicher und bequem – aber längst nicht so vielseitig. Da lohnt der Blick auf Alternativen. » weiterlesen

Risiko zu hoch? PayPal streicht Käuferschutz für Crowdfunding-Kampagnen
Risiko zu hoch? PayPal streicht Käuferschutz für Crowdfunding-Kampagnen

Ab Ende Juni will PayPal nicht mehr die Risiken für Crowdfunding-Kampagnen übernehmen – das Risiko ist dem Bezahldienstleister offenbar zu hoch. Der Käuferschutz für Kickstarter und Co. » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?